Kinder erwünscht!?

Die lieben Sonrisas haben beim Beitrag für euere Fragen das Thema des Kinderwunsches aufgeworfen. Dem möchten wir uns hier in diesem Beitrag nun widmen.

Für uns selbst ist diese Frage schon immer ganz klar zu beantworten. Ja, wir wollen Kinder und wir freuen uns auch auf die Mutterschaft. Ich habe keine Angst davor, dass es meine Kinder in irgendeiner Form nicht gut bei uns haben werden. Sicher kann es passieren, dass wir Fehler machen. Die machen aber nicht traumatisierte Eltern ebenso. Ich bin der Meinung, dass wir ausreichend reflektiert sind und therapeutische Hilfe in Anspruch genommen haben, um verantwortungsbewusst mit unserer Geschichte umgehen zu können und sie nicht einfach auf’s Kind zu projizieren. An dieser Stelle möchte ich sogar behaupten, dass Kinder, die bei entwicklungswilligen traumatisierten Müttern aufwachsen bessere Chancen auf eine gute Kindheit haben, als Kinder, die mit Elternteilen aufwachsen, die im Bezug auf Gewalt frei nach dem Motto „Mir hat’s doch auch nichts geschadet“ agieren. Egal ob komplexe Traumata in der Vorgeschichte bestehen oder nicht, halte ich die reflektierte Auseinandersetzung mit Gewalt in all ihren Formen und den eigenen Ebenen von Betroffenheit für eine gute Mutterschaft ohnehin für unabdingbar.

Natürlich kann eine Viele-Mama auch mit sehr speziellen Problemen zu kämpfen haben und extreme Gefahren für das Kind mitbringen. Das sehe ich vor allem dann gegeben, wenn die eigene Sicherheit noch nicht gewährleistet ist und der Täterkreis nach wie vor Zugriff auf ihr System hat. Aber nicht nur die Täter könnten dann eine Gefährdung darstellen. Auch im Innensystem muss klar sein, dass keine Übergriffe, Gewalt oder Reinszenierungen auf das Kind bezogen stattfinden dürfen. Des Weiteren, sollte man sicher als Persönlichkeitsteam so stabil sein, dass man das Kind gut versorgen kann und es eine kompetente, nicht ständig ambivalente Mutter vor sich hat. Wechsel von Innenpersonen müssten an dieser Stelle kindgerecht und altersentsprechend kommuniziert werden. Ich finde es nicht zwingend dramatisch schlimm, wenn es Phasen gibt, in denen einem Elternteil mal alles zu viel ist oder man sehr traurig ist und Unterstützung braucht. Das ist nichts Furchtbares. Es ist aber ganz entscheidend, dass die Mutter sich bei Bedarf auch Hilfe sucht und annimmt. Ich glaube es geht mehr darum, wie gut sie letztlich dem Kind klären kann, was mit der Mama los ist ohne die Verantwortung abzuschieben oder aus dem liebevollen Kontakt zu gehen. Sie muss als Vertrauensperson beständig ansprechbar sein. Dafür braucht die Mutter auch ein Gefühl für gesunde Grenzen und zwar sowohl auf Seite des Kindes, als auch für ihre eigenen. Im besten Fall ist da wohl schon etwas an Therapiearbeit vorweg geleistet. Für uns ist klar, dass die Erziehung eines Kindes viele Triggerpotentiale beinhaltet, denen wir uns schon vor der Schwangerschaft bewusst sind. Hierfür wollen wir zumindest bereits theoretisch Strategien und „Trockenübungen“ für den Umgang haben, bevor unser Baby schlüpft. Die Realität wird dann sicher ohnehin nochmal fordernder.

Probleme und Schwierigkeiten kann es also in jeder Familie geben. Ob mit oder ohne DIS, Mono- oder Komplextrauma oder auch als komplett traumafreier Mensch – es gibt in jeder Sparte völlig ungeeignete Elternpersönlichkeiten und sehr gute und liebevolle Eltern, die ihre Aufgaben ernst nehmen.
Wenn es im Elternleben wirklich mal dick kommt, ist man Gott sei Dank als Eltern immer mindestens zu zweit. Der Vater ist ja schließlich auch noch da. Die DIS ist für mich sicher kein Grund keine Kinder zu bekommen. Genau so wenig, wie die traumatischen Erfahrungen als einen Makel an unserer Person gesehen werden können. Ich halte mich durchaus für eine starke Löwenmama mit ganz vielen bunten Facetten, die ich meinem Nachwuchs mal zu bieten habe. Darauf gespannt bin ich jetzt schon und freue mich sehr auf die Zeit.

13 Kommentare zu “Kinder erwünscht!?

  1. Ja, Löwenmama, das glaub ich Dir auch sofort. Und da ist es wieder „das Bewusstsein, die Reflektiertheit“ beide sind vonnöten für eine verantwortliches Muttersein. Ich unterschreibe alles, was Du darüber schreibst, dennoch war mein Muttersein völlig anders als ich es mir vorher – als ausgebildetete (und jahrelang praktizierende) Erzieherin, dann doch ziemlich anstrengender als ich es mir damals „im Trockenen“ vorgestellt hatte.

  2. Oh, ein brandaktuelles Thema, über das ich mich selbst im Kreis drehe… Kinderwunsch ist da. Fühle ich mich dem gewachsen…? Mich triggern so schnell körperliche „Dinge“, die ich nicht kontrollieren kann und ich fürchte bei einer Schwangerschaft den ultimativen Kontrollverlust über meinen Körper. Von der Geburt rede ich gar nicht erst… Es geht also nicht erst los mit den potentiellen Schwierigkeiten, wenn das kleine Wunder da ist, sondern schon viel früher. Ich glaube, ich wäre eine gute Mama, mit dem Wissen, dass es nicht unbedingt einfach wird aber ich müsste es erst einmal dahin schaffen. Ein sehr sehr belastendes Thema für mich. Tick Tack… 😢

    • Liebe MrsTingley,
      ich weiß grade nicht, wie alt du bist und wie viel Zeit auch vielleicht einfach noch da ist erst noch ein, zwei Jahre Therapie zu machen, aber wenn der passende Partner da ist, würde ich ja fast sagen: „Auf ins kalte Wasser!“
      Ich glaube bis ins letzte kann man das nicht planen. Manches kommt dann vielleicht auch ganz anders, als man es denkt. Vielleicht findest du es letztlich einfach nur wunderschön, dein kleines Kind im Bauch zu haben. Wenn es wirklich Probleme geben sollte, sind ja Ärzte und Therapeuten da, um etwas mit dir abzufangen. Die Geburt sollte auch nicht das Problem sein. Wie viele Mütter machen heute ganz ohne Trauma einen Kaiserschnitt, einfach weil es ihnen besser passt. Und mit der Narkose gibt es ja auch ganz viele Möglichkeiten. Solange du weißt, dass du das Kind liebst, egal was kommt, findet sich auch der Weg. Da bin ich mir sicher.

      Ganz liebe Grüße,
      Sofie

  3. Hallo Sofie, vielen Dank fürs Aufgreifen meiner Frage – Dein Text war vermutlich das Heilsamste, was ich zu dem Thema seit langem gelesen habe. Ich bin beeindruckt, wie Du Dich (ohne schon Mutter zu sein) in genau jene Fragen einfühlst, die ich mir auch stelle – leidiglich eine ist übrig geblieben, die würde ich Dir gern per Mail stellen, wenn das okay ist. 🙂 Alles Liebe, s.

    • Hallo Sonrisa,
      freut uns sehr, dass der Text in deinem Sinne war. 😊
      Natürlich darfst du die Frage per Mail stellen. Ich schau dann mal öfter in den Mails nach. 😉

      Liebe Grüße und einen schönen Sonntag! 😊

  4. Das Thema kreiselt bei mir auch derzeit oft. Immerhin wollte ich immer Kinder, doch auch ohne DIS reichen mir meine Persönlichkeitsstörungen, um mich zu fragen, ob und wie ich dem Kind gerecht werden soll. Nebenbei fehlt mir der Mann. Haha. -,- Nun Kinder strengen mich derzeit an und immer wenn ich welche sehe, versetzt es mir einen Stich. Somit, wenn Kinder, dann muss mein Bauch spüren, dass ich bereit dazu bin. Bin ja noch jung. Oder so in der Art. Die Drachin

    • Ich glaube, dass du den richtigen Moment sicher spüren wirst und dann auch der richtige Mann da ist. Manchmal kann man Kinder im Heilungsverlauf auch schwerlich ertragen. Dann ist es auch völlig legitim, wenn man noch davon Abstand nimmt.

      Liebe Grüße,
      Sofie

  5. Danke für deinen Post, er hat mich ganz besonders berührt! Ich finde, man merkt in jeder Zeile, wie viel Liebe du und die bunten Schmetterlinge einem zukünftigen Kind zu geben habt.
    Kinderwunsch ist für mich auch ein wichtiges, emotionales Thema. Ich wünsche mir eines Tages so sehr ein Kind, habe aber schrecklich Angst, ihm/ihr krankheitsbedingt nicht gerecht werden zu können oder meine Erkrankungen zu vererben (ich komme aus einer Familie, in der gehäuft psychische Erkrankungen zu finden sind und habe z.B. gesehen, wie mein eines Elternteil

    • Liebe Nelia,
      ich glaube du wirst eine hervorragende Mutter sein, wenn es soweit ist. Es spricht ja auch gar nichts dagegen sich Hilfe dazu zu holen, wenn du wirklich an irgendeiner Stelle merken solltest, dass du ins Straucheln gerätst.

      In Sachen Vererbung von psychischen Erkrankungen allgemein: Ich glaube persönlich, dass das Umfeld in dem man aufwächst diesbezüglich mehr bewirkt, als irgendwelche Gene. Sie sind für mich eher wie eine Schwachstelle zu sehen, an der schneller Erkrankungen entstehen können. Aber liebevoll bemühte Eltern und bekannte machen da sicher ganz viel weg. Und du setzt dich mit deinen Mustern ja auch schon länger auseinander.

      Liebe Grüße,
      Sofie

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