Liebe ganz sachlich

Nachdem es bei der Nominierung der Melinas zum „Liebe verbreiten“ zu lustigen Wirrungen kam, möchten wir der „Doppelnominierung“ mit diesem Beitrag gerecht werden. Hier also noch eine Variante fĂŒr „Sachtextliebhaber“:

Liebe was ist das eigentlich?
Kann man das nachweisen?
Beim Wort „Liebe“ weiß wohl jeder, wovon man spricht, obwohl es keine einheitliche Definition dafĂŒr gibt. Wenn der richtige vor einem steht, hat es einen einfach voll erwischt. Oder man fĂŒhlt sich in einer tiefen Freundschaft im Herzen verbunden. Doch eindeutige Nachweise fĂŒr die Existenz der „Liebe“ Fehlanzeige. Der Duden versucht es mit einer Umschreibung, um klar zu machen, worum es bei der Liebe geht. Sowohl beim „starken GefĂŒhl des sich hingezogen FĂŒhlens“ als auch bei einer „auf starker seelischer, geistiger und körperlicher Anziehung beruhenden Bindung“ besteht die Basis allerdings aus subjektiven Empfindungen. Die sind aber ja bekanntlich wieder weniger sachlich und sehr individuell.

Rein physiologisch ist die Chemie ganz schön durcheinander, wenn die Chemie stimmt. Das limbische System als Sitz der Emotion wird im Gehirn stark aktiviert. Gleichzeitig werden die Areale, die fĂŒr rationale Entscheidungen zustĂ€ndig sind gehemmt. Man ist plötzlich blind vor Liebe und völlig kopflos. ZusĂ€tzlich werden Bereiche durch leidenschaftliche Liebe angeregt, die auch durch die Suchtstoffe aus der Wirkstoffgruppe der Opiate und Kokain stimuliert werden. Wir sind also sĂŒchtig nach Liebe. Die Belohnungszentren jauchzen vor Freude ĂŒber den Hormoncocktail. Körpereigenens Dopamin ĂŒberschwemmt die Synapsen und tut das, was sein Ruf als GlĂŒckshormon erwarten lĂ€sst: Es macht glĂŒcklich und euphorisch. Der Botenstoffkollege „Oxytocin“ sorgt fĂŒr Vertrauen und Bindung. Allerdings ist der etwas langsamer und zurĂŒckhaltender. Er kommt nicht gleich auf die ersten Tage einer neuen Liebe voll zum Einsatz, sondern entfaltet sich mit der Zeit.

Diese Erkenntnisse geben Raum fĂŒr neue wissenschaftlich fundierte AnmachsprĂŒche, wie „Hey, wie hoch steigt dein Dopamin eigentlich, wenn du mich siehst?“ oder „Ist dein Oxytocinspiegel ausreichend hoch fĂŒr feste Bindungen?“. Wenn unser GegenĂŒber daraufhin den Labornachweis vom Arzt zĂŒckt, kann man es ja – je nach Ergebnis – mal versuchen…
Aber wer will Liebe schon so angehen? Es ist doch auch irgendwie toll, so herrlich unrational zu sein und einfach nur im GefĂŒhl zu baden. Das macht den Zauber an den Schmetterlingen im Bauch aus und es knistert umso doller, wenn das mysthische bleiben darf. Letztlich ist das eigene BauchgefĂŒhl wohl der sicherste und einzig anwendbare Parameter fĂŒr die Existenz der wahren Liebe.

4 Kommentare zu “Liebe ganz sachlich

  1. Liebe Nominierte,
    ein sachlicher Beitrag zum Thema „Liebe verbreiten“ voll erreicht – jetzt kennen wir die Fakten, jetzt haben wir das ganze Spektrum abgedeckt und nun fehlt nur noch die kopflose Liebe und das Flattern im Bauch oder?
    Dankeschön, jetzt weiß ich/wir Bescheid und da blitzt doch auch noch Humor mit durch 🙂

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