Wozu eigentlich Therapeuten, wenn man doch Freunde hat!?

Auf der Therapeutensuche sind uns schon so einige Sätze entgegengeschleudert worden, bei denen wir nur noch kopfschüttelnd abwinken konnten. Mittlerweile stellen wir uns ja schon auf alles ein, wenn wir es mal wieder bis zu einem ersten oder zweiten Gespräch mit einer Therapeutin wagen, selbst (oder vielleicht auch gerade wenn) sie sich Spezialistin für dieses Gebiet nennt.
Kurz: Es ist extrem frustrierend!

Heute hatten wir mal wieder eines dieser Gespräche auf der Suche nach neuer Hilfe.
Es gibt neben den anderen haarsträubenden Aussagen vor allem einen neuen Satz des Tages, der uns von fassungslos über wütend, bis hin zu traurig und verzweifelt macht und die ganze Gefühlspalette abdeckt.
Im Gespräch kam die Frage an uns auf, wonach wir nun genau suchen, was wir uns in der Zusammenarbeit erwarten und was wir am dringendsten brauchen. Wir stellten für uns ganz klar einige Ziele in der Therapie auf, hielten aber auch fest, dass es für uns derzeit das aller wichtigste ist, wieder mit jemandem offen reden und erzählen zu können, was war, ohne dass das Gegenüber dabei vom Stuhl kippt, weil uns reden vieles total erleichtert, wenn wir die Dinge in unserem Kopf nicht alleine sortieren müssen. Daraufhin ergab sich folgender Dialog:
„Haben Sie denn eine Freundin?“
„Ähm, ja hab ich schon. Warum?
„Können Sie mit der denn über Ihre Geschichte reden?“
„Ja. Kann ich.“
„Na dann brauchen Sie keine Therapie, sondern nur Freundschaft! Reden Sie doch dann einfach mit Ihr darüber.“
Uns macht dieser Satz so fassungslos, dass wir nicht mehr wirklich reagieren konnten und die Worte fehlten.
Das Gespräch endete in einer Absage der Therapeutin, da ihr das alles grade irgendwie zu kompliziert sei…

Wir sitzen hier, schütteln mit dem Kopf, ärgern uns, sind traurig über die Dreistigkeit derartiger Aussagen, telefonieren mit unserer Freundin, freuen uns einfach nur, dass wir sie haben und hoffen nächstes Mal wird alles besser laufen…

Selbstausdrucksblockaden

„Es gibt Dinge, die man nicht sagen kann,
weil es keine Worte gibt, um sie zu sagen.
Und wenn es sie gäbe,
würde niemand ihre Bedeutung verstehen.“

Federico Garcia Lorca

Deprogrammieren

Bin ich ein Roboter der mit einer Festplatte ausgestattet ist und bestimmte Befehle, sprich Programme speichert, und durch einfaches Uninstall alles wieder vergessen und anschließend neu programmiert werden kann?
Nein, bin ich nicht!

Wir sind ein Mensch, der grausames erlebt hat und von den Tätern unter grausamsten Folterbedingungen darauf abgerichtet wurde auf bestimmte Auslösereize hin ein ganz bestimmtes Verhalten zu zeigen. In uns gab/gibt es also bestimmte „Programme“, wie es die Therapeuten nennen, die von den Tätern zu ganz bestimmten Zwecken angelegt wurden, wie etwa „Rückkehrprogramme“, die uns drängen zu den Tätern zurück zu gehen oder Selbstverletzungsprogramme, wenn wir etwas „unerlaubtes“ tun, etc. Vielen Vielen geht es da ähnlich. Sind diese Programme durch einen Auslöser nun erst einmal ins Laufen geraten, ist es für Betroffene oft kaum oder gar nicht möglich diese selbstständig wieder zu beenden. In unserem Fall endeten Versuche der inneren „Verweigerung“ gegen diese Programme oft in einem Blackout und Zeitlücken, in denen wir keine Kontrolle mehr über uns hatten.
Ein wichtiger Schritt ist es dann in der Therapie und während dem Ausstieg aus Täterzusammenhängen diese Mechanismen zu stoppen, zu entschlüsseln und in konstruktives Verhalten zu verändern.
Nur wie!? Sind diese fiesen Dinger doch allzu oft sehr tief irgendwo im System verankert und verschachtelt und man weiß gar nicht, wie das mit dem Lösen gehen soll, ohne, dass einem dabei gleich die nächste Programmbombe um die Ohren fliegt.

Das Wort „Programm“ für diese Art der Konditionierung hat in unseren Augen Vor- und Nachteile. Zum einen macht es deutlich, dass da etwas nach einem vorgegebenen, festgeschriebenen Muster einfach ablaufen muss und grenzt zu anderen Verhaltensweisen, in die auch „Normalmenschen“ immer wieder (zurück) fallen können, wie etwa starke Gewohnheitsmuster, ab. Zum anderen entsteht aber auch ein sehr „technisierter“ Eindruck, der einen denken lassen könnte, dass man ja nur den „Ausschaltknopf“ finden muss, um das Problem wieder zu beheben. Daran orientieren sich auch so manche therapeutische Ansätze. Da werden „Cues“ und „Codes“ gesucht, Zahlenreihen, Verse, Bilder, etc. die als Gegenspieler zum „Auslöser“ dienen und die Programme aushebeln, bzw. im besten Falle sogar löschen sollen. Wenn man bei einem Klienten einen dieser Schlüssel gefunden hat und natürlich überprüft hat, ob diese wirklich richtig sind und nicht nur neue Programme auslösen, dann werden sie in Fachkreisen ausgetauscht, als hätte man gerade das allgemeingültige Allerheiligste gefunden. Ganze Bücher gibt es darüber mittlerweile.
Für uns ist das nicht mehr als ein verzweifelter Versuch Leid schnell zu beenden ohne mit der Klientin und den Innenpersonen weiter in die Thematik einsteigen zu müssen. Allgemeingültige Codes gibt es nicht und wir würden die Finger davon lassen, weil man unter Umständen mehr auslöst und kaputt macht, wenn man nicht hundertprozentig darüber bescheid weiß, was z.B. Zahlenreihen in unerfahrenen Händen bei dieser Klientel auslösen könnten. „Löschen“ geht nicht, weil man dann Erfahrung und damit Identität auslöschen müsste. Unser Gehirn ist kein Computer. Gesetz den Falles man findet tatsächlich etwas, was das Programm für eine gewisse Zeit stoppt, worüber man ja oft schon total froh ist, wenn es plötzlich brennt, so ist das Problem noch immer nicht gelöst, sondern nur verschoben.
Was also dann tun? Es ist ja alles so unglaublich kompliziert! Deprogrammierungsfortbildungen wurden besucht… Bücher gewälzt… Supervision und noch eine Fortbildung… und noch eine… und noch eine…
Also was jetzt!?
Die Lösung ist viel einfacher, liebe Therapeuten!
Sie müssen reden.
Einfach nur reden.
Mit ihrer Klientin und den Innenpersonen.
Die Hintergründe beleuchten. Ehrlich nach innen fragen, warum jemand etwas tut und welchen Sinn das macht. Fragen, was diese Person dafür aushalten musste oder auch dafür bekommen hat, wenn ein bestimmtes Verhalten gezeigt wird. Wer das ist, der da etwas bestimmtes tun muss. Sich kennen lernen. Empathisch sein. Zuhören. Die Ohnmacht und all die Emotionen mit aushalten und wenn sie gemeinsam verstanden haben, was hinter bestimmten Verhaltensweisen steckt und das Hintergrundwissen aus den Kursen und Fortbildungen unterstützt Sie da sicher, dann können Sie gemeinsam eine Lösung finden, wie sich bei der Klientin wirklich etwas verändern kann. Das wirkliche Verstehen der eigenen „Selbstschutzaktionen“ – denn das sind Programme aus seelischer Sicht der Betroffenen eigentlich – führt dazu, dass diese Schutzreaktionen zusammen mit den Innenpersonen aktiv überdacht werden können.
Und das gilt für jeden einzelnen Klienten wieder neu, weil jeder Mensch nunmal individuell ist. Auch wenn ihre Klienten aus ähnlichen oder sogar den gleichen Täterkreisen stammen, hat doch jeder seine eigene Geschichte mit seiner eigenen Sicht darauf.
Wir wissen das ist nicht immer leicht und oftmals für beide Seiten schwer auszuhalten, ist manchmal mit Rückschlägen verbunden und dauert auch schonmal länger, aber es lohnt sich! Es lohnt sich, weil die so erarbeiteten Etappen wesentlich stabiler und sicherer sind, als ein Deprogrammiercode es je sein kann.
Nicht löschen wollen von Erfahrung, sondern schrittweise Integration in den Gesamtkontext der Lebensrealität der Betroffenen.
Effektive Traumaarbeit.
Zudem macht uns das als Opfer das gute Gefühl Mensch zu sein und das Leben in kleinen Schritten immer mehr selbst gestalten zu können.

Wir erheben mit unserer Meinung keinen Anspruch auf allgemeine Gültigkeit! Für uns selbst und andere Betroffene, die wir kennen lernen durften war es allerdings sehr hilfreich das in dieser Art und Weise zu tun und oft auch das einzige, was geholfen hat. Wäre nicht eine Therapeutin, die wir früher hatten, genau dazu bereit gewesen und hätte nicht den Mut und die Geduld gehabt mit uns an die Ursprünge zu schauen, selbst wenn wir grade durch die Programme instabil waren, wären wir mit Sicherheit lange nicht mehr am Leben. Denn das Verstehen war es, was uns letztendlich oft wieder stabilisiert hat, weil die Mechanismen, die uns immer tiefer in den Sumpf zogen, dadurch unterbrochen und über das Verständnis veränderbar wurden. Durch die einfühlsame Offenheit der Therapeutin entstand der notwendige Raum für innere wie äußere Zusammenarbeit.

Warum der Zauberkuchen „zaubert“

Die Paulines haben uns gefragt, wie das mit dem „Zauberkuchen“ den wir vor kurzem eingestellt haben eigentlich funktioniert und welche Erklärungen aus Physik oder Chemie es dafür gibt.
Die Suche danach gestaltete sich schwieriger als gedacht. Die Frage taucht zwar im Internet öfter auf, allerdings bleibt die Antwort dazu meist aus. Dank Tante Google haben wir dann doch noch folgende Erklärungen dafür gefunden, wenn sie auch nicht allzu umfangreich ist und die „Hintergründe“ nur kurz beleuchtet:
Durch das Backpulver im Teig entsteht beim Backen Kohlendioxid. Das macht den Teig leichter, bläht ihn auf und lässt Ihn nach oben schwimmen. Da in der Quarkmasse kein Backpulver enthalten ist bleibt diese schwer und sinkt nach unten ab.

Wir hoffen es erklärt zumindest ein bisschen, was da im Ofen so passiert. 🙂

Suche Seele im Funktioniermenschenkörper

Seit wir Sie letztes Jahr verloren haben, die Frau, die unser Herz kannte, waren wir nicht mehr wirklich bei uns. Die Trauer und der Schmerz hat alles überwältigt und aus uns einen watte-flauschigen Funktioniermenschen gemacht, der nicht mehr und wenn doch, dann nur noch sehr selektiv in der Lage war zu fühlen. Selbstblindes Organisieren und Arbeiten und Nach-vorne-Denken waren Helfer in der Not, die sich ganz automatisch in einer Situation zu uns gesellten, in der wir sonst nicht mehr gewusst hätten wohin vor Verzweiflung. Mal wieder.
Wir brechen nicht zusammen, wir funktionieren.
Doch neben all den positiven Rückmeldungen aus der Außenwelt, wie toll wir aussehen, wie toll wir arbeiten, wie super toll wir…
…habe ich als Große das Gefühl mich selbst und die Anderen immer mehr zu verlieren.
Ich bin irgendwo, nur nie wirklich da, nie im Moment, nie mit dem Gefühl von Erdung. Tausend Sachen gleichzeitig und nichts wirklich. In mir ist etwas, das spüre ich und ich weiß, dass da etwas ist… irgendwo… nur wo… und was… und wo sind die anderen… und was wollen sie mir sagen….
Manchmal scheint es, als ob der Eingang zu meiner Innenwelt wie zugeschüttet ist. Kommunikation – Fehlanzeige. Wenn ich es nicht mittlerweile einfach besser wüsste, weil ich mittlerweile eben weiß, dass extremer Stress das bei mir auslöst, hätte ich zeitweise meinen können, in mir wäre nie etwas gewesen.
Ich fühle mich nicht wie Ich selbst. Ich fühle mich hohl und leer und roboterartig, ohne noch zu wissen, wer ich bin und wer wir sind.

Ich will den Schlüssel zu mir/uns wieder haben!
Diese Macht hat sie nicht verdient!
Ich will selbst bestimmen!

Heute war ein Tag, an dem ich mir, an dem wir uns wieder etwas näher waren, wo ich die Verletzungen manchmal fühlen durfte und in der Menschenkörperhülle Seele spürbar wurde.

Tränen die über die Wange liefen…
Und Wut und Angst und Verzweiflung…

Und Kinder in mir die sagen: „Aber sie hat es doch versprochen! Sie hat doch versprochen, dass wir nie mehr alleine sein müssen!“
Wortlose Ältere Innenpersonen, die mit mir zusammen nicht mehr tun können, als die Ohnmacht gemeinsam auszuhalten.

Wir wünschen uns Menschen, die uns zuhören.
Und Menschen, die uns aushalten.
Und Menschen, die nichts versprechen, was Sie dann nicht halten können.

Loslassen und Schamanismus

Einem Blog über Schamanismus haben wir einen sehr schönen Artikel zum Thema „Loslassen“ gefunden. Den lesenswerten Originaltext findet ihr hier.
Der Autor des Textes benennt „Loslassen“ im schamanischen Sinne als „Seelenteilverlust“ und stellt seine Sicht zum Thema loslassen dar.
Die Bezeichnung „Seelenteilverlust“ trifft ziemlich gut, was wir fühlen, wenn Therapeuten oder auch andere Personen uns dazu auffordern altes einfach loszulassen und nach vorne zu gehen. Viel mehr würden wir uns wünschen die Trauer, den Schmerz und die Ohnmacht in unseren Alltag integrieren zu dürfen, hinschauen zu dürfen was war und das mit Unterstützung, die alles was hochkommt und uns dann aushält, dass wir lernen dürfen unser Leben auszuhalten und parallel dazu neue Wege entstehen können.