Freitagabend

Es ist Freitagabend.
Eine Woche mit viel Berufs- und Arbeitsstress klingt aus.
Geschafft.
Zum ersten Mal seit Tagen komme ich zur Ruhe und habe die Gelegenheit, ohne den Druck etwas unbedingt bis Morgen erledigt haben zu müssen, einfach hier zu sitzen und so lange blöd vor mich hinzuschauen, wie ich möchte.
Mein Körper fängt an das langsam aber beständig zu registrieren.
Die Hände beginnen leise zu zittern und als wäre das ansteckend gesellen sich nach und nach noch andere Körperteile muskelvibrierend dazu.
Der Rücken pocht.
Am Montag war Freitag mein einziges Ziel.
Woche überstanden. Alle Aufgaben zufriedenstellend erledigt.
Ruhemoment.
Doch es ist nicht ruhig…
All das, was ich in Arbeit und Aufgaben bis gerade eben ertränkt habe, hat nun freie Bahn.

Der Körper schüttelt sich mittlerweile vor abfallender Überforderung.
Die Innenleute melden sich erschöpft japsend zu Wort.
Die Erinnerungen haben sich als Flutwelle zusammengetan.
„Samhain,“ flüstert mein Kopf. „Samhain.“
„Ich weiß.“, flüstere ich zurück und gebe zu, dass ich wohl gehofft habe, dass diese Daten rund um den ersten November und alles was sie für uns bedeuten, einfach im Aktionismus untergehen und dass ich davon laufen kann, wenn ich nur schnell genug bin.
Die Tage bewegen.
Nach all den Jahren spüre ich immer noch den Schrecken, den diese Nächte einst für uns bedeutet haben.
Mit jeder Faser meines Körpers bis in die hinterste Ecke jeder noch so kleinen Zelle werden die Qualen wiedererlebbar.
Bildfetzen.
Lebendig begraben.
Beim Schreiben beschließe ich, dass ich mich jetzt einfach hinlegen werde und meinen müden, schmerzenden Gliedern Raum gebe zu heilen.
Gefühle fangen an mich zu überwältigen.
Wellen von Anspannung und muskelelekrisierendem Körperzucken.
Am liebsten würde ich gerade aus meiner Haut fahren, nur um diesen Empfindungen zu entkommen.

Aus dem ruhigen Freitagabend wird wohl kein entspannter Fernsehabend mit Chips.
Damit muss ich mich wohl abfinden.
Doch immerhin finde ich mich selbst und die anderen wieder.

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