Was ich an Beltane mag

Ich sitze auf dem Balkon und lausche dem zwitschern der Vögel. Meine Fingerspitzen frösteln leicht. Den Oberkörper eng in eine dicke Jacke gehüllt  blicke ich mich um. Es ist der erste Beitrag in diesem Jahr, den ich unter freiem Himmel verfasse. Ich erinnere mich an die vielen Sommerabende, an denen ich hier ein Stück meines Lebens genoss. Zart sprießen die ersten Pflänzchen. Vieles hat zu meinem Erstaunen den harten Winter in den Töpfen überlebt. Die kleinen Erdbeerpflänzchen schauen bereits eifrig über den Rand ihres Schalenzuhauses und schieben ihre Blätter der Sonne entgegen in die Höhe. Vom Himmel kommt mir ein kleines wattiges Samenetwas entgegengeschwebt. Es spielt mit dem Wind. Die Kleinen kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Sie freuen sich über diese Beobachtungen. „Das ist also Beltane“, denke ich. „So fühlt es sich jenseits von organisierter und ritualisierter Gewalt an.“

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Bienenbalkonmut und Kaffeeauszeit

Draußen vor dem Fenster fallen große Regentropfen zu Boden. Mit erdigen Händen haben wir es gerade vor dem Schauer noch ins Innere geschafft. Schaumige Seife und warmes Wasser spülen gleich die Reste des Pflanzsubstrates von den Fingern. In der Küche wartet Kaffee auf uns. Erschöpft, aber auch ein bisschen zufrieden ziehen wir uns auf das Sofa unter die warme Decke zurück. „Mission Bienenbalkon“ für heute erfolgreich beendet. Doch wie hat sie angefangen?

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Scheinpsychosen und Feiertage

Feiertage sind für Überlebende ritualisierter Gewalt prädestiniert dafür zu scheinpsychotischem Erleben zu führen. Die Symptome sind jedoch meist nicht durch eine tatsächliche Psychose bedingt, sondern vielmehr durch Flashbackzustände hervorgerufen. Durch die Fragmentierung der Ursprungserinnerung mögen dann die im Bewusstsein auftauchenden Teile aus dem Zusammenhang gerissen zwar wirr und surreal wirken, sind es jedoch in ihrer Entstehung nicht. Der nachfolgende Artikel beschäftigt sich mit Überschneidungen und Unterscheidungen von Traumafolgen und psychotischem Erleben.

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Impulse aus dem Innen – Handlungsimpulse als Ausdruck dissoziierter Erinnerungen

Wenn die Informationen aus der Schattenwelt nun auftauchen, geschieht das zunächst [häufig] durch Handlungsimpulse, die man selbst nicht versteht, wie z.B. Fresszwang, Kaufsucht oder auch die Bereitschaft sich auf Dinge einzulassen, die man eigentlich ablehnt, suizidale Impulse auszuführen, an Plätze zu gehen oder sich mit Menschen zu treffen, die man unangenehm oder eklig findet.

Gaby Breitenbach, Innenansichten dissoziierter Welten extremer Gewalt, Asanger Verlag, 5. Auflage 2016, S. 142

 

Das Eingangszitat beschreibt auf eindrückliche Weise einen Zustand, den wir an uns selbst mehr als oft beobachten konnten: Man tut etwas und weiß gar nicht weshalb, weil es dem bewussten Anteil eigentlich widerstrebt so zu handeln. Die Krux an der Sache: Man kann es auch nicht einfach sein lassen, weil etwas/jemand durch einen hindurch am bewussten Wollen vorbeiagiert. Tatsächlich wurden derartige Impulse in der Vergangenheit meist dann kontrollierbar, wenn wir ihren Ursprung wieder zuordnen konnten. Wenn sie auftauchen kommen sie jedoch häufig aus dem Nichts und abgekoppelt von anderen Erinnerungsfragmenten, die erklärend wirken könnten. Keine Bilder, keine Gerüche, kein Körpergefühl. Die traumatische Erfahrung zeigt sich allein im Impuls, der zurück ins Bewusstsein schwappt. Er scheint Ausdruck des eigenen Handlungswillen zu sein und gleichzeitig ist man sich dabei furchtbar fremd. Die nahenden Ostertage führen derzeit dazu, dass einige dieser Erinnerungsfragmente mit impulshaftem Charakter wieder vermehrt auftreten. Wir haben uns dazu entschlossen deshalb diesen Beitrag mit unserer persönlichen Sicht auf dissoziierte Handlungsimpulse zu schreiben.

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Danke für alles, ihr Lieben!

Erschöpft sitze ich auf dem Bett und trinke meinen Kaffee mit einem Schuss Amarettosirup. Süße mischt sich in die Bitterkeit. Die Gedanken ziehen vorbei und reichern sich von Zeit zu Zeit mit Themen an, die uns der Fernseher entgegenschallt. Wir schalten ab und kommen einfach mal bei uns an. In den ersten ruhigen Minuten dieses Tages, sind wir vor allem eins: gerührt.

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Expecto Patronum

Es gibt wohl tatsächlich derzeit nichts, was wir uns mehr wünschen würden, als einen Patronus-Zauber, der uns vor den dunkelsten Momenten bewahrt. Ein bisschen Licht, aus den glücklichen Stunden unseres Lebens, das die Hölle erträglicher macht. Wir sind mit unseren Kräften am Ende. Physisch und psychisch. Für viele Tage war es uns nicht möglich auch nur ansatzweise aufzustehen. Eine maximale Erschöpfung drückt uns nieder. Nach drei Schritten sind wir so kaputt, dass wir außer Atem geraten und uns wieder setzen müssen. Jeder kleine Reiz verursacht schmerzhafte Übererregung im Gehirn. Suchtdruck stellt sich ein. Alkohol, Zigaretten, Drogen… egal. Es kostet die letzten Kapazitäten keinen dieser Wege zu gehen.

All das kam mit seinen Extremen nach der letzen Konfrontation. Tränen brechen seitdem immer wieder schwallartig und unkontrolliert aus uns hervor. Dazu kommt, dass wir vermutlich in diesem Zustand entlassen werden. Die Klinikzeit geht zu Ende. Es gibt keine Verlängerung, weil das der Therapeutin zu viel wäre. Ja, ihr. Nicht uns oder der Krankenkasse. Aber das steht nochmal auf einem anderen Blatt und würde als Thema für einen eigenen Beitrag reichen.

Im Moment bleibt uns nur zu hoffen, dass wir nicht an die Wand konfrontiert wurden und sie tatsächlich weiß, was Sie tut. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. „Expecto Patronum“, flüstere ich und wiege mich selbst im Arm. „Expecto Patronum, kleine Sofie.“