Abend süß-sauer 😊

Mein Mund zieht sich vor Säure zusammen. Schief verziehe ich das Gesicht und kräusle dabei die Stirn. Während ich einen Schluck aus der Wasserflasche nehme, merke ich, dass selbst die Zähne sich von dem sauren Geschmack stumpf anfühlen. Im Gesicht entwickelt sich Hitze. „Hui.“ Damit hatte ich nicht gerechnet. Rahbarberkompott schmeckt also nicht ohne Zucker. Hätte ich in eine frische Zitrone gebissen, wäre der Effekt nicht anders gewesen, außer, dass ich mich darauf einstellen hätte können. Da habe ich die rot-grünen Gemüsestangen wohl unterschätzt. Unvorhergesehener Weise bin ich jetzt hell wach und orientiert. Es sieht ganz danach aus, als kann man sich Skills auch zubereiten. „Eine Portion Orientierung aus dem Kochtopf, bitte.“ Da ich allerdings für den Moment genug davon habe, dosiere ich mir ordentlich Zucker nach. Ich schmecke dann doch lieber die Süße des Lebens, wenn ich Desserts esse.

Als ich merke, dass ich zu dem köchelnden Mus nur noch schlecht Sichtkontakt halten kann, schalte ich das Licht an. Schön, wie zumindest die äußere Düsternis sofort verfliegt. Aus Interesse zappe ich mich anschließend kurz in den Eurovision Song Contest. Unsere Ohren sind mal mehr und mal weniger angetan. Manchmal werden wir das Gefühl nicht los, dass viele Musik heute ganauso technisiert ist, wie die restliche Welt und ihren Zauber als Gefühlsvermittler darüber oft verloren hat. Töne erfassen uns dann, wenn die Person dahinter als fühlendes Wesen sichtbar wird. Es ist die Seele der SängerIn, die sie zu etwas besonderem macht. Als mein Rhabarber fertig ist, habe ich keine Lust mehr darauf. Ich hebe ihn einfach bis morgen auf und gönne mir stattdessen ein Stück Käse.

Die Innens beginnen zu scherzen, als sie auf der Küchenzeile den Gebissreiniger sehen. Im Vergleich zu Ihnen bin ich für sie als Große gefühlt schon im Greisenalter. „Unsere Zähne sind noch fest, guck,“ gluckst eine Kleine und wackelt mit der Hand an unseren Schneidezähnen, als würden sich mein und ihr Gebiss unterscheiden. „Öhm, ja, meine auch!“, erwidere ich und muss über mich selbst lachen. Der Reiniger ist keineswegs für meine Dritten, sondern für meine Wasserflasche. Sie lässt sich damit gut sauber machen. Nachdem sie in ständigem Gebrauch ist, bleibt sie so hygienisch und setzt keine Beläge an. „Das würde ich jetzt auch sagen“, schmunzelt mir ein Innen zu. Ein Moment von Heiterkeit macht sich breit. Es tut gut einfach mal über sich selbst zu lachen. Als Kind waren für mich schon 18 Jährige ganz weit weg. Die Volljährigkeit haben wir schon ein paar Jährchen überschritten. Wie schnell doch die Zeit vergeht…

Langsam klingt so der Tag aus. Kleine Gespräche, Käsebrot und ruhige Fernsehmomente. Die Schwere geht von Zeit zu Zeit darin verloren. Ein ganz normaler Multi-Abend könnte man sagen. Es wird nicht mehr lange dauern, dann fallen uns die Augen zu. Wir stellen fest, dass wir besonders gut bei uns selbst ankommen, wenn wir uns in eine dicke Decke wickeln. Das fühlt sich heimelig an. So reisen wir gemeinsam durch die Nacht, schließen mit dem heutigen Tag ab und sehen, was der nächste wohl bringen mag. Träume sind die Urlaubsreisen der Seele. Wir sind froh, dass unsere Seele mehr von ihnen hat, als die Wirklichkeit je zerstören konnte.

3 Kommentare zu “Abend süß-sauer 😊

  1. So ein schöner Text, so eine schöne Geschichte von Euch.

    Ich konnte schmunzeln und das ist gerade ein ganz besonderes Geschenk für mich. Dankeschön, Ihr Schmetterlinge

    Ich bin froh, dass ich hier vor diesem Fenster sitzen geblieben bin und nicht den ESC schaue.

    Ganz liebe Abendgrüße und eine gute Reise in eine traumschöne Nacht! ❤

  2. Oh, das mit dem Gebissreiniger ist ja eine gute Idee. Das werde ich demnächst auch mal ausprobieren 🙂 Danke für den Tipp 😉
    Bei uns läuft der ESC im Hintergrund und hm wir empfinden es als recht durchwachsen 😀 Aber ich war ehrlich gesagt noch nie ein besonders großer ESC Fan.
    Wir wünschen euch noch einen schönen Abend und eine gute Nacht 🙂

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