Ein bisschen Alltagsperson

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Ich sitze in meiner Wohnung und spüre wie mir ein riesiger Stein vom Herzen fällt. Für Morgen habe ich ein Vorstellungsgespräch abgesagt. Allein die Vorstellung kostete mir in den letzten Tagen alle Nerven. Nicht wegen dem Gespräch an sich, sonder mehr wegen der Überforderung, wenn ich den Job tatsächlich bekommen hätte und die Wahrscheinlichkeit war mehr als groß. 40 Stunden wären mir im Moment dann doch einfach noch zu happig. Ich habe eine Alternative gefunden, mit der ich mir meine Zeit derzeit freier einteilen kann und die werde ich nun ab 1. Oktober angehen. Der Rest wird sich zeigen. Kann ja nicht mehr passieren, als dass ich die Arbeit wieder zurückschrauben muss. Eigentlich…

Der Atem geht schnell. Ich versuche mich darauf zu konzentrieren und ihn bewusst zu verlangsamen. „Puh“, denke ich. „Da war ganz schön viel Anspannung im Körper. Das habe ich gar nicht so bemerkt.“ Mit einer Gabel piekse ich ein kleines Stück vom Blaubeerkuchen ab. Ein Tee wäre nicht schlecht. Der ist heiß und beruhigt. Während ich ihn zubereite, beginne ich am ganzen Körper zu zittern. „Holla di Waldfee! Was geht denn jetzt mit mir ab!?“ Tränen schießen mir in die Augen, ehe ich völlig unvermitteltet an der Küchenzeile zusammensacke und auf dem Boden sitze. Wenn ich das geahnt hätte, hätte ich wohl nicht einmal die Bewerbung geschrieben. „Du hättest es ahnen können! Wir haben es dir gesagt!“ Hmm, das stimmt eigentlich. Aber ich dachte, dass in meinem Leben jetzt auch mal wieder normaler Alltag vorwärts gehen muss und hab mir damit wohl selbst ins Bein geschossen. Lautes Schluchzen, Bäche von Tränen und schüttelfrostartiges Zittern durchbeben meinen Körper. Ich fühle mich, als hätte mich soeben ein Lastwagen überfahren. Langsam versuche ich mich wieder hochzurappeln. Manchmal will ich dann doch immer noch mehr, als ich kann. Das heiße Teewasser fließt langsam in die Tasse. Ich schlürfe einen Schluck.

Die Diskrepanz zwischen persönlichem Wollen und Umsetzen können ist leider immer noch ziemlich groß. Daran hadere ich als Alltagsperson oftmals am meisten. Es fehlt weder an der Intelligenz, noch an den Möglichkeiten, um beruflich einen Karrieresprung hinzulegen und dennoch nützt mir das alles nichts, wenn unsere Seele noch am alten Trauma knabbert. Ein Trauma beeinflusst wohl auch die Zukunft, solange es nicht vollkommen Vergangenheit ist. Insofern orientieren sich unsere Möglichkeiten am Status der Traumaverarbeitung.

Ein Trauma unterscheidet nicht, ob es heute, gestern oder vor 20 Jahren passiert ist. Es ist einfach. Mit all seinem Schmerz. In jeder Zelle. Traumata hinterlassen ihren Abdruck auf der Seele und wenn er aktiv wird gelten andere Gesetze für Raum und Zeit. Als Alltagsperson ist man nicht Königin über einen Hofstaat. Man ist nur so stark, wie das schwächste der inneren Anteile und daran orientiert sich das tägliche Brot.

25 Kommentare zu “Ein bisschen Alltagsperson

  1. Liebe Sofie,

    das kommt mir irgendwie bekannt vor 😉
    Für die Alltagspersonen ist es oft schwierig zu ertragen, dass wir nicht mehr so funktionieren wie früher. Also im Grunde wäre so ein Funktionieren wohl möglich, aber der Preis, den wir dafür zahlen müssten, wäre zu hoch.
    Wir haben oft noch Probleme damit uns selber in so vielen Lebensbereichen einschränken zu müssen, obwohl wir wissen wie wichtig es ist, damit es uns langfristig gesehen besser gehen kann.
    Ich hoffe, dass es euch heute wieder etwas besser geht ❤

    • Liebe bunte Sterne,

      Was wäre für euch der zu hohe Preis des Funktionierens? (Falls ihr das beantworten mögt)
      Wir fragen das, weil für uns funktionieren im Alltag und im Beruf immens wichtig ist – wir haben existentielle Ängste vor dem Versagen auf dieser Ebene, weil wir fürchten, dass es uns vernichten würde, nicht mehr zu funktionieren.
      Das hohe Funktionsniveau zu halten wird allerdings zunehmend schwieriger.
      Das ist eine Zwickmühle.

      Liebe Grüße
      Sanne

      • Liebe Sanne, bin zwar nicht „Bunte Sterne“, sondern Birke, doch ich könnte dir aus meiner Sicht auch eine Antwort auf eure Frage geben… Niemals hätte ich mir vor zwei Jahren vorstellen können, nicht mehr zu arbeiten. Nach einem Klinikaufenthalt war für mich klar: Klar gehe ich weiter arbeiten…. Jetzt, Monate nach dem das Arbeiten Vergangenheit ist, weil doch lieber den Ängsten ins Gesicht geschaut werden wollte, als weiter sooo in „Wechseln“ zu leben, weiß ich den Preis, den ich fürs Funktionieren gezahlt habe: Eine Einbuße von Lebendigkeit und Entspannung… habe ich vorher beim Funktionieren überhaupt nicht wahrgenommen, dass es mir fehlt. Doch jetzt, jetzt weiß ich, dass ich nur ÜBER-lebt habe und nicht gelebt… jetzt bekomme ich langsam eine Ahnung, wie hoch der Preis war… zu hoch… jetzt dürfen wir leben. lebendig sein… und auch wenigstens ab und an einen entspannten Körper kennenlernen…

      • Liebe Sanne,
        diese Angst können wir so gut verstehen. Wir haben genau deshalb weitergeschuftet, bis wir komplett zusammengebrochen sind. Heute würde ich sagen, dass es besser gewesen wäre vorher schon mit der Arbeit zurück zu fahren und damit vllt den großen Knall zu vermeiden. Gleichzeitig weiß ich aber auch, dass wir es damals nicht gekonnt hätten. Im Nachhinein kann ich sagen, dass es einen nicht vernichtet, wenn man aufhört zu funktionieren. Im Gegenteil. Es ist schwer, aber man gewinnt sich selbst endlich wieder und damit ganz viel Kraft.

        Der Preis des Funktionierens waren für uns ganz klar heftige Gesundheitseinbußen, auch körperlicher Art, weil wir uns beständig übergangen sind. Ich hatte beispielsweise schon vor dem großen Knall starke Probleme mit meinem Darm und immer wieder heftig Durchfall, aber für Arzt war keine Zeit. „So schlimm ist es ja gar nicht…“ Letztlich wären wir fast daran hobs gegangen, weil unsere Organe so entzündet waren. Unser Körper war komplett auf Selbstzerstörung. Abgesehen davon habe ich mich einfach überhaupt nicht gespürt, sondern war nur funktionierende Marionette und ein Hamster im Laufrad. Ich konnte gar nicht entscheiden was ich will und was mir gut tut, weil ich es gar nicht wahrgenommen habe. Das Gefühl mich heute immer wieder auch deutlich mit meinen/unseren Gefühlen und Bedürfnissen spüren zu können, würde ich für nichts mehr missen wollen. Das war der Punkt, an dem wir angefangen haben zu leben und nicht nur zu überleben.

        Vielleicht könnt ihr ja bestimmte Dinge langsam etwas zurück schrauben. Man muss ja nicht gleich komplett alles sein lassen. Ein paar Stunden weniger Arbeit, Hilfe beim Einkaufen, mal nicht auch noch für Freunde etwas erledigen, weil es sowieso schon alles viel zu viel ist… Vielleicht könnt ihr euch darüber nähern.

        Liebe Grüße und wir drücken die Daumen, dass ihr für euch die richtige Balance zwischen Funktionieren und Loslassen findet.
        Sofie 😊

    • Liebe bunte Sterne,
      oh ja… sooooooooo schwierig. Wer verliert schon gern seinen Job und bei uns Alltagspersonen geht ja quasi nicht nur der im Außen, sonder auch der für das Innen flöten. 😉

      Wir finden es gut, dass es euch trotz der Schwierigkeiten gelingt, da Rücksicht auf euch zu nehmen. Langfristig ist das sicher der bessere Weg. Da bin ich überzeugt. 😊

      Liebe Grüße und einen schönen Abend!
      Sofie 😊🦋

  2. Liebe Sanne,

    es ist vielleicht leichter für uns zu schreiben, was nun besser klappt, seitdem wir auf der beruflichen Ebene nicht mehr funktionieren müssen und auch im Alltag möglichst viel Druck rausnehmen. Natürlich steckt zusätzlich aber auch noch therapeutische Arbeit hinter den Erfolgen.
    Wir verletzen uns selbst deutlich weniger als zuvor und auch nicht mehr in so einem schlimmen Maße. Früher kam das mitunter mehrmals täglich vor, mittlerweile nur noch alle paar Wochen oder Monate.
    Wir nehmen sehr viel weniger Medikamente. Weniger Schmerzmittel, weniger für den Magen, weniger Psychopharmaka und nur noch ganz selten Bedarfsmedikation.
    Wir haben keine destruktiven Kontakte mehr.
    Wir haben unsere Essstörung deutlich besser im Griff und können unser Gewicht recht stabil im Normalgewicht halten.
    Es gibt keinen Substanzmittelmissbrauch mehr.
    Wir kippen nicht mehr so oft um.
    Wir schlafen besser.
    Wir haben eine bessere innere Kommunikation und Kooperation erreichen können (weil nicht mehr alles weggedrängt werden muss).
    Wir lernen die Signale unseres Körpers besser (er)kennen und bekämpfen ihn nicht mehr so stark.
    Wir können mit Suizidgedanken besser umgehen und mussten nicht mehr in die Klinik.
    Wir können in der Therapie an schwierigeren Themen arbeiten wie zum Beispiel an Konditionierungen und Programmierungen und sonstigen Traumainhalten.
    Wir achten insgesamt deutlich besser auf uns und haben (zwar noch sehr selten) manchmal Momente in denen wir wirklich so eine Art Frieden spüren und merken „Ja, es ist gut und schön, dass wir leben.“.

    Unser Ziel ist natürlich dennoch, dass wir nach und nach unsere Belastbarkeit und Funktionalität wieder steigern, denn wir sind noch recht jung und auch optimistisch, dass das klappen wird, wenn wir uns genug Zeit dafür nehmen. Das eine schließt das andere nicht aus. Das Funktionsniveau kann sich auch wieder bessern, wenn man insgesamt stabiler geworden ist und gut zusammen arbeitet.
    Ich kann eure Ängste aber dennoch seeehr gut verstehen. Letztlich ist auch jeder Weg unterschiedlich. Vielleicht ist es für eure Heilung beispielsweise hilfreicher, wenn ihr irgendwie weiter funktioniert. Vielleicht ist es aber auch wichtig sich einzugestehen, dass es so nicht weiter geht und erstmal was anderes dran ist. Das wisst ihr selbst am Besten. Wie auch immer euer Weg aussehen wird, wir wünschen euch alles Gute und viel Kraft dafür!

    Liebe Grüße
    Bunte Sterne

    • Vielen lieben Dank für diese ausführliche Schilderung! ❤️In vielen Dingen haben wir uns gerade auch sehr wiedergefunden.

      Vor allem an dem Satz „Wir kippen nicht mehr so oft um“ bin ich gerade hängen geblieben. Wie war/ist das denn bei euch? Also nur wenn ihr erzählen mögt. 😊
      Als gar nichts mehr ging, sind wir vor einigen Jahren von heute auf Morgen einfach immer wieder umgefallen. Wir waren zu dem Zeitpunkt voll berufstätig und waren dadurch bald gezwungen hinzusehen, was mit uns passiert. Die Ohnmachten kamen völlig ohne Vorwarnung. Ein kurzer kompletter knock out. Die Auslöser dafür kenne ich bis heute nicht wirklich. Damals passierte uns das oft mehrmals am Tag. Mittlerweile ist das deutlich seltener geworden. Wenn es noch auftaucht ist es ein deutliches Warnsignal geworden, dass wir uns maximal überfordern.

      Liebe Grüße und einen schönen Abend!😊

      • Es fällt mir gar nicht so leicht darauf zu antworten. Nicht weil mich das Thema enorm belasten würde, sondern weil ich vieles gar nicht so genau weiß, aber gerade lieber auch nicht weiter nachfragen möchte 😉
        Ich weiß, dass wir auch sehr häufig ohne erkennbaren Auslöser umgekippt sind und deshalb auch medizinisch komplett durchgecheckt wurden (Schädel-CT, 24 Stunden EKG,…..) und dabei nichts herauskam. Meine Psychiaterin sagte dann irgendwann, dass das dissoziativ bedingt sei. Ich war zu dem Zeitpunkt sehr überrascht von der Aussage, weil ich von sowas noch nie gehört hatte. Ich wusste zwar, dass ich traumatisiert bin und dissoziiere, aber die DIS war zu dem Zeitpunkt noch gar kein Thema und mein Wissen über Dissoziationen nur sehr eingeschränkt. Ich habe deshalb auch einfach wie bisher weitergemacht und mir gedacht „Okay, dann ist es ja nichts schlimmes“.
        Es kam auch oft vor, dass ich nachts aufwachte, starke Unterleibsschmerzen hatte, aufstand um mir eine Wärmflasche zu machen und dann in der Küche umgefallen bin. Allerdings ist es da auch denkbar, dass destruktive Kontakte eine Rolle spielten und es eher eine Folge akuter Gewalt und nicht dissoziativ bedingt war. Aber auch das habe ich noch übergangen und am nächsten Morgen ganz normal weitergemacht.
        Bei uns hat das Umkippen also immer nur einige Stunden des Ausruhens gebracht, aber so wirklich verstanden hatte ich die Signale nicht. Es waren dann letztendlich andere Gründe, die zu den notwendigen Veränderungen führten.
        Dann gab und gibt es noch einige spezifische Auslöser fürs Umkippen.
        Wir sind beim Duschen oder schon vorher sehr oft umgekippt, weil wir von unserer eigenen Nacktheit überfordert waren. Wir sind vor bestimmten Daten umgekippt. Wir sind bei jedem Versuch von gezielter innerer Kommunikation umgekippt und haben da echt einige Jahre gebraucht bis sich das geändert hat. Vieles davon ist heute gar kein Problem mehr oder nur noch sehr selten. Allerdings kippen wir mitunter noch um, wenn wir mit Themen konfrontiert werden, die uns außergewöhnlich belasten. Das ist aber auch nicht immer der Fall und scheint von verschiedenen Faktoren abzuhängen.

        Liebe Grüße und einen schönen Samstag! 🙂

      • Liebe Bunte Sterne,
        vielen Dank für deine ausführliche Antwort! Es wäre auch absolut in Ordnung gewesen, wenn du nichts dazu sagen hättest können/wollen! 😊

        Was ihr beschreibt hat ziemlich viele Parallelen zu unserem Erleben. Wir wurden medizinisch auch völlig auf den Kopf gestellt, dennoch ließ sich nichts finden, das unseren Zustand ausreichend erklärte. Spezifische Auslöser kenne ich leider bis heute nicht. Das einzige, was ich sagen kann, ist, dass es in Zeiten mit viel Stress wesentlich häufiger vorkommt.

        Liebe Grüße,
        Sofie 😊

      • Liebe Sofie,

        keine Sorge, ich hätte geschrieben, wenn ich darauf (zur Zeit) nicht antworten kann oder möchte. 🙂
        Ich hatte zuvor nur einfach nicht so viel darüber nachgedacht und so hat mir das Antworten sogar geholfen wieder ein bisschen mehr über uns zu verstehen.
        Ich wünsche euch, dass ihr mit der Zeit auch spezifische Auslöser erkennt. Die kann man dann vielleicht trotzdem nicht vermeiden, aber zumindest daran arbeiten und sich darauf vorbereiten.

        Liebe Grüße
        Bunte Sterne

      • Gutes Thema.
        Wir sind auch viel umgekippt, wo wir noch gearbeitet haben. Oft direkt am frühen Morgen bevor wir zu Arbeit mussten. Und wir haben es ignoriert! Sind irgendwann zu uns gekommen, sind aufgestanden und direkt zu Arbeit gefahren. Klar, gewundert hat man sich, aber zum Arzt sind wir trotzdem nicht. Die Zeit war aber in der Tat stressig.

        Ja und wegen der Nacktheit… also damals hab ich das echt nicht kapiert. Bin in die Sauna gegangen und kippte auch da um. Unter der Dusche passiert das selbst heute noch, dass man sich schnell setzten muss, weil uns Übel wird, die Beine einknicken und schwarz wird vor den Augen, nur merken wir es meist zeitig und setzten uns und warten bis es wieder geht. Ehrlich? Erst wo ihr das jetzt mit der Nacktheit in Zusammenhang bringt, wird mir was klar. Dabei hat die Thera schon 2004 gemeint, es lege damit zusammen und wir sollen besser nicht in die Sauna gehen. Hab ich ihr damals nicht geglaubt, weil ich hatte doch kein Problem… Jetzt wird es grad klar…

        Heute kippen wir auch nicht mehr um, außer eben das unter der Dusche. Aber ist ja auch so ein Ding, sich anzufassen und so…

    • Liebe bunte Sterne,

      vielen Dank für deine ausführliche Antwort.
      Eine bessere innere Kommunikation war eins der Dinge, die jetzt besser klappen und was wohl damit verbunden ist auch, dass es ‚leichter‘ wird an schwierigen Themen wie Konditionierung und Programmierung zu arbeiten.
      Ja, das leuchtet ein, dennoch ist da die Angst, dass wir die Funktionalität zugunsten dieser Ziele zurückfahren und dennoch nichts dabei heraus kommt.
      Ich fürchte, das auch der Zwang funktionieren zu müssen, bei uns irgendwie im System verankert wurde, denn es besteht die Idee, dass wir ohne Leistung (was immer damit gemeint sein mag) kein Lebensrecht haben. Gibt oder gab es solch3 Überzeugungen bei euch auch?
      Was das Thema eigene Bedürfnisse angeht, das ist für mich sehr schwer zu fassen, klar ist dass da bestimmt welche sind, aber diese zu formulieren fällt sehr schwer. Wir merken oft erst was gefehlt hat, wenn wir es (mehr oder weniger zufällig) bekommen.

      Liebe Grüße
      Sanne

      • Liebe Sanne,

        diese Angst kann ich gut verstehen. Es würde wahrscheinlich auch nicht sofort etwas besser werden. Vielleicht würdet ihr euch zunächst sogar schlechter fühlen, weil die Funktionalität auch ein bisschen wie ein Schutz wirken kann, der dann wegfallen würde. Wir haben sehr oft damit gehadert und zwischendurch auch immer wieder Versuche unternommen doch wieder zu arbeiten oder uns fortzubilden, um dann festzustellen, dass das momentan nicht geht. Dann haben wir uns schlecht gefühlt und wie Versager und fanden alles total sinnlos. Also für uns war und ist es mitunter auch jetzt noch auch schwierig und nicht nur positiv. Das schreibe ich nicht, um euch jetzt noch mehr Angst zu machen, sondern weil ich damit sagen möchte, dass es tatsächlich schwierig werden kann und sich in unseren Augen dennoch lohnt!
        Ja, bei uns gibt es solche Überzeugungen auch. Mittlerweile nehmen sie aber nicht mehr so viel Raum ein. In schwierigen Zeiten wird sowas dann wieder sehr präsent, aber ansonsten spielt das in unserem Alltag nicht mehr so eine tragende Rolle. Diese Überzeugungen sind bei uns grundsätzlich auch noch vorhanden und wir merken das auch noch, aber wir haben eine gewissen Distanz dazu aufbauen können.
        Es ist auch gar nicht so leicht seine Bedürfnisse zu erkennen, wenn man sein ganzes Leben lang gelernt hat, dass man keine Bedürfnisse haben darf. Wir haben das lange Zeit in vielen Bereichen auch überhaupt nicht hinbekommen und wenn mal ein Bedürfnis wahrgenommen wurde, hat das gleich innere Bestrafungen aktiviert. Mittlerweile hat sich das aber sehr gebessert. Das hat aber wirklich gedauert. Gebt euch Zeit!

        Liebe Grüße
        Bunte Sterne

      • Von uns auch ein ja. Da können wir den Bunten Sternen nur Recht geben.

        Aber mit der Zeit geht das mit der Leistung und Arbeit und deswegen Wertlos fühlen zurück. Es gibt andere Dinge über die man sich definieren kann.
        Und wir haben hier welche, die glauben auch, die haben nur ein Recht zu leben, wenn sie anderen sexuell dienen, weil sie nur ausschließlich dafür existieren. Dem kann und will ich aber ja trotzdem nicht Folge leisten. Uns allen zu Liebe geht man hier solchen inneren Zwängen nicht nach, man muss diese Überzeugungen halt angehen. Das wohl von uns allen sollte letzten Endes höher stehen, als die Überzeugung von einer bzw. Wenigen.
        Klar dieses Leistung Ding kommt immer mal auf, genau so wie das mit dem Lebenszweck der einen. Und doch bin ich mir echt sicher, wir wären nicht mehr am Leben, würden wir uns zwingen weiter zu arbeiten, obwohl gar nichts mehr ging.

    • Liebe Himbeersplitter, die Frage kannst nur du für dich selbst beantworten… Was ist gegenwärtige Verantwortung, die WIRKLICH sein muss, damit niemand verhungert, zu Schaden kommt etc… und was ist „Gefühl“ zu müssen ohne wirklich zu müssen…

    • Hmm, ihr lieben Himbeersplitter, das Gefühl entgegen aller Nöte durchhalten zu müssen ist uns natürlich nicht fremd. Ich glaube dennoch, dass man nicht muss. Genau für solche Fälle ist ein soziales Netz und staatliche Hilfen ja da. Den (vermeintlichen) gesellschaftlichen Druck haben wir dennoch oft wahrgenommen. Uns hat es geholfen uns mal ganz klar vor Augen zu führen, ob andere Menschen von Menschen mit unserer Geschichte wirklich volle Funktionsfähigkeit erwarten würde, wenn sie davon wüssten. Ich denke eher nicht.

      Weshalb denkst du, dass du musst? Für uns müsst ihr ganz klar nicht!

      Liebe Grüße und einen schönen Sonntag,
      Sofie 😊

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