Die Vertrauensprüfung *triggert*

Knie dich hin mein Kind und schweige.
Schließ die Augen fest und zeige,
dass du auf Gott allein willst bauen,
deine Seele wird vertrauen
und geduldig still ertragen,
was ich tu in seinem Namen.

Öffne Mund und deine Ohren,
denn du bist von Ihm erkoren.
Hier im Kreise unsrer Brüder
hallen deine Schwüre wieder.
Vertrauen, ehren und gehorchen
sollst du mich in deinen Worten.
So sprich und tu nun, was ich sag,
ohne Angst und ohne Frag‘.

Gib dich hin, Kind, und nimm an,
den Segen den ich spenden kann
und der in diesem Ritual
dich würdig macht durch Pein und Qual.

Über deine Haut will streicheln
und deiner Scham mit Küssen schmeicheln,
bevor ich auf dem Rücken liegend
in dich dringe Schwur versiegelnd,
dich zu meinem Eigen mache,
machtvoll schmunzelnd zu dir lache
und du ganz ruhig zu mir sprichst:

„Ich will dich achten und verehren,
dir Frau sein und dein Kind gebären
und über all das werd‘ ich schweigen,
niemandem die Schmerzen zeigen.
Im tiefsten Innern werd ich wahren,
Geheimnisse der Bruderscharen.
Niemals wird mein Mund mehr sprechen,
sonst wird sich mit dem Tode rächen
der Herr und Meister, Seth, die Schlange,
den ich durch dich nun hier empfange.“

Die Folter ging noch etwas weiter,
am Ende war man froh und heiter.
Blind folgte sie und er verlangte,
während sie um ihr Leben bangte.
Alles hat sie ohne Zucken
und ohne weiter aufzumucken
verinnerlicht und übernommen,
die Kindheit hat man ihr genommen,
die Seel‘ stattdessen neu bepflanzt
mit Sektenhorrorarroganz.

34 Kommentare zu “Die Vertrauensprüfung *triggert*

    • Ich hoffe sehr, dass die Ruhe nicht die einsetzende Dissoziation ist, sondern sich vllt einfach jemand verstanden fühlt!?

      Vielleicht wäre es tatsächlich gut einfach mal tief durchzuatmen und sich vorsichtshalber nochmal zu orientieren.

      • Einsetzende Dissoziation als Ruhe? Hm, das kennen wir nicht, glaub ich. Ich… fürchtete tatsächlich… kurz eher… jemandem könnte das bekannt vorkommen… „Endlich Worte“… (Quatsch albern)… Und dennoch wie ein tiefes „ja“ atmen. Gleichzeitig: Nein, kann nicht sein. „Sein Same, mein…???“ (Wort fehlt, egal)… Einfach Danke. Keine Ahnung, wieso es berührt…

      • Wir erleben Dissoziation tatsächlich manchmal als Ruhegefühl. Aber ich denke, das könnest du für dich einordnen, wenn es bei dir so wäre.

        Wenn ihr wollt, dann fühlt euch kurz gesehen. Es ist schlimm, was passiert ist, aber ihr seid damit nicht alleine. Ich bin sicher eure Worte kommen mit der Zeit.

        Ganz liebe Grüße,
        Sofie 🦋

  1. Wenn mir nur nie so einer in die Hände läuft.

    Mein Missbrauch war psychischer Art, was jedoch später auch s*x**ll*n Missbrauch durch Partner etc. nach sich gezogen hat. Hoffe, ich wiederhole mich nicht, weiss nicht mehr, was ich schon erwähnt habe und was nicht.

    Doch ich habe genug Berichte von anderen gehört, um zu verstehen wie das alles abläuft und natürlich wie man sich fühlt. Ich wollte neulich schon zu dem Beitrag kommentieren, wo ihr schriebt, dass ihr nichts an euch gut finden könnt. Doch ich weiss nicht wie ich es formulieren soll, damit es nicht wie dämliche Floskeln tönt. Mein Vater hat mir so lange gesagt, ich sei nichts wert bis ich es geglaubt und nur noch oberflächlich funktioniert habe. Eines Tages habe ich entschieden, dass er das nicht entscheidet und ich habe mir Jahre lang jeden Tag am Morgen beim Anziehen im Spiegel in die Augen geblickt und mir so lange gesagt, dass ich gut genug und wertvoll bin, bis ich es glaubte und dabei lächeln konnte und nicht mehr weinen musste. Ich bin froh, dass ich nie aufgegeben habe, doch eine Belohnung wird es nie geben. Wenn man so ist wie ihr und ich, dann wird man nie F*ck-yeah-so-ist-es-ok-zum-Leben sein.

    Weiterhin viel Mut und Kraft.

  2. Pingback: Triggerwarnung | la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

  3. Ich habe mir erlaubt auf diesen großartigen Text hinzuweisen, im Rahmen einer Diskussion zum Thema „triggern“, die beim Schreibprojekt „ABC-Etüden“ geführt wurde/wird

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