Die Bedeutung der Diagnostik von dissoziativen Traumafolgen – Eine persönliche Sicht

Im Grunde können wir es kurz machen: Solange keine Diagnose der passenden dissoziativen Störung erfolgt, gibt es keine erfolgreiche Behandlung.

Was hier zunächst hart klingen mag, wollen wir im Folgenden aus unserer Sicht erklären. An unserem Einleitungsstatement werden bei näherer Betrachtung eine ganze Hand voll Kernproblemen für Betroffene sichtbar. Eine erfolgreiche Therapie scheitert allzu oft, bevor sie richtig begonnen hat. Nämlich an der Diagnostik. Die Gründe dafür sind vielfältig. Dissoziative Patienten leiden oft an einem ganzen Strauß von Symptomen, wie Depressionen, Angststörungen und Zwängen. Diese können die dissoziative Grundstruktur überdecken. Das macht es den Medizininern schwerer, die richtige Hauptdiagnose zu finden. Ich möchte behaupten, dass selbst eine richtig erkannte PTBS in der Behandlung nicht weiterführt, wenn das Identitätserleben dahinter nicht einbezogen wird.
Jahrelang kamen wir wegen psychischer Krisen immer wieder in Kontakt mit dem Gesundheitssystem. Wir wurden wegen Angststörungen, Depressionen und Essstörungen behandelt. Auch Schizophrenie stand zur Debatte, weil wir derart „wechselhaftes“ Verhalten in Behandlungssituationen in Arztpraxen zeigten. Die dahinterstehende Triggerung erkannte damals niemand. Wir wären auf den geschulten Blick eines Behandlers angewiesen gewesen, aber der fehlte. Sämtliche Behandlungsversuche schlugen fehl. Durch einige ging es uns sogar zunehmend schlechter. Bei der Therapeutin, die später eine PTBS-Diagnose stellte fühlten wir uns schon etwas mehr gesehen. Dennoch ließ sich an unseren Problemen nur sehr wenig bis gar nichts ändern, obwohl ich mich sehr darum bemühte und sämtliche Übungen teils exzessiv zu Hause praktizierte. Heute ist mir klar weshalb. Es waren nicht meine Symptome. Eine Innenperson hätte Hilfe gebraucht. Der Durchbruch kam Jahre später, als die DIS-Diagnose zum ersten Mal offen auf dem Tisch lag. Bei aller anfänglicher Abwehrhaltung meinerseits wurden dennoch die Probleme plötzlich zugänglich und beeinflussbar.

Weshalb aber erkennen vermeintliche Fachpersonen wie Ärzte und Psychotherapeuten eine schwere dissoziative Störung nicht?
Oft liegt es daran, dass sie schlicht nichts darüber wissen (wollen). Erst in den letzten Wochen konnten wir das erneut erleben. Bei unserer derzeitigen Arztsuche war von „Eine DIS gibt es nicht“ bis hin zu „DIS ist doch nichts anderes als Schizophrenie“ und „Wenn ich ehrlich bin, kann ich mit der Diagnose gar nichts anfangen. Ich weiß nicht, was ich da machen soll“ alles dabei. Das zusätzlich höchst erschreckende ist, dass wir die Ärzte bereits mit den entsprechenden Diagnoseberichten aus Traumafachkliniken aufsuchten. Sie mussten die richtige Einordnung unserer Symptome nicht erst finden. Dennoch konnte uns niemand adäquat behandeln. Wir suchen weiter. Mehrfach haben wir uns im Nachhinein jedoch gefragt, wie Ärzte Menschen der richtigen Behandlung zuführen wollen, wenn sie die vielleicht passende Diagnose gar nicht auf dem Schirm haben. Diese Mediziner hätten uns ja ohne unser Vorwissen nicht einmal adäquat überweisen können, weil sie auch da keine Idee gehabt hätten wohin. Wer mit vorhandenen Diagnoseberichten nicht umgehen kann, wird erst recht keine Chance bei der Diagnostik von oft diffusen Symptomen von dissoziativen Störungen haben. Betroffene, die noch nicht wissen, wovon sie betroffen sind, können nicht gezielt nach DIS-Experten suchen.
Wobei wir nun bei einer Schwierigkeit angelangt sind, die es auch erfahrenen Kollegen mit der Diagnostik sicher nicht leicht macht. Sie müssen nämlich eine Erkrankung erkennen, von der ihr Patient unter Umständen selbst gar nichts berichten kann, weil er nichts davon weiß. Das wiederspricht dem gängigen Ablauf von Diagnostik: Man geht zum Arzt, schildert die Symptome, der Mediziner untersucht entsprechend den Schilderungen alle dazu passenden Möglichkeiten und kommt darüber zum Ergebnis. Bei einer dissoziativen Störung müsste er sich mit dem beschäftigen, was der Patient nicht erzählen kann. Er müsste die Möglichkeit von massiven Traumatisierungen im Hinterkopf behalten, obwohl die Alltagsperson, die vor ihm sitzt, von glücklicher Kindheit spricht. Es bräuchte unter Umständen längeren, wiederholten Kontakt, bei dem gezielt nach Anzeichen für dissoziative Phänomene gefahndet würde. Und das standardmäßig! Das wiederum setzt eine entsprechende Integration der Thematik in die Ausbildung selbst von Hausärzten voraus.

Was wir an dieser Stelle unbedingt auch mal gesagt haben wollen: Solange die Ärzte Schizophrenie und DIS nicht sorgfältig trennen können, ist es für Betroffene extrem schwer über ihre wahrnehmbaren Symptome zu sprechen. Wir gerieten mehrfach in Bedrängnis und mussten zurückrudern, weil wir etwa von den Gesprächen der Innenpersonen in unserem Kopf berichteten. Irgendwann haben wir’s gelassen unser Erleben offen zu legen und die Frage nach Stimmen schlicht mit „Nein“ beantwortet. Das erschwert umgekehrt allerdings geschulten Therapeuten die Diagnostik, weil ihre Patienten aus Angst für verrückt gehalten zu werden wichtige Details verschweigen.

Abschließen möchten wir diesen Beitrag mit schönen und mutmachenden Erlebnissen im Bereich der Diagnostik.
Als wir damals die Diagnose erstmals erhielten, war ich als Außenperson ziemlich überwältigt. Ich war alles andere als offen dafür. Dennoch hat sich seitdem so vieles in unserem Leben verbessert. Es ist viel mehr unseres, als eine Mischung aus Wunschvorstellungen anderer. Wir haben Therapeuten kennen gelernt, die sich wirklich aus vollem Herzen allen Widerständen zum Trotz für die Belange ihrer dissoziativen Patienten einsetzen. In einer Traumaambulanz haben wir selbst ein diagnostisches und behandlerisches Vorgehen erleben dürfen, das wir wirklich loben müssen. Also lasst euch nicht entmutigen! Es gibt auch Lichtblicke!

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33 Kommentare zu “Die Bedeutung der Diagnostik von dissoziativen Traumafolgen – Eine persönliche Sicht

  1. Hallo Sofie,
    OMG. Das ist der zeite Artikel in den letzten Monaten, den ich liebend gern an eine Therapeutin (KR) weiterleiten würde!
    Ich hab ziemlich viel von dem, was da steht, frisch am eigenen Leib durch: Über 10 Jahre in Traumatherapie (immer wieder, nciht durchgegehend) – und per DIS-Diagnose einen regelrechten Erleuchtungsmoment und erstmals macht Therapie Sinn (bzw. würde Sinn machen, wenn ich eine Therapeutin finden würde, die sich damit auskennt – aber ich mache auch ohne Therapeutin seitdem echt große Fortschritte), Symptomhiphop & Diagnoseprobleme. Mein derzeitiges Highlight: Meine Psychiaterin sagt der Klinik die (korrekte) Diagnose schriftlich vor, die Klinik entlässt mich mit ihren eigenen Spekulationen am Arztbrief (F44.9 und „Verdacht auf“ zwei Persönlichkeitsstörungen, von denen ich noch nie gehört habe und die mein Mann kommentierte mit: „Ja, aber da erfüllst du doch nicht mal ein halbes Kriterium von EINER der beiden?! Hä?!“), und insgesamt spürte ich dann die nicht vorhandene Erfahrung (Überforderung) meiner Behandler in Form von Vorwürfen und dem Anspruch, dass mein Großhirn alles übersteuern können soll, was irgendwie komisch ist. Gleichzeitig Beschallung mit dem Lehrbuchsatz: „Alle Anteile sind willkommen.“ – Ja, nur kriegen die dann Persönlichkeitsstörungen angedichtet, weil sie sich nciht so recht erwachsen benehmen. Ääääähm. Ich weiß wirklich nciht, wie ich diese Erfahrungen nun einsortieren soll. (Ich überfordere meine Behandler permanent, es tut mir schrecklich leid einerseits, andererseits ist es auch nicht meine Schuld, dass man in einer Traumaklinik „nicht mehr als 50 Beratungsstunden mit DIS hat“ – verglichen mit der Schätzung der ISSTD, dass 1% der Bevölkerung mit DIS rumläuft, kann man ja allein daraus ableiten, dass deren Diagnostik einen Platten hat.) Ich weiß auch nicht?

    • Liebe Sonrisa,
      Wenn dir das hilft, darfst du den Beitrag gerne weiterleiten.

      Deine Verwunderung über die Klinik kann ich gut verstehen. War grade auch irgendwie verwirrt und hab mich gefragt, was das jetzt soll. Eine Persönlichkeitsstörung ist doch was komplett anderes! Die Überforderung der Behandler muss nicht dir leid tun, sondern den Behandlern! Das zeigt, dass sie offenbar nicht ausreichend geschult sind, um gut mit dir umgehen zu können. Außerdem berechtigt Überforderung nicht zu „ich mach mir meine Welt, wie sie mir gefällt“. Wir wären an deiner Stelle wahrscheinlich stink sauer und verletzt von diese massiven Grenzüberschreitung. Außerdem würden wir uns hintergangen fühlen. Wenn sie andere Diagnosen stimmiger halten, dann sollen sie das gefälligst während der Klinikzeit absprechen und nicht danach im Brief hinterherschieben.

      Kannst du darauf bestehen, dass die Diagnosen auf dem Entlassbrief richtig gestellt werden?

      Tut uns wirklich leid für euch gerade!

      Liebe Grüße und viel Kraft,
      Sofie und die bunten 🦋

      • Hallo Sofie, vielen Dank für Deine an-deiner-Stelle-Schilderung, das hilft mir gerade. In dem Sinne, dass es auch okay wäre, sauer zu sein (während ich da eher auf eine Sachebene rutsche, die unterm Strich Unprofessionalität bis zur nicht Nachvollziehbarkeit ergibt).
        Grenzüberschreitend war das Ende der Klinikzeit in vielerlei Hinsicht…
        Ich weiß nicht, ob ich darauf bestehen kann, vermutlich nicht. Ich kann eine psy-Testung machen, die die Verdachtsdiagnosen entweder bestärken oder widerlegen.
        Die Ärztin in der Klinik ist der Meinung, sie darf das. Ich frage mich viel eher: Warum WILL sie?! Was hat sie davon, Diagnosen zu vergeben ohne fundierte Testung (aufgrund von 4 Gesprächen mit ihr) und ohne Erklärung an die Patientin? Was hat sie davon, einen Termin zur Klärung dessen abzuweisen? Was hat sie davon, wenn ihr jemand die korrekte Diagnose vorsagt und cih mich nun testen lasse mit zu erwartendem Ergebnis – dann steht doch SIE diagnostisch inkompetent da?! Ich rall es nicht.
        Leid tun… danke für dein Mitgefühl… aber muss gerade nicht… denn es stimmt einfach nicht – ich habe mit meinem Mann drüber gesprochen, mit eingeweihten Freundinnen – die finden diese Persönlihckeitsstörungsdiagnosen Irrsinn für mich. Das reicht mir eigentlich als Feedback, dass leid tun nicht so richtig nötig ist. Ich bin einfach entsetzt über das Helferwesen – wieder einmal. Diagnosen sagen manchmal mehr über den aus, der sie vergibt…
        lg s.

      • Also ich hab jetzt irgendwie nur noch Fragezeichen im Kopf, wenn ich das so lese. Man bietet dir jetzt eine Testung an, wo man doch Wochenlang mit dir gearbeitet hat und dissoziationen hautnah erleben konnte. Das hätte doch dann, wenn überhaupt, schon längst passieren müssen. Abgesehen davon waren doch schon Innenleute in der Therapie, oder? Da ist doch jeder Fragebogen auf dissoziative Störungen hinfällig. Und deine Bezugstherapeutin wird ja wohl wissen, was sie diagnostiziert hat! Was die Ärztin damit bezweckt weiß ich nicht. Ein bisschen klingt es danach, als wolle sie mehr sich selbst beweisen, dass die Diagnosen nicht zutreffend sind, als dir einen Gefallen damit tun. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf… Du hast völlig recht, dass dieses Vorgehen mehr über sie aussagt, als über dich. Schrecklich….

        Sei ganz lieb gegrüßt! 😊

  2. Liebe Sofie, wie immer ein wichtiger Beitrag….dennoch denke ich/wir halt mit und ich habe mir die Frage gestellt, ob das wirklich stimmt „ohne richtige Diagnose keine Behandlung – aber vielleicht eine „Heilung“?
    Was wäre wenn….z.Bsp. vielleicht eine gute Therapie wäre, wenn man „einfach nur“ die sog. Patienten die Führung zu ihrer Heilung überliese? Ich meine im körperlichen Sinne tue ich das schon längst, ich überlasse meinen Körperheilungssystem ja auch sich zu heilen und vertraue der Schulmedizin nicht, die ohnehin nur die Symptome angeht mit Antibiotika, Cortison…..
    Wäre eine Therapie, wo der Patient/Klient den Weg vorgibt, das Individum oder die Innens eben sich äußern dürfen, gehört werden und der Therapeut sich nach ihnen richtet, ihnen zuhört, ihnen glaubt, ihre Vorschläge entwickeln ließe und sie nur empathisch begleitet und auf gleicher Augenhöhe vielleicht rückmeldet, was er wahrnimmt? Wäre so eine Begleitung von sog. Psychisch Kranken – egal welche Diagnose – nicht hilfreicher als so eine aufgesetzte Therapie nach Diagnosen?
    Mensch in Not ist Mensch in Not – egal ob er viele Anteile oder Innens oder Uno ist und gibt es da nicht auch sowas wie eine innere Seelenführung (wie eben auch ein körperliches Selbstheilungsprogramm) in uns?
    Ich denke oft liebe Sofie weißt soviel – braucht es da nicht einfach nur eine offene wohlmeinde, mitfühlende, kompetente Begleitung mit gesunden Menschenverstand – als Therapeut?

    • Hmm… das finden wir schwierig. Ich kann sehr gut nachvollziehen, was du meinst. An so etwas wie innere Führung in Sachen Heilung glaube ich fest. Ohne Empathie wird die beste Therapie nichts bringen und in der Tat empfinde ich das als eine Grundvorraussetzung für Heilungsbegleitung. Da geh ich völlig mit dir da cor.

      Nichts desto trotz haben wir die Erfahrung gemacht, dass Empathie alleine für uns nicht reicht. Ich will einen Guide. Jemanden, der mir auch sagen kann, wie man in meiner speziellen Situation Dinge löst. Dafür muss er Wissen haben und selbst einen Plan von dem, was mein Empfinden und meine innere Struktur ist und was das bedeutet. Wenn ich in eine Gletscherspalte gestürzt wäre, würde ich wollen, dass mich jemand Rettet, der darin Erfahrung hat. Der mir sagen kann welche Schritte nun notwendig sind, um mich aus der misslichen Lage zu manövrieren. Der das Gelände kennt, in dem er sich mit mir bewegt und entsprechend auch Gefährdungen bei der Rettung im Auge behalten kann. Natürlich arbeitet man dann empathisch zusammen, aber der Helfer weiß, was er tut.
      Als anderes Beispiel: Wenn ich einen Handwerker brauche, weil etwas kaputt ist, rufe ich beim entsprechenden Spezialisten an. Es hilft mir alles nichts, wenn mein sehr empathischer Nachbar mit mir die kaputte Heizung anstarrt und selbst nicht einmal die „Diagnose“ kennt, geschweige denn eine Lösung hat. Natürlich will ich letztlich mitentscheiden entsprechend meiner finanziellen Mittel und Bedürfnisse, was gemacht wird, aber dennoch patenten Rat vom Heizungsbauer erhalten, was kaputt ist und wie man das repariert.
      Mensch in Not ist Mensch in Not, im Sinne von er hat Hilfe verdient. Aber die muss individuell passend sein.

      Wir persönlich, wollen unser Erleben auch als DIS benennen. Nicht als Schublade sondern als Fakt. Das gehört für uns absolut zur Heilung.

      Was letztlich das Beste ist, muss/darf jeder für sich selbst herausfinden. Für uns ist die Diagnose das Schlüsselelement, um in der richtigen Richtung möglichst schnell und effizient nach Lösungen zu suchen.

      Ganz herzliche Grüße,
      Sofie 😊

      • Ja, da hast Du sicher recht – bei dem Beispiel mit dem Gletscherabsturz – da hätt ich auch gerne kompetente Hilfe, dass der Helfer nicht dann bei mir in der Spalte hängt – empathisch 😉 das würd mir dann ja auch nix nützen, ausser dass wir „in Gesellschaft“ erfrieren.
        Gibt es denn einen wirklich guten Plan für eine Therapie mit DIS-Leuten? Ich glaub, ich habe da mit meinen Erfahrungen schon längst aufgegeben… Ich denke halt, wenn ich die IFS-Therapie machen werde (so endlich der Fond bezahlt) gehe ich den unfähigen Pseudotherapeuten aus dem Weg, die mich nur wieder retraumatisieren. Meine Überlegung ist da halt, ob es nicht vielleicht reicht, wenn ich selbst mit den Inneren in Kontakt komme (in Begleitung) und für die gut sorge, dass ich uns dann halt am besten helfen kann – denn die sog. Traumatherapien haben nur alles schlimmer gemacht.

      • Liebe Melinas,
        einen Versuch finde ich die IFS wert. Wenn sie dir dabei hilft dein Innen kennen zu lernen, wäre das doch super. Das klingt nach einem guten Plan.

        Ich glaube der Plan bei einer DIS-Therapie ist, dass man sich Innen kennenlernt, gemeinsam Probleme löst und die Traumata verarbeitet. So habe ich das zumindest verstanden.
        Ich finde es richtig schlimm, dass du derart entmutigende Erfahrungen gemacht hast, dass du das Vertrauen so verlieren musstest! 😕 Das ist auch ein Grund, weshalb ich der Meinung bin, dass Traumatherapie und Traumatherapie bei DIS zwei völlig unterschiedliche paar Schuhe sind. Das raffen leider die wenigsten Therapeuten.

        Ich glaube, dass es gut ist, wenn du auf deinen Bauch hörst und die IFS ausprobierst. Das muss sich für dich ja stimmig anfühlen. Sonst hättest du wohl kaum das Geld dafür beantragt. Mein Beitrag war ganz und gar nicht dazu gedacht dich auf deinem Weg zu verunsichern! Im Gegenteil. Es ging vielmehr darum aufzuzeigen, wie wichtig es ist die DIS als Therapeuth im Blick zu behalten, weil das sonst zu massiven Problemen führt. So habt ihr es ja auch schon erlebt. Das heißt aber ja nicht, dass dein Weg für dich jetzt nicht zielführende ist. 🙂

        Ich drück dir ganz fest die Daumen, dass die Therapie dir endlich all das bietet, was ihr braucht!

        Gute Nacht und liebe Grüße,
        Sofie 😴

      • Ja Sofie, es ist wahr – es verunsichert manchmal schon, wenn so ein Beitrag geschrieben ist und ich stell mich und meine Entscheidung oft mal wieder in Frage – iss ja vielleicht nicht schlecht – gehört ja irgendwie zum Leben dazu.
        Es ist wahr es geht ja darum (auch bei IFS hoffentlich) die Innens besser kennenzulernen und dabei einfühlsame Begleitung zu haben. Danke für die Ermutigung. ❤

      • Das wird bestimmt! Wir haben schon so viele Sachen versucht, bei denen andere die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würden und für uns waren das wichtige Erfahrungen. Wenn du das als deinem Weg spürst, ist das immer richtig! 💛

        Liebe Grüße,
        Sofie

      • „Gibt es denn einen wirklich guten Plan für eine Therapie mit DIS-Leuten? “

        Es gibt nicht den e i n e n universellen, guten, funktionierenden Plan. Es gibt einige gute Ansaätze von denen aus man etwas individuelles aus erarbeiten kann.

        Denn da wir alle unterschiedlich sind – sowohl in dem was wir erlebt haben, als auch in dem wie wir damit umgehen (können) – können und müssen unsere Therapien immer individuell abgestimnmt sein. Für dich mag IFS das ideale sein, für jemand anderen ist den die klassische Konfrontation und für die nächste ist es Hypnose. Es ist extrem wichtig, eben nicht nach e i n e m festen Plan zu therapieren.

        Meine Meinung.

      • Nun….es ging ja hier in diesem Beitrag um die Erkennung oder Anerkennung der Diagnose DIS – dass nur dann eine wirkliche Therapie erst möglich ist. IFS arbeitet nicht mit solchen Diagnosen/Schubladen – sie geht davon aus, dass wir alle viele Anteile in uns haben, die alle wichtig sind und eine eigene „Seinsweise“ (die uns natürlich beeinflusst) haben und Berechtigung – aber die Diagnose DIS spielt dabei keine Rolle.
        Heißt das im Umkehrschluß jede Therapieform, die die einzelnen Teile/Innens/Innenkinder…berücksichtigt ist da genauso gültig und gut? Heißt das, dass die Diagnose DIS die Du Sofie da in diesem Zusammenhang erwähnst und nur dann therapierbar macht – eben nicht nötig ist? Oder versteh ich da was nicht richtig?

      • Liebe Melinas,
        wir merken, dass euch das Thema sehr bewegt. Euch so aus der Bahn zu werfen, wollten wir mit dem Beitrag gar nicht auslösen!

        Ich kann nicht generell beurteilen, welche Therapieform für Andere gut ist oder weiter bringt. Persönlich kenne ich die IFS nicht. Für uns ist ganz klar, dass die Diagnostik und Beachtung der DIS maßgeblich für den Erfolg ist. So erleben wir das selbst und in unserem Umfeld. Die Arbeit mit Anteilen ist nicht das Gleiche, wie Arbeit mit Innenpersonen. Das ist für uns der Knackpunkt.

        Dennoch heißt das ja nicht, dass nicht andere Viele, so wie du, eigene Erfahrungen sammeln dürfen und das vielleicht ganz anders sehen. Jeder Mensch ist in seiner Geschichte einzigartig und da können auch andere Therapieansätze passend sein. Wart ihr denn schonmal bei einer Therapeutin, die mit der IFS Methode arbeitet? Manchmal ist es da wirklich das Beste, man probiert Dinge einfach aus und lässt sie wieder, falls sie nicht gut tun.
        Also Kopf hoch und mit Mut voraus!😉

        Liebe Grüße,
        Sofie 🙂

      • Hey Sofie, das wollte ich wiederum nicht, dass Du Dir einen Kopf um mich und meine Reaktionen auf Dein Geschriebenes machst. Wenn einen etwas beschäftigt, dann muss das nicht schlecht sein – also keine Sorge. Du weißt doch ich habe die Klara Gründlich, die beäugt alles immer ganz genau.
        Zu Deiner Frage – ne ich habe IFS noch nie ausprobiert, aber alles drüber gelesen was es gibt – war uns sehr einleuchtend.
        Grüßle von Melinas und Klara im Besonderen

      • Oh keine Sorge! Bei mir ist auch alles gut. 😀

        Ich find das Prima, dass die Klara Gründlich da so fit ist!

        Wenn dich das so anspricht, würde ich mir da an deiner Stelle keinen Kopf machen!

        Liebe Grüße an euch und Klara zurück,
        Sofie und die bunten 🦋

  3. Wieder mal ein super Beitrag.
    Uns ging es auch so. Alle Therapien bis zu der Diagnose brachten keine Besserung. Erst jetzt mit richtiger Therapeutin, wo jeder von uns persönlich sein darf verändert sich was. Daher finden wir es sehr wichtig die richtige Diagnose zu kennen, um die richtige Therapie bekommen zu können.
    Sind auch der Meinung, ein Blinder kann einen anderen Blinden nicht führen, egal wie sehr er sich anstrengt und empathisch ist. Er sollte doch zumindest etwas sehen können, Techniken kennen oder sich vor Ort auskennen. Sprich DIS Kenntnisse sollten doch schon sein. Vor allem wenn es Programme gibt, sollte der Behandler auch da ein Weg kennen.
    Ich kann diese Diagnose manchmal noch nicht annehmen, aber ohne sie würde ich so gar nicht verstehen wieso ich Dinge tue, die ich verabscheue, oder mich so peinlich benehme. Und erst recht könnte ich nicht glauben, dass „ich“ wirklich Dinge tue von denen ich nichts weiß. Es erklärt so viel…
    Ob jetzt DIS oder DDNOS finde ich nun nicht ganz entscheidend, so lange der individuelle Zustand berücksichtigt wird und die amnestischen Barrieren überbrückt werden und alles und jeder sein darf.
    Wenn ich an den letzten Klinik Aufenthalt denk, wäre ich echt so mega dankbar gewesen wenn man diese Diagnose berücksichtigt hätte.
    LG

      • Ja in der Tat. Ich weiß zum Beispiel jetzt, wie ich manche beruhigen kann, kann ihnen erzählen was heute ist und sogar bei Menschen die extrem triggern und zum Wechseln führen, konnte ich heute selber da sein, weil ich es im Vorfeld mit den betreffenden Innis besprochen habe.
        So etwas war vor der Diagnose unmöglich, da gab es kein Kommunikation in dieser Art.
        Aber es hat auch viele Nachteile, denn ich erfahre Dinge, mit denen ich nicht klar komm. Ständige Erinnerungen und Flashbacks zerren stark an den Kräften… Aber irgendwie ist genau das der Weg zum Verstehen.
        Ist echt Hammer schwer alles.
        LG ❤

  4. Vielleicht ist es ja so, dass die Diagnose DIS ja notwendig war um mich weniger verrückt zu fühlen und vielleicht brauche ich es in der Therapie gar nicht mehr, dass der Therapeut damit arbeitet – vielleicht reicht es ja , wenn ich weiß wer da bei mir agiert.

  5. ich krieg´s echt nicht in den Kopf wie „Fach“-Leute allen Ernstes Schizophrenie und DIS verwechseln oder gar in einen Topf schmeißen können … Die Symptomatik ist doch völlig (!) unterschiedlich, besonders was die „Denkstörungen“ angeht- es sei denn, man hat ne Innenperson mit Psychose vor sich. Ächtz.

  6. Ja, es gibt zum Glück Lichtblicke – aber vorher muss man die ganze Misere des Gesundheitssystems durchlaufen – kein Wunder, dass sich so viele aufgeben – Man muss immer wachsam sein, gerade, wen man selber nicht weiß, was mit einem geschiet…

  7. Liebe Sofie,
    endlich habe ich diesen wunderbaren Artikel von dir gelesen. Danke dafür.

    Ich kenne so viele Fehldiagnosen von mir. An der Uni-Klinik wurde mir von einem Arzt eine psychotische Schizophrenie bescheinigt, während der Kollege in derselben Abteilung uns die DIS bestätigte. Tatsache ist auch, dass meine langjährige Therapeutin sich in Zusatzausbildungen (Brainspotting) konkret zur Anwendung bei Dissoziativen Störungen (DIS bzw. DDNOS) erkundigt hatte und vom Ausbildner keine Antwort erhielt und alle Kolleg_innen in der Ausbildung keiner Interesse daran hatten. Als ich einmal sehr klagte zuwenig Anleitung von meiner Therapeutin zu erhalten, dass eben sie auch eine Blinde unter Blinden ist, meinte sie, dass sie Hilfe sucht, sie aber (zumindest in Österreich) kaum zu finden ist. Ich kann ihr nicht sagen, fahren Sie doch zu Experten nach Deutschland oder wohin auch immer. Dass in Wien keine kompetenten Menschen zu finden sind ist eine Katastrophe. Ist ja jetzt kein kleiner Ort hier. Das ist aber meine Erfahrung. Retraumatisierende Psychotherapien habe ich viele Jahre gemacht. Als ich einer ehemaligen Therapeutin, die die Diagnose kanne und auch akzeptierte klagte, dass wir immer weiter aufspalten, meinte sie nur lapidar, dass ihr das auch schon aufgefallen ist. Diese „Splitter“-Persönlichkeiten um die Therapie zu überleben verschwanden schnell, als wir bei unserer jetzigen Therapeutin waren. Die waren schnell wieder vom Gesamtsystem aufgesogen bzw. integriert, weil nicht mehr notwendig.

    Deine Ermutigung zum Schluss tut sehr gut. Trotz widrigster Umstände haben wir schon viel Heilung erreicht. Ich denke, dass das Gute ist, dass es tatsächlich nur wenige Leute braucht, die an dich glauben und sich engagieren. Dann geht dennoch vieles.

    Herzliche Grüße 🌸🍀🌷
    „Benita“

    • Hallo Benita,
      ja, genau, sowas könnte ich auch sagen (obwohl in Deutschland) „trotz widrigster Umnstände haben wir schon viel Heilung erfahren“. Und auch diesen Satz: „dass diese Splitter-Persönlichkeitn – um die Therapie zu überleben schnell verschwinden“…bzw. sich schnell wieder zurückziehen, aber dann der Punk halt zu Hause abgeht – außerhalb der Therapie.
      Grüßle von Melinas

    • Vielen Dank für das Lob! 😊

      Gibt es denn nicht die Möglichkeit, dass sich deine Thera zumindest telefonisch Unterstützung holt? So hat es unsere Thera anfangs auch gemacht, weil in der Nähe einfach nichts war. In der heutigen Zeit dürfte das ja übers Internet kein großes Problem sein.

      Ich find‘s immer wieder beeindruckend, dass man dann trotz wiedrigster Umstände persönlich doch voran kommt. Die Psyche ist ein echtes Wunderwerk. 🙂

      Liebe Grüße,
      Sofie ☀️

      • Oh ja, die Psyche ist ein Wunderwerk, aber DIS Personen haben zumeist auch besondere Talente, sonst hätten sie nicht überlebt. Diese Hochbegabung, mit der ohne Gewalterfahrungen wohl Karriere gemacht werden könnte, wird eben nun zum heilen eingesetzt. Ich denke immer, wäre ich nicht so intelligent und sensitiv, wäre ich als Kind (Baby) bereits gestorben. Ich hoffe, das klingt nicht überheblich. Das ist ja auch nur wenig mein Verdienst, denn diese Fähigkeiten habe ich eben mitbekommen. Ich wende sie an, wo ich kann. Das darf ich doch so sagen? Weil ich bin sehr glücklich darüber klar denken zu können.

        Danke für den Tipp mit telefonischer Unterstützung der Therapeutin. Ich werde das mal einbringen. Vieles ist dennoch ein Kennenlernen und sich gemeinsam dem System annähern. DIS Therapie braucht eben auch lange. Leider.
        Liebe Sonnige Grüße
        „Benita“

      • Ich finde, dass du das absolut so sagen darfst! Da kannst du wirklich stolz auf dich sein und es ist toll wenn du deine Talente sehen kannst! Finde ich überhaupt nicht überheblich. 🙂

        Vielleicht kennen die von Vielfalt e.V. ja auch Kollegen in Österreich?

        Liebe Grüße,
        Sofie 😊

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