Wattebauschstop

Der Mond steht oben am finsteren Nachthimmel.
Das Wasser in den vorbeiziehenden Regenwolken schimmert bunt in seinem Schein.
Eigenartig.
Das habe ich so von der Nachtsonne noch gar nicht beobachtet…
Kurz verweile ich in Gedanken bei dem Schauspiel.
Während Frau Luna so mystisch verschleiert da oben steht, reicht es mir plötzlich. Ich gehe mir mit meiner Wattebauschflaumalleswirdgutwerferei selbst auf die Nerven.
Den ganzen Tag sind wir bemüht darum das Beste aus der Zeit zu machen. Trommeln, trinken, essen, ruhen, spielen, schreiben… leben. In unserem Kopf die lange Leier was mittlerweile alles besser ist als damals. Und es stimmt und es ist gut so. Jetzt aber ist es genug. Wir können es nicht mehr hören. Die Gefühle überrollen uns. Sie stoppen unsere Gegenwartsklammerversuche an bessere Zeiten. Kein „Hakuna matata – die Sorgen bleiben dir immer fern“. Die Füße zappeln nervös unterm Tisch. Wir könnten in’s Bett gehen und uns die Decke über den Kopf ziehen. Was würde es nützen? Die Bilder und Gefühle sind ja doch in uns. Der Körper bebt. Mal vor Angst, dann wieder vor Wut und Zorn. „Miese Dreckschweine“, denke ich. An den Emotionen, die nun innerlich vibrieren ändert kein Schöngeist etwas. Sie müssen raus. Ungeschönt. Die „nackten Tatsachen“ von damals bleiben nackt. Sie waren roh und brutal. Da nutzt kein Weichzeichner. Die Erinnerungen lassen einen Gefühlsnerv in uns anspringen, der uns zerreißt. Die Welt teilt sich: Wir stehen an der Schwelle, an der unser Bewusstsein nichts begreift und wir doch alles spüren. Wir erleben den Kampf zwischen „Das war so furchtbar! Niemals mehr wollen wir das erleben!“ und „Es wäre gut, wenn es nochmal so wäre! Wir wollen, dass es jetzt passiert“. Die paradoxe Welt ist sich im Kern erstaunlich einig: Der Schmerz soll aufhören! Egal wie.
Die inneren Mono- und Dialoge fluten wie Wellen durch die Bewusstseinsgänge. Wir hadern. Mit uns. Mit dem Schicksal. Mit dem Vergangenem. Mit dem Jetzt. Bis wir auch darauf irgendwann keine Lust mehr haben. Oder keine Kraft dafür. Bis wir einfach von gar nichts mehr etwas hören wollen und alles doof finden.
Wir entscheiden uns mit dem Schlaf aus den Gedankenschleifen auszubrechen.
Ein neuer Tag bringt eine neue Sicht.
Vielleicht.

Samhain-Trommeln

Dumpf dröhnen die Trommelschläge in meinem Kopf nach. Vom entspannenden Rhythmus ist eine tranceartige Schwere geblieben. Draußen am grauen Himmel ziehen die Wolken vorbei bis sich die Sonnenstrahlen durchs dichte Grau quetschen. Mein blauer Filzschlegel klopft zart gegen das gespannte Leder. „Mystisch ist die Zeit und die Schleier dünn“, denke ich bei mir. Längst habe ich einen eigenen Glauben mit eigenen Ritualen. Ich freue mich darauf, mir in den nächsten Tagen bewusst Zeit zu nehmen liebe Seelen aus einer ganz anderen Welt zu treffen. In meinem Herz zu sein.

Und was ist mit damals? Was ist mit dem Leid? Ist alles einfach vorbei und wieder gut?
Nein, das ist es nicht. Unsere Seele trauert. Unsere Seele weiß wie sehr die Zeit besetzt ist. In unseren Gliedern steckt Schreck und Müdigkeit. Aber sie hat Platz in unserem Tun. Sie darf weinen, wenn wir trommeln und schweigen und lachen und schreien, weil es das Herz zerreißt. Bei all dem Schmerz erleben wir Momente des Glücks, weil wir heute einfach sein dürfen.

Langsam und sanft beginnen wir wieder zu trommeln. Lassen aus den dumpfen Tönen der Rituale von einst den Herzschlag von Mutter Erde werden und fühlen uns von ihr gehalten, wenn wir die Verletzungen betrauern.
Bom…
Bom…… Bom.

Liebster Award

CCA58334-3B0D-4FFB-BF60-CF86581157D7Oh, ich mag diese Nominierungen! 😊
Zum einen, weil wir es als Ehre empfinden, dass jemand etwas von uns lesen möchte. Zum anderen, weil es uns dazu anregt über Dinge nachzudenken, auf die wir sonst gar nicht kommen würden. In diesem Fall haben wir die Nominierung von „notjanina“ für den „Liebster Award“ leider verschnarcht und kamen erst jetzt zufällig darauf. Deshalb wollen wir die Beantwortung der Fragen sofort nachholen.
Vielen Dank nochmal!

Das wollte Janina von uns wissen: 🙂

1. Wie geht es dir heute?
Soweit ganz gut. Allerdings strengen mich gerade schon kleine Sachen ziemlich an. Am liebsten hätte ich eine längere Alltagsauszeit. Da das leider nicht geht, werde ich heute einfach mal so oft und so lange wie möglich im Bett rum liegen und so faul wie möglich sein.

2. Welches Lied läuft bei dir momentan rauf und runter?
Ehrlich gesagt gar keins. Ich komm weder dazu, dass ich das Radio einschalte, noch, dass ich mir mal eine CD anhöre. Wenn ich zu Hause die Türe hinter mir zu mache, freue ich mich, dass endlich Stille herrscht. In den Kopf kam mir aber beim Schreiben gerade das Mantra „Om Namo Baghavate“. Deva Premal hat das sehr schön vertont. Zum entspannen finde ich die Musik super.

3. Hast du einen echt peinlichen Lieblingssong von dem sonst niemand weiß? Und wenn ja: Dürfen wir ihn erfahren?
Schnappi das kleine Krokodil finden wir einfach putzig. Die anderen Lieder teilen wir nur mit unserer besten Freundin.

4. Welche Person in deinem Leben hat dich ganz besonders geprägt und warum?
Oh, da gibt es einige.
Zunächst meine Eltern und die enge Familie, wie das wahrscheinlich bei so gut wie jedem ist. Zwar waren diese Prägungen bei uns nicht unbedingt immer so positiv, beeinflusst haben sie uns dennoch. Später eine Therapeutin. Bei Ihr durften wir viel nachholen, was uns in der Kindheit und Jugend fehlte. Außerdem stand sie mit einer Liebe und Selbstverständlichkeit an unserer Seite, die mir überhaupt erst ermöglichte, ich/wir selbst zu werden. Einen ganz besonderen Platz nimmt unsere beste Freundin ein. Sie ist einfach bezaubernd und hat bei allem Stress, den sie selbst hat, eine Engelsgeduld mit unseren Marotten.

5. Bist du zufrieden damit, wie dein Leben gerade läuft?
Im Großen und ganzen ja. Nicht ganz so viel Bürokratie wäre schön. Und mir schwebt beruflich eine Veränderung vor, die umgesetzt werden will.

6. Was kotzt dich so richtig an?
Unehrlichkeit und mangelnde Loyalität. Zudem Mensch die glauben besser zu wissen, wie ich mein Leben leben sollte und dabei so null Ahnung von meiner Welt haben.

7. Wie machst du die Welt ein Stück besser?
Oh, dass ist eine große Frage.
Wir hoffen, dass wir die Welt ein Stück dadurch besser machen, dass wir zu unserer Geschichte stehen und darüber sprechen. Darin sehen wir die Chance, auch für andere langfristig etwas zu verändern.
Im Großen und Ganzen sind es aber wohl auch bei uns die kleinen Dinge und Gesten, die sich summieren. Ein offenes Ohr, ein freundliches Wort, eine helfende Hand und ein herzliches Lächeln, wo es gebraucht wird.

8. Freust du dich auf den morgigen Tag?
Jupp: Ich hab frei. 😉
Dazu kommt bei uns: Seit unserer extremen Krise vor einigen Jahren, beten wir jeden Abend für eine beschützte Nacht und freuen uns jeden Morgen, dass wir am Leben sind. Das ist unabhängig davon, wie wir uns sonst fühlen oder was an diesem Tag ansteht.

9. Was möchtest du in deinem Leben noch unbedingt sehen?
Eine Elfe.
Unsere alte Therapeutin nochmal.
Ein übervolles Girokonto mit einem mindestens fünfstelligem Betrag im Haben und das dauerhaft. 😉

10. Was ist deine größte Stärke?
Meine Ehrlichkeit. Meine Loyalität. Meine Sensitivität. Mein Einfühlungsvermögen. Mut zur eigenen Meinung und die Fähigkeit sich bei Bedarf deutlich abzugrenzen.

11. Was machst du, wenn du nicht einschlafen kannst?
Nix.
Ich liege einfach wach, genieße mein warmes Bett und streichle die Katzen.
Wenn mir langweilig wird, schaue ich hin und wieder auch ein Filmchen auf YouTube. Dort verschlägt es mich meist entweder in die „Kinderabteilung“ zum Pumuckl schauen oder auf den Kanal von Mystica.tv.

Jetzt wird es wohl Zeit, dass wir auch wieder jemanden nominieren. Ich hoffe die genannten mögen bei der Aktion mitmachen:

Meine elf Fragen an euch:
1. Wenn du jetzt ein Bild malen würdest, was würde man darauf sehen?
2. Die Farbe „Blau“ verbindest du mit was?
3. Hast du ein Lieblingskinderbuch und wenn ja welches?
4. Deine Welt in einem Wort?
5. Wenn du nochmal einen Tag lang Kind sein dürftest, was würdest du tun?
6. Hast du ein Lieblingszitat und wenn ja welches?
7. Was kommt auf deiner Speisekarte auf keinen Fall auf den Teller?
8. Wenn du eine neue Religion erfinden dürftest, woran würde sie glauben?
9. An einem kühlen Herbstabend freue ich mich auf…?
10. Was bringt dich nach einem aufgewühlten Tag wieder runter?
11. Wenn du uns eine Frage stellen dürftest, welche wäre es?

Dünnhäutig

Ich falte ein Stück Papier.
Erst in der Mitte. Dann nochmal in die andere Richtung.
Öffnen.
Linke Ecke zur Mittellinie. Rechte Ecke zur Mittellinie.
Einmal. Zweimal. Dreimal.
Meine Finger bewegen sich mit nervöser Genauigkeit.
Mich fröstelt.
Ich bekomme Gänsehaut
und ein heißes Gesicht.
Der Spannungsbogen der Situation läuft darauf zu, dass sich ein Papierflieger in die Lüfte erhebt.
Äußerlich.
Innerlich kämpfen wir damit, dass uns ein hartnäckiges Ekzem im Intimbereich den letzten Nerv raubt.
Es juckt. Es schmerzt. Es brennt.
Kurz: Es kann alles, was ein richtig guter Trigger an dieser Stelle können muss.
Jackpot dabei: Kein Arzt weiß, weshalb es überhaupt da ist.
Keine Therapie schlägt wirklich an.
Die nässend geschwollenen Stellen haben keinen Namen.
Kein Pilz. Kein Bakterium. Kein Nichts.
Dennoch ist die Frau in uns löchrig dünnhäutig.
Wundflüssigkeit läuft wie Tränen über die Schamlippen.
Und nun?
Es ist, als schrien sämtliche meiner Hautzellen: „Ich möchte nie wieder angefasst werden! Schon gar nicht dort!“
Gleichzeitig lösen sich unsere (Haut-)Grenzen auf.
Eine innere Gewissheit tut sich auf, dass dieser Bereich erst dann wieder heilen wird, wenn eine bestimmte Innenperson Beachtung findet. Wenn ein Stück Erfahrung heilt. Aber wie? Der Zugang fehlt.

Hey du,
Kind voller Tränen.
Lass uns wachsen. Gemeinsam. Zur Frau.
Zur Überlebenden.
Mit Grenzen.

Wie Katz‘ und Vogel

22869202-E524-49A3-BBE0-B563214BF4E4Auf meinem Balkon zwitschern die Vögel. Seit zwei Wochen habe ich Futter draußen aufgehangen, um die Nahrungsquelle für den Winter vorab bekannt zu machen. Etwas Bedenken hatte ich schon, dass sich die Piepmatze vielleicht nicht so nah ans Haus trauen oder von meinen Katzen zu sehr irritiert sind, um mein Nuss-Samen-Kern-Angebot anzunehmen. Doch weit gefehlt.
Die ersten Tage zeigte sich die Vogelschar etwas zurückhaltend und war anfangs extrem schreckhaft, wenn sich drinnen in meinem Zimmer etwas bewegte. Dennoch waren mutige Testesser am Start, die ihren Kollegen berichteten. Mittlerweile müssen sich meine Katzen so einiges gefallen lassen. Da nützt kein entsetztes Aufschnattern. Der Fink spaziert bei geschlossener Türe lustig direkt an der Scheibe vorbei. Die Meisen denken sich so gar nichts, wenn sie auf ihrem Knödel sitzen. Der Rotschwanz pfeift fröhlich auf dem Geländer.
Es ist lustig verkehrte Welt, wenn die Vögel den Miezen gleichsam Schnabel und Zunge rausstrecken, um zu signalisieren: „Ihr könnt uns mal! Kriegt uns ja eh nicht, da hinterm Fenster…“

Text findet Autor

Die Art einen Text oder Beitrag anzugehen, kann sehr unterschiedlich sein. Mit zwei Varianten haben wir fast täglich zu tun, wenn wir unsere Sprache zu Papier bringen.

Es gibt Situationen, in denen man ein bestimmtes Thema genauer beleuchten möchte. Man beginnt zu recherchieren, sammelt Informationen und setzt sich schließlich an den Laptop, um seine Eindrücke zu Papier zu bringen. Wahrscheinlich ist diese Reihenfolge mit „Thema first“, die Art und Weise, wie die meisten Menschen einen Text – wofür und wozu auch immer – angehen. Im Deutschunterricht in der Schule bekommen wir das auch genau so beigebracht. Der Lehrer gibt uns vor, dass wir etwa über die letzten Ferien schreiben sollen. Der brave Schüler lässt sich etwas dazu einfallen und gruppiert anschließend seine Worte drumherum.

Und dann gibt es da diese Momente, die für uns fast noch reizvoller sind. Wenn weder Rahmen noch Thema vorgegeben sind. Wo uns das leere Blatt Papier findet und uns Buchstabe für Buchstabe, Wort für Wort zu der Geschichte trägt, die im Nichts auf uns wartet. Du weißt im tiefsten Inneren, dass der perfekte Artikel schon fertig ist, noch bevor du überhaupt den Stift angesetzt hast. Du holst ihn einfach nur ab. Der Prozess ist tief. Er basiert auf der fokussierten Wahrnehmung des Momentes. Mit dem Verstand, vor allem aber mit dem Gefühl. Die Seele des Textes verlangt vom dir als Schreiber nicht mehr, als ganz in der eigenen Seele zu sein und so einen inneren Raum zu öffnen, in dem alles erlaubt und dadurch alles möglich ist.
Vertrauen, Hingabe, Emotion.
Dann fließt die Geschichte des Augenblicks durch dich hindurch und aus dir heraus.
Die Überschrift kennt selbst der Autor erst am Schluss.
Diese Momente sind uns heilig und in besonderem Maße heilsam. Unsere Gedichte entstehen fast ausschließlich so und haben uns diese Form des Ausdruckes zuerst gelehrt. Mittlerweile schreiben wir auch andere Texte auf diese Weise.

Das Universum hat alles.
Auch fertige Texte zum Download. 😊

Windstille Höhlenträume

Regen prasselt auf die Balkonbretter. Der böige Wind wirft mein Bäumchen auf dem Balkon um. Ich laufe kurz nach draußen und bringe es in Sicherheit. Dann krieche ich unter meine Bettdecke. Am warmen Kuschelort wird es still. In der Nachbarswohnung ist Besuch. Vom Wetter draußen bekomme ich nichts mehr mit. Bald werden meine kalten Füße warm. Die Katze kuschelt sich in die Decke und mein T-Shirt. „Es ist wie in einer sicheren Höhle“, denke ich. „Windstill. Mit Raum für die eigenen Träume und Gedanken.“
Wie das wohl für die Höhlenmenschen früher war im Erdbauch zu leben?
Gut, der Vergleich hinkt etwas. So luxuriös wie meine „Höhle“ war das sicher nicht. Andererseits waren die Menschen dort drin sicher auch oft mit sich alleine im Kontakt und sortierten in warme Felle und Decken gehüllt ihre Gedanken beim Warten auf besseres Wetter. Zumindest mag ich gerade die Vorstellung.
Ich rolle mich ein und träume vor mich hin.
Von Höhlenmenschen die bunte Bilder an die Wände malen, mit dem Bauch die Jahreszeiten fühlen und ihrer inneren Stimme lauschen. Ich werde zum Viele-Höhlenmensch auf Zeit, bis mir die Augen zufallen.
Im Morgengrauen krieche ich aus der Deckenhöhle, um mich fertig zu machen und zunächst die Zimmerhöhle und danach die Haushöhle zu verlassen, um meinen Neuzeitverpflichtungen nachzukommen. Ich jage Parkplätze und kleine Presshühner bei Mc Donalds als Snack. Ich schließe moderne Tauschgeschäfte und hoffe beim „60 Cent gegen EINE Breze“-Tausch, dass die Getreidekörner einzeln von Hand mit Liebe zu Mehl verarbeitet wurden und der Bäcker jedes einzelne persönlich kennt, um den Preis auch nur annähernd zu rechtfertigen. Ich regle Amtsgeschäfte in der Einwohnermeldehöhle und lerne meine neuen Kollegen im Studienbunker kennen.
Irgendwann setze ich mich in mein kleines 100 PS Pferd, bin froh, dass es Scheibenwischer statt Scheuklappen hat und Blinke mich durch die Stadt nach Hause.
„Du…“
„Ja…“
„Dein Professor sieht aus wie ein richtiger Höhlenmensch.“

Gespaltener Vorabend

Ich sitze am Pc und tippe ohne zu wissen, wohin mich diese Zeilen führen werden. Die Worte sind in den Fingern, ehe sie in meinem Kopf bewusst werden. Sie fließen an meinen Synapsen vorbei. Morgen ist Tag der deutschen Einheit. Letztes Jahr haben wir hier auf diesem Blog geschrieben, dass dieses Land noch lange nicht eins ist, wenn traumatisierte Menschen gesellschaftlich derart ausgegrenzt werden. Dieses Jahr machen mich die inneren Wortschwalle stumm.
In der neuen ganz weit entfernten Wohnung kommen in der Brückentagfreizeit Dinge hoch, die im Alltag nun lange, lange Zeit weggedrückt werden mussten. Ich ärgere mich, dass morgen Feiertag ist, weil es mir Zeit nimmt, wichtige Dinge im Außen zu erledigen. Ich sitze in der Falle, weil mein Fluchtweg „Alltagsmanagement“ wegfällt. Und ich hasse das derzeit allgegenwärtige, existenzbedrohliche Gedankenkreisen, wie ich wohl am Besten damit umgehe, dass eine dritte Person einfach so, ohne mein Wissen, auf meinen Namen ein Handy, samt Vertrag bestellt hat, zu dem mir nun die Rechnung ins Haus geflattert ist. Der Einspruch bei dem Telekommunikationsunternehmen über den Bestellvorgang, interessiert die Bearbeiter herzlich wenig. Das sei mein Problem, bekomme ich dann nur zu hören, wie ich das Handy wieder auftreibe. Ich könne es ja zurück schicken und man mache alles rückgängig. Guter Witz! Immerhin haben sie es ja nicht an mich versandt, sondern widerrechtlich an besagten dritten. In der pinken Welt des Konzerns scheint es an normalem Menschenverstand zu mangeln. Das gute Stück ist übrigens nur schlappe 800 Euro Wert. Im Briefwechsel zeichnet sich ab, dass ich wohl einen Anwalt brauchen werde. Bei der Polizei habe ich bereits Anzeige erstattet. Ich rase innerlich, weil ich nicht weiß, woher ich das Geld für den Anwalt nehmen soll, geschweige denn für das geforderte Mobiltelefon. Ich hasse es zudem, dass mir gerade die Verantwortung für etwas in die Schuhe geschoben wird, für das ich nicht mal im entferntesten etwas kann, weil ich damit null zu tun habe, außer dass mein Name auf der Rechnung steht.
Bei mir ist gar nichts eins.
Das einzige worüber einheitliche Zustimmung erfolgt, ist, dass wir gerade innerlich sehr gespalten sind.
Die Scheiße triggert und sie macht auch ohne Trigger entsetzlich betroffen, traurig und ohnmächtig. Ich frage mich, was sich dieser Mensch eigentlich denkt oder eben auch nicht denkt, der auf meine Rechnung bestellt hat und an seine Adresse liefern ließ. Und wieso verdammt noch mal ist das eigentlich so leicht!?
Ich bin müde. Meine Augen wollen nur noch schlafen. Sie wollen dass im Kopf endlich ein Ende ist mit den ganzen Diskussionen. Wir wollen nicht auch noch darüber nachdenken müssen, was in den Tagen und Nächten um den dritten Oktober früher so passiert ist.
Auch damals ging die Rechnung unerlaubter Weise auf unsere Kosten.
Diesmal werden wir nicht zahlen!