Eine Innie-Sittich-Geschichte

Mein innerer Wellensittich, äh Inniesittich, pfeift. 😉 Seit einigen Minuten höre ich es tirilieren. Eine Kleine hat Lust zu singen und tut das nun im Kopf. Nach einiger Zeit frage ich vorsichtig nach, ob sie es wohl auch bleiben lassen könne. Meine Stimmung passt nicht zu ihren Liedern. Das war der Moment an dem diese Wellen-Innie-sittich Geschichte ihren Lauf nahm.

Wer Wellensittiche kennt, weiß, dass Pärchen oft dicke Freunde sind. Jedes Tier hat seine Eigenheiten, aber im Herzen gehören sie zusammen. Im Großen und Ganzen würde ich das auch von mir und meinen Innenleuten behaupten. Je nach Situation und Lage wird eng zusammengerückt und sich zum Team zusammengeschmiegt. Die Freigeister flattern mit etwas mehr Raum durchs leben und gehen auch mal ihre eigenen Wege. Zwischendrin landen sie aber dennoch in der Nähe und tauschen sich aus. Beobachtet man die exotischen Vögel, scheinen sie eine ganz individuelle Einheit mit ihren Artgenossen im Schwarm zu bilden. Wir sind uns zwar mal mehr und mal weniger einig, aber wenn es drauf ankommt, halten wir zusammen. Dann gibt es noch diese Momente in denen ein Sittich ganz nah an seinen Sittichfreund heranrückt, ihm tief in die Augen sieht und man nicht weiß, ob gleich Zärtlichkeiten ausgetauscht werden oder einer seine Waffe zieht und dem anderen mit dem Schnabel maßregelnd auf den Kopf haut. In diese Situation habe ich mich mit meiner Frage soeben manövriert. 

Ich merke, wie die Kleine abrupt innehält und näher an mich heranrückt. So recht weiß ich nicht, was mich nun erwartet. Sie spricht nicht. Den Körper erfüllt Anspannung. Ein bisschen fühle ich mich so, als würde jemand auf der Parkbank immer näher auf mich zu rutschen und ich weiß nicht, was gleich passiert. Wenn wir könnten, würden wir uns jetzt zielgerichtet in die Augen schauen. Mit ernster Miene steht sie vor mir, die Hände in die Seiten gestemmt. „Hast du gerade gesagt, ich soll aufhören!?“ „Äh, ja. Ich war etwas genervt“, erwidere ich inzwischen fast kleinlaut. Ihr Blick entlässt mich nicht. „Mhm“, grummelt sie mich an. „Du weißt aber schon, dass du Glück hast, dass ich dir grade den Körper lasse und du nicht auch noch mit mir tanzen musst!?“, fährt sie fort. Schweigen. Anspannung. Ich schlucke. Damit hatte ich nicht gerechnet. Es gibt kaum etwas, was ich grade noch unlieber tun würde. Noch einmal treffen sich unsere Blicke im Innen. Kurz ringe ich nach Worten. Dann löst sich der starke Tonus aus dem Körper und wir müssen beide lachen. 

„Es könnte wohl immer schlimmer kommen“, schmunzle ich. „Du hast hier nicht die Diktatur“, kichert es. Sie singt weiter. Ich blogge. 

Bildquelle: Thomas B. auf Pixabay

5 Kommentare zu “Eine Innie-Sittich-Geschichte

  1. Mussten Schmunzeln beim Lesen.
    Bei uns is es dann leider oft so, dass einfach nach draußen gegangen und getan wird, Absprachen nicht möglich sind.
    Wer Tipps hat wie man das mit der magischen inneren Kommunikation macht…

    • Das freut uns! 🙂

      Ja, manchmal verselbstständigen sich die Innens auch einfach. In dem Fall mussten wir eher darüber schmunzeln.

      An magischer Innenkommunikation kann ich leider nichts bieten. Ich glaube da hilft nur viel auszuprobieren und seine eigenen Wege zu finden. Vielleicht darf man „Kommunikation“ auch weniger sprachbezogen sehen. Wir quatschen uns auch nicht ständig die Ohren zu. Viel häufiger nehme ich etwas aus dem innen über eine Körperempfindung oder ein Gefühl wahr. Insofern findet bei uns auch viel Kommunikation über ein Hineinspüren in den Körper statt. Die Wege sind da sicher sehr unterschiedlich.

      Ganz liebe Grüße und einen Schönen Abend!
      Sofie

  2. Ich höre am Telefon zu, bin traurig und die Tränen kullern. Sie beginnt ihren fröhlichen Happy-Gesang und wird immer lauter. Ich höre das Gespräch aus dem Telefon nicht mehr. Frag mich wie es sein kann dass so was da drin abgeht und finde es nur noch krass!
    Ziel erreicht?
    Die Tränen kullern nicht mehr.
    Wieso waren die denn da, was wurde da gesagt? Egal, war wohl nicht gut für sie, oder eher mich.
    Zuzuhören wird unmöglich, denn je mehr ich hören will, um so lauter singt sie.
    Okay dann leg ich halt auf, hat eh kein sinn.
    Wir schauen uns ein Märchen an und dann ist alles gut…

    Hat eure Kleine es nicht auch geschafft, dass du statt der Stimmung auf mal lachst? Ziel erreicht 😜

    Toll wie ihr es macht, ihr Welleninnisitichsbunteschmetterlinglinge ❤️❤️❤️

    • Hallo ihr Lieben,
      manchmal sind die kleinen schon süß! Mir ist durchaus bewusst, dass in den Aufheiterungsversuchen oftmals viel Not steckt, aber es tut manchmal auch einfach gut, zusammen über den Ernst der Lage zu schmunzeln. 😉

      Das Ziel haben wir wohl beide erreicht.😜
      Auch über das Wort „Welleninnisitichsbunteschmetterlinglinge“ mussten wir jetzt durchaus lachen. Das wäre wohl eine lustige Kreuzung. Danke dafür!

      Ganz liebe Grüße und viel Kraft!
      Sofie

      P.s.: Wir haben euch endlich mal zurück gemailt und bitten für die lange Zeitspanne um Entschuldigung!

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