Klinikabend

Bild von Cindy Lever auf Pixabay 

Es ist Abend und mittlerweile schrecklich still in der Klinik. In mir hallen die Ereignisse des Tages nach. Ich wünschte die Gedanken in meinem Kopf würden so ruhig und klar vor mir liegen, wie die See auf dem Beitragsbild. Statt dessen ist meine Seele aufgewühlt und brandet in Wellen mit ihrem Schrecken ins Bewusstsein. Es ist gut, dass wir hier sind. Wir haben traurige Gewissheiten gewonnen und wir fühlen. Aus der funktionierenden Marionette, die wie ein Hamster im Laufrad ackert, ist mittlerweile eine sichtbar gebrochene Frau geworden. Aber sie fühlt sich echt.

Tatsächlich habe ich viel Funktionalität eingebüßt und kämpfe stattdessen mit schrecklichen Zuständen von Lähmungserscheinungen, bis hin zu Krampfanfällen. Die Dissoziation sinkt durch die Konfrontation. Schockierende Realitäten müssen bewusst verarbeitet werden. Von Außen könnte man leicht meinen, statt Besserung tritt eine massive Verschlechterung ein. Auf vielen Ebenen ist das auch so. Für eines jedoch würden wir sagen hat sich der Aufenthalt hier jetzt schon absolut gelohnt: Wir spüren uns und sind in Kontakt mit dem, was in uns wirklich ist. Dieses Gefühl von Kongruenz und Echtheit würden wir gerade für nichts missen wollen, so schrecklich all die Folgen der alten Gewalt auch für uns sein mögen. 

Gerade fehlt uns leider die Kraft und die Zeit unsere Erfahrungen mit der Traumakonfrontation genauer niederzuschreiben. Wir werden das aber auf jeden Fall noch nachholen. Für uns ist diese Methode zum jetzigen Zeitpunkt absolut richtig. Sie schafft Klarheit, setzt zusammen, was abgespalten war und hilft an vielen Stellen, an denen Stabilisierung nichts ausrichten konnte. Wir empfinden die Auswirkungen der Konfrontation als extrem hart. Sicher löst sie sie nicht alle Probleme. Mit den Gefühlen muss beispielsweise erst einmal umgegangen werden, wenn sie dann voll ins Bewusstsein schwappen. Gleichzeitig entsteht aber auch eine Gewissheit, die es leichter macht die Ereignisse in der Vergangenheit stehen zu lassen und noch vorne zu gehen. 

Wir hoffen, euch lieben Mitleser_innen geht es gut! Habt eine gute Nacht und viele heilsame Träume!

Ganz viele liebe Grüße,

Sofie und die bunten Schmetterlinge 🦋 

 

 

11 Kommentare zu “Klinikabend

  1. Hab vorhin noch an euch gedacht und mich gefragt, wie es euch geht. Das liest sich sowohl schrecklich als such schön. Ich möchte an dieses fühlen und die Echtheit auch gerne heran.
    Das m acht hier nur wow!
    Trotzdem wissen wir, wie hart das ist und haben enormen Respekt vor eurem Mut und der Kraft.
    Macht weiter so ihr lieben. Hier wird an euch gedacht mit lieben Gedanken.

  2. Liebe Sofie und bunte Schmetterlinge,

    das klingt sehr anstrengend und trotzdem wichtig und gut. Ich wünsche euch ganz viel Kraft! ❤
    Ich kenne das was ihr gerade durchmacht zumindest so ähnlich (denn wir sind ja trotz Ähnlichkeiten dennoch auch alle verschieden und haben individuelle Geschichten) und erlebe es auch ganz ähnlich, dass es sich schlimm anfühlt und erstmal (fast) alles schlimmer wird, aber es einen dann doch ein ganzes Stück weiterbringt.
    Wir denken übrigens auch immer mal wieder an euch und fragen uns wie es euch wohl gerade so in der Klinik geht.

    Schlaft gut 🙂
    Bunte Sterne

  3. Hallo ihr Alle,

    wir freuen uns von euch zu lesen!
    Es geht uns momentan sehr ähnlich. Wir arbeiten grad sehr intensiv in der Therapie, jetzt schon den zweiten Monat und insbesondere wenn freie Zeiten sind, in denen ich keine Seminare habe oder arbeiten muss.
    Es ist hart aber es lohnt sich.
    So wie ich mich jetzt schon fühle, habe ich mich mein ganzes Leben noch nicht gefühlt.
    Ich bin glücklich.
    Zwischendurch.
    Und ich fühle mich.
    Ich bin lebendig.

    Wir machen jetzt in der Therapie Biografiearbeit.
    Wir brauchen für uns momentan nicht die typische Konfrontationen, weil der ganze Scheiß von ganz allein nach oben kommt.
    Innen wird viel selbstständig integriert und wir rücken alle gerade näher zusammen.
    Für die Alltagsleute ist es besonders schwer.
    Es ist auch schwer ohne Dissoziationen zu leben und das volle Ausmaß der Dis mitzukriegen.

    Ich bin auch oft verzweifelt, weil ich so wenig steuern kann als Alltagsanteil.

    Aber dafür bin ich jetzt oft glücklich.
    Und ich lache viel mehr als früher.

    Den Anderen in uns geht es auch langsam besser.
    Sie verstehen langsam, dass Jetzt-Zeit ist und nicht mehr früher.

    Viele herzliche Grüße von uns allen an Euch, ihr Mutigen!

    vom Kernteam
    (A., L., C., A. und Lily)

  4. Liebe Sofie und liebe bunte Schmetterlinge,
    ich wünsche euch allen alles Liebe für diesen schweren Teil des Prozesses!
    Auch wenn ich (vermutlich) nur „eine“ bin, gehe ich sehr stark in Resonanz mit diesem Thema und bewundere euren Mut und eure Offenheit.
    Von Herzen alles Gute ❤️
    Susanne

  5. Liebe Sofie,
    ich freue mich für dich, denn das ist das Wichtigste meiner Meinung nach: das Fühlen.
    Ich habe es erst vor weniger als zwei Jahren wirklich entdeckt- zum ersten Mal mich mit mir eins gefühlt und aufgehoben. Leider nur kurz, aber seitdem weiß ich, wonach ich suche. Ab und zu finde ich es, zu oft leider noch nicht. Seltsam- heute gerade habe ich mit der Therapeutin darüber gesprochen: Wenn ich mich NICHT fühle, suche ich am ehesten Trauer oder Schmerz. Das ist am vertrautesten und das ist wenigstens FÜHLEN- also viel besser als „nicht sein“! Positive Gefühle sind SO viel schwieriger zu finden. Aber ich glaube, dass es weitergeht.
    Deine Geschichte macht mir MUT.
    Von Traumakonfrontation habe ich keine Ahnung. Da bin ich noch nicht. Ich finde es mutig von dir, dass du dies alles angehst, dass du hinsehen und den Schmerz ertragen willst.
    Ich wünsche dir, dass du stetig lernst, mit den aufwallenden Gefühlen und dem, was sie mit dir und deinem Körper machen, umgehen zu können und dass ihr alle zu einer möglichst guten Einheit findet. Da dürfen bestimmt auch noch ein paar Risse zu sehen sein, Haustsache, es besteht Verbindung.
    Eine Therapeutin sagte einmal in einem Info-Film, dass, wenn man „hinsehen“ will …. dann der Schmerz komme. Und er wäre sehr schlimm! Aber es sei ein endlicher Schmerz und der andere sei unendlich“. Dieser Satz war wichtig für mich.
    Weiterhin alles Gute auf deinem Weg, Silvia

  6. Liebe Sofie und die bunten Schmetterlinge,

    Ich freue mich von euch zu lesen. Ich kann gut nachvollziehen, dass alles viel ist und doch bei aller Schwere und Anstrengung ein Gefühl von miteinander und Klarheit gut tut.
    Auch wir wünschen euch ganz viel Kraft und weiterhin viel Erfolg. 💖🍀🍀🍀🕊️
    Ich habe keine Worte, was genau ihr nun brauchen könnt und daher wünschen wir euch noch das Allerbeste für euch in eurer jetzigen Situation. Was immer das genau sein mag. ❤️🎶 🌻
    Von Herzen alles Liebe
    „Benita“

  7. Liebe Sofie, ich hatte eine ähnliche Erfahrung in der Klinik und später auch ambulant. Konfrontation war einerseits so entsetzlich andererseits hat es mir so sehr geholfen, dass ich sicher bin, dass die Zeit kommt, um die nächsten Konfrontationen zu wagen. Es geht nicht alles auf einmal, musste ich feststellen. Es ist so kräftezehrend aber wenn es richtig gemacht wird, dann lohnt es sich. Es freut mich, von deinem Fühlen zu lesen und von deinem Kämpfen und von deinem Mut. Ich hoffe, du hast eine gute Begleitung an der Seite! Ich wünsche dir ganz ganz viel Kraft weiterhin. Und Sonnenstrahlen, innere und äußere, die dich ein wenig Energie in dieser Zeit schöpfen lassen. Alles Liebe!

  8. Liebe Sofie und Schmetterlinge,

    wow. Es klingt sehr eindrücklich, was ihr schreibt. Schön, dass ihr das Gefühl habt, dass ihr den richtigen Weg geht! Ich wünsche euch ganz viel Kraft und Durchhaltevermögen für alles, durch das ihr grade durchgeht. Danke für das Update!

  9. Ich bin einfach nur beeindruckt, tief beeindruckt! Wie ihr diese schweren Therapien, die Konfrontationen annehmt, reflektiert und zu verarbeiten beginnt, das ist ganz, ganz großes Kino.

    Ich lasse Euch ein riesengroßes ❤ hier, das für Euch schlägt, Euch Kraft, Ausdauer und am Ende ein so großes Stück als nur möglich an Besserung und Heilung, wünschen und schenken mag.

    Ganz, ganz liebe Grüße!

  10. Wir lassen Euch ein Kaftpäckchen da, als Reserve… 😉 Man kann ja nie wissen!

    Liebe Grüße aus der Himbeersplitterei

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