Dissoziative Gedanken und hopsende Tätigkeiten

Wir hängen im Sessel rum und schauen unwichtiges Zeugs auf YouTube. Der Unterhaltungswert ist mehr als ermüdend. Etwas besseres fällt uns entweder nicht ein oder ist uns zu aufwändig. Die Gewitterstimmung spannt noch immer die Luft. Ein Spaziergang kommt aktuell also eher nicht in Frage. Wir sind dankbar für jeden Regentropfen, der etwas von der Ladung wegwäscht. Wie schön wäre es, wenn er auch die innere mitnehmen könnte. Unser Kopf ist voll wie lange nicht. Der kathartische Tränendurchbruch bleibt jedoch aus. Stattdessen hüllt sich die Gedankenflut in überfordertes Schweigen.

Dissoziativ hopsen meine Synapsen von einer Tätigkeit zur nächsten. Keine bringe ich wirklich zu Ende. Irgendwann habe ich einen viertelten, angetippten Beitrag vor mir, eine aufgetaute Pizza, die den Weg in den Ofen nicht gefunden hat, weil mir einfiel, dass ich vergessen habe meine Blumen zu gießen und zig andere angefangene Tätigkeiten, die noch während des Tuns in meinem Gehirn wieder verschwunden sind. Ich fange immer wieder von vorne an. Schreibe ein bisschen weiter, male ein paar Pinselstriche, lege die Pizza zwar in den Ofen, vergesse aber ihn einzuschalten, drücke bei dem ausgewählten Film erneut auf Play und sitze schließlich erschöpft auf meinem Bett. Wie soll man etwas zu Ende bringen, wenn man am Ende gar nicht mehr weiß, dass man es angefangen hat!? Gott sei Dank habe ich das derart ausgeprägt inzwischen selten. 

In diesen Stunden komme ich mir vor, als säße ich in einer Sanduhr. Die Zeit läuft mir einfach durch die Finger. Wie ich am Ende durch das Nadelöhr auf die andere Seite des Tages komme bleibt ungewiss. Klar ist nur, dass sie sich nicht aufhalten lässt, ebenso wenig die Dissoziation. Überforderung eindämmen, reorientieren, Stress reduzieren und gut kommunizieren – heute mal wieder leichter gesagt, als getan.

4 Kommentare zu “Dissoziative Gedanken und hopsende Tätigkeiten

  1. Oh wie großartig formuliert, danke für die Worte: „Dissoziativ hopsen meine Synapsen von einer Tätigkeit zur nächsten. Keine bringe ich wirklich zu Ende.“ Da finden wir uns wieder drin…

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