Nature Valentine

Glitzerschnee hängt über das selbstgebastelte Zwergenheim. Ein Ausläufer davon lässt den kleinen Pilzkamin rauchend aussehen. Hinter den Fensterscheiben wirkt die Welt wärmer, als sie tatsächlich ist. Von der geöffneten Balkontür zieht eine bitterkalte Prise in die Wohnung. Sonne, blauer Himmel und die Welt liegt uns zu Füßen. Verlassen werden wir unser Domizil heute nicht. Stattdessen blicke ich aus dem Fenster und versuche in den Millionen von Wasserkristallen schöne Bilder zu finden. Tatsächlich springt mir hier und da eine Eiselfe vor die Linse und eine Frostfee deckt die Pflanzen schützend zu. Mit den Gräsern wiegen unsere Gedanken: „Happy Valentine!“ Es ist Zeit eine neue Geschichte zu schreiben. 

Früher habe ich ihn gehasst. Diesen Tag, an dem so vieles mal wieder seltsam verdreht ablief. Draußen flirrt die Luft. Licht und Schatten spielen. Autoscheiben reflektieren gleißend hell. Das einzig wirklich echte um mich herum war schon immer die Natur. Sie hat mich nie alleine gelassen. Sie war Fluchtpunkt und stabile Wirklichkeit zugleich. Bäume und Pflanzen waren meine erste große Liebe. Von ihnen lerne ich heute noch so vieles über das Menschsein, Echtheit und Selbstwert. Dort bin ich im Flow. Während mein Blick über die Dächer schweift, werde ich klar im Kopf, wie der Himmel, der mich weiterträgt. Ich will nachdenken über die Zeilen, die ich parallel versuche auf meinem Tablet zu tippen, doch ich kann nicht. Der Prozess denkt mich. Worte kommen und gehen. Themen tauchen auf und ab. Nichts bleibt ewig. Die Tannenspitzen bei den Nachbarn schütteln sich im Wind. Leise rieselt der Schnee Richtung Ostern. Ich muss daran denken, wie ich gestern von einer alten Linde zart mit Schnee beworfen wurde. Wie Puderzucker staubte er auf mich herab. Mir ist nach Frühling, Narzissen und bunten Nestern. Mein Gemüt vermisst seit Wochen Kaffee, weil mein Magen ihn nicht vertragen will. Spatzen und Meisen spielen. Wir folgen ihnen bis der First eines Reihenhauses am Horizont meine Augen von der weiteren Reise abhält.

Im Alltag bemerken wir sie oft kaum – die Schönheit und den Zauber, der uns umgibt. An diesen Fenstertagen offenbart er sich manchmal auf wunderbare Weise. Dankbarkeit macht sich breit, dass wir noch leben und diese Dinge sehen können. Ein großes kleines Glück. Bald wird sich unser Lieblingsmensch melden. Dann hören wir ein weiteres Wunder an diesem Tag. Das alte Grauen trifft auf neue Farbe und ganz plötzlich wird mir mitten in der Kälte warm ums Herz. Liebe zeigt sich im Leben auf den unterschiedlichsten Wegen. Ihr Ausdruck ist fast unbegrenzt. Egal, ob mir ein Baum seine Schulter anbietet, meine Augen sich über Eindrücke freuen, mein Lieblingsmensch die Seele streichelt oder ich meine Grenzen laut schreiend in die Welt brettere, weil ich befürchte, dass man sie sonst nicht hört – ich freue mich, dass ich Zuneigung wahrnehmen kann. Ihre größte und unerschöpflichste Quelle ist unsere Phantasie. Wenn ich mir vorstelle, wie der Schneehaufen von gegenüber zu tausenden kleinen Schmetterlingen wird, die mit eisig fragilen Flügeln aufsteigen, weiß ich: Ich bin noch nicht fertig mit dieser Welt. Es gibt noch Träume, für die mein Herz brennt und Bilder die meine Seele erfüllen. 

Happy Valentine, Leben! 

4 Kommentare zu “Nature Valentine

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