Körper im Traumaburnout

08C0FA78-FBC0-4570-BC1D-1178DAF75B4AIch erinnere mich noch wie gestern. Dabei ist es nun schon über vier Jahre her. Es geschah an einem Ostersamstag. Das Wetter war traumhaft. Die Sonne schien. Ich stieg ins Auto, um mit meiner Freundin vom Essen nach Hause zu fahren. Die Stimmung war gut. Wir lachten. Mitten auf der Landstraße mit gut 100 Sachen stolperte plötzlich mein Herz. Ich klammerte mich ans Lenkrad. Mir wurde schwarz vor Augen. Im letzten Moment brachte ich den Wagen am Straßenrand zum stehen. Ich bemühte mich bei Bewusstsein zu bleiben und ruhig zu atmen, während mein Herz um sein Leben stolperte. Die Arme wurden Taub. Dann gingen bei mir die Lichter aus.

Was folgte, ließe sich in Kurzfassung so beschreiben: Bei mehrfachen Krankenhausaufenthalten stellten die Ärzte fest, dass mein Herz gesund sei. Es raste zwar für Wochen beständig mit einem Ruhepuls von über 140, das sei jedoch nichts bedrohliches und würde sich wieder geben, sobald ich mich entspanne. Dazu kam ein weiteres belastendes Symptom. Immer öfter viel ich aus heiterem Himmel einfach um. Eine auf Anraten der Ärzte aufgenommene Psychotherapie konnte die Symptome kaum dämpfen. Ein bisschen hatte ich damals das Gefühl, ich könnte mich in aller Seelenruhe ins Grab meditieren, die Ohnmachtsattacken blieben. Natürlich war ich auch überzeugt, dass all die schrecklichen Momente körperlich verursacht wurden. So erlebte ich sie ja. Spürbare Angst Fehlanzeige. Doch damit nicht genug. Meine Nerven vibrierten und zitterten im Körper. Bald schon konnte ich nichts mehr essen. Mein Körper reagierte heftig auf jede Nahrung mit Durchfall, Kreislaufzusammenbrüchen, Erstickungsattacken und allergischen Schüben. Über zwei Jahre ernährte ich mich ausschließlich von Kartoffeln, was zu extremen Gewichtsverlusten führte. Die Ärzte waren mit ihrem Latein am Ende. Ich war einfach nur fix und fertig. Ein erneut aufgesuchter Internist brachte schließlich den entscheidenden Anstoß für die Therapie. Bei einer Darmspiegelung stellte er eine chronische Darmentzündung fest, die seitdem medikamentös behandelt wird. Ein Teil der belastenden Symptome klangen dadurch ab. Das schaffte Raum und neue Kräfte, um mich in der Psychotherapie den verbliebenen körperlichen Problemen zu widmen.

Heute weiß ich, dass all meine Symptome und Erkrankungen klassisch für Patienten mit chronischem, traumatischen Stress sind. Der Körper gerät darüber ins Burnout. Wissenschaftlich lässt sich das so erklären:
Das Sympathische Nervensystem ist in unserem Organismus für Aktivierung zuständig. Durch den im Körper gespeicherten traumatischen Stress ist es andauernd überreizt. Das führt zu einer überdurchschnittlichen Ausschüttungen von Stresshormonen und Botenstoffen. Der Parasympathikus, der für Entspannung, Wohlbefinden und Verdauung zuständig ist, kann nicht mehr richtig arbeiten. Was für den Akutfall lebensnotwendig ist, führt auf Dauer zu einem Burnout im Körper. Irgendwann sind alle Reserven erschöpft. Nun genügt ein harmloser Tropfen, der das Fass schließlich zum Überlaufen bringt. Der Körper kollabiert oder wird krank.

Was Betroffene in diesem Zustand erleben, ist tatsächlich körperlich, obwohl die Auslöser einstmals in der Psyche lagen. Der Weg zurück ist steinig und schwer. Es hilft nur mit Geduld den Stress Stück für Stück abzubauen.

Der Teufelskreis: Ist der Parasympathikus durch die Übererrregung blockiert, greift der Körper irgendwann auf einen normalerweise ungenutzten Zweig zurück, der eine Art Pseudo-Ruhe erzwingt. Diese ist mit dem Gefühl des Aufgebens und der totalen Erschlaffung verbunden. Da diese Emotionen des „Ich kann nicht mehr“ nur schwer auszuhalten sind, versuchen die meisten Traumapatienten so lange wie möglich zu funktionieren und „nur nach vorne zu sehen“. Das jedoch verschlimmert das Grundproblem – Stress. Durch die Schädigungen des normalen Verdauungs- und Ruhesystems entstehen Erkrankungen des Verdauungstraktes und des gesamten Organismus.

Wer also übermäßigen Stress erlebt hat, tut gut daran, bewusst auf Entspannungs- und Ruhemomente im Alltag zu achten. Ich weiß, dass es schwer ist, die Übererregung bei all der Dissoziation überhaupt wahrzunehmen. Das erfordert Übung. Für die Gesundheit lohnt es sich aber.

Quellenangaben: Michaela Huber, Viele sein. Ein Handbuch, Junfermann, Paderborn 2011, S. 61 ff

44 Kommentare zu “Körper im Traumaburnout

  1. Ja, für mich war es auch ein großer Schritt überhaupt erst einmal den Unterschied zwischen Entspannung und Anspannung im Körper zu merken… mir half skalieren zu lernen, wie hoch die Erregung grad ist… 1 total entspannt oder 10 Alarmspannung… und immer wieder im Alltag zwischendurch kurz innezuhalten und mir selbst eine Zahl zu nennen… um ein Gefühl dafür zu kriegen… und dann Maßnahmen zu überlegen, wie die Spannung sinken kann…

    • Das Skalieren hatte ich ganz vergessen. Hab ich früher mehr gemacht. In der Tat lassen sich Spannungszustände damit gut erfassen. Werd ich morgen gleich mal wieder versuchen. Danke dir für‘s Erinnern! 😊

  2. Mir ist zum heulen wenn ich das lese. Weil es wahr ist. Weil seit meiner Traumatisierung nicht nur mein Seelenleben auf dem Kopf steht, sondern auch mein Körper spinnt. Ich bin von Arzt zu Arzt gerannt, zu Heilpraktiker, zu Wunderheiler, zu Psychiater, zu Therapeut… keiner konnte mir helfen. Das mit dem Stress und den Zusammenhängen musste ich alles selbst herausfinden. Es hat so viel Zeit und Kraft gekostet… LG

    • Das ist wirklich traurig! Es wäre so schön, wenn die Zusammenhänge bei Ärzten immer bewusster würden und dadurch schneller geholfen werden könnte. Ich hoffe du bist gesundheitlich mittlerweile auf einem guten Weg!?

      • naja, es geht mir schon wesentlich besser als noch vor vielen Jahren. Aber mit gewissen Sachen kämpfe ich nach wie vor und macht mir oft die Lebensqualität zunichte. / Ich hab leider überall die Erfahrung gemacht, dass die Ärzte von sowas keine Ahnung hatten. Es ist traurig.

      • Hmm, das ist zwar sicher nicht befriedigend, aber immerhin schon ein Erfolg. Bei den Erfahrungen mit Ärzten muss ich mich leider anschließen. Oft steht man da recht allein auf weiter Flur. Ich hätte mir immer gewünscht, dass es einen Arzt gibt, der mich mal insgesamt betrachtet und nicht nur auf sein Fachgebiet begrenzt.
        Ich wünsch dir, dass sich die schwierigen Dinge, die geblieben sind bald Lösen lassen!

        Liebe Grüße,
        Sofie ☀️

  3. Sehr gut erklärt/beschrieben, liebe Sofie!
    Auch hier waren es jahrelange „undefinierbare Symptome“. Jahrelange chronische Unterleibschmerzen, die 5 (!!) Operationen nach sich zogen und nie wurde eine wirkliche Erklärung gefunden. Plötzliche Panikattacken sozusagen aus dem Nichts. Und dabei immer das Gefühl, mindestens eine Schraube locker zu haben… Anspannungen und Ängste, die keine greifbare Ursache hatten…
    Erst seit „die Traumatisierungen“ aufbrachen und daran und damit in der Therapie so intensiv gearbeitet werden kann, ändern sich auch die körperlichen Beschwerden.

    • Das ist natürlich krass, wenn sogar Operationen vorgenommen werden, um ein Lösung zu finden. Derartige Situationen zermürben oft zusätzlich.

      Ich finde es an deinem Beispiel auch nochmal so deutlich zu sehen, dass die dissoziierten Erinnerungen dennoch arbeiten, auch wenn man sie selbst gar (noch) nicht wahrnehmen kann. Das macht es immer sehr schwer die Zusammenhänge herzustellen.

      Ganz liebe Grüße und einen tollen Sonnentag! ☀️🦋☀️

      • Ja, es ist krass, was verschüttete Traumata so alles anrichten können. Natürlich fühlte ich mich auch immer auf den Schlips getreten, wenn es hieß „alles psychisch, gehen Sie mal zum Therapeuten, das bilden Sie nur ein“. Es gab einen Arzt in einem Krankenhaus, der mich nach einer ergebnislosen OP (wobei die ganzen gyn. Untersuchungen und Krankenhausaufenthalte mich noch so getriggert haben, dass ich jedes Mal völlig zusammen gebrochen bin) direkt fragte, ob es in meiner Geschichte Missbrauchserfahrungen gab. Da ich das ja völlig abgespalten hatte, konnte ich nur verneinen (und mich wundern, warum diese Frage mich so aufgelöst zurück lässt). Ich wünschte, es hätte jemand früher auf dieser Schiene gesucht…
        Euch auch einen sonnigen Tag!

      • Ja, das hört man gar nicht gerne und Einbildung ist es ja auch tatsächlich nicht. Die Symptome sind ja da und der Körper leidet wirklich.

        Was du beschreibst erinnert mich so sehr an mich. Nicht falsch verstehen, aber ich bin fast froh grade das so von dir zu lesen. Dass von dem Missbrauch bis zu einem bestimmten Zeitpunkt nichts mehr in meinem Kopf da war, hat mich über lange Zeit extrem irritiert. Da war einerseits nichts und dennoch habe ich extrem Emotional auf bestimmte Worte oder Situationen reagiert. Ich war völlig sprachlos und verunsichert, als die ersten Bilder wie aus dem Nichts wieder auftauchten.

        Darf ich dich was fragen? War das alles bei dir auch komplett weg? Und wie kam es letztlich wieder?
        Wenn du das nicht beantworten magst, ist das auch völlig ok. Mach dir da keinen Stress!

        Liebe Grüße,
        Sofie ☀️

      • Liebe Sofie,
        Ich habe diesen Dialog zwischen dir und MrsTingley sehr interessiert gelesen und mir fiel ein, dass Vergewaltigungserinnerungen (sorry ich reagiere auf das Wort Missbrauch allergisch) bei mir auch nicht vorhanden waren und kaum sind. Es ist eine Indiziensuche. Schon in der Höheren Schule (ich war so ca. 17 Jahre denke ich), fragte mich eine Freundin einmal, ob ich Angst hätte vergewaltigt zu werden. Ich hatte massive Angst meine Schultasche aus dem Nebenzimmer zu holen, wo inzwischen der halbwüchsige Bruder und dessen Freunde heim gekommen waren. Ich verneinte, obwohl ich zu eben dieser Zeit wohl einen Abortus gehabt haben muss nach einer Vergewaltigung. Das war mir aber alles nicht bewusst, kein Zusammenhang und die Gewaltsituation kommt nicht ins Gedächtnis. Nur schemenhaft. Bzw. sind es meist Erzählungen aus dem Innen, die ich glauben muss, weil ich sonst mit massiven körperlichen Symptomen reagiere. Bilder kommen kaum. Nur einmal vor kurzem war etwas da, was ich jetzt schon wieder vergessen hab….. Ich denke mir oft, dass es irgendwie so ist, als würde dich jemand nach jedem Abendessen deiner Kindheit fragen. Es war so alltäglich, dass es nicht im Gedächtnis blieb. In Erinnerung bleiben außergewöhnliche Situationen. Das war die Gewalt nie. Die war Alltag, von allen außer mir geduldet und ich als verrückt dargestellt und bekämpft, weil ich nicht aufhörte mich zu wehren.
        Gut irgendwie hinkt der Vergleich mit dem Essen, weil ich wohl Essenssituationen meiner Kindheit oder Jugend erinnere. ….. Vielleicht komme ich noch immer nicht an jene Innenwesen heran, die die Erinnerungen in sich tragen?

        Ich hoffe, das ist jetzt nicht zu ausführlich geworden. Aber deine Frage hat mich sehr angesprochen. Wie kam es dass die Bilder bei dir plötzlich da waren?

        Liebe Grüße und schönen Sonntag 🌸🍀
        „Benita“

      • Liebe Benita, ich danke dir für diese Einblicke! Genau diese Indiziensuche war es, die mich am Anfang so extrem hat zweifeln lassen. Da waren nur diese „unerklärlichen“ Gefühle. Wenn jemand das Wort Vergewaltigung ganz unabhängig von mir ausgesprochen hat, hatte ich beispielsweise Schmerzen, als hätte mir jemand ein Messer ins Herz gerammt.

        Ich versuche mal ganz in Kurzfassung zu beschreiben wie das war, wobei ich merke, dass ich wahrscheinlich ganze Beiträge mit dem Prozess füllen könnte…😊

        Die ersten Bilder kamen tatsächlich zurück, als mich jemand als Jugendliche direkt danach fragte, ob ich missbraucht werden würde. Ich hab zunächst verneint, aber das Gefühl, dass es so war, lies mich nicht mehr los. In meinem Kopf wurden kurze Szenen angestoßen, die daraufhin wieder auftauchten. Bei denen bin ich mir auch 100%ig sicher, dass das genau so stattgefunden hat. Die waren im Grunde nie weg, eher so als wenn man lange nicht an etwas denkt, aber wenn man danach gefragt wird, kommt es wieder. Die hätte ich damals als Jugendliche nicht als Missbrauch bezeichnet, weil sie so alltäglich waren. Heute weiß ich, dass das astreiner Missbrauch ist, wenn ein Mann etwa zu einer nackten Jugendlichen ins Bad geplatzt kommt, sich vor ihr auszieht, sie anmacht und sie nicht gehen lässt.

        Bis die anderen bildhaften Erinnerungen an Vergewaltigung und andere Zusammenhänge auftauchten dauerte es da aber noch Jahre. Sie kamen erst relativ spät Schicht für Schicht zum Vorschein, als ich begann die anderen Erinnerungen ernst zu nehmen und zu verarbeiten. Da stand aber dann auch schon die DIS-Diagnose zum ersten Mal, weil Innens in der Therapie aufgetaucht sind, von denen ich nichts wusste. Wobei ich sagen muss, dass ich vorher Gefühlsflashbacks ziemlich oft hatte. Ich konnte z.B. sehr körperlich wahrnehmen, wie ich berührt und vergewaltigt werde und wie sich das anfühlt. Das konnte ich nur nicht zu-, bzw. einordnen. Oder ich hab z.B. regelrechte Fluchtepisoden erlebt, an die ich mich nicht erinnern konnte, wenn Menschen auf eine bestimmte Art und Weise verkleidet waren.

        Beantwortet das deine Frage in etwa? 😊

        Ganz liebe Grüße und ebenfalls einen schönen Sonntag! ☀️🦋💐

      • Liebe Sofie, nein das verstehe ich nicht falsch, was du in deinem anderen Kommentar geschrieben hast, keine Sorge.
        Heute würde ich meine mörderischen Unterleibschmerzen u.a. auch als handfeste Flashbacks einordnen.
        Bei mir war auch einfach kein „aktives Wissen“ davon vorhanden, ja es war für mein Verständnis komplett weg. Ich war nur völlig sensibel. Hatte vor bestimmte Männertypen panische Angst und wusste nicht, warum. Konnte es mit einer bestimmten Person (die ich heute als (Mit)täter identifiziere) absolut nicht im Raum aushalten. Hatte seltsame Albträume, viele Ängste als Kind/Jugendliche.
        Heute bin ich mir ziemlich sicher, dass eine gewisse Situation mich retraumatisiert und die verschütteten Erinnerungen an Vergewaltigungen in der Kindheit reaktiviert hat. Ab Tag x ging es mir plötzlich noch schlechter, ich wusste überhaupt nicht mehr, was mit mir los ist. Ich bin quasi überall durchgedreht. Dann war ich wegen eben dieser „Situation“ (vielleicht sollte ich es endlich mal Übergriff nennen aber es verwirrt mich noch immer) in Behandlung und nach und nach kamen Bilder, Flashbacks, Wissen, hoch, die ich aber mit dem Übergriff im Erwachsenenalter nicht mehr in Verbindung bringen konnte. Es fing auch an mit dem Gefühl, dass jemand im Raum ist, obwohl da niemand war und dem Gefühl, berührt zu werden. Konkrete Flashbacks, vergewaltigt zu werden, haben noch ein wenig auf sich warten lassen und irgendwann kamen auch die und ich bin komplett in eine Krise gerutscht, weil ich das alles gar nicht mehr aushalten konnte und mir auch nicht glauben konnte/wollte, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass man soetwas einfach „vergessen“ kann.
        Noch heute zerbeutelt es mich regelmäßig, wenn da etwas „Neues“ in mein Bewusstsein nachrutscht. Mittlerweile wird mir die ganze Spaltung in „viele“ bewusster und ich verstehe, was all die Jahre „so komisch“ an mir war und warum ich so anders als die anderen Kinder war.
        Und noch heute gibt es diesen Inneren Antrieb, der den Körper einfach weiter laufen lässt, obwohl *eigentlich* nichts mehr geht, damit aber niemand etwas mitbekommt.

        Ich hoffe, es ist verständlich (und vielleicht sogar hilfreich).
        Alles Liebe!!!

      • Ich kann mich leider bei deiner Erzählung so ähnlich wieder finden.
        Manche Sachen, die ich aber für harmlos hielt tauchten ab Pubertät auf, aber von dem ganzem Kram den ich heute weiß, wußte ich nichts. Fühlte mich immer merkwürdig und anders, nicht dazugehörig ohne die geringste Ahnung zu haben wieso. Aber auch ich hatte Angst vor vielen Männertypen, Hände triggerten schon immer ohne zu wissen weshalb.
        So blöd es vielleicht klingen mag, aber eure allen Geschichten zu hören und zu sehen sie sind der meinen von den Grundzügen so ähnlich, gibt mir mehr glauben an unsere eigenen Geschichten. Es lässt dieses „verrückt sein“ Gefühl zurück gehen und hilft mir/uns selbst zu glauben.
        Daher vielen lieben Dank für eure Kommentare und Blogs. Hilft uns so sehr weiter.

      • Wir können das gut nachvollziehen. Uns gibt es auch immer wieder Sicherheit am eigene Erleben, wenn wir andere Betroffene ähnliches berichten hören.

        Danke dir für das Teilen deiner Erfahrungen!

        Wir wünschen euch einen schönen Sonntag! ☀️😎

      • Liebe MrsTingley,
        die Antwort hat nun leider etwas länger gedauert. Ich danke dir von Herzen, dass du hier so von dir erzählen mochtest! Das hat mich sehr bewegt und auch nochmal deutlich gemacht, dass Amnesien auch bei anderen auftreten. Das was du schreibst kann ich sehr gut nachvollziehen. An vielen Stellen meines Lebens erging es mir ähnlich. Aus der Funktionalität komme ich bis heute nicht wirklich raus.

        Hättest du etwas dagegen, wenn ich zu dem Thema nochmal einen Beitrag bastle und die Kommentare hier darin mit anfüge?

        Liebe Grüße und nochmal Danke! 🙂
        Sofie und die bunten Schmetterlinge 🦋☀️

      • Liebe Sofie,
        Vielen Dank für deine Schilderung. Ich kann mich in vielem Wiederfinden, was du schreibst. Und es geht uns sehr nahe. Muss ich mal setzen lassen. Vor allem die Badezimmer Erzählung, könnte so ähnlich von mir sein. Da gibt’s bei mir wohl vieles das ich so noch nicht als sexuelle Gewalt gesehen hatte, oder als „nicht so schlimm“ innerlich ab tat. Allerdings kamen Innenwesen bei mir noch nie von selbst hervor in Therapie. Bzw. nur kurz, dann kam leider schon oft eine „falsche“ Bemerkung meiner Therapeutin und weg waren sie. Wir besprechen das in Therapie immer wieder. Das ist leider schrecklich. Nur mit Brainspotting kommen wir etwas heran. Die DIS Diagnose hab ich mir ja nach der Lektüre von Michaela Huber „Multiple Persönlichkeiten“ selbst gegeben und mir dann Leute gesucht, die sie bestätigen. „Gefühlsflashbacks“ das ist die geeignete Bezeichnung. Die kennen wir ausgiebig. Flucht kenne ich nur von einmal und da hab ich auch ein Blackout. Keine Ahnung, was passierte in der Zeit. Ich fand mich nur Meter entfernt wieder, wo ich davor war.

        Hui, da hab ich jetzt was zum reflektieren. Sehr gut, auch wenn es anstrengend ist. 😉
        Herzliche Grüße
        „Benita“

      • Liebe Benita, Liebe Mrs. Tingley,
        ich mag euch gerne auf euere Schilderungen antworten. Vielen Dank erst mal dafür! Das Thema beschäftigt mich sehr.
        Allerdings merke ich, dass ich dafür eine wirklich ruhige, stabile Minute brauche. Deshalb dauert‘s noch etwas…

        Ganz liebe Grüße,
        Sofie ☀️🦋☀️

      • Liebe Sofie,
        Wenn du uns antworten möchtest ist das ebenso fein, wie wenn du es einfach so stehen lässt. Auch mich hat deine Schilderung sehr bewegt. Also bitte kein Druck. Ob und wann du antwortest liegt bei dir. Für mich ist beides in Ordnung. Bitte schau auf dich, was passt.
        Alles Liebe ❤️🍀🌞
        „Benita“

      • Liebe Benita,
        ich habe nun doch länger über dieses Thema nachgedacht und es beschäftigt mich immer noch.

        Vielleicht wäre es schön, wenn ich dazu nochmal einen eigenen Beitrag bastle. Es ist doch ziemlich komplex. Wär es für dich in Ordnung, wenn ich teile aus den Kommentaren dann mit einfüge?

        Liebe Grüße und einen schönen Sonntag! ☀️😎🦋

      • Selbstverständlich ist das in Ordnung, liebe Sofie.

        Hier in den Kommentaren steht es ja auch öffentlich. Ich danke dir sehr für dein dich befassen.

        Auch dir/euch einen wunderschönen Sonntag. 😊🕊️🌞
        Herzliche Grüße
        „Benita“

  4. Ach manu, das kennen wir auch leider zu gut. Haben am Ende nicht mal Kartoffeln vertragen, der Körper wehrte alles ab. Na ja, tut er auch heute, aber wir ignorieren es und ertragen, weil auf alles zu verzichten eh nicht geht.
    Ja dieser Dauerstress! Auch ich erfuhr die wahren Gründe für all die Probleme bei keinem Arzt oder HP. Nun kenne ich sie, auch den ungefähren Weg da raus. Und doch kann ich ihn nicht gehen, die anderen in uns machen (noch) nicht mit.
    Sofie, wie habt ihr euch stabilisieren können? Hab ich das richtig verstanden, mit Ruhe und Entspannung? Wie hast du das hingekommen, dass es besser ist bei euch?
    Alles Liebe für dich und Co.

    • Herrje, das es euch da auch so schlecht geht, ist ja richtig mies! 😕
      Also eine große Hilfe war mir tatsächlich erst mal die medikamentöse Therapie der Darmentzündung. Wurde das bei euch mal untersucht? Ein Baustein der Therapie war da Cortison. Das hat mit Sicherheit auch den vom Stress erschöpften Nebennieren gut getan. Bei einer stressbedingten Nebennierenschwäche wird das ja auch gegeben. Die Mangelernährung verschlimmert den Zustand sonst zusätzlich.
      Parallel dazu haben wir in der Therapie angefangen uns ernst zu nehmen und das auch bei vermeintlichen Kleinigkeiten. Bei uns war der Zusammenhang deutlich, dass der Körper immer lauter schreit, je weniger wir uns „freiwillig“ zuhören und anfangen unsere Geschichte auch anzunehmen. Wir mussten raus aus den Zweifelschleifen mit Selbsthass. Das haben wir dann in Mikroschritten versucht. Am Anfang waren das wirklich einfach „nur“ so Sachen wie: Es war doch schlimm, wenn man uns für unser Aussehen blöde Sprüche zuwarf oder dass unser Vater regelmäßig trank. Also für unsere Verhältnisse relativ gewaltfreie Momente. Natürlich ist das alleine auch schlimme Gewalt, aber das mussten wir erst lernen fühlen zu dürfen. Je mehr das gelang, umso besser konnten wir uns versorgen und umso weniger reagierte unser Körper. Schicht für Schicht kamen dann weitere Themen an die Oberfläche, die wir verarbeiten konnten. Wir haben angefangen viel mehr Dinge auszusprechen, die uns bewegten und rigoros Stopp oder Nein zu sagen, wenn uns etwas nicht gut tat. Wir konnten nicht mehr mehr „verdauen“.

      Wir essen heute tatsächlich wieder so gut wie alles. Auf die wenigen Sachen, die noch problematisch wären, können wir getrost verzichten. In Stress Momenten flammt das manchmal ganz in Ansätzen nochmal auf. Dann erlauben wir uns für ein paar Tage Medikamente zu nehmen, bevor sich die Situation zuspitzen kann und versuchen so gut, wie möglich Stress zu vermeiden. Übrigens, heißt „Stress vermeiden“ für uns da auch mal, zu weinen, die Bettdecke über den Kopf zu ziehen und die Ängste zu sehen.

      Liebe Grüße,
      Sofie ☀️

      • Nein, bei uns hat man nichts getan, alles auf die Psyche geschoben.
        Es wurde eine Magen und Darm Spiegelung gemacht und Entzündung und bösartige Polypen festgestellt, letztere entfernt. Heben nur Omreprazol bekommen und so ne Flüssigkeit gegen Candida, sonst nichts. Dafür ein Brief vor kurzem von dem Gastrologen, wir müssten wegen der Polypen wieder hin, weil sie nachwachsen und zu Krebs führen können. Aber wir kriegen da nich noch mal hin mit der Darmspiegelung, das war so schrecklich, waren mitten in der Narkose aufgewacht vor lauter Schmerzen…
        Cortison haben wir nie bekommen, Nebenniere wurde nie untersucht, dabei sind wir echt total ausgebrannt.
        In zwischen mögen wir nicht mehr zu Ärzten gehen, wir trauen den eh nicht mehr.

        Ja, die Zweifelschleifen abbauen ist mega schwer. Diese Mini Schritte, die du beschreibst gehen wir auch gerade. Aber mit dem Stress klar zu kommen ist ein Riesen Problem. Der Körper schreit, aber wenn Flashbacks ständig kommen, was kann man da tun? Da verbieten uns welche sogar den Schlaf, weil zu viel Angst da ist ins Bett zu gehen. Manchmal fallen wir fast um, und dürfen doch nicht ins Bett, weil irgendwas unwichtiges gemacht werden muss von irgendwem. Gute Zeiten werden bestraft usw. Dieser Weg ist echt grausig.
        Medikamente vertragen wir gar nicht mehr. Bis auf L-Thyrox nehmen wir kaum was, und selbst dieses wird ständig „vergessen“. Hab uns was Pflanzliches gekauft, aber es wird so selten genommen, ist echt doof.
        Hoffe wir packen es trotzdem irgendwie mit diesen Mini-Schritten.
        Danke für eure Tipps. Sollten wir es dem nächst zum Arzt schaffen, frage ich mal nach diesem Cortison, ist bei uns sicher nicht verkehrt.
        Alles Liebe für dich Sofie und auch deine Schmetterlinge.

      • Also wenn ohnehin eine Entzündung da war, dann würde ich sehen, ob du nicht vielleicht einen guten Gastroenterologen oder Internisten findest, der da nochmal anders ansetzt. Immerhin hast du da ein manifestes körperliches Problem ganz egal, ob die Psyche an der Entstehung beteiligt ist. Wurden denn Gewebeproben aus den Entzündubgsstellen untersucht, um eine Ursache zu finden? Ich weiß, dass solche Untersuchungen extrem belastend sind. Aber ich denke das könnte sich wirklich lohnen, wenn du dann neue Ansätze findest. Mein Internist war damals bereit mir das Cortison, bzw. später die nur im Darm wirksame Variante Budenofalk zu verschreiben und damit einen Therapieversuch zu machen. Die Spiegelung zur Abklärung haben wir dann in Absprache mit ihm nach hinten verschieben können, wenn wir uns in der Therapie ausreichend stabilisiert und vorbereitet hatten. Dafür bin ich bis heute dankbar, weil ich sonst gar nicht mehr in der Lage gewesen wäre vor lauter Schmerz und Erschöpfung überhaupt irgendwie handlungsfähig zu sein. Wir hatten die medikamentöse Starthilfe für den Körper bitter nötig.

        Ich glaube, dass man sich auch mit den Schritten in der Psychotherapie wieder viel leichter tut, wenn der Körper „Stabilisierungshilfe“ erhält. Deshalb will ich dir/euch da wirklich Mut machen euch nochmal in einfühlsame ärztliche Hände zu begeben. Da braucht ihr Hilfe. Wir wünschen euch, dass ihr die findet und die Kraft habt diese Schritte zu gehen! Wir glauben und denken fest an euch!

        Ganz liebe Grüße,
        Sofie

      • Vielen lieben dank Sofie.
        Ja uns fehlt es gewaltig an Mut uns wieder in Ärzte Hände zu begeben und erst recht in die Narkose.
        Die letzte Darmspiegelung ist schon über 3 Jahre her. Es wurden Proben genommen, aber ich weiß nicht was dabei rauskam, weil die Ergebnisse zum Hausarzt gegangen sind zu dem wir nicht mehr gehen wollen und der Gastrologe uns regelrecht Panik macht und wir auch nicht mehr hin wollen. Die Stabilität ist nicht da, die Kraft fehlt, können zur Zeit kaum unter Menschen gehen, erst recht nicht jemand an uns lassen den wir nicht kennen und der uns ganz nah ran muss.
        Vielleicht müssen wir auch erst in der Therapie voran kommen. Wir misstrauen zur Zeit fast allen, selbst eigentlich lieben Menschen. Das ist schon krass und ich hoffe sehr, es wird bald mal besser. Dann können wir vielleicht auf die Suche nach nem guten Gastrologen gehen.
        Ganz liebe Grüße an euch.❤

      • Vielleicht könnt ihr euch wenigstens schonmal einen Termin bei in Frage kommenden Ärzten machen. Bei den meisten dauert das doch einige Zeit. Abgesagt oder verschoben ist er im Zweifelsfall schnell.

      • Hmm, das macht ja auch schon Angst…
        Ist zwar schnell abgesagt, aber das kann man nicht wer weiß wie oft tun, dann bekommt man keine Termine mehr.
        Aber die Idee ansich ist gut. Das müssen wir mal besprechen mit der Thera, vielleicht kann die ja helfen, haben über so was noch nie mit ihr geredet.

  5. Das ist mir alles sehr bekannt. Und mich berührt das so sehr, der Teil auch mit dem Funktionieren.
    Wir sind massive „Funktionierer“ und der Körper? Zickt und schnappt und spackt. Burn Out trifft es wohl ziemlich gut!
    Und am Ende weiß keiner mehr welches Symptom gerade eigentlich Körper/erinnerung ist oder ein echtes vielleicht keineres Problem. Nesselausschlag und Nahrungsmittelunverträglichkeiten begleiten uns auch seit einigen Jahren.
    Wie der Zufall es so will, habe ich gerade eben auch, bevor ich zu dir kam, einen Eintrag verfasst zum Thema Körper und Symptome. Vielleicht magst du dich ja auch bei mir mal melden und ein paar Fragen beantworten die ich in den Raum geworfen habe. Wenn auch lange nicht so differenziert, wie du das hier gerade geschaffst hast.
    Liebe Grüße

  6. Liebe Sofie,
    ich weine, wenn ich deinen Artikel lese. Das alles habe ich auch erlebt. Chronischer Durchfall, eine ganze Reihe von Nahrungsmittelallergien (sogar Reis habe ich nicht mehr vertragen; das wurde medizinisch nachgewiesen), Herzrasen, Panikattacken, Erschöpfung ohne Ende, Schlafstörungen, Gewichtsabnahme … Vor nun ca. 1,5 Jahren dann der Trigger-Tropfen, der mein System endgültig zum kippen gebracht hat. Das führte zu einem körperlichen und seelischen Totalzusammenbruch, nach jahrzehntelangem Kampf mit und gegen die Symptome meiner schweren Traumafolgestörung. Ich dachte, ich würde sterben. Nichts ging mehr. Nicht einmal sprechen.
    Wir alle haben das nicht verdient…
    Danke dir, dass du das, was du erlebt hast, so schön in Worte kleidest.
    Ich grüße dich mit einem traurigen Lächeln und ganz viel Mitgefühl,
    Ayna

    • Liebe Anya,
      geht’s dir denn hoffentlich schon wieder besser!? Solche Situationen find ich wahnsinnig schlimm, weil sie so furchtbar Ohnmächtig machen.

      Ich finde es ist ein zusätzlicher Schock, wenn man miterlebt, dass der eigene Körper so zusammen bricht. Es hat lange gedauert, bis bei uns wieder ein bisschen Vertrauen da war.

      Ich danke dir für die liebe Rückmeldung und wünsche dir einen schönen Abend! 🙂
      Sofie

  7. Ja, danke liebe Sofie, es geht mir besser.
    Nur ist es wie du sagst: Der Zusammenbruch hat mich total geschockt und seither begleitet mich die Befürchtung: „Was, wenn das wieder passiert?!“
    Sich auf seinen eigenen Körper nicht verlassen zu können und sich selbst bei aller Willens- und Kraftanstrengung so ohnmächtig zu erleben, ist einfach dramatisch.

    Auch dir einen schönen und erholsamen Abend.
    Ayna

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