Flashbacks nach dem BASK-Modell einordnen

Gestern las ich auf dem Blog von Jean in englischer Sprache einen interessanten Beitrag dazu, wie sie Flashbacks nach dem sogenannten BASK-Modell genauer einordnen kann. Mir war dieses Modell bislang aus der Traumakonfrontation bekannt und ich habe schon das ein oder andere mal damit gearbeitet, um Erinnerungen zusammenzusetzen. Allerdings habe ich es bislang nie dafür genutzt die verschiedenen Ebenen von Flashbacks zu verstehen. In diese Richtung war ich irgendwie betriebsblind. Weil das für uns durchaus Sinn macht und uns nochmal half etwas einzuordnen, greifen wir dieses Thema in diesem Beitrag auf und ergänzen in deutscher Sprache den wirklich sehr aufschlussreichen Artikel von Jean um unsere Sichtweise.


B-ehavior: 
Das „B“ des BASK-Modells steht im englischen für Behavior, was auf Deutsch so viel wie Verhalten meint. Bei einer Traumakonfrontation würde man auf dieser Ebene zunächst die „Beobachtbare Situation“ beschreiben. Es geht also darum die reine Handlungsebene zu betrachten, die von anderen Situationsgegebenheiten wie etwa Gefühlen oder Empfindungen dissoziiert ist. Flashbacks auf dieser Ebene zeigen sich in Handlungsimpulsen. Sie imponieren mit mehr oder weniger isoliert abgespeicherten Verhaltensweisen die während des Traumas entstanden sind. 
Beispiel: Aus unerklärlichen Gründen erfasste uns immer wieder der Impuls Abfälle zu essen. Wir hatten dazu anfangs weder eine bildhafte Erinnerung, noch konnten wir uns erklären weshalb das so ist. Erst in der Therapie verstanden wir, wodurch dieser Drang entstand. Teils wurden wir dazu gezwungen, teils hatten wir einfach solchen Hunger, dass wir auf das zurückgriffen was irgendwie greifbar war. Der Impuls kam durch Trigger in einem Flashback wieder, war aber zunächst von anderen Ebenen dissoziiert. Jean nennt in Ihrem Blog den Impuls in die Küche zu laufen und sich ein Messer zu greifen als Beispiel für eine Wiederholung vergangenen Verhaltens oder den Impuls andere in Sicherheit bringen zu wollen, als Erinnerungsbruchstück von Situationen in denen man andere Kinder im Kult nicht retten konnte. 

A-ffekt: Auf dieser Ebene finden wir die Welt der Affekte und Emotionen. Dissoziierte Emotionen aus den Traumata können in einem Flashback plötzlich wieder auftauchen. Sie sind echte Gefühle und tatsächlich vorhanden. Irgendetwas in der Gegenwart hat sie angetriggert und dadurch ins Bewusstsein geschwemmt. 
Beispiel: Als Beispiel können hier etwa unerklärlich erscheinende Panikattacken dienen. Die Flut von Angst stammt aus der Traumasituation. Weitere Erinnerungsbestandteile sind jedoch vom Bewusstsein zunächst dissoziiert. Starke Ekelgefühle vor dem eigenen Körper sind ein weiteres Beispiel. Der Zusammenhang etwa mit einer Missbrauchssituation kann nicht ohne weiteres hergestellt werden.

S-ensations: Sinneserfahrungen finden sich differenziert in diesem Bereich. Unsere Sinneseindrücke (sehen, riechen, hören, schmecken, fühlen) können sich während des Traumas von unserem Erleben trennen. Empfindungen werden separat abgespeichert. Flashbacks können auf allen Sinnesebenen auftauchen. 
Beispiel: Wir haben den Geruch eines bestimmten Parfüms in der Nase, obwohl niemand in der Nähe ist, der es in der Gegenwart trägt. Unsere Riechzellen erinnern sich aufgrund eines Triggers an den Geruch eines Vergewaltigers. In einem andern Flashback kann es passieren, dass wir für einen Moment den Eindruck haben, als würde jemand in unserer Wohnung stehen, obwohl faktisch niemand da ist. Als visuelles Fragment aus der Vergangenheit drängt es sich in die Gegenwart. Auf körperlicher Ebene können Empfindungen wie etwa streicheln sich anfühlen, als würde man gerade berührt, obwohl man in der aktuellen Situation nicht angefasst wird. Die Gewalt wird auf körperlicher Ebene oft detailgenau nachempfunden ohne auch nur ein einziges Erinnerungsbild (andere sensorische Wahrnehmung, die dissoziiert ist) dazu im Kopf zu haben. Andersherum können bildhafte Erinnerungen auftauchen, zu denen andere Ebenen und Gefühle fehlen. Man sieht sich dann etwa auf einem Bett liegen und einen Mann über sich, kann dieses Bruchstück und seinen Ursprung jedoch nicht anderweitig einordnen.

K-nowledge: Knowledge bedeutet auf deutsch Wissen. Im Bezug auf Flashbacks sind hier die kognitiven und verstandesmäßigen Wissensinhalte aus den Traumatas gemeint. Sind sie dissoziiert und kommen in einem Flashback zurück, weiß man plötzlich etwas ohne zu wissen woher und weshalb. Man fühlt, dass es wahr ist ohne den Ursprung des Wissens zu kennen. 
Beispiel: Flashbacks auf dieser Ebene können sehr verwirrend sein. Mir machen sie immer wieder Angst. Es fühlt sich gruselig an, wenn einem plötzlich Wissen in voller Klarheit in den Körper fährt, über das man selbst nur staunen kann. In Form eines klaren Gedankens schießt es in den Kopf oder es erschließen sich auf Wissensebene Zusammenhänge auf die man sonst nie gekommen wäre. Mir als Alltagsperson geht es häufig mit „Gruppenwissen“ so. Ich sehe dann in der Gegenwart eine Situation oder höre etwas und weiß plötzlich wie ein bestimmter Zustand beispielsweise bei der Abrichtung hergestellt wird. Darüber habe ich vorher weder nachgedacht, noch hätte ich unter normalen Umständen im Alltag solch meist sehr grausames Wissen über diverse Zusammenhänge. Diese Informationen kommen sehr klar und sachlich daher und sind von emotionalen Ebenen dissoziiert. 

Flashbacks können auch als Mischformen der einzelnen Ebenen auftreten, je nachdem welche Eindrücke aufgespalten wurden. Wie stark das Gehirn ein Trauma aufspaltet ist nicht steuerbar, sondern wird intuitiv von den tieferen Überlebenszentren im Gehirn entschieden.

 

7 Kommentare zu “Flashbacks nach dem BASK-Modell einordnen

    • Das ging mir beim Lesen von Jeans Blog ähnlich. Igendwo weiß man all diese Dinge, aber an diesem Modell wird es nochmal anders deutlich. Ja, leider kann man nicht darauf bauen, dass ein Traumatherapeut das immer selbst weiß. Es freut uns, wenn es euch weitergeholfen hat! 😊

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