Selbstbewusstseinscoachings und „Nein“-sagen lernen – (k)ein Schutz vor Gewalt

Wir stolpern immer wieder über Beiträge, in denen Selbstbewusstseinscoachings für Mädchen und Frauen angeboten werden, um sie vor Gewalt zu schützen. Sie sollen lernen Selbstbewusst „Nein“ zu sagen, aktive Gegenwehr zeigen, mutig auftreten, Selbstverteidigungsstrategien anwenden etc. Angebote dergleichen gibt es viele und sie haben zu einem gewissen Anteil auch ihre Berechtigung. Solange es Täter gibt, spricht nichts dagegen sich möglichst umfassend zu schützen und verschiedene Strategien im Hinterkopf zu haben. Grundsätzlich finde ich es gut schon Kindern zu vermitteln, dass Grenzen wichtig und erlaubt sind und man sich Hilfe holen  darf. Kritisch sehe ich daran allerdings, dass diese Seminare auch immer wieder dafür genutzt werden, sich Gesellschaftlich nicht darüber bewusst werden zu müssen, dass Gewalt grundsätzlich jedem Menschen passieren kann, egal wie selbstbewusst, sportlich, wehrhaft und wiederstandsfähig man ist. All diese Angebote suggerieren, dass Opfer eine Möglichkeit hätten, die Gewalt abzuschwächen oder zu verhindern, wenn sie nur bestimmte Eigenschaften entwickeln würden. Dem ist nicht so! Ob die Gewalt stattfindet, entscheidet alleine der Täter!

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Freiwillige Sexarbeiter_innen – Ich kann es nicht mehr hören! Eine Reaktion auf den „deep und deutlich“-Talk in der ARD „Bordellrepublik Deutschland“

Ich fasse mich kurz: Mir reicht es! Ich habe die Schnauze dermaßen voll, dass in Diskussionsrunden zum Thema Prostitution verbieten/nordisches Modell – ja oder nein – als scheinbares Totschlagargument immer wieder die sogenannten freiwilligen Sexarbeiter_innen ins Feld geführt werden, denen man ihren so gerne ausgeübten Job nicht einfach wegnehmen kann. Doch! Man kann! Und ich lasse dieses Argument auch nicht gelten, weil wir es in keinem anderen Bereich gelten lassen würden, wenn es um Gewalt und Straftaten geht. Nur hier nutzen wir gesellschaftlich gerne das Schlupfloch, um uns vor der Verantwortung zu drücken und einmal mehr nicht hinschauen zu müssen.

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ABC-Etüden: Königskuchen, akribisch, träumen

Die Fußspitze des überschlagenen Beines wippte bedrohlich. Wenige Zentimeter über dem Boden ließ alleine die Anspannung ihrer Knöchel nichts gutes verheißen. Niemand wagte es den Blick von dort höher wandern zu lassen oder ihr gar ins Gesicht zu blicken. Es war so still, dass man eine Stecknadel hätte zu Boden fallen hören können. Die Luft zum zerreißen von enormer Energie gespannt. Jeder der Anwesenden fühlte in diesem Moment wie es im Inneren einer Bombe sein musste. Akribisch war man darauf bedacht nicht der Zünder zu sein, wenngleich auch nicht ganz klar war woraus dieser bestand. Sollte man es wagen sie anzusprechen? Oder lieber schweigen? So tun, als wäre alles in Ordnung und seiner Arbeit nachgehen? Oder erstarren und bewegungslos warten? Die Fußspitze wippte wie ein tickender Zeitzünder. Ohne Unterlass. Dann hielt sie plötzlich inne. „Wo bleibt mein Königskuchen!?“, schnalzte sie. Alle lachten. „Ich bring‘ ihn dir gleich, Anna!“, rief ihre Mutter. Sie kicherte. Manchmal konnte sie ganz schön ausrasten, wenn es nicht nach ihrem kleinen Sturkopf ging. Dann war sie der gefürchtete Wirbelwind der Familie. Heute jedoch hinderte sie nichts am Träumen. Wenn es im Hofstaat keine Gummibären gab, dann eben Kuchen. Sie rückte ihre kleine Plastikkrone zurecht und zog am Faschingstüll. Echte Prinzessinnen hindert nichts am Spiel und die Erwachsenen spielten oft nur zu gerne mit.

Wer mehr zu den ABC-Etüden erfahren möchte oder selbst mitschreiben, findet alle wichtigen Informationen bei Christiane auf ihrem Blog „Irgendwas ist immer“. Wie immer gilt es drei Begriffe in maximal 300 Wörtern unterzubringen. Die Wortspende für diese ABC-Etüde stammt von Ludwig Zeidler.

Balkonwindzauber

Als ich auf die ersten Balkonbretter vor der Türe trete, fühle ich mich, als würde der Wind eine dicke Wolke über meinem Kopf wegblasen. Er ist mild. Milder als gedacht. Die kalte Feuchtigkeit nimmt mich überraschend freundlich in ihre Mitte. Mich fröstelt kaum. Es riecht erdig. In meine Nase steigen die Gerüche der Kräuter und Gräslein. Gemolken vom Wetter verbreiten sie ihren würzig ätherischen Duft. Ich atme. Einmal. Zweimal. Freiheit. So schnell. Innerhalb kürzester Zeit fühle ich Leben in meine Adern strömen. Ich bin überrascht. Denn gerade noch fühlte ich mich wie eine lebende Leiche. Bleischwer, in den Sessel gedrückt von bangen Gliedern. Von der Verzweiflung ausgesogen wie von einem Dementor. Jedes Glück dem inneren Grauen gewichen. Nun also stehe ich mit meiner Sweat-Jacke und einer alten, griffbereiten Hose draußen. Meine Lungen füllen sich mit Sauerstoff. Das Gehirn beginnt langsam klarere Bahnen einzulenken. Die Watte schmilzt wie Zucker unter Energiezufuhr von außen. Langsam fällt sie in sich zusammen. Noch ist mein Sichtfeld unscharf. Die Welt erscheint verschwommen. Doch ich höre. Vogelzwitschern dringt an mein Ohr. Ich erlebe mich in mitten eines kleinen Wunders, das vielleicht nur kurz verweilen mag und doch jeden Augenblick wert ist.

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Eine Frage und Bitte an die lieben Leser_innen in Sachen Pflegegrad

Hallo ihr Lieben,

wir sind aktuell einigermaßen verzweifelt und sehen überhaupt kein Land mehr. Wir haben einen Pflegegrad beantragt in der Hoffnung darüber irgendwie Unterstützung organisieren zu können für unseren Alltag in dem gerade gar nichts mehr geht. Dies wurde allerdings erstmal abgelehnt. Weshalb ist mir ein Rätsel und ich frage mich, beim Lesen des Gutachtens, wen die Dame vom MDK da begutachtet hat, weil sämtliche gewichtigen Einschränkungen einfach verneint werden. Für uns ist das ein ganz herber Schlag in einer Situation, in der wir ohnehin keine Kraft mehr haben. Natürlich könnten und müssten wir jetzt Widerspruch einlegen, aber uns fehlt einfach die Energie an allen Ecken und Enden. Habt ihr vielleicht Erfahrungen in Sachen Pflegegrad? Gibt es jemanden unter euch, der vielleicht etwas Mut zusprechen könnte, dass trotz negativem Erstbescheid noch ein höherer Pflegegrad zugesprochen wurde und sich ein Widerspruch lohnt? Wenn ihr mögt, würden wir uns sehr freuen, wenn ihr von euren Erfahrungen erzählen mögt und teilen möchtet was euch geholfen hat. Irgendwie hat uns dieser Bescheid grade jeglichen Mut genommen weiter zu kämpfen und wir sind dankbar für jeden noch so kleinen Austausch!

Ganz liebe Grüße an euch alle!🤗

Sofie und die bunten Schmetterlinge 🦋

Gefühle wollen gefühlt werden – nicht erklärt!

Wir sitzen in unserer Stube und denken nach. Gerade eben hat sich ein Weinschauer in seiner ganzen Wucht entladen. Die Anspannung war enorm. Nun sind wir einigermaßen erschöpft, aber etwas ruhiger. Ein bisschen sind wir stolz auf uns, dass wir es inzwischen deutlich besser schaffen mit Gefühlen umzugehen, als noch vor einigen Jahren. Die größte Hürde bei der Versorgung war oft, dass wir uns selbst nicht getraut haben uns ernst zu nehmen, wenn es keine gute Erklärung gab, weshalb wir so fühlen. Gedanklich waren wir dann die ganze Zeit im Kopf und haben versucht die Hintergründe zu erfassen, statt den Teil zu versorgen, der sich eben gerade zeigt. Waren wir mit der Suche nach den logischen Gesichtspunkten nicht erfolgreich, dann blieb in der Zwischenzeit auch das Gefühl im Regen stehen.

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Verstummt – Anwaltswirren, Helfergewalt und völliges k.o.

Wir sitzen völlig fertig auf unserem Bett. Das Telefon klingelt – mehrfach. Gerne würden wir ran gehen. Doch wir können nicht. Es kommt kein Ton mehr über unsere Lippen. Auf Instagram haben wir heute darüber geschrieben, dass eine Entschuldigung kein Radiergummi ist. Ich bin froh, dass mir zumindest das Schreiben noch als Kommunikationsweg zur Verfügung steht. Wirklich greifen, was mir seit Stunden die Sprache verschlägt kann ich nicht. Vermutlich ist es eine Mischung aus vielen Komponenten. Angst, Verzweiflung, Scham, Schuld, schwere Depression, die Osterfeiertage… Beim inneren Reflektieren über den Tag bemerken wir recht unvermittelt noch eine weitere Komponente – Wut!

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Sofies viele Welten auf Instagram

Hallo ihr Lieben, nach langem Zögern, Überlegen und Diskutieren, hat der Blog unter @sofiesvielewelten inzwischen auch eine entsprechende Instagram-Seite. Hauptplattform wird weiterhin der WordPress-Blog bleiben, weil wir uns hier mit euch einfach enorm wohl fühlen! Danke euch allen dafür! ❤️🤗

Zudem haben wir beim Blog-Format einfach die optimalen Bedingungen unsere kreativen Texte in beliebiger Länge zu verfassen und schreiben lieben wir nunmal sehr. Wer möchte darf uns aber gerne ab sofort zusätzlich auf Instagram abonnieren. 😉 Wir freuen uns, wenn ihr auch da euere Zeit mit uns teilen wollt!

Uns würde sehr interessieren, wer von euch auch auf Instagram unterwegs ist? Vielleicht mögt ihr uns hier ja euren Accountnamen nennen. Welche Seiten dort findet ihr gut und lesenswert? Ich muss gestehen, dass ich mich in Sachen Instagram so gar nicht auskenne und noch dabei bin mich irgendwie reinzufinden.

Wir wünschen euch ein schönes Wochenende und würden uns über eine kleine Instagram-Parade sehr freuen! 🤗☀️😎

Insekten, Sodomie und rituelle Gewalt

Ich setze mich langsam auf und wische mir den Schweiß von der Stirn. „Was für eine Nacht!“, denke ich und bin darum bemüht die verstreuten Ecken meines Bewusstseins zu einem weniger wattigen Etwas zusammenzusetzen. Aufstehen, Zähneputzen, Kaffee kochen… Die Albträume sitzen mir noch mit ihren spitzen Angstmomenten in den Knochen. Orientieren. Als die ersten warmen Schlucke langsam meine Kehle Hinunterfliesen komme ich etwas im Heute an. Seit Tagen schon nimmt die Falshbackdichte deutlich zu. Erinnerungen an das vergangene beuteln mich. Ein besonderes Cluster bilden die Traumata, in die auf unterschiedliche Art und Weise Tiere eingebunden waren.

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ABC-Etüden: Erzählstoff, sanft, vibrieren

„Was tust du da?“, sagte sie und blickte ihn fragend an. Überall lagen viele kleine Schnipsel. Über die Obstschale ragten lose Zeitungsseiten. Ein Chaos an Worten und Buchstaben war in bunten Ausschnitten quer über den Esstisch verteilt. Er jedoch rührte sich nicht. Sie war sich unsicher, ob er sie überhaupt wahrgenommen hatte. Im Türrahmen stehend wiederholte sie deshalb noch einmal ihre Frage mit zunehmender Lautstärke: „Hendrik, was machst du da?“ 

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