Ein erschöpfter Sonntag

Die letzte Woche war hart. Zwei Tage hielt mich nur Beruhigungsmittel am Leben. Eigentlich nehmen wir so etwas gar nicht. Seit der Klinik haben wir es als Bedarfsmedikament im Schrank stehen. Zum ersten Mal war ich nun froh darum. Anders hätte ich das, was sich da derzeit in mir auftut nicht ausgehalten. Ich fühle mich, als wäre ich irgendwo zwischen Leben und Tod hinter einer dicken Nebelschicht und stehe völlig neben mir. Immer wieder schaue ich auf die Bilder in meinem Kopf und frage mich, wie pervers und abartig Menschen eigentlich sein können.


Jetzt kämpfen wir uns durch’s Wochenende. Am schlimmsten bei all dem, ist die unglaubliche Sprachlosigkeit und Isolierung, die wir bei diesen Themen empfinden. Wir sind dankbar, dass Papier ein geduldiger Zuhörer ist. Manchmal wären wir dennoch froh, wenn auch menschliche Ohren, das aushalten würden, was unser Leben so grausam geprägt hat. Von Zeit zu Zeit ist das der Fall. Dennoch scheint uns der direkte Austausch oft viel zu wenig. 

Überhaupt überfällt uns derzeit eine große Sinnlosigkeit. Sie entsteht nicht zuletzt auch aus den Widersprüchen unseres Seins. Einerseits liegen wir heute beispielsweise bereits den gesamten Tag flach, weil nichts mehr geht. Andererseits wäre draußen schönes Wetter und zu einem Teil wünschen wir uns auch sinnvollen Input. Ein bisschen Beschäftigung für’s Hirn. Nun könnte man ja meinen, dass wir uns dann auch hinsetzen könnten und etwas lernen oder lesen oder arbeiten… Keine Chance. Obwohl an sich das Bedürfnis besteht, brechen wir bei jedem Versuch zusammen. Logisch ist das zwar nicht, aber was bleibt uns anderes übrig, als das zu akzeptieren. 

So wird aus diesem Sonntag mal wieder einer dieser Tage, an denen wir einfach nur versuchen irgendwie durchzukommen, um jeden Kaffee dankbar sind, den wir uns kochen können und ansonsten mit minimaler Beschäftigung versuchen irgendwie das Beste daraus zu machen. Es wird sicher wieder anders werden. Trotzdem würden wir uns diesen Einbruch gerne ersparen.

18 Kommentare zu “Ein erschöpfter Sonntag

  1. Liebe Sofie und die bunten Schmetterlinge,

    Wir wünschen dir/euch ebenfalls ganz viel Kraft und möge bald wieder mehr Ruhe einkehren und diese schwere Zeit zumindest durch die Reflexion zu einer Erleichterung in Folge führen. Und jemand, die/der es aushält zuzuhören, bei Bedarf, wünschen wir auch von Herzen. 🍀🍀🍀💖
    Herzliche Grüße
    „Benita“

  2. Hier war der heutige Tag ähnlich, eigentlich hätten wir gerne etwas unternommen weil das Wetter so schön war, aber es ging absolut nicht weil der Körper und die Psyche gestreikt haben. Sowas ist immer unglaublich frustrierend, aber sich darüber zu ärgern bringt leider auch wenig. Ich hoffe, dass es euch bald wieder etwas besser geht. ❤️

  3. Liebe Sofie,

    trotz aller Sprachlosigkeit und Isolierung, die auch wir immer wieder als sehr schwierig erleben, gelingt es euch Worte für euer Erleben zu finden und euch hier mitzuteilen und ein Echo zu finden. Gut, dass das geht.
    Gleichzeitig lesen wir wie schlecht es euch geht und gewinnen irgendwie den Eindruck, als habe der Klinikaufenthalt hier nichts Gutes bewirkt.
    Wir hoffen, dass wir uns täuschen.

    Liebe Grüße und viel Kraft für euch

    Sanne

    • Liebe Sanne,
      schön von dir zu lesen! 😊
      Ja, schreiben ist in der Tat schon eine große Hilfe.

      Der Klinikaufenthalt hat tatsächlich zu einem großen Einbruch geführt und sehr negative Auswirkungen auf unseren Alltag. Wir kämpfen uns grade praktisch wieder zurück ins Leben. 🙄

      Liebe Grüße und einen schönen Abend!
      Sofie 🦋

  4. Oh ja, diese Tage sind einfach nur schrecklich…kenne den Kampf mit der Akzeptanz! Aber in dem du es zu Papier gebracht hast, hast du ja vielleicht schon einen kleinen Schritt darauf zu gemacht! Klingt auf jeden Fall so! Weiterhin viel Kraft! Schicke ein paar Sonnenstrahlen zum Sofa/Bett! LG

  5. Liebe Sofie,
    leider ist es eine Tatsache, dass es Menschen gibt, die so brutal sein können. Mir fällt es auch schwer, dass zu akzeptieren, gerade bei sehr schweren Kinderschutzfällen, die ich beruflich mitbekomme.
    Trotz all dem schrecklichen Leid, von dem du/ ihr schreibst, empfinde ich beim Lesen deiner/ eurer Beiträge eine ungeheure innere Stärke, wie einen sehr gesunden Kern in dir/ euch.
    Versuch bei all den schlechten Gedanken bei
    dir/ euch zu bleiben.
    Ganz liebe Grüße
    Carolin 🌈

  6. Och Mensch Sofie, ich kann in euren Zeilen lesen wie erschöpft ihr seit. Ich würde euch gerne ein paar wärmende und kraftspendende Sonnenstrahlen da lassen. Ich wünsche euch so sehr, dass ihr wieder auf die Füße kommt.
    Habt ihr mal an Bachblüten gedacht , besonders hornbeam für Erschöpfung?
    Liebe Grüße
    Lisa

    • Oh, danke für den Hinweis! Hornbeam hätte ich tatsächlich sogar hier, aber ich habe mit nichts daran gedacht, dass das im Moment vielleicht hilfreich sein könnte. Manchmal sind wir Betriebsblind. 🙈😊

      Liebe Grüße,
      Sofie 🦋

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