Freizeitspaß und Entspannung

Zu „Ein Beitrag für euere Fragen“  sind bereits die ersten Rückmeldungen eingegangen. Eine davon wollen wir hier nun Aufgreifen. Die Farbe Bunt wollte folgendes von uns wissen:

„Hallo 🙂. Was sind denn so eure liebsten und angenehmsten Unternehmungen/Beschäftigungen, um zur Ruhe zu kommen/zu entspannen und/oder Dinge, an denen ihr euch freuen könnt?“

Soweit ich weiß, haben wir darüber auch tatsächlich noch nie direkt geschrieben. Danke also für diese Anregung!

Zunächst ist es so, dass Entspannung für uns im Alltag als Thematik kaum auftaucht. Das liegt nicht daran, dass wir kein Bedürfnis danach hätten oder niemals nach Möglichkeiten dazu suchen. Tatsächlich haben wir eher so etwas wie eine „Entspannungs-Sperre“. Sobald das Ziel „Entspannung“ direkt benannt wird, können wir uns darauf nicht mehr so gut einlassen. Wir gehen in eine Abwehrhaltung. Irgendetwas in uns sträubt sich. Die Entspannung wird „spannend“. Die genauen Gründe dafür, kann ich nicht benennen. Manchmal steckt aber sicher die Angst dahinter, darüber mit etwas aus der Vergangenheit in Kontakt zu kommen.

Nichts desto trotz, bauen auch wir in unseren Alltag natürlich Ruhephasen ein. Die üblichen Entspannungsübungen sind bei uns aus den oben genannten Umständen meist weniger Zielführend. Unsere Top-Ausgleichsmethoden sind alles, was mit Kreativität zu tun hat. Hirn aus und intuitiver Ausdruck an.
Dazu gehört beispielsweise das Malen und Basteln. Sobald man uns Farbtöpfe mit Pinseln hinstellt sind wir glücklich. Manchmal entstehen dabei eher abstrakte Bilder oder Objekte. Ein anders Mal sind sie durchaus real und gegenständlich. Was wir bei hoher Anspannung besonders mögen, ist es uns kein Thema zu setzen. Wir greifen einfach spontan zu einer Farbe oder beginnen mit einer Form die uns als erstes einfällt. Das Bild entwickelt sich praktisch einfach aus sich heraus, völlig ohne Leistungsdruck. Niemand kann was falsch machen. Alles und jeder ist mit seinem Impuls richtig. Manchmal geben wir vor dem beginn des Malens vor, dass wir nicht ausdrückend im Sinne von Erinnerungsdarstellungen malen wollen. Es gibt Momente, da ist auch das völlig in Ordnung und nimmt Druck und in anderen ist es uns wichtig, davon Abstand zu nehmen, um uns durch das entstehende Bild nicht immer wieder neu anzutriggern. Wahrscheinlich ist das auch ein Stück weit davon abhängig, wie gut wir zu Beginn des Malens geerdet sind.

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Aus zugrundeliegenden Bleistiftkritzeleien arbeiten wir uns nach belieben Formen heraus.

Wenn es für uns zu anstrengend ist, all die Farben und Materialien herzurichten und wieder wegzuräumen, machen wir einfach „Kritzelbilder“. Dafür schnappen wir uns Block und Stift und malen darauf los, ohne den Stift abzusetzen. Schleifen, Kreise, Loopings und Zacken verbinden sich im Durcheinander. Wenn wir mit dieser Phase fertig sind, arbeiten wir mit Filz- und Buntstiften bestimmte Linien oder Formen nach, die uns  besonders ansprechen. Aus den Kritzelstrichen entstehen oft interessante Zufallsmotive. In der Regel geht diese Methode schnell und lässt sich auch im Alltag leicht umsetzen. Ein bisschen hat sie Ähnlichkeit mit den Kritzeleien, die etwa neben Telefonaten auf einem Notizblock entstehen. In der Kunsttherapie wird sie übrigens tatsächlich dazu eingesetzt das Chaos zu strukturieren und vom ungeordneten Durcheinander zu einer Ordnung zu finden. 😉

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So könnte das Bild beispielsweise am Ende aussehen. 🙂

 

Feine Arbeiten und diffizile Scherenschnitte können eine Herausforderung sein. Uns entspannt das. Wir kennen aber auch Menschen, die sowas erst recht tierisch in rage bringt.

Dann gibt es da noch eine weitere Leidenschaft. Sie nennt sich Natur. Bei den Bäumen und Pflanzen sind wir zu Hause. Manche und mancher von Ihnen ist uns ein guter Freund. Sie sind Verbündete. Jeder Stein und jedes Gräschen sind wunderbar beseelt. In ihnen steckt so viel Weisheit. Sie haben uns oft getröstet und geholfen, wenn wir nicht mehr weiterwussten. Wir gehen gerne raus an stille Orte, spazieren ein bisschen durch die Landschaft oder lehnen uns einfach mal an einen Baum. Das tut uns einfach gut.
Wir können uns so sehr daran freuen Stundenlang Kräuterbücher zu wälzen, Dingen nachzuspüren, mit Krafttieren zu reisen und von den Heilweisen anderer Kulturen zu lesen.

Last, but not least gehört das Singen zu unserem Leben, wie die Luft zum Atmen. Das macht uns einfach Freude. Auch wenn es immer wieder Phasen gab, in denen wir uns dem nicht widmen oder uns damit aus irgendwelchen Gründen nicht beschäftigen konnten, kam es doch immer wieder zu uns zurück. Es wohnt so sehr in unserem Herzen, dass es uns ohne die Stimmklänge einfach nicht gibt.
Singen ist eines unserer absoluten Lieblingsskills. Es bringt uns direkt in eine andere Schwingung. Dabei müssen es schwierigen Momenten keine Lieder oder Arien werden und selbst die einfacheren Mantren sind dann manchmal zu viel. Es reicht mit Summen zu beginnen. Anfangs vielleicht nur einen Ton, später verschiedene -leiser und lauter. Wenn es offener werden soll, gesellen sich noch die Vokale dazu. Wie es klingt, ist in den Momenten total egal. Die Töne lösen die Starre und Eingefrorenheit des Moments. Sie bringen in Bewegung. Für uns macht es das Gefühl, als würde die Aura nach einem Atemstillstand wieder anfangen zu atmen. Der Körper beginnt sich zu verändern, wird offener und freier.

Vielleicht ist deshalb auch das Schreiben ein treuer Begleiter in unserem Leben. Wir freuen uns darüber, dass uns der Weg des Selbstausdruckes so offen steht und uns erlaubt mit Worten zu malen, was uns bewegt. Unsere Hände geben uns und unserem Empfinden Stimme, wenn das Lied auf dem Papier gesungen werden muss. Wenn etwas einfach aus uns heraus möchte. Wenn das unbewussteste des Unbewussten sich in den Schreibbewegungen unseres Stiftes offenbart. Wenn ein Schriftdokument als stiller Zeuge eines Momentes einfach notwendig ist, um ihn zu späterem Zeitpunkt in den Zeugenstand rufen zu können.
Dann übernimmt ein Blatt die Zeugenschaft für all das, was passiert ist. Es bestätigt das, was uns damals zugestoßen ist im Jetzt, weil es unmittelbar dabei war, als wir es im Heute erlebten.

22 Kommentare zu “Freizeitspaß und Entspannung

  1. Liebe Sofie und die bunten Schmetterlinge,

    Vielen herzlichen Dank für diesen wunderbaren, inspirierenden und lebendigen (ich stimme Mrs. Tingley zu) Beitrag.

    Da kann ich ganz viel für mich heraus nehmen. (Ja, singen tut sehr gut.) Entweder ich finde mich wieder, oder bzgl. malen klingt es als wollte ich sofort mitmachen.
    Übrigens gefällt mir dein Bild sehr gut.
    Wer sagt denn, dass Entspannung nur Meditation ist? Freizeitspaß kommt bei mir echt zu kurz.
    Herzlichen Dank fürs mitnehmen in deinen Kosmos.😊

    Alles Liebe ❤️🕊️🍀
    „Benita“

    • Liebe Benita,
      vielen Dank für’s mitreisen in den Kosmos. 😉

      Wir würden sofort gemeinsam mit dir malen. Das hätte bestimmt auch etwas, wenn man zu zweit am Tisch sitzt und gemeinsam kreativ ist. 😊

      „Wer sagt denn, dass Entspannung nur Meditation ist?“
      Im Grunde sagt das niemand. Aber ich finde, dass das immer das erste ist, was damit verknüpft wird. Zumindest für uns. Du hast aber natürlich recht, dass man mit Freizeitspaß genau so gut entspannen kann und es da sicher noch viele weitere Möglichkeiten gibt. 😀

      Liebe Grüße,
      Sofie 🙂🦋💫

      • Liebe Sofie,
        Oh ja, gemeinsam malen hätte sicherlich etwas. Wer weiß, vielleicht machen wir das mal? 😉

        Wir meditieren seit gut zehn Jahren, manchmal regelmäßig, dann wieder selten und ich kann sagen, dass Meditation uns enorm gut tut, weil es eben konfrontiert mit Verdrängtem, weil es im Gehirn Synapsen neu ordnet, aber es ist auch Arbeit. Es ist niemals abschalten und Spaß haben. Dennoch mag ich es nicht missen, weil es Freiräume im Kopf schafft. Es ist Arbeit bei der ich mich entspannen (im Sinne von Anspannung loslassen) kann. Aber eben Arbeit. Spaß ist etwas anderes. Und ich kann deine Befürchtung, dass zu viel hoch kommt sehr gut nachvollziehen. Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass immer nur hoch kommt, was wir ertragen können. (Was sich in der Situation nicht immer so anfühlen muss. 😉) Allerdings ist sehr wichtig auf dich zu hören und deine Arten kreativer Betätigung …. wie gesagt uns gefällt das.
        Ein schönes Wochenende für euch. 😊
        „Benita“

      • Hallo Benita,
        ja, wer weiß!? 😀

        Ich finde es sehr schön zu lesen, dass du diesen Weg für dich gefunden hast. Den Aspekt der Freiräume im Kopf kann ich gut nachvollziehen. Ich stelle mir das so vor, als wäre ein Raum immer noch sehr voll und mit vielen Dingen bestückt. Nach der Meditation ist er aber aufgeräumt und man kann das Zimmer wieder freier betreten. Vielleicht kommt irgendwann in meinem Leben noch der Punkt, an dem ich es mit Meditation nochmal wage und lerne damit umzugehen.

        Euch auch ein schönes Wochenende! 🙂

        Liebe Grüße,
        Sofie

      • …. P.S.: Übrigens auch malen kann Meditation sein. Denn Meditation ist nicht immer nur ruhig Sitzen und dem Atem zuhören. Es gibt ganz viele Arten der Meditation. …. Das Ausführen sprengt den Rahmen. ☺️

  2. Danke für die tollen Anregungen 🙂 es spricht viel Kraft aus euch.
    Wir spinnen Wolle zur Entspannung und verstricken sie dann. Bei uns führt kreatives Arbeiten auch besser zur Entspannung, als Entspannungsübungen,
    lg zwischens

    • Oh, wie cool ist das denn! 😍 Das kann ich mir richtig gut vorstellen. Wenn ich die Möglichkeit dazu hätte, würde ich das sicher ausprobieren. So ein schnurrendes Spinnrädchen im Wohnzimmer, kann ich mir gut vorstellen.

      Liebe Grüße und einen schönen Sonntag! 😊

  3. Ich bin ganz tief beeindruckt!

    Das „Kritzeklbild“ mit den vielen Farben ist Kunst!!! Ich könnte es lange, lange ansehen. – Ich bin ansonsten gar kein Zeichner, Maler – aber so etwas traue ich mich vielliecht einmal zu probieren.

    Ihr seid phantastische Schmetterlinge!

    Ganz liebe Grüße!

    • Ja, das ist ganz einfach und geht je nach Papiergröße auch mal ganz schnell. 😀 Nur Mut, da kommen immer interessante Sachen raus! 😉

      Man hat übrigens wissenschaftlich festgestellt, dass bestimmte Formen in Kitzelbildern automatisch auftauchen, wenn man den „Kritzelnden“ z.B. Tiergeräusche von bestimmten Tieren beim zeichnen vorgespielt hat. Fast immer ließ sich dann das Huhn, der Hund oder die Katze automatisch in den unbewussten Kritzeleien wiederfinden und herausarbeiten. Natürlich mehr oder weniger stilisiert. Unser Notenschlüssel ist ja z.B. auch nicht ganz „original“, war aber enthalten, ohne, dass wir daran gedacht haben. Mit Hintergrundgeräuschen beim Malen ließe sich also auch spielen, falls man das mal ausprobieren möchte.

      Ganz liebe Grüße,
      Sofie 😊

  4. Liebe Sofie,

    wir waren so begeistert von eurem „Kritzelbild“, dass wir das gestern auch direkt ausprobiert haben. Eigentlich malen und zeichnen wir eher nicht und wenn dann eher sowas wie Mandalas, weil wir eine vorgegebene Struktur brauchen, um nicht in alten Dingen zu versinken. Wir empfanden die „Kritzelei“, die ja recht schnell geht, aber auch als Form der Struktur und das hat uns genug Sicherheit gegeben, um beim anschließenden Gestalten entspannen zu können. Das werden wir jetzt bestimmt öfter machen, vielen Dank für diese tolle Idee 🙂

    Liebe Grüße
    Bunte Sterne

  5. Wow zu dem tollen Bild.
    Und ein „erstaunlich“ zu der Tatsache, dass es bei uns genauso ist. Ein „Entspann dich“ ist ein Problem für uns, etwas was wir aus damals kennen…
    Wir malen auch gern so wie ihr, nur direkt mit der Farbe. Summen und singen oft. Natur beruhigt uns sehr, gibt uns Sicherheit… Auch Schreiben ist unser Ausdruck.
    Das sind auch z.Z. die einzigen Sachen die überhaupt gehen…
    Ist schon krass, dass es bei euch genauso ist, wir finden uns so wieder. Unsere Bilder sind diesem hier ähnlich. Das fasziniert mich gerade sehr und lässt mich staunen über diese Tatsache der Ähnlichkeiten unter verschiedenen Vielen…

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