Der Freier

Du sagst du bist Freier
und damit hast du recht,
denn du darfst hier wählen
und ich sitz‘ hier fest.

Du nennst mich Nutte
und stempelst mich ab
und vergisst dabei ganz,
was mir den Namen gab.

Du frägst nicht nach dem Alter,
oder wie es mir geht,
weil all dein Interesse allein
an Körperöffnungen besteht.

Manchmal denkst du, du wärst anders,
denn du kommst nur zum Reden
und vergisst dabei eins:
Man kann auch sprechend Grenzen übertreten.

Egal was du tust,
immer bin ich dein Objekt,
dass für etwas Geld im Beutel
menschliche Schwächen überdeckt.

Ich bin dein Ausweg, deine Machttankstelle,
auf der Flucht vor dir selbst
und ich zahle mit Schmerzen,
wenn du mich bestellst.

Doch ich tue es ja gern
und natürlich mit freiem Willen,
anders könnte ich die Panik,
die du mir machst, gar nicht stillen.

Wenn mich nicht täglich Dissoziation
vor mir selbst bescheißen würde,
wären Männer wie du
eine riesige Hürde.

Niemals dürftest du mir nah sein
oder von deinen Gedanken erzählen,
denn dann hätte ich ja Selbstwert
und der liese mich wählen.

Doch es reicht dir,
wenn ich zerbrochen lachend
deinen Bedürfnissen genüge.
Für jedes andere Verhalten
kassier‘ ich ohnehin eine Rüge.

Ich bin dein Roboter,
von meinen Tätern, dazu gemacht
und ich gab mein Leben
für deine kurze Nacht.

Wie komm ich nur auf sowas!?
Es geht doch bloß um Lust und Spaß
und weil nicht sein kann, was nicht sein darf:
„War da was!?“

© Sofies viele Welten

21 Kommentare zu “Der Freier

    • Vielen Dank für euere Rückmeldung! 🤗 Es freut mich, einerseits, dass wir zu dem Thema ähnlich wahrnehmen und ich damit nicht alleine bin. Andererseits würde ich mir auch einfach wünschen, dass ihr das nie erleben hättet müssen.

      Ganz viel Kraft und hoffentlich ein Leben in Sicherheit! 🧡

    • Nein, wir tun das in der Form nicht mehr. An dem Thema hängt vieles und es wird immer wieder mal präsent. Leider zeigt es sich gerade auch dann, wenn es um liebevolle Partnerschaften geht. Danke, für deine fürsorglichen Worte! 😊

      • Ja, leider leider wird das Thema gerade dann aktuell wenn es um eine liebevolle Partnerschaft geht, die Erfahrung mussten hier auch einige machen… und dann geht entweder gar nichts mehr oder es läuft per Autopilot in die völlig falsche Richtung.
        Jetzt ist ein passender Moment zum kotzen…

      • Ich bin voller Hoffnung, dass sich dieser Zustand auch überwinden lässt! Ihr seid so weit gekommen. Schritt für Schritt wird es ganz bestimmt immer besser.

        Kotzen ist manchmal gar nicht schlecht. Ich muss mich immer wieder daran erinnern, über was, bzw. wen ich da „kotze“. Irgendwie verpasse ich sonst, die Gefühle zu den Menschen und Situationen zu stellen, zu denen sie eigentlich gehören und fange stattdessen selbst an unterzugehen.

        Liebe Grüße,
        Sofie

  1. Das Liken / „Gefällt mir“ fällt mir hier immer sehr schwer. (…) – Alles Gute beim Zurücklassen alter, schlechter Dinge und annehmen guter Dinge …

    • Danke für die lieben Wünsche! 🙂

      Ich freue mich, wenn du mir einen kurzen Kommentar da lassen magst. Den Like-Button interpretiere ich eher als allgemeine Zustimmung zum Thema oder Schreibstil. Wenn es mal schnell gehen soll, darfst du ihn gerne nehmen.

      Liebe Grüße,
      Sofie 🙂

      • Liebe Sofie, obwohl ich grundsätzlich oft und gerne meinen Senf zu vielen Dinge gebe, erlebe ich doch auch Momente, wo keine Wort angemessen erscheint und ich Hemmungen verspüre und Zweifel habe (gerade als männlicher Nichtbetroffener) das Recht zu besitzen überhaupt ein Piep von mir zu geben. Und insofern läuft es dann eher auf „gute Wünsche“ und zur Not auf ein paar vorsichtige Emojis hinaus. Deine Worte berühren. Vielleicht ist auch Fremdschämen (nicht auf dich bezogen, sondern nur auf die Freier) dabei. Bin irgendwie gerade überfordert. Liebe Grüße, Jakob

      • Lieber Jakob,
        wir sind froh, dass du hier „piepst“ und deine Ansicht da lassen magst! Ich glaube, das allerwichtigste sind solche Dialoge, zwischen Betroffenen und nicht Betroffenen. Anders lässt sich die Brücke nicht schlagen. Wir finden es mutig, wenn ein Mann ausdrückt, dass er auch unsicher ist oder nicht damit umzugehen weiß. Dann kann man darüber reden. Selbst wenn es mal Meinungsverschiedenheiten gibt, ist das völlig ok. Immerhin zeigt man sich ja gegenseitig unterschiedliche Welten. Für uns ist das so wertvoll, wenn es mit gegenseitigem Respekt verläuft!

        Fremdschämen ist irgendwie eine unangenehme Sache. Mir geht es nicht anders, wenn ich höre, was Frauen und Mütter so alles über’s Herz bringen. Irgendwie ist man doch immer ein Stück mit seinen Geschlechtsgenossen verbunden. Ich bin nicht fehlerfrei, nur weil ich an verschiedenen Stellen Opfer war. Auch ich habe meine schlechten Seiten. Soweit ich kann versuche ich das Beste daraus zu machen.

        Du bist Mensch und das ist gut so und Kommentare wie dieser zeigen, dass es Gott sei Dank, auch ganz andere Männer gibt! Manchmal ist mir danach auszudrücken, was war. So wie andere davon erzählen, wenn sie einen schlechten Tag haben. Wenn ich helfen kann, deine Überforderung zu nehmen, lass es mich wissen! Egal ob Like, „Emoji“, „gute Wünsche“ oder was auch immer – fühl dich frei zu sagen, was du denkst. Es ist herzlich willkommen!

        Liebe Grüße,
        Sofie

      • Liebe Sofie, hab vielen Dank für deine lieben und Mut machenden Worte. Ich denke nicht, dass du etwas machen kannst, um mir die Überforderung zu nehmen. Es ist ja nicht mal die Sache an sich, denn – wieso auch immer – ich komme damit und anderen schlimmen Dingen klar. Das Problem ist nur, dass da der Wunsch da ist etwas zu sagen, aber die Worte fehlen: Etwas Nettes, Aufbauendes. Und besonders etwas Angemessenes. So soll es sein. Und da zerlaufen die Worte wie feiner Sand zwischen den Fingern … und manchmal bleibt es dann doch beim Schweigen. Wobei … auch Schweigen seine Zeit haben kann. Nochmals Danke. Du machst es einen leicht zu schreiben. Ich werde bestimmt von Zeit zu Zeit ein bisschen „piepen“ …

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