Bewegt – Herz und Wind

Wir hängen in unserem Hängesessel auf dem Balkon. Der Wind weht kühl. Eine dicke Weste bewahrt uns davor zu frieren. Von weit her ruft der Kuckuck. Tauben gurren. Ein bisschen wärmer und es wäre glatt gemütlich. Die Röhreneingänge unseres Bienenhotels sind inzwischen zunehmend verputzt. Zwischen den kalten Fingern rollen wir ein Blatt Zitronenmelisse. Es duftet herrlich frisch. Die gequetschte Triebspitze reiben wir über die kleinen Bläschen unserer Sonnenallergie. Das beruhigt und stillt den Juckreiz. Die Temperatur drängt uns nach drinnen ins Warme, doch meine Seele möchte noch etwas mit dem Wind reisen.

Unser Herz klopft. Wir fühlen uns irgendwie bewegt – von so vielen Dingen. Wir haben Angst, dass morgen unsere Therapiestunde ausfallen könnte, obwohl wir sie so dringend brauchen. Unser Dasein ist zittrig wie die Pappel. Keine Ahnung weshalb und keine Ahnung wohin das führt. Immer wieder kommen unsere Gedanken auf die Sommersonnenwende zu sprechen. Ich mag darüber noch gar nicht nachsinnen, denn bis dahin ist noch etwas Zeit. Lieber mache ich mir etwas zu essen für meinen hungrigen Bauch – wenn ich darf. Denn im Moment herrscht hier Panik, dass wir zunehmen könnten und das gleicht emotional einem inneren Todesurteil. Blöd nur, dass es auch die andere Seite in uns gibt, die sofort Angst hat verhungern zu müssen. Entsprechend sind wir mal wieder auf der Suche nach dem goldenen Mittelweg… Die Katze schleicht um meine Beine. Futter. Das kleine schnurrende Zauberwesen hat ihre ganz eigene Form der Kommunikation mit uns entwickelt. Sie weiß erstaunlicher Weise genau, wen sie hier wie nehmen muss. Am Ende schmunzeln wir alle gemeinsam über ihre herzlichen Schmuse-Spiel-Aufforderungen.

Die Luft weht… Ich Frage mich, wo reist sie hin und was mag der Wind im Laufe seines Lebens schon alles gesehen haben? Bewegt. Wir stellen uns vor, wie er um die Welt zieht und in der Sahara Staub wischt, bis er husten muss. Wie gut, dass er über den salzigen Meeren direkt zur Atemtherapie kann. In Indien fing er sich Monsun ein. Schrecklich nass und vom Regen schwitzend. Das ließ ihn direkt die Richtung wechseln. Und was macht der Wind in Deutschland? Wohl irgendwie Wetter, aber größtenteils Urlaub von der sonst oft extrem stürmischen Reise. Ich merke wie mir die Augen schwer werden. Beim Beobachten der Windrichtungen kommen wir etwas zur Ruhe. Füße hoch legen. Träumen. In den Abend gleiten.

2 Kommentare zu “Bewegt – Herz und Wind

  1. “ . . . im Moment herrscht hier Panik, dass wir zunehmen könnten . . . das gleicht emotional einem inneren Todesurteil. Blöd nur, dass es auch die andere Seite in uns gibt, die sofort Angst hat, verhungern zu müssen.“

    „Grau entsteht, wenn Schwarz und Weiss gleichermassen und gleichzeitig sein dürfen. Das Vorhandensein von scheinbar gegensätzlichen Gefühlen macht es erst möglich, seine eigene Mitte zu finden. “ Quelle: Sofies viele Welten, Dezember 2020 😉

    Ich lese deine Texte zusammen und frage mich:
    Begegnen wir in der eigenen Mitte letztlich unserer Geschichte und liegt darin am Ende das (zurück-)Scheuen davor begründet, unsere Gegensätze zusammenzudenken und sie zugleich als Gegensätze stehenzulassen/zu akzeptieren?

    Dass eure Therapiestunde morgen ausfällt, ist vermutlich unwahrscheinlich. Das die Möglichkeit Angst macht, wenn die Stunde grad so dringend nötig ist, ist vollkommen verständlich.
    Wenn es hilft, möchten wir euch da gern etwas Zuversicht leihen.

  2. Liebe Schmetterlinge,
    wir würden gerne etwas Gutes und geistreiches beitragen. Irgendetwas das uns alle zusammen einen Weg weisen kann.
    Aber wir hängen im Moment an ähnlichen Punkten wie ihr. Körper, essen, zunehmen, Sonne Ende. Bedingt es sich dass diese Themen im Moment zusammen fallen, oder hat das eine mit dem anderen vielleicht nichts zu tun? Bei uns gibt es jedenfalls Phasen in denen es etwas leichter ist, aber im Sommer ist es immer besonders schlimm.
    Wegen der luftigen Kleidung, oder wegen der anstehenden Feiertage? Wir haben darauf noch keine Antwort.
    Auch wie möchten noch nicht so genau über besagten Montag nachdenken, aber er drängt sich uns immer mehr auf, weil aus dem Innen immer mehr herüber schwappt und panische Verwirrung stiftet.
    Wir jedenfalls fühlen uns durch euren Beitrag verstanden.
    Danke dafür!
    Alles Liebe von schwarwesen

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