Kaffeplauderei

Die Kaffeemaschine rumpelt hart und ungemütlich in meinen Ohren, als ich mir den ersten Kaffee des Tages zusammenbraue. Das Geräusch lässt mich aufwachen, noch bevor ich einen Schluck nehmen kann. Ob das der Sinn der Sache sein kann? 🤔 Ein Esslöffel Amarettosirup und reichlich Milch vollenden mein morgendliches Heißgetränk. Vorsichtig bewege ich die Tasse Richtung Tisch. Um ein Überlaufen zu verhindern schlürfe ich etwas davon ab. Der „eklige Kakao“ stößt innen vor allem bei den kleinen Körpermitbewohnern eher auf wenig Begeisterung. Geschmackssachen sorgen manchmal durchaus für inneren Gesprächsstoff.

Der Tag beginnt mit kleinen Plaudereien. Unsere Essensvorlieben haben sich seit dem Klinikaufenthalt verändert. Vermutlich hängt das damit zusammen, dass andere Innenpersonen vorne mitmischen. Vermutlich deshalb, weil mir der Kontakt zu Ihnen noch schwer fällt und ich sie deshalb nicht einfach fragen kann. Dennoch zeigen sie sich, auf andere Weisen. Ich mochte in meinem ganzen Leben etwa noch nie Pizza Hawai. Ananas sind mir völlig zuwider. Derzeit habe ich ein richtiges Verlangen danach. Unabhängig davon habe ich die Anwesenheit mancher Innens schon in der Vergangenheit darüber bemerkt, dass sich der Geschmack spezifisch verändert. Die inneren Dialoge wandern von einem Thema zum nächsten. Wir sind uns nicht einig, wie der Tag heute am besten gestaltet werden kann. Entsprechend lassen wir ihn einfach auf uns zukommen. Der Kaffee wärmt den Bauch. Als Anfang ist das gar nicht so schlecht. 

Am Nachmittag lockt die Sonne nach draußen auf den Balkon. Leider ist es nicht halb so warm, wie es von Innen ausgesehen hat. Ein kalter Wind macht den zweiten Kaffee ungemütlich. Mit der Tasse in der Hand, wandere ich deshalb nur kurz von Blumenkasten zu Bluemenkasten, um zu erspähen, ob unsere Sämereien aufgehen. Erste kleine grüne Spitzen lassen hoffen, dass die Anzucht im Freien geglückt ist. Vor allem auf die Wicken freuen wir uns schon sehr. Während die bewegte Luft um die Blätter der anderen Pflanzen streichelt, steigt mir Minzgeruch in die Nase. Die Wasserminze verströmt ihr Aroma ebenso, als hätte jemand an den Blättern gerieben. In der kleinen Feuchtzone in einer großen Schale auf dem Balkon treiben die Sumpfpflanzen. Zunächst hatten wir dieses Jahr überlegt, die Wasserstelle nicht neu zu begrünen. Mit dem Überlebenswillen der Gewächse des letzten Jahres hatten wir allerdings nicht gerechnet. Sie haben sich alle dazu entschieden noch eine Saison zu bleiben.

Wir genießen die Alltagsauszeit zwischen Papierkram und anderen Erledigungen. Dabei müssen wir an eine Muschel denken, die mit ihrer harten Schale den weichen, verletzlichen Kern schützt. Die Vorstellung gefällt uns. Hart und weich bilden eine Symbiose. Eigentlich sollte man sich einfach mit allem lieben, was zu einem gehört. Es hat seinen ganz eigenen Sinn. 

6 Kommentare zu “Kaffeplauderei

  1. Hey Sofie, wo ich hier gerade von unterschiedlichen Geschmäckern lese…hast du auch manchmal Geschmacksstörungen? Also, dass du fast gar nichts mehr schmeckst? Ich habe das manchmal und frage mich, ob das mit Dissoziation zusammenhängt, quasi ein dissoziierter Geschmackssinn…?! LG!

    • Huhu, 😊
      also dissoziierten Geschmackssinn kennen wir schon. Die eindrücklichste Begebenheit damit hatten wir einmal, als uns unwissender Weise ein Chilligummibärchen angeboten wurde und wir gesagt haben, dass uns der Kirschgeschmack zusagt. Unser Gegenüber hat nicht schlecht gestaunt. Eigentlich hab ich in dem Moment gedacht, mir geht es gut und ich bin nicht außergewöhnlich dissoziiert. Nach dem dritten Gummibärchen kam dann allerdings die Schärfe durch. Einen Tag später habe ich nicht mal mehr ein kleines Stück davon abbeißen können, ohne, dass mir der Mund weggebrannt ist. Insofern kann ich mir zumindest vorstellen, dass Geschmacksstörungen von Dissoziation kommen können.

      Liebe Grüße,
      Sofie 😊

      • Danke für dein anschauliches Beispiel 😉 Kann ich mir gut vorstellen! An Chili hab ich mich erst einmal rangewagt, das reichte dann erstmal. Aber ich wunder mich halt immer, warum mein Essen jeden Tag anders schmeckt, hab mich erst gewundert, wie unbeständig die Nahrungsmittelindustrie ist…bis die Idee mit der Dissoziation ins Spiel kam…Aber nach dem, was du beschreibst, denke ich, dass es wohl eher das ist. Danke und LG!

  2. Liebe Sofie,
    ich mag, wie du schreibst. Bin dann fast „dabei“ im Sehen, Riechen, Spüren und Schmecken.
    Meine Kleinen waren ein paar Tage ganz verschwunden. Ich konnte mich nicht mehr an sie heranfühlen. Das macht mir immer wieder Angst, ich könnte sie verloren haben und wieder im vorherigen „normalen“, flachen Leben feststecken.
    Aber heute ist eines ganz nah, die Kleine, die sich so verlassen und verloren fühlt und immer wieder einfach weinen will.
    Deinen Kaffee würde sie wohl auch nicht mögen, aber die Pflanzenspitzen und die Sumpfpflanzen würden sie faszinieren.
    Ich wünsche dir, dass du die nächsten Tage deinen Kaffee von der Sonne gewärmt neben sprießenden Pflänzchen genießen kannst.
    Silvia

    • Liebe Silvia,
      danke für das Lob! 😊

      Schön, dass sich deine Kleine wieder nach vorne traut und den Kontakt mit dir sucht. Vielleicht könnt ihr ja zusammen was ansäen und beobachten? Kresse eignet sich dafür z.B. ganz gut, weil sie sich schnell entwickelt und auch in der Wohnung leicht pflanzen lässt.

      Dein Wunsch ist für heute schonmal in Erfüllung gegangen. Nachmittags war es bei uns richtig schön auf dem Balkon und wir konnten die Sonne genießen.

      Liebe Grüße,
      Sofie 🦋

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