„Da müssen Sie ein inneres Team bilden“

…sagte die Therapeutin.
„Die Idee ist gut!“, denke ich und frage mich gleichzeitig, wie das funktionieren soll.
Nicht, dass es das erste Mal wäre oder, dass ich das noch nie versucht hätte, aber in Bezug auf bestimmte Alltagsaktivitäten bekomme ich das einfach nicht hin. Letztendlich bin es doch immer ich, die diese Dinge übernehmen muss und mir fehlen dafür derzeit langsam einfach die Kräfte, so dass ich Unterstützung gut gebrauchen könnte.
Aussagen wie: „Irgendjemand ist immer da, der dann übernehmen kann.“ oder „Wer da innen von euch kann das denn? Eine/Einer innen kann das immer.“ bringen mich auch nicht weiter, wenn ich nunmal „den Einen oder die Eine“, die das Problem lösen könnte, nicht finden kann. Im Gegenteil, gerade lassen sie mich eher (Ver-)Zweifeln.
„Wenn das bei Multiplen so funktioniert…“ denke ich, „…dann kann ich nicht viele sein.“ Manchmal wird der Gedankengang dann von Sätzen ergänzt, wie: „Ist ja logisch, wenn du die anderen nur spielst, dann können sie auch kein Team bilden, weil sie ja gar nicht da sind.“
Und schon haben die (sicher tätergewollten) Zweifel wieder einen Fuß in der Tür, wo sie gar keinen haben sollen, weil ich ja eigentlich mittlerweile weiß, dass ich viele bin. Ich versuche sie wegzuwischen und mich nicht darauf einzulassen.
Dennoch, es frustriert mich langsam die Geschichten von gut funktionierenden Alltagsteams zu hören und gleichzeitig bewundere ich das.
Wie um alles in der Welt funktioniert das!?
Wo bekomm ich sowas her!?
Was macht man, wenn sich bei allen Bemühungen keiner finden lässt, der eine bestimmte Aufgabe übernimmt!?
Ich finde es jedesmal faszinierend, wenn meine Therapeutin davon erzählt, wie andere das machen. Dass sie sich z.B. die Arbeit aufteilen, wenn es um bestimmte Anrufe geht. Dass sie das einfach innen so abgesprochen haben und dass das dann gut funktioniert.
Ich staune und grüble…
Wenn ich äußere, dass ich etwas nicht kann oder überfordert damit bin kommt meist sofort diese Frage, wer das denn dann kann. Denn „Irgendjemand innen kann das immer.“ Das sind die Aussagen, die ich höre und doch sind sie von meiner Realität recht weit entfernt.
Und ich Frage mich auch: „Stimmt das?“
Kann irgendjemand innen wirklich immer das, was ich nicht kann? So gesehen müssten Menschen, die viele sind dann ja die totalen Genies sein, weil sie alles können.
Und wenn es stimmt und da innen vielleicht ja sogar jemand ist, der das könnte, was ich nicht kann, dann heißt das ja noch lange nicht, dass ich immer den Zugang finde, oder!?
Ich werde wohl noch etwas weiter suchen und mit meinen derzeit verfügbaren Innens nach für uns praktikablen Lösungen Ausschau halten müssen.
Ich bin gespannt…

25 Kommentare zu “„Da müssen Sie ein inneres Team bilden“

  1. Also ich kann die aus meiner Lebensrealität sagen, dass es auch bei mir keine inneren Absprachen oder „einer im Inneren kann das immer“ gibt!
    Ich stehe ebenso wie du staunend vor der Aussage, dass andere Systeme das so oder so machen.
    Ein inneres Team… auch schon oft gehört.. Zuerst hat es mich zur Verzweiflung getrieben, weil ich glaubte, dass ich mich einfach nicht genug anstrenge! Soll doch bitte auch mal jemand sagen, wie ich das machen soll!

    Also ich gehöre definitiv nicht zu den Vielen, bei denen solche Sachen funktionieren:(

    • Hallo, 🙂
      wir finden es grade total erleichternd zu hören, dass es euch da ähnlich geht, auch wenn das natürlich für euch total doof ist.
      Das ich mich mehr anstrengen müsste, denke ich dann auch immer, weiß aber nicht wie oder in welcher Hinsicht. Immerhin versuchen wir es ja…
      Danke dir/euch für die Rückmeldung! 🙂

    • Ja, mehrmals. Hat aber leider nicht zu den gewünschten Ergebnissen geführt… 😦
      Wobei innere Konferenzen auch so eine Sache ist, die uns extrem schwer fällt. Viele unter einen Hut zu bringen ist oft gar nicht leicht.

      • Hm… du musst anfangs eigentlich nur die mit dem meisten Einfluss unter einen Hut bringen… aber selbst da ist es nicht gewährleistet, dass sie sich an Absprachen halten oder Kompromisse eingehen.
        Vielleicht muss man das üben? Keine Ahnung… :-/ Oder bestimmte Gegebenheiten schaffen, damit die Anteile tatsächlich kooperieren. Ich glaube nicht, dass es keine Teile in dir gibt die sich zuständig fühlen. Vielleicht hälst du selbst viel zu sehr an der Kontrolle fest? Unbewusst, nicht absichtlich. Weißt du was ich meine?

      • Hmm… woher weiß man denn, wer und wo die mit dem meisten Einfluss sind? Oder wie man die findet?
        Das mit der Kontrolle muss ich jetzt einfach mal wirken lassen und sehen, was sich daraus ergibt. Ich weiß, was du meinst. Als Ansatz auf jeden Fall wichtig nochmal überdacht zu werden. Wäre ja schade, wenn es daran scheitert. Danke für die Anregung! 🙂

    • Also ich glaub, wenn mir meine Therapeutin von anderen erzählt, also wie andere „Systeme“ das hinkriegen, würde ich als alltagsperson erst recht blockieren, in dem Moment, in dem ich, mich mit anderen vergleichend, nach aussen kucke, würde ich mir verunmöglichen, nach innen, zu meinem zu kucken, was ohnehin schon schwer ist, weil ich die da drinnen ja oft genug gar nicht oder noch nicht gut genug wahrnehme und kenne.

      Sprich: bevor ich mich nicht wieder frei gemacht hätte von den Idealvorstellungen, die mir die Helferin vorgesetzt hat, geht da nach innen gar nichts, weil der Blick vpn der uns vielleicht nicht ganz gemäßen Vorstellung, wie es gehen könnte , dann noch verstellt ist. Und das ist nur das eine Hindernis, das andere, das sind wir selbst, die wir uns im Weg stehen dabei mit allzufixen, vielleicht auch allzunormalen und eingeengten Vorstellungen von einem Team, davon wie team für uns aussehen könnte.

      Und letztlich zählen doch auch die alltagsperson/en zum System, das doch eigentlich genau das ist: ein team, ein team mit großen Hindernissen, ja, aber ein team oder nicht? Auch der alltagsperson/den alltagspersonen gilt es doch, immer wieder das gleiche Verständnis entgegenzubringen, das wir den Innens dankbarerweise recht selbstverständlich entgegenbringen. Sie verlangen sich oft genug alles ab, um das innere zu schützen, es ist ihr Job.

      Ich weiß nicht, ich hab grad so ein Bild im Kopf, so eine Sicht aus der anderen Ecke sozusagen, dass innenanteile aus so einer Sicht heraus vielleicht auch dazu bewegt werden könnten, der AP hier und da auch mal eine Aufgabe abzunehmen.

      Ein Blick über das adlernest

  2. Noch einen Nachtrag: wenn man sich bewusst macht, dass bestimmte Teile auch eine bestimmte Funktion haben (und z.B. nur auf gewisse Trigger wie große Angst oder Unwohlsein reagieren), dann kann ich nachvollziehen, dass sie sich nicht unbedingt angesprochen/aktiviert fühlen. Ist vielleicht auch eine Frage wie bewusst sie sich der ganzen Lage überhaupt sind. Ich kenne dich nicht gut genug um das zu beurteilen. Führt ihr ein gemeinsames Tagebuch?

    • Ein Tagebuch in dem Sinne für, dass wir wirklich täglich darin schreiben, führen wir nicht, aber es gibt einen Ort, wo wir uns immer wieder schreiben, wenn es wichtig ist. Da liegt auch immer Papier und Stift bereit.

      • Probier es doch mal darüber 🙂 So nach dem Motto: suche Mitarbeiter für ein Projekt. Ist jetzt nur so eine Idee, ich weiß nicht ob das bei dir funktioniert. Es gab Zeiten, da wünschte ich mir auch jemand anderes würde übernehmen. Aber so viele freundliche, opferbereite Samariter hat man dann doch nicht in sich – meistens ist man das sogar selbst.
        Ich fand es schwierig die Anteile auszumachen die wirklich Einfluss und Kontakt haben, denn das sind nicht immer die lautesten. Und manche interessieren sich so gar nicht für die Belange der anderen (ohne zu merken, dass es auch immer die eigenen Belange sind).

      • Ich kann ja die Stelle mal ausschreiben. 😉
        Vielleicht meldet sich ja jemand.
        Das ist sicher auch noch eine Schwierigkeit, dass mache sich vielleicht gar nicht angesprochen fühlen…

  3. Hier funktioniert es mittlerweile zwar ziemlich oft, aber von immer oder generell ist das dennoch weit entfernt.

    Und Aussagen wie „du musst … eigentlich nur“ lassen unsereins heute noch die Hutschnur platzen. Es ist weder „nur“, noch ist es „eigentlich“ und erst recht nicht „musst“.

    Unsereins „musste“ das auch nicht, sondern hat sich im Laufe der Zeit entschiedenen einen eigenen Weg zu gehen. Einen Weg, den manche als „eigentlich“ nicht möglich und andere mit du „musst“ „nur“ wollen kommentiert haben.

    Unsereins kennt multiple, die sich entschieden haben als Team zusammen zu arbeiten, welche die Einzelkämpfer sind und welche die die Innenlandschaft ignorieren. Jedes dieser Systeme hat für die jeweiligen irgendwie funktioniert (und tut es noch) und es ist ihr Lösungsansatz.

    Die Frage die sich wahrscheinlich stellt: Welches ist denn der Lösungsansatz den du/ihr als für dich/euch „gewünscht“ definiert. Denn nur dann kann das „gewünschte Ergebnis“ auch erreicht werden…

    • Ja, das „du/ihr müsstet nur wollen“ kann ich auch schon nicht mehr hören…

      Ich denke, wir würden schon gerne zusammenarbeiten und ein gutes Team werden. Teilweise hat es früher ja auch schon in Ansätzen funktioniert. Wir bräuchten da eben nur Unterstützung, weil wir es alleine nicht besser hinbekommen gerade.

  4. eher gegenteilig wirkt es bei mir in der richtung teambildung/konferenz etwas zu versuchen. im inneren regt sich widerstand und bestrafung wenn restich gegen nicht erkennbare gesetze nach denen es wohl irgendwie geregelt ist was zu tun und zu lassen ist verstoße. höre wohl nach innen ob widerstand da ist, dadurch bin ich in eine ziemliche handlungsunfähigkeit gerutscht. die angst von früher regiert da noch sehr, da kann ich nur im kleinen gegen handeln. manchmal traue ich mich nicht zu tun was ich möchte, rutsche oft in erstarrung.

    frage in der klinikvisite war dann wieviel raum ich den anteilen geben möchte, es folgte inneres gelächter.

      • Ja, das erleben wir auch so, dass der Blick auf die Ressourcen oft hilfreich ist, allen inneren Wiederständen zum Trotz sie nicht nutzen zu dürfen.
        Der innere Wiederstand wird bei uns auch oft größer und größer, je gezielter nach etwas bestimmten gesucht wird. Da entsteht dann eine immer dichtere Mauer.
        Indirekte Wege sind da oft besser, dauern allerdings auch länger und bei manchen Angelegenheiten auch einfach zu lange…

  5. Habe mir die letzte Zeit viele Gedanken über meine Ressourcen machen müssen. Ich habe auf vieles was vor einigen Jahren gut als Ressource greifbar war keine Zugriffsmöglichkeit mehr. Dadurch dauern bei mir einige Angelegenheiten auch einfach zu lange. Das hat uns auch schon richtig Geld gekostet da manche Ämter und auch Andere da keine Gnade kennen. Aber bei allem Gewölle, es ging einfach nicht, ich konnte nicht, obwohl ich wußte welche Folgen es haben wird.

    Bin dann beim Lesen deiner Antwort in den Erklärungsversuch gerutscht das meine Ressourcen auch bestimmten Anteilen zugeordnet sein könnten. Als ich noch nichts von DIS wußte habe ich immer darauf warten müssen in einen Modus zu kommen wo mir bestimmtes Wissen zur Verfügung steht. Das war früher relativ regelmäßig das ich darauf Zugriff hatte, so dass nichts angebrannt ist.

    Irgendwann gabs großen Streit in mir, seitdem ist Totalblockade angesagt womit es mir sehr schlecht geht. Da scheinen auch die Funktionsanteile die mir sehr wichtig waren das Boot verlassen zu haben.

    In der Klinik sagte man mir das ginge nicht, die Anteile würden dasein, ich hätte halt nur im Moment keinen Zugriff.

  6. unsere aller lage ist nicht immer „schön, dennoch, finden wir und ich (me, myself and i)- es sehr schön, endlich mal von „anderen“ vielen zu lesen. ich habe erst vor ganz kurzer zeit begriffen, was da wirklich in mir abgeht. beziehungsweise, der informationsjunkie und dominante part in mir hat erst vor wenigen Wochen, das zugehörige wort für meine „Störung“ mein befinden, mein „viele sein“ gefunden. oft schafft das Kind, den erwachsenen zu spielen, bis der erwachsene Autopilot übernimmt, aber ganz oft ist entweder der wütende „hulk“ oder das hilflose Kind da, das nix versteht, schüchtern, unsicher, voller angst ist. es hat dann zu vielem, was „ich“ eigentlich schon längst gelernt habe, keinen zugang und kommt so in „peinliche“ Situationen…. egaaaaal, soviel (unwichtiges?) zu mir. wollte garnicht so viel von mir reden. aber bin so begeistert, hier gleichgesinnte zu finden, dass ich ein wneig zu mir sagen musste

    • Hallo 😊,
      wie schön, dass ihr hierher gefunden habt und ein bisschen von euch erzählen mochtet! Wir finden das für uns auch immer wieder so wichtig von anderen Vielen zu lesen und wie sie ihre Welt erleben. Insofern gar nicht unwichtig, sondern total hilfreich für uns!
      Was du beschreibst können wir gut nachvollziehen.
      Obwohl die Diagnose an sich bei uns schon länger feststeht, sind wir grade auch wieder in einer Phase, in der wir ein Stück mehr verstehen, dass es wirklich so war/ist… Das bringt innen ganz schön durcheinander, führt oftmals auch zu problematischen „Außenbesetzungen“ oder lässt mich plötzlich Dinge „verlernen“, die sonst total klar sind.

      Liebe Grüße,
      die bunten Schmetterlinge 😊

  7. Liebe bunte Schmetterlinge, ich habe auch grad was geschrieben zu „Alltagsteam und Absprachen“ und sah jetzt eure wunderbaren, auch skeptischen Gedanken… doch das ist zwei Jahre her und endet mit: Ich bin gespannt… wie ist es im Moment mit dem Thema? Auch bei allen anderen, die hier schrieben: Was hat sich getan in zwei Jahren? Ich würde mich über Erfahrungen freuen, was konkret habt ihr getan, um „absprachefähig“ zu werden? Und geht das -langfristig- auch mit „traumanahen“ Innens? ganz lieben Gruß, Birke

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