#Rastertherapie – Eine Petition gegen die pauschalisierte Behandlungsdauer von psychischen Erkrankungen

Unser lieber Krankheitsminister Jens Spahn glänzt aktuell Mal wieder mit seinem Vorschlag die Länge von Psychotherapien standardmäßig zu beschränken, um den Versorgungsmangel zu beheben. In der Praxis würde das dann so aussehen, dass beispielsweise für die Behandlung von Depressionen maximal 12 Monate zur Verfügung stehen. Danach ist definitiv Schluss, egal wie es dem Patienten dann geht. Sonderanträge sind nicht mehr möglich. Therapieplätze werden so in absehbarer Zeit wieder frei und stehen den derzeit wartenden Menschen zur Verfügung. Brilliante Idee Herr Spahn! Dumm nur, dass dann zwar schneller wieder Therapieplätze frei werden, aber die Patienten die durchs Raster fallen, weil die Erkrankung nicht in der vorgeschriebenen Zeit heilen wollte, einen Versorgungsmangel haben. Aber egal, solange die Statistiken auf dem Papier wieder passen, gell!?

Dass dieses Vorgehen mit einer DIS-Diagnose, Ausstieg und was sonst noch alles dazu gehören kann, ein Ding der Unmöglichkeit ist und dafür schon die derzeit möglichen kassenfinanzierten Therapiestunden maximal ein Tropfen auf den heißen Stein sind, spare ich mir an der Stelle ausführlicher zu erklären.

Eine sehr unterschreibenswerte Petition gegen die geplante Gesetzesänderung findet sich unter folgendem Link. Die deutsche Depressionsliga unterstützt die Aktion. Gerne unterschreiben, teilen und weiter sagen!

https://www.change.org/p/jens-spahn-keine-rasterpsychotherapie

19 Kommentare zu “#Rastertherapie – Eine Petition gegen die pauschalisierte Behandlungsdauer von psychischen Erkrankungen

  1. Hallo, dürfen wir das einfach rebloggen und teilen? Finden den Vorschlag auch furchtbar und haben die Petition schon unterschrieben. Auch wenn wir privat versichert sind (wo die Versorgung im Übrigen nur unwesentlich besser ist, dafür die Bürokratie fast unüberwindbar) , ist es einfach ein dummer Vorschlag…

      • So ist: Schublade auf, Diagnose rein (wird ja nicht mal der Mensch in eine Schublade gepackt), Schublade zu wenn Stunden abgelaufen sind. Haken dran und sich auf die Schulter klopfen, weil man’s gut hingekriegt hat sooo viele Menschen ach ne moment Diagnosen zu versorgen 😤

  2. Pingback: #Rastertherapie – Eine Petition gegen die pauschalisierte Behandlungsdauer von psychischen Erkrankungen – Nubis' Innenwelten

  3. Hat dies auf TRAUMALEBEN rebloggt und kommentierte:
    Sofie und die bunten Schmetterlinge haben auf dem Blog „Sofies viele Welten“ über die #Rastertherapie für Psychotherapie geschrieben. Dabei stellen sie diesen Vorschlag unserer Regierung vor – und eine Petition, die die Einführung verhindern möchte! Wenn Ihr Zeit habt und Euch entsprechend fühlt – bitte unterschreiben!

  4. Pingback: #Rastertherapie – Eine Petition gegen die pauschalisierte Behandlungsdauer von psychischen Erkrankungen – TRAUMALEBEN

  5. Auf diese Weise wird man dafür sorgen, dass psychotherapeuten/therapeutinnen, die ihren Beruf mit Herz machen, reihenweise im Burnout landen, und auf diese Weise die zur Verfügung stehenden Therapieplätze insgesamt zurückgehen und noch weniger zur Verfügung stehen !
    Auf diese Weise wird sich die Katze nicht nur in den Schwanz beissen, sie wird ihn verschlingen ! Bravo, Herr Spahn ! 🎲
    In der Pflege ist die Situation eben deshalb (zu wenig Zeit für die Patienten) schon lang derart untragbar für diejenigen, die tatsächlich gute Arbeit leisten, dass sie dem Beruf den Rücken kehren, weil sie die Entmenschlichung nicht mehr ertragen !

  6. Hm, ich seh das ja grundsätzlich ähnlich wie ihr, nämlich, dass eine andere Versorgung wünschenswert wäre. Auf der anderen Seite muss man aber auch mal sagen, dass es nirgendwo auf der Welt so viel kassenfinanzierte Psychotherapie gibt, wie in Deutschland.
    Es gibt aber gerade was DIS angeht einfach zu wenig entsprechend ausgebildete Therapeuten, die in der Lage sind effizient mit Patienten zu arbeiten, so dass manche Prozesse sich vielleicht weniger in die Länge ziehen würden.

    • Wenn am Ende halt niemandem mehr geholfen ist, weil keiner in der Therapie mehr wirklich verarbeiten kann und am Anfang schon Angst haben muss, dass dir Hilfe auch bald wieder weg ist, nützt die ganze Therapie nichts und man kann etwas nicht Lösung nennen, wenn es die Probleme nur verschiebt oder verschlimmert.

    • Liebe Sanne, hab gerade deinen Kommentar nochmal in Ruhe gelesen und jetzt auch besser verstanden, was du meinst. Ich kann diesen Gedanken gut nachvollziehen, dass geschultere Therapeuten vielleicht auch den Therapieprozess verkürzen könnten. Gleichzeitig merke ich aber auch, dass ich eine innere Sperre dagegen habe, dass Verarbeitung nach jahrelanger Gewalt in irgendeiner Form einem Zeitlimit oder Zeitdruck unterliegt. Wenn man es als Gesellschaft nicht hinbekommt gemeinsam die Opfer zu schützen und Maßnahmen zu ergreifen, die diese Gewalt wirksam verhindern, dann braucht man später auch nicht drängeln, weil Versorgungsnotstand in den Therapien herrscht. Grundsätzlich finde ich muss es möglich sein als Betroffene, bis ans Ende des Lebens therapeutisch versorgt zu werden, sofern das notwendig ist. Ein Herr Spahn und die liebe Politik könnte den Versorgungsnotstand langfristig auch darüber eindämmen, in dem man wirksam Prävention und Opferschutz betreibt. Dann hat man im besten Falle nämlich gar nicht mehr so viele Betroffene mit komplexen Traumafolgen. Auch das macht der Versorgungsnotstand nämlich deutlich. Aber da müsste man eben da hinschauen, wo es wirklich weh tut und man müsste auch die Leugnung und das Kleinreden dieser Straftaten aufgeben! Wenn wir als Staat jedem Menschen einen kleinen finanziellen Bonus zukommen lassen würden, der in seinem Umfeld Kinder vor Gewalt geschützt hat, hätten wir einen guten Ansatz, dass Wegsehen endlich mal weniger attraktiv zu machen, als das helfen und Haltung zeigen.

      Bei einer körperlichen Behinderung oder Erkrankung führt diese Diskussion kein Mensch. Die Medikamente für meine chronische Darmentzündung bekomme ich ohne wenn und aber, obwohl da sogar klar ist, dass das nie vollkommen ausheilen wird. Dennoch hat man Begriffen, dass es ohne eben deutlich schlechter wäre und das es unethisch wäre einem körperlich erkrankten Patienten zu sagen, dass er keine Hilfeleistung mehr bekommt, wenn seine Organe nicht in der Zeitspanne X eine normale Funktion aufnehmen. Und auch das stört mich, dass wir hier als Gesellschaft bei psychischen Erkrankungen wieder mit zweierlei Maß messen.

      Ich merke, dass mich dieses Thema richtig wütend macht und vieles in mir anstößt. Mir ist wichtig zu sagen, dass das gar nichts mit dir zu tun hat und deinem Kommentar, sondern mit meinem persönlichen Frust. Nicht, dass das falsch bei dir ankommt…

      Ganz liebe Grüße,
      Sofie

  7. Liebe Sofie,

    danke, dass Du Dir Zeit genommen und die Mühe gemacht hast, so ausführlich auf meinen Kommentar einzugehen. Mein Kommentar zielte ganz und gar nicht darauf ab zu sagen, dass wir zufrieden sein müssen, bloß weil es anderswo noch schlechter ist.
    Ich kann Deinen Frust absolut nachvollziehen, mehr noch ich teile ihn sogar.
    In sämtlichen Punkten, die du kritisierst, würde ich dir zustimmen, da gibt’s definitiv Optimierungsbedarf und viel Luft nach oben.
    Mir hilft es in Situationen, die mich frustrieren, meinen Fokus auf Alternativen, Möglichkeiten und Chancen, kleine positive Aspekte, sozusagen das Glück im Unglück, zu richten, um mich der Situation weniger ausgeliefert zu fühlen. Das war die Absicht hinter meinem Kommentar.

    Liebe Grüße
    Sanne

    • Liebe Sanne,
      so hab ich dich auch nicht verstanden. Mir ist dann nur selbst aufgefallen, dass dieses Thema in mir so viel angestoßen hat, dass ich gar nicht mehr sachlich reagieren konnte. Danke für dein Verständnis! 🤗

      Liebe Grüße,
      Sofie

    • Wow! Das ist ja prima. 🔝
      Hoffentlich bedeutet das auch, dass man auch im Gesundheitsministerium in der Lage ist, dazuzulernen!

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