Bahnsteigfrieden und Reiseklatsch

Wir sitzen im Zug. Neben uns rast der blaue Himmel dahin. Hin und wieder kreuzen kleine Wölkchen und Kondensstreifen unseren Blick. Je länger wir nach oben blicken, umso unklarer wird, ob wir uns bewegen oder die Umgebung um uns herum. Wind fährt in die Bäume an der Bahnstrecke. Die Blätter beginnen kurz zu winken. Wir sind unterwegs und die Welt mit uns. Hinter mir tratschen eifrig zwei alte Damen klassische Wartezimmergespräche. Offenbar ist ihnen entgangen, dass sie gar nicht beim Arzt sitzen, sondern im vollbesetzten Abteil. Aber was soll’s… Dann stehen wir plötzlich. Mitten auf der Strecke. Eine Durchsage. „Die Weiterfahrt verzögert sich entsprechend.“

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Körpererinnerungen und Schwangerschaft – auf der Suche nach dem erlösenden Zaubertrank

Ich sitze am Pc und fühle mich wund bis auf die Knochen. In der Küche brutzelt mein Mittagessen vor sich hin. Mit wippendem Fuß lehne ich im Sessel und bin stark bemüht mein Nervensystem zur Ruhe zu bringen. Atmen. Aus dem Fernseher tönt Asterix und Obelix. Wie eine unbeugsame Gallierin versuche auch ich mich aufrecht zu halten. Seit einiger Zeit beschäftige ich mich bereits mit meiner eigenen Mutterschaft innerhalb der alten Gewaltsysteme. Spätestens aber mit Halloween und Allerheiligen liegen diese Verletzungen in uns wieder so brach, dass wir vor Schmerz darüber fast zu Grunde gehen. Erneut stellen wir fest: Es ist eine Sache, wenn wir die Bilder im Kopf händeln müssen und nochmal eine ganz andere, wenn der gesamte Körper von der Vergangenheit erzählt.

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