Pizzakommunikation für Viele

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Der Sonntag beginnt sonnig und mit großer Dankbarkeit.
Kurz vor Ablauf einer wichtigen Frist beim Finanzamt, haben mir Innenleute geholfen eine Stellungnahme fertig zu schreiben. Vorab habe ich doch ziemlich geschwitzt, weil ich mich einfach nicht ran setzen konnte, so sehr ich es auch wollte. Unerledigt hätte das vermutlich in finanzieller Hinsicht negative Konsequenzen gehabt.
Insofern schonmal „Puh… durchatmen.“

Zudem haben die Zwänge der letzten Tage wieder nachgelassen. Über den Vormittag haben wir es ohne Selbstverletzung geschafft. Wir waren kurz mit den Katzen draußen und genießen nun die fast sommerliche Wärme auf dem Balkon.
So schnell können Umschwünge gehen. In unserem Fall praktisch über Nacht. Manchmal fühlt es sich wirklich komisch an, wenn heftige Stimmungslagen so plötzlich kommen und gehen ohne den Auslöser zu kennen. Dennoch bin ich froh, dass gerade wieder Zeit zum Durchatmen ist.

Mittags backen wir uns Pizza mit verschiedenen Ecken, die jeweils so belegt werden, wie die entsprechenden Innens sie gerne essen. Für uns ist das gemeinsame Pizzabelegen eine der Aktivitäten, bei denen wir uns gut spüren können. In sicherer Umgebung kommen wir dabei miteinander in Kontakt, können uns Erden und kurz austauschen. Dabei ist die Zeit und damit auch das Triggerpotenzial überschaubar. In der Regel ist ein fertiger Pizzateig schnell bestückt. Mittlerweile zählt das zu unseren „Safe Activities“ in oder nach besonders belastenden Tagen.

Diese „Übung“ ist auch für „Anfänger“ gut geeignet, die gerade damit beginnen sich mit ihrem System auseinander zu setzen. Als wir vor einigen Jahren erstmals versuchten uns kennenzulernen, hatten wir über derartige Aktivitäten oft viel bessere Chancen überhaupt etwas voneinander mitzubekommen, als direkt in Situationen, in denen es um Trigger oder andere Traumazusammenhänge ging. Wir standen z.B. miteinander in der Küche und ich fühlte als Alltagsperson einfach mal nach, welche Zutat, wo auf der Pizza liegen soll. So konnte ich abseits von belastenden Themen die verschiedenen Anteile spüren. Man hört vielleicht nicht immer etwas, aber man kann bemerken, dass man sich nun kleiner fühlt und Salami haben will oder dass eine Ecke zwiebelfreie Zone bleiben muss. Hinterher sieht die Pizza oft einem Puzzel mit vielen verschiedenen Puzzlestückchen ähnlich. Es gibt Ecken mit Zwiebeln und welche ohne oder auch mal nur mit Käse und Bereiche mit Salami und Schinken. Je nachdem, was schmeckt.
Wer schon etwas geübter ist, kann versuchen denjenigen Anteil, der sie belegt hat auch beim Essen wiederzufinden. Das ist oft gar nicht so leicht. Wie oft hatte ich schon etwas zu essen, in der Hand, das mir gar nicht schmeckt. Die- oder derjenige Innenperson die es bestellt haben, waren in der Zwischenzeit jedoch einfach verschwunden.

Ein Beispiel abseits von Pizza:
Ich gehe in ein Eiscafé, um mir eine Tüte Eis mitzunehmen. Beim Bestellen höre ich meinen Mund sagen: „Eine Kugel Banane, bitte.“ Kaum drehe ich mich um und gehe, ist niemand mehr da, der Bananeneis essen möchte. In der Zwischenzeit war es wohl notwendig wieder abzutauchen. Ich selbst hasse Bananeneis. Das ist eine der wenigen Sorten, die mir so gar nicht schmeckt. Und nun?!
Es bleibt nur nach Innenleuten zu suchen, die diese Sorte essen mögen und wenn niemand gefunden wird, wandert die Kugel in den Müll. So schade es darum auch sein mag…

Da unsere Ofen jetzt bereits klingelt, weil die Pizza fertig ist, wünschen wir euch einen schönen Sonntag, tolle sonnige Momente und viel Spaß beim gemeinsamen ausprobieren! ☀️🦋🍕😎

12 Kommentare zu “Pizzakommunikation für Viele

  1. Euer Pizzabacken erinnert mich wieder einmal an jene junge Frau, von der ich manches Mal schon schreib. Sie machte manchmal einen „Gute-Laune-Kuchen“ und ließ vor allem „die Kleinen“ in ihr kräftig mitbacken.

    Das Rezept hat sie mir einmal geschickt. Wir mögen den Kuchen, und backen ihn ab und zu in meiner Familie. Wir erinnern uns dann an die junge Frau und ich schicke, immer, wenn ich ein Stückchen von dem Kuchen verspeise im Stillen einen besonderen Gruß an sie und die Vielen, die sie ausmachen.

    Das werde ich mein Leben lng tun …

    Dir und allen Schmetterlingen wünsche ich ebenfalls noch einen schönen Sonntagnachmittag! 🙂

    • „Gute-Laune-Kuchen“ klingt super! Derartige Aktivitäten kommen hier Innen immer gut an.

      Wieder finden wir es so schön und berührend, wie sehr diese viele Frau einen Platz in deinem Herzen hat. ❤️

      Die Schmetterlinge genießen die Sonne und wünschen flatterbunte Stunden! 😊

      • Vor allem bin ich dieser jungen Frau sehr, sehr dankbar.

        Für ihr mir erwiesenens Vertrauen, ihren Mut, mich eine Zeitlang an ihrem und dem Leben der Vielen in ihr teilhaben zu lassen. Ich habe durch sie viel Neues, mir bis dato Unbekanntes erfahren, und ich bin froh, dass ich mir so eine klare und konstruktive Meinung zu einer Problematik bilden konnte, die in unserer Gesellschaft mindestens tabuisiert, wenn nicht vielfach auch ganz bewusst totgeschwiegen wird.

        Und ich bin ihr dankbar, weil ich nun zum Beipiel so viele bunte Schmetterlinge wie Du sie bist, wenigstens ein bisschen zu verstehen und mich in Euch hineinzuversetzen vermag- Wünschend, dass Euch das ein bisschen Unterstützung ist, Euch ein bisschern Geborgenheit schenkt und hoffend, dass ihr das freundschaftlich annehmen mögt.

        Ganz liebe Grüße!

      • Es ist schön, dass du so offen warst, dir dazu eine Meinung zu bilden. Immerhin hättest du es ebenso einfach ablehnen können.

        Wir mögen das sehr gerne annehmen. Unterstützung geht immer. 😉 Und außerdem lesen wir immer sehr gerne von dir!

        Ganz liebe Grüße,
        Sofie

  2. Oh, das kenne ich leider zu gut. Es werden so oft Dinge gekauft und dann will die keiner der Anwesenden essen. Nur herrscht hier leider ein Gebot, dass nichts weggeschmissen werden darf, das wird zu Not sogar verdorben gegessen wenn es so lange liegen gelassen wurde, weil keiner es wollte. Da komm ich nicht gegen an. Das Essen Thema ist ne Katastrophe.
    Schön, dass eure üble Zeit nun vorüber ist. Wir wünschen euch Erholung und Auftanken und alles Liebe.

    • Hmm, das ist natürlich blöd, wenn auch sicher aus euerer Geschichte nachvollziehbar. Da müsst ihr ja auch noch zusätzlich gut aufpassen, dass euer Körper nicht wirklich darunter leidet und das ernste Folgen hat. Insofern bin ich froh, dass ich die Sachen im Zweifelsfall mittlerweile einfach wegwerfen kann.

      • Ja ist blöd. Ich versuche es mit dem wegwerfen, erkläre dass wir es heute nicht mehr essen müssen und es schädlich ist. Manchmal klappt es, manchmal nicht, oder wir können uns nicht einigen und legen es in den Kühlschrank in der Hoffnung es am nächsten Tag zu können…

  3. Ihr lieben Schmetterlinge,

    Ich bin immer wieder beeindruckt von eurer Stärke. Von dem Beitrag gestern, zu dem Pizza backen von heute. Es erinnert mich auch sehr an mich. Die Hilfe von Innen, Dinge zu erledigen, die überlebenswichtig sind, auch wenn einer gerade in Not ist. Auch der Wechsel von Überflutung zu schnell wieder zurecht kommen, wenn andere übernehmen. Ich empfinde das gerade als eine total schöne Erfahrung. Nicht nur die Selbstzerstörung aus einem Selbst, sondern auch die größte Unterstützung. Wie empfindest du das?

    Ich würde auch gerne irgendwann Pizza backen, ein Anteil ist aber dagegen und übernimmt zurzeit großteils das Essverhalten, um dadurch ein anderes Problem in den Griff zu bekommen. Das ist ziemlich anstrengend, aber heute hab ich es wenigstens geschafft, ein Eis bis zur Hälfte zu genießen. Selbstgemachtes Wassereis mit Orange und Rosmarin in der Sonne!

    Einen schönen und vor allem entspannten Sonntag euch! 🙂

    • Liebes Mondmädchen,
      ich weiß nicht genau, ob ich es als Stärke definiert hätte. Aber eigentlich hast du da recht. Wirklich Kontrolle habe ich über die Umschwünge nicht. Ich kann nur bitten und darauf vertrauen, dass jemand mir helfen mag. Das fand ich heute tatsächlich schön, dass es offenbar klappt und Unterstützung auch möglich gemacht wird, wenn es nur irgendwie geht.

      Hmm, gibt es nicht irgendeine andere gemeinsame Aktivität. Es muss ja nicht Pizzabacken sein. Ihr könntet ja beispielsweise auch etwas in der Natur sammeln, malen oder etwas Lesen…

      Das mit dem Eis klingt richtig lecker! Schön, wenn du es heute wenigstens teilweise genießen durftest. 🙂

      Liebe Grüße,
      Sofie

  4. „Wir wollen auch was machen?“, war die lautstarke Reaktion auf diesen Artikel… „aber keine Pizza, sondern Kekse“… und tatsächlich.. ja, warum eigentlich nicht… äh… nein Weihnachten ist grad nicht… egal… schmecken auch so: der Butterplätzchenteig ist im Kühlschrank… in zwei Stunden kann ausgestochen werden 🙂

    • 😀 Wie cool!
      Innen gibt es gerade ein zufriedenes kichern, weil wir es so schön finden, dass eure Innens sich auch bemerkbar machen wollten und nun Platz bekommen.
      Kekse sind auch super und die kann man ja wirklich das ganze Jahr essen!
      Wir wünschen euch viiiiiiiiiiiiiiiiel Spaß beim gemeinsamen Backen! ☀️❤️🙂

  5. Pingback: Innen-Freuden – … Leben mit dissoziativer Identitätsstruktur

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