Therapie mit Käsebrot

„Du siehst erschöpft aus, Sofie.“, sagt Sie nach einer anstrengenden Stunde.
Ich nicke, weil der Kopf so voll ist, dass er schon wieder leer wird und ich keinen Gedanken mehr fassen kann, geschweige denn einen ganzen Satz formulieren.
„Wollen wir eine kurze Pause machen?“
„Ja, fünf Minuten vielleicht. Das wäre gut.“, antworte ich.
„Magst du etwas trinken?“, bietet sie mir an.
Ich greife wie in Trance nach dem Wasserglas, das sie mir hinhält und nehme einen Schluck, ehe ich es zur Seite stelle.
Sie wühlt kurz in ihrer Tasche uns zieht eine kleine weiße Tüte hervor.
„Ich hab euch was mitgebracht. Für die Kleinen, die so Hunger haben.“, sagt Sie, holt ein Stück Brot mit Käse aus der Tüte und gibt es uns.
Unsere Finger berühren sanft tastend das Käsebrot und krallen sich kindlich so daran fest, dass klar ist, dass wir es nie mehr wieder hergeben werden.
Unsicher und mit Angst schaue ich auf das Brot in meinen Händen, weil ich die Geste sehr nett finde und so gerne essen würde, aber dennoch seit Monaten nichts essen kann. Sagen, dass es leider nicht geht möchte ich aber auch nicht, nicht ihre Hilfe und die Mühe, die Sie sich macht, ablehnen. Sind wir doch so dankbar, wenn uns derzeit jemand beim Essen unterstützt.
„Lass es die Kinder essen, Sofie. Ich weiß schon, dass es für dich nicht geht, aber die Kinder haben Hunger.“, lächelt Sie mich freundlich an, als hätte Sie meinen inneren Kampf mithören können.
Und weil ich so erschöpft bin und mich nicht mehr gegen den inneren Ansturm wehren kann, kippe ich müdtraurig auf dem Sofa zur Seite und versinke irgendwo weit weg.
Als ich wiederkomme sitzt meine Therapeutin neben mir auf dem Sofa. Vom Brot, das ich immer noch fest in meinen Händen halte fehlen ein paar Bissen. In meinem Mund der langsam verblassende Geschmack von Essen. Wir reden über Lieblingsessen, was die Kleinen mögen und wechseln einfach noch einige Worte.
Dann machen wir einen neuen Termin aus und verabschieden uns.
Der Rest des Käsebrotes wird mit nach Hause genommen.
„Vielleicht ja später fertig essen.“, schlägt die Therapeutin vor.
Innen schwingt das kleine Glück.
Wir haben gegessen.
Ein paar Innenkinder lächeln.
Danke für das Käsebrot!

Dissoziation – ein Erklärungsversuch

Gestern haben wir auf dem Blog von „Hinterherleben“ diesen Beitrag zur Dissoziation entdeckt. Da wir den total gut finden und er aus ganz persönlicher Sicht beschreibt, was Dissoziation praktisch im Alltag bedeutet, wollen wir den nun hier rebloggen.

Buchstabensuppe mit Milchreis und Zimt

Ich möchte schreiben. Irgendetwas. Einfach nur ausdrücken. Was auch immer. Bloggen. Denn theoretisch, glaube ich zumindest, hätte ich Spaß daran, wenn sich die Buchstaben in meinem Kopf zu Worten sortieren ließen.
In meinem Kopf bröseln die Buchstaben wild durcheinander, schwirren vor meine Augen und durchwandern unsortiert meine Gehirngänge. Von Zeit zu Zeit formatieren sie sich zu brüchigen Wortteilen, ehe sie wieder irgendwo versinken.
Programme – Therapie – Anstrengung – bilden die ABC-Fetzen sich zu Worten.
Und weil die Programme ihrerseits selbst Worte bilden, wird es voll im Kopf und ungreifbar. Nur „Klirren“ und „Zerspringen“ bleiben über. „Die Glaskönigin“ flüstert es im Hinterkopf und macht auf ein Stück Mind-Control-Verwirrungs-Erlebnis aufmerksam, das noch zu fragmentiert ist um es wirklich zu begreifen.
Die bunten Buchstaben schwirren weiter und bilden aus einem Kindermund das Wort „Monsterchen“ ehe mein Körper sich in Bewegung setzt, um das Monsterchen zu holen und auf unseren Schoß zu setzen. Schließlich soll es ja bei uns sein dürfen.
Lutscher. Hunger. Vorlesen.
Erinnerung. Müde. Langeweile.
Malen. Angst. Geborgenheit.
Telefonieren. Reden. Spaß.
Schweigen. Hüpfen. Vorfreude.
Traurigkeit. Lachen. Gemeinsamkeit.
Die Buchstabengebilde treffen sich, nur um direkt anschließend wieder zu zerfallen und mal mehr, mal weniger Sinn zu ergeben. Manche kämpfen miteinander und fechten um die Reihenfolge der Umsetzung, des von ihnen ausgedrückten Inhaltes oder bilden sich besonders häufig, um sicher zu gehen wahrgenommen zu werden.
Aktuell kann der Kampf „Hunger“ gegen „Müdigkeit“ live beobachtet werden, denn er möchte gestillt werden, auch wenn manche sich zu schlapp fühlen, um Essen zu machen. Ebenso finden die Austragungen zu „Dissoziation“ gegen „Gegenwart“, „Eigene gegen fremde Worte“,“Bewegung“ gegen „Ruhe und Liegen“ und einiger anderer wichtiger innerer Uneinigkeiten statt.
Nicht zuletzt sind da auch noch die Rangeleien um die körperliche Vorherrschaft „Klein gegen Groß“ frei nach dem Motto „Gleiches Recht für alle“.
Während ich weiter die Buchstabenworte im Kopf beobachte formatieren sich die ersten vorläufigen Kampfergebnisse für das Duell „Hunger gegen Müdigkeit“. Der Hunger hat sich durchgesetzt, so dass ich mich nun doch aufmachen muss, um mir etwas zu essen zu machen. Hmm, aber was?
Zeit und Platz für neue Gefechte.
Buchstabensuppe mit Milchreis und Zimt.

Wenn Zweifel Traumafolgen sind…

„Dissoziation bedeutet, dass wir eine Erfahrung als eigene Erfahrung gleichzeitig anerkennen und nicht anerkennen: Während ein bestimmter Teil Ihrer selbst sie wahrnimmt, weist ein anderer sie von sich.“
S.Boon, K.Steele, O. Van der Hart, „Traumabedingte Dissoziation bewältigen“

Wir schließen für uns gerade daraus, dass Zweifel somit eher Hinweise darauf sind, dass die Gewalt passiert ist, als dass sie nicht passiert ist, weil sie zu den dissoziativ bedingten Traumafolgen gehören.
Wenn ich das was geschehen ist nicht wahrnehme, bzw. wahrnehmen kann, weil die Erfahrungen dissoziiert sind, dann sind sie für mich nicht existent. Andere innen können bestimmte Erfahrungen wiederum wahrnehmen, weil sie für sie, im Gegensatz zu mir, nicht dissoziiert sind.
Die daraus resultierenden verschiedenen Wahrheiten führen zu Diskrepanzen und zu Zweifeln an meiner Wahrnehmung als Alltagsperson, weil das was ich von innen erzählt bekomme stark von meinem (Er-)Leben abweicht.
Wenn ich etwas von innen erzählt bekommen habe blieb es für mich zunächst oft dennoch vage und ungreifbar, weil ich es nicht als eigenes Erleben bewusst wahrnehmen konnte. Es unterschied sich so sehr von meiner bewusst wahrnehmbaren Geschichte, dass mir das einfach nicht passiert sein konnte. „Das ist mir nicht passiert. Anderen vielleicht. Aber nicht mir.“ Und irgendwie ist es ja genau so… Mittlerweile bemühe ich mich darum den Innenleuten dennoch zuzuhören.
Es ist vielleicht nicht die neueste Erkenntnis, aber für uns ist es trotzdem wichtig, das grade nochmal so zu bemerken.

Schlafmützchen

 © Copyright by "Sofies viele Welten"

Copyright by „Sofies viele Welten“

Die kleinen orangen „Schlafmützchen“ sind schon dabei ihre Blüten zu schließen und wir sind heute auch ziemlich müde. Drum werden wir es uns jetzt auf unserem Sofa gemütlich machen und bald ins Bett gehen. Wir wünschen allen Lesern und Leserinnen eine gute, ruhige und erholsame Nacht!
Bis Morgen! 🙂
*gähn*

P.s: Die wilde Wuchsform der „Schlafmützchen“ hilft gegen Schlafstörungen, Schmerzen und Unruhe, sowie bei nervöser Übererregtheit und Ängsten. Sie sind Bestandteil von verschiedenen Fertigarzneimitteln. Wahlweise kann das getrocknete Kraut auch als Tee zu sich genommen werden.
Bitte nur selber sammeln und zubereiten, wenn man sich damit wirklich auskennt! Für die Anwendung übernehmen wir keine Haftung!

Herr lass Hirn vom Himmel fallen…

…oder Steine.
Ist mir egal. Hauptsache du triffst.

(Quelle unbekannt)

Maaaaaaan ist das heute ein Tag…

Splitter im Kopf

Splitter im Kopf
Wie eine Bombe
Messerscharf
Zerborsten

Splitter im Kopf
Wie Spiegelscherben
Spitz steckend zwischen den Synapsen
Verworren

Splitter im Kopf
Wie Trennwände zwischen den Welten
Eiskalt klirrend
Wattig

Splitter im Kopf
Wie Fallen im Nebelwald
Unpassend verpuzzelt im Erinnerungswirrwarr
Verschollen

Splitter im Kopf
Wie Fragmente aus fremden Leben
Schneidende Unterbrechungen im Gedankenfluss
Schmerzend

Splitter im Kopf
Wie Waffen aus längst vergangenen Zeiten
Gespeicherte Bedrohungen
Gefährlich

Splitter im Kopf
Wie Suchende nach ihren verlorenen Teilen
Nach Vervollständigung sehnend
Zweifelnd

Splitter im Kopf
Wie die Seele, des Mädchens, die sich teilte
Viele
Fragend

© Copyright by „Sofies viele Welten“

„Jenseits des Vorstellbaren“ – Die Kultüberlebende Jeannie Riseman zu Dissoziation

Als wir vor längerer Zeit mal wieder eine Zweifelkrise an der mittlerweile eigentlich mehrfach bestätigten Diagnose DIS hatten, haben wir den Ausschnitt aus einem Text der Kultüberlebenden Jeannie Riseman zu lesen bekommen, der uns sehr geholfen hat, das innere Chaos und die immer wiederkehrenden Programmschleifen gegen das erkennen der eigenen inneren Strukturen zu sortieren und die inneren Entweder/Oder-Kämpfe etwas zu mildern. Darum möchten wir hier einen Auszug aus dem Text mit freundlicher Genehmigung des „Asanger Verlags“ wiedergeben:

„Klinisch gesprochen werden die Menschen heute generell in entweder multipel/nicht-multipel oder innerhalb eines Spektrums der Dissoziation gesehen. Entweder/oder mit einer deutlichen Abgrenzung – oder viel/wenig mit Abstufungen. Was mir \“passend\“ erscheint, ist ein Modell, welches zulässt zu beschreiben, dass Informationen auf vielerlei Weise gleichzeitig gespeichert werden. In meinem Büro speichere ich einen Großteil derselben Informationen auf dem Computer, auf Disketten, auf Papier in einem Aktenschrank und lege sie (außerdem noch) in einem unordentlichen Haufen auf dem Boden ab. Vieles ist überflüssig. Wenn ich wollte, könnte ich auch noch Audio- oder Videokasetten oder CDs hinzufügen und so die Anzahl der Speichermethoden erhöhen. Außerdem könnte ich den ganzen Wust auswendig lernen oder in Form von Petroglyphen (Höhlenbildern) anlegen. Die Ablagesysteme wären zwar andere, doch die Informationen wären dieselben. Auch kann ich diese Informationen auf vielerlei unterschiedliche Weise ordnen. Nach Namen, bildhaften Darstellungen, Größe, Datum, Autor oder Titel oder chronologisch, nach dem Dezimalsystem. Die Informationen lassen sich in hunderte von Sprachen übersetzen. Es können Querverweise gemacht werden. Wenn man diese Fülle von Systemen betrachtet – welches ist dann das \“echte\“ Betriebssystem? Da die Kultinformationen in meinem Kopf gespeichert sind, glaube ich, dass alle Speichersysteme gleichermaßen \“echt\“ sind. Ich kann gleichzeitig multipel, nicht-multipel, eine \“schlummernde\“ dissoziative Identität, eine potenzielle dissoziative Identität und so weiter sein. Ich \“bin\“ das System, das ich gerade anwende. In einem klassischeren Sinne kann ich gleichzeitig bewusst und unbewusst Informationen speichern. Ich kann sie in Form von Handlungen sowie von Wörtern abspeichern. Mein Körper \“weiß\“, wie man Fahrrad fährt, und vergisst es nicht, wenn ich es schaffe dieses Wissen in Worte zu fassen um einem anderen Fahrradfahren beizubringen. Doch meistens ist es mir im Alltag nicht präsent. Es gibt vieles, was \“wirklich\“ bewusst ist, wenn ich daran denke und wirklich unbewusst, wenn ich nicht daran denke, und \“wirklich\“ teilbewusst, wenn es mir im Hinterkopf umherschwirrt oder mir auf der Zunge liegt. Ich muss keine Wahl treffen: Die Zuschreibungen können hintereinander oder auch gleichzeitig richtig sein.\“

Jeannie Riseman in „Jenseits des Vorstellbaren – Therapie bei Ritueller Gewalt und Mindcontrol“ von Alison Miller, Seite 138, Asanger Verlag

Auch, wenn wir nicht in jedem Punkt, mit der Autorin des Textes übereinstimmen, so finden wir doch das Beispiel mit den „Ablagesystemen“ sehr passend.
Für uns zeigt das sehr deutlich, das das erkennen der DIS an uns selber erschwert sein kann, wenn wir im Gehirn ein „Ablagesystem“ nutzen, bzw. Tätergewollt nutzen müssen, in dem nur ein Teil der Informationen über unser Dasein abgelegt worden ist. Wir müssen nicht darüber nachdenken ob wir nun multipel sind, oder nicht. Das das „Ablagesystem Multipel“ bei uns grundsätzlich existiert, hat sich oft genug gezeigt. Wenn ich mich als Alltagsperson gerade nicht als multipel wahrnehme, weil ich die anderen Innens aus welchen Gründen auch immer nicht wahrnehmen kann, heißt das nicht, dass die komplette Diagnose nicht mehr stimmt oder falsch war. Genauso wenig, wie ein Ordner am PC nicht nicht mehr vorhanden ist, nur weil ich mich grade mit einem Unterordner beschäftige und so nur einen Teil der Information einsehen kann. Es heißt nur, dass es für mich für den Moment keinen Zugang dazu gibt. Ich fühle mich dann vielleicht nicht multipel, dennoch bin ich es zu jeder Zeit.
Da wir oft nicht bewusst und aktiv steuern können, welches der „Systeme“ uns zugänglich ist oder welches wir nutzen wollen, möchten wir Jeannie Risemans Aussage „Ich /“bin“/ das System, das ich gerade nutze!“ für uns mit „…oder nutzen muss, bzw. kann.“ ergänzen.
Wir sind immer wir, aber die eigene Definition unseres Selbst hängt stark mit dem zusammen, was wir gerade fähig sind von uns wahrzunehmen.

Neues vom Monsterchen – Sommergrüße

Copyright by "Sofies viele Welten"

Copyright by „Sofies viele Welten“

Hallo, 🙂
hier bin ich mal wieder, euer Monsterchen.
Lange war nun nichts mehr von mir und meinen kleinen Schützlingen zu lesen.
Mit den kleinen Innens zusammen erlebe ich gerade eine Menge Sommerspaß. Allerdings war es die letzten Tage so heiß, dass selbst mir der Monsterschweiß auf der Stirn stand. Zudem musste ich ganz schön auf den Kreislauf von meiner Familie aufpassen. Da half nur ruhig verhalten, ab und zu mal plantschen und kühle Plätzchen suchen. Alle Versuche eine Klimaanlage zu imaginieren scheiterten. Die Abendstunden genossen wir im kühlen Graß mit etwas kühlendem Monsterwassertrunk. Unbekannte Flugobjekte mit langem Saugrüssel gingen uns dabei mit der Zeit leicht auf die Nerven, aber das ließ sich hinkriegen.
Ansonsten sind die kleinen außerhalb der Therapiestunden im Moment eher weniger draußen, weil wir etwas vorsichtig mit der Großen sein müssen. Die reagiert derzeit sehr empfindlich, was die Stimmen im Inneren angeht. Aber wir haben Verständnis und arrangieren uns. Die Kleinen sagen mir immer, dass es wohl bestimmt auch an ihrem Alter liegt. Da wird man nunmal vergesslich und weniger belastbar. 😉
Monsterlangeweile kommt aber trotzdem nicht auf. Etwas zu entdecken gibt’s schließlich immer und abends im Bett bin ich als Einschlafhilfe auch voll beschäftigt.
Jetzt lege ich allerdings erst mal die Füße hoch und genieße die Temperaturen und den lauen Wind, der mittlerweile sanft weht.
Ich freue mich weiterhin auf eine bunte Sommerzeit und wünsche euch allen tolle Sonnentage!

Bis Bald,
euer Monsterchen 🙂

° 

„Emotionen sind kein Luxus,
sondern ein komplexes Hilfsmittel im Daseinskampf.“

Antonio R. Damasio