Ich bin kein fucking Superheld — Ein:T:R:aum:A:partment

Die lieben Lunis haben sich in einem Beitrag mit dem Thema Stärke nach Traumatisierungen auseinandergesetzt. Weil wir Ihnen in dem Punkt ganz unabhängig von Corona uneingeschränkt zustimmen, verlinken wir euch heute ihren Artikel auf unserem Blog. Wir haben durch die Traumatisierungen keine Superherostärken entwickelt und können auch nicht besser mit Krisen umgehen, weil wir sie ohnehin gewohnt sind. Manchmal ist die Mentalität von „Positiv thinking“ und Ressourcenorientierung nichts anderes als Gewalt gegen die Opfer. Wir haben keine Stärken gewonnen, weil man uns gebrochen hat. Im Gegenteil – wir sind daran kaputt gegangen. Dass wir heute leben und kämpfen ist keine Stärke, sondern eine Notwendigkeit in die man uns gezwungen hat. Jede Krise und Unsicherheit ist für uns so mies wie die Erste. Man gewöhnt sich genau so wenig an Not- und Konfliktsituationen, wie man sich an Vergewaltigungen und Gewalt gewöhnt. Es gibt keine pauschalen Bewältigungsskills und Stärken für Scheiße im Leben. Was sich letztlich stellt ist die Frage, ob man von Stärken und Ressourcen sprechen möchte, wenn man von Fähigkeiten redet, die man ohne ständige Lebensbedrohung gar nicht entwickelt hätte – die also kein Mensch haben sollen müsste und die im Grunde nur die völlige Zerstörung gesunder Interaktionsmuster durch die Traumata belegen! Wenn ich entspannt auf eine äußere Bedrohung regieren kann, spricht das dafür, dass ich meine eigenen Gefühle abspalte und ich mir damit meine Menschlichkeit verbiete, weil ich sie nicht ertrage und lebensgefährlich einstufe. Die Corona-Krise ist eine Bedrohung! Auch wenn man die Gefahr zu erkranken für sich als gering einschätzt, so sollten zumindest die massenhaft verordneten Freiheitsberaubungen und Einschränkungen unserer Grundrechte zu denken geben. Wer davon gänzlich unberührt bleibt, beweist eher eine Schädigung im emotionalen Erleben, als eine wirkliche Stärke. Das hat mit Besonnenheit nichts mehr zu tun, denn um besonnen zu handeln muss ich mich vorher von etwas besonders bewegen haben lassen – so sehr, dass ich das Potenzial spüre, dass es mir den Boden nimmt.

Ich weiß gar nicht wie die Schwurbel-Schworbs darauf kommen, dass wir im letzten Beitrag über irgendjemand anderen geschrieben haben, als über uns persönlich. Wieso sollten wir über irgendjemand anderen urteilen, irgendjemand zum schwachen Opfer degradieren, damit? Ich verstehe es nicht. Nein, ich bin kein fucking Superheld. Ich habe keine Superkräfte. Und die Mentalität von “Was […]

Ich bin kein fucking Superheld — Ein:T:R:aum:A:partment

14 Kommentare zu “Ich bin kein fucking Superheld — Ein:T:R:aum:A:partment

  1. Interessant, das mit dem Virus. Weil mich das relativ kalt lässt, zugegebenermaßen. Ich habe eine Angststörung und habe schon so oft mit einem so unerträglichen Angstlevel in meiner Wohnung gesessen, dass ich ein Lorazepam zur Hilfe nehmen musste und jetzt? Mache ich mir viel mehr Gedanken um die Uni und wann es endlich weitergeht und wie und wo mein Leben hinführt usw.usf., aber nicht um das Virus. Komisch eigentlich. Ich nehme natürlich trotzdem Rücksicht weil ich weiß, dass es für viele Menschen eine Bedrohung sein kann, aber ich fühle mich gar nicht bedroht. Hm.
    Liebe Grüße!

    • Lieber Frosch,
      ich wollte damit nicht aussdrücken, dass man sich wegen des Virus extreme Sorgen machen muss. Die Umstände sind aber sicher so, dass sie niemanden ganz kalt lassen, der in der Lage ist zu fühlen und sei es wegen Studium, Arbeit und Beruf. Das beschreibst du ja auch. Wir haben auch keine riesen Angst uns anzustecken oder sitzen deshalb zitternd in der Wohnung, aber die Maßnahmen drum herum bewegen uns durchaus. Alleine wenn wir sehen, dass mittlerweile Bewegungsprofile von Handys ausgewertet werden, wo doch die Auswertungen sonst noch nicht mal bei Straftätern richtig erlaubt sind, finde ich die Einschnitte in die Persönlichkeitsrechte massiv bedenklich.

      Liebe Grüße,
      Sofie 😊

      • Angeblich sind es aber Bewegungsprofile, die nicht personenbezogen ausgewertet werden. Vielleicht ist da der Unterschied.

      • Hmm… Wenn das wirklich so wäre, würde es ja gar nichts bringen, weil man sie niemandem zuordnen könnte und damit auch keine Verstöße ahnden. Dann würde man ja nur sehen, dass Menschen sich bewegen. Das könnte man sich sparen. Weiß man ja ohnehin. Oder hab ich da jetzt einen Knoten im Kopf?

      • *kicher
        Ja ich glaube schon. Weil sie niemanden persönlich bestrafen wollen. Die Bewegungsprofile sollen jetzt, heute nur deutlich zeigen, ob die Menschen sich wirklich deutlich weniger bewegen oder in Gruppen aufhalten.
        Weil unsere Regierung aufgrund dessen sicher beurteilen will, ob sich genug Menschen an die neuen regeln halten, oder ob sie die Ausgangssperre verhängen müssen. Es geht nicht darum, den Einzelnen rauszupicken, der gegen die Regel verstößt. 🙂

      • Die spinnen, die Römer… 😅 Unmöglich, was da derzeit abgeht. Ich mach dann einfach mein Handy aus, wenn ich raus gehe.

        Guten Morgen übrigens! 😊 Ihr seid ja auch schon früh unterwegs heute!

      • Euch auch einen guten Morgen.
        ich finde das gar nicht verkehrt und solange man keine Corona Parties in Parks mit Saufen und Grillen abhält, darf man ja eh nach draußen 😉

        Ja, wir stecken voll in den Vorbereitungen auf die Katzen und „pling“ um 6 Uhr bereit…
        Habt einen guten Tag ihr Lieben ❤

  2. Danke. Herzlichen Dank.
    Ich glaube, es fällt gerade allen schwer, diese Worte unabhängig von ,,Corona,, wahrzunehmen. Aber genauso ist es. Es muss keine Krise zwischen Ausmaßes haben, was passiert und womit man umgehen können muss oder eben auch nicht. Du hast nochmal super Worte gewählt, denen kann ich nur zustimmen!

  3. Pingback: Ich danke nicht den Tätern! – Carax&VanNuys

  4. Kann mich FROSCH nur anschließen. Mir geht es haargenauso…außer das mit der Uni 😉
    Habe auch eine Angststörung und drehe bei Dingen am Rad, die für die meisten Menschen völlig normal sind.
    Jetzt bin ich relativ ruhig. ja vielleicht ist das geübte Abspalltung/Dissoziation, die ja per se nicht unbedingt schlecht sein muss. Lieber so, als jetzt alleine, ohne Thera, ohne Arbeit, ohne Ausflüge zu/mit Freunden völlig durchzudrehen.
    Und ja wahrscheinlich bin ich auch zu geschädigt, als jetzt alllzugroßes Mitgefühl für andere zu entwickeln. Da gibts einen Teil in mir der durchaus gehässig sagt. Ja nu, wer half mir in Krisen? Und: Das ganze Luxusleben musste uns ja mal aufn Kopf fallen…usw.
    Ich handle deswegen nicht fahrlässig und halte mich an die Vorschriften usw.
    Und doch ich glaube schon, dass ich jetzt durch viele Krisen und Traumatherapie etwas gelassener damit umgehen kann als früher (vor 10 jahren hätte ich jetzt ein echtes Problem gehabt). Eiin wenig Stärke hat sich durchaus entwickelt. Aber das ist auch bei jedem anders.
    Alles Gute für Euch alle!

    • Für mich ist die Frage nur, ob die Stärke sich in der Therapie als etwas neues entwickelt oder ob in der Therapie durch die Verarbeitung des alten die immer vorhandene innere Stärke wieder zum Vorschein und ins Bewusstsein kommt. Ich vermute für mich eher letzteres. Egal wie finden wir es letztlich schön zu lesen, dass ihr für euch im Prozess positive Entwicklungen seht. 😊

      Liebe Grüße und eine gesunde Zeit,
      Sofie

  5. Zitat: „Wir haben durch die Traumatisierungen keine Superherostärken entwickelt und können auch nicht besser mit Krisen umgehen, weil wir sie ohnehin gewohnt sind. Manchmal ist die Mentalität von „Positiv thinking“ und Ressourcenorientierung nichts anderes als Gewalt gegen die Opfer.“

    Liebe Sofie, danke für (vorallem) diesen Satz! Wir dachten immer, wir sind ‚falsch‘, weil wir es genau so empfinden… Mit uns stimmt mal wieder nichts.
    Man müsse doch nur die richtige Dosis Zahnpastalächeln zustande bringen und schon stimmts! Nix stimmt da. Weglächeln ist wieder Gewalt. Missachtet sträflich, was in uns ist.
    DANKE auch an LUNIS für den anschubsenden Ausgangsbeitrag. 🙂

    Viele Grüße aus der Himbeersplitterei

    • Dankeschön für das Lob und das Teilen euerer Gedanken dazu! 😊
      So empfinden wir es auch. Erzwungenes Lächeln ist ebenso schmerzhaft wie eine Ohrfeige. Vielleicht ist ein aufgesetztes Lächeln manchmal sogar die größte Verletzung für das traumatisierte Kind.

      Liebe Grüße,
      Sofie 🦋

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