Rituelle Gewalt, die Schweiz und die Rolle der Therapeuten

In der Schweiz ist aktuell eine mediale Debatte zur Existenz von ritueller Gewalt entbrannt. Befürworter der „Satanic Panic“ beschuldigen Therapeuten ihren Patient_innen diese Erinnerungen nur eingeredet zu haben. Es würde an Beweisen für derartige Taten fehlen. Die Polizei hätte keine einzige dieser Taten je ermitteln können und unschuldige Familien würden durch die verfälschten Erinnerungen aufgrund der fehlerhaften Therapie zerstört. Der Vorwurf an sich ist nichts neues. Im Aktuellen Fall erinnert er stark an die früheren Debatten der False Memory Syndrome Foundation. Cornelia Widmer und ihr Mann wurden von ihrer Tochter des Missbrauches und der rituellen Gewalt beschuldigt. Polizeilich nachgewiesen werden konnten ihnen die Taten nicht. Nun sieht sie sich als Kronzeugin und Opfer der „Satanic Panik“. Sie kenne ihren Mann schon ewig und wisse, dass der so etwas nie tun würde. Das Verfahren gegen Cornelia Widmers Mann wegen versuchter vorsätzlicher Tötung, sexueller Handlungen mit Kindern, sexueller Nötigung, Vergewaltigung und Inzest wurde schließlich eingestellt. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, dass sich keine objektivierbaren Ermittlungsansätze aus den Aussagen ergeben hätten und insbesondere glaubhafte Aussagen aller anderen Familienangehörigen den Schilderungen der Tochter entgegenstünden. Zu deutsch bedeutet das für mich: Man kann nichts be-, aber auch nichts widerlegen. Wen wundert es, dass die Beschuldigten den Aussagen des Opfers wiedersprechen!?  Immer wieder wurde in der Vergangenheit versucht die Helfer dieser Klientel zu diskreditieren. Neu im Ausmaß ist sicherlich, dass es im Rahmen dieses medialen Feldzuges nun bereits Entlassungen von Therapeuten in Kliniken gab, die nach diesen „Verschwörungstheorien“ arbeiten würden. Das sei Versagen der psychiatrischen Versorgungssicherheit. Die entlarvten Kliniken würden inzwischen diese Therapien nicht mehr anbieten. Man habe Schutzmaßnahmen ergriffen. Was man hier als Schutzmaßnahmen darstellt bedeutet für die wirklichen Opfer vor allem eins: Das Aus für traumatherapeutische Maßnahmen von komplex traumatisierten Menschen im Rahmen organisierter und ritueller Gewalt in schweizer Kliniken.

Diese Entwicklung ist dramatisch. Während man den Therapeuten vorwirft auf Grundlage von „Verschwörungstheorien“ zu behandeln, statt mit wissenschaftlichen Methoden und so überhaupt erst zu der Entstehung der Störung beizutragen, scheuen sich die Medien offenbar nicht, diese völlig unreflektierten Falschmeldungen zu verbreiten. Denn obwohl der Bericht der Neuen Zürcher Zeitung die Existenz der Dissoziativen Identitätsstörung und insbesondere der dissoziativen Amnesie an sich anzweifelt, gibt es inzwischen sehr wohl eindeutige wissenschaftliche Belege. Gleiches gilt auch für Ermittlungserfolge bei rituell motivierten Taten (s.h. Inforportal Rituelle Gewalt). Zudem wird einmal mehr von Berichten weniger fraglicher Fälle auf die gesamte Klientel geschlossen. Diese wären von Therapeuten angeblich aktiv dazu aufgefordert gewesen, Erinnerungen zu finden. Das ist in etwa so, als würde man bei Missbrauchsdelikten sagen: Weil schon einmal jemand gelogen hat und Taten erfunden worden sind, können auch alle anderen Darstellungen nicht stimmen.

Ich kann für mich persönlich sagen, dass ich schon Erinnerungen an rituelle Gewalt lange vor jeder Therapie in meinem Kopf hatte und sie der Grund waren, weshalb ich nach Hilfe suchte. Damit bin ich kein Einzelfall! Mit diesem Argument möchte ich nicht sagen, dass derartige Erinnerungen, die erst nach Jahren oder Jahrzehnten ins Bewusstsein zurückkehren, weniger wahr sind! Es geht mir lediglich darum zu zeigen, dass gar nicht immer im Vorfeld zu auftauchenden Erinnerungsbruchstücken bereits eine Therapie begonnen war. Ich wurde persönlich übrigens auch nie nach derartigen Erinnerungen gefragt. Im Gegenteil wäre meine Therapeutin fast vom Stuhl gefallen, als das Vertrauensverhältnis nach einiger Zeit bestand und ich ihr sie irgendwann beschrieb. Ebenso wenig hatte ich vorher darüber gelesen oder auch nur die Chance gehabt einfach zu googeln. Im Gegensatz zu heute gab es dazu damals nämlich kaum Literatur. Vor allem nicht im deutschsprachigen Raum. Auch das Internet war noch in den Kinderschuhen.

Wenn wir nun noch einmal auf die schreckliche Entwicklung der Entlassung von Therapeuten und Veränderungen von ganzen Stationskonzepten aufgrund dieser Kampagne zurückkommen, dann müssen wir uns auch Fragen, welche Aufgabe Therapie eigentlich hat und wie sie dieser gerecht wird. In den aktuellen Medienberichten setzt man sie im Kontext ritueller Gewalt immer wieder in Beziehung mit polizeilichen Ermittlungsergebnissen und argumentiert, dass die Grundlage für derartige Behauptungen fehlten und deshalb auch nicht spezialisiert in der Therapie daran gearbeitet werden dürfe, bzw. es Einbildungen sein müssen. Therapie und Polizei sind jedoch sind zwei völlig unterschiedliche Disziplinen! Während Polizei und Staatsanwaltschaft für die objektive Wahrheitsfindung zuständig sind, die zu einer Verurteilung führen kann, haben Therapeuten die Aufgabe sich mit dem seelischen Innenleben ihrer Patient_innen zu befassen. Dafür spielt der objektive Wahrheitsgehalt keine, bzw. eine sehr untergeordnete Rolle. Die Kernkompetenz jeder guten Therapie ist es subjektives Empfinden in den Mittelpunkt zu stellen und gemeinsame Wege zu erarbeiten, die langfristig zu einer Besserung des Wohlbefindens führen. Wäre es anders, dürften wir keinen einzigen schizophrenen Patienten mehr behandeln! Bei der DIS wurde belegt, dass gesprächstherapeutische Angebote, die das traumatische innere Erleben und die Interaktion der Innenanteile aufgreifen, das wirksame Mittel der Wahl sind. Neuroleptika zeigen bei DIS-Patienten im Vergleich zu psychotischen Patienten keine Wirkung oder verschlimmern die Symptomatik. Andere medikamentöse Therapien können zwar ergänzende Hilfestellung sein, ersetzen aber das gesprächstherapeutische Arbeiten nicht. Wieso also wird nun ein Therapeut entlassen, weil er seinen Job macht!? Was bleibt ihm anderes übrig, als die inneren Bilder seiner Patienten aufzugreifen und Schritt für Schritt so zu wandeln, dass wieder lebenswertes Leben entsteht!? Wo, wenn nicht in der Therapie, muss es möglich sein, über sämtliche auftauchende Erinnerungen zu sprechen ohne Angst davor haben zu müssen, fallen gelassen zu werden, wenn die geschilderten Bilder nicht in den Erfahrungshorizont des Therapeuten passen!?

Außer Frage stand in der Reportage des SRF die Existenz von grausamen sexuellen Missbrauch. Ein forensischer Psychiater bestätigte, dass all die im Rahmen der rituellen Gewalt geschilderten Straftaten auch in der Realität vorkämen. Auch fänden im rahmen des organisierten Verbrechens ritualisierte und ideologisierte Straftataten durchaus statt. Die Existenz von ritueller Gewalt als Gesamtkomplex im Untergrund verneinte er jedoch. Ich frage mich persönlich immer wieder, weshalb der Schritt so schwer ist anzuerkennen, dass ganze Täternetzwerke auf Grundlage einer bestimmten Ideologie handeln und ihre Tatabläufe entsprechend strukturieren, wenn man doch die Taten an sich schon als belegt ansehen muss. Nichts anderes nämlich bedeutet im Kern rituelle Gewalt.

Der Vorwurf, dass suggestive Therapeuten tolle, liebevolle Familien zerstören würden, ist aus meiner Sicht ebenso falsch, wie an den Haaren herbei gezogen. Das hat mehrere Gründe: Wer hat diese Kinder durch ihre gesamte Kindheit begleitet und kann belegen, dass die liebende Mutter wirklich so liebend war? Zudem: Wenn sauber gearbeitet wird, dann suggeriert der Therapeut keine Erfahrungen, sondern deckt inneres Erleben lediglich auf. Ich persönlich bezweifle, dass man einem perfekten und liebevollen Elternhaus wirklich derartige Taten unterstellen würde. Und offenbar tun das ja auch immer wieder die angeblich Betroffenen therapeutisch eingeredeter Erinnerungen in der Reportage. Sie hinterfragen sehr schnell und stellen fest, dass die Haltung eines Therapeuten für sie eben nicht passend ist. Sie übernehmen damit keinesfalls unreflektiert einfach irgendwelche Behauptungen die ihnen im Therapieraum entgegen kommen. Es ist schlimm, wenn man von unseriösen Therapeuten in eine Ecke gedrängt wird und als hilfesuchender Patient solche Antworten vorgekaut bekommt – keine Frage. Und es mag im Zuge des Machtgefälles auch einige Zeit dauern, bis man sich traut sich zu distanzieren, wenn es so ist. Aber wie man in den Reportagen eindrucksvoll sehen kann, passiert es offenbar in diesen Fällen trotzdem und der Sinn für Wahrheit bleibt bei allen letztlich erhalten. Sie als Beweis für falsche Erinnerungen, die einfach übernommen wurden anzuführen, widerspricht sich. In der Reportage des SRF fragt der Journalist eine angeblich Betroffene von suggestiven Therapeuten, weshalb es ihr nicht gelungen wäre sich an grausame Rituale zu erinnern, wie sie doch andere Opfer durchaus beschreiben würden. Sie antwortet schlicht: „Zu wenig Phantasie.“ Man könnte übersetzt auch sagen: „Wer es nicht erlebt hat, dem fehlt schlicht jede Vorstellung davon, um es zu erfinden.“ Eine weitere Betroffene gibt an, dass sie wisse, dass sie sexuellen Missbrauch in ihrer Kindheit erlebt habe. Ihr wäre bei der Frage nach rituellem Missbrauch aber auch immer klar gewesen, dass sie davon nicht betroffen sei. Beide hätten vermutlich niemals eine Anzeige erstattet, weil sie von Anfang an ihre Betroffenheit innerlich eindeutig ablehnten.

Es gibt tatsächlich sehr viele Therapeuten, die enormen Wert darauf legen eben keinerlei suggestive Fragen zu stellen oder Antworten vor zu geben. Sie ordnen vom Patienten getroffene Aussagen nicht für ihn ein, halten sich an ihre Berufsethik und warten ab, bis ihre Patienten ihnen ihre Erfahrungen von selbst berichten oder eben nicht. Aus eigener Erfahrung können wir sagen: Wenn wir irgendetwas in unserer Therapie nicht einordnen konnten, dann blieb diese Lücke, so schmerzhaft das ist. Wir haben nicht nur einmal gehört: „Vielleicht werden sie es irgendwann einordnen können.“ Punkt. Keine Ergänzung wohin die Einordnung in unserem persönlichen Leben gehen könnte. Die Ergebnisoffenheit ist vielen Traumatherapeutinnen ein hohes Gut. Sie nun pauschal in einen Topf mit unseriösen Kollegen zu werfen und ganze Behandlungsfelder in Kliniken deshalb abbauen zu wollen, halte ich umgekehrt für die größere Verschwörung!

Die Tatsache, dass viele Betroffene mit Erinnerungen an rituelle Gewalt auch in Therapie sind und waren, kann nicht als Argument dienen, dass die Erinnerungen erst dort entstehen würden. Logischerweise begeben sich schwersttraumatisierte Menschen meist irgendwann aufgrund unterschiedlichster Beschwerden in Therapie und sprechen im geschützten Raum vielleicht erstmalig über ihre Erlebnisse.

Die Tochter von Cornelia Widmer ist inzwischen 24-Jahre alt. Sie veröffentlichte einen Selbsthilferatgeber für Betroffene von Dissoziativer Identitätsstörung. Darin beschuldigt sie erneut ihren Vater. Sie scheint sich keineswegs von ihren Aussagen zu distanzieren. Persönlich würde mich an dieser Stelle interessieren, wie hochdotiert ihre Eltern gesellschaftlich in der Schweiz sind. Es würde mich nicht wundern, wenn sich auch ganz konkret einige Überschneidungen zur einstigen FMSF finden würden. „Cornelia Widmer“ ist ein Pseudonym. Man wolle der Familie und insbesondere dem Familienvater nicht noch mehr unberechtigten Schaden zufügen, indem man sich öffentlich zeige, sagt sie. Was man den wirklichen Opfern ritueller Gewalt jedoch mit der Verleumdung antut, scheint aktuell in den Medien weniger zu interessieren. Während für Täter auf die Unschuldsvermutung bestanden wird, legt hier niemand wert darauf zu betonen, dass die Aussagen von Widmers Tochter bislang auch nicht widerlegt sind.

Wir schicken den Opfern in der Schweiz viel Kraft und hoffen inständig, dass sich die Situation für sie zum Positiven wendet!

https://www.nzz.ch/gesellschaft/der-glaube-an-satanistischen-missbrauch-breitet-sich-in-der-schweiz-aus-ld.1684880

https://www.srf.ch/sendungen/dok/rituelle-gewalt-mind-control-an-schweizer-kliniken-wird-mit-verschwoerungstheorie-therapiert

https://www.srf.ch/news/schweiz/rituelle-gewalt-teufel-therapie-fuer-patientinnen-experte-fordert-anlaufstelle

https://www.nau.ch/news/schweiz/rituelle-gewalt-kliniken-therapieren-mit-verschworungstheorie-66180680

Urteile in Deutschland

21 Kommentare zu “Rituelle Gewalt, die Schweiz und die Rolle der Therapeuten

  1. Ein Argument dieser Leute, was ja oft bei der Debatte in den Raum geworfen wird, ist ja, Therapeuten würden das ja auch genau so machen um sich ihre „Kundschaft“ zu erhalten, Patienten an sich zu binden länger und bla, da kann ich nur lachen, welcher Therapeut hat es denn nötig sich selbst Patienten zu machen? Keiner, im Hinblick auf den Therapeutenmangel und im Hinblick darauf das man mitunter auch mal über ein Jahr auf einen passenden Platz warten muss, klar, da machen sich die Therapeuten ihre Patienten selber um sie zu halten. Heute kann sich ein Therapeut seine Patienten doch aussuchen. Darüberhinaus gibt es in jedem Job Leute die ihren Job schlecht machen, warum sollte das bei Therapeuten anders sein und mal ganz davon ab, als ob ein Therapeut da so einen Bock drauf hat sich solche Greueltaten täglich anhören zu müssen. Aber das lsutige finde ich, das diese Leute auf der einen Seite behaupten das wäre alles eingeredet von den Therapeuten aber auf der anderen Seite behaupten sowas wie Mind Controll würde es gar nicht geben.

    Oder diese „Versuche“ die belegen sollen das man den Leuten falsche Erinnerungen einreden kann, hahaha, da hat man als gesunde Menschen benutzt und die seelisch bewusst krank gemacht und dann? Hat man die dann hinerher wieder gesund therapiert? Die haben also tatsächlich Menschenversuche gemacht? Das was es ja nicht geben soll haben sie also selber gemacht, interessant ,-)!

    Ernsthaft, aber naja was nicht sein darf, das kann halt nicht sein. Denn wenn man sich eingestehen würde es gibt solche Dinge dann müsste man sich als Gesellschaft auch eingestehen auf der ganzen Linie versagt zu haben, nämlich darin, die Kinder und somit die Zukunft der Gesellschaft zu schützen. Egal das ist ein immer wieder kehrendes Thema. Leider trägt es dazu ei das Menschen die schlimme Dinge erlebt haben nicht geglaubt wird. Vieles kann man auch gar nicht mehr anzeigen z.b. weil es verjährt ist … und wer hat schon handfeste Beweise für dieses Dinge, welcher oder welche geschädigte hat da sowas wie Videoaufnahmen zwecks Beweismittel? Wohl keiner oder? Da es ohnehin keinen extra Bereicht gibt im Gesetz der eben so betitetl ist und der ein Strafmaß vorsieht dafür, kann es eben auch nicht wirklich gesprochen Urteile darüber geben, wenn diese Dinge unter einem anderen Bezeichnung vor Gericht landen? Manchmal möchte man einfach nur schreien.

  2. Ja, da möchte man wirklich einfach nur schreien! So schrecklich für alle Betroffene! Natürlich am meisten für jene die in der Schweiz leben, aber uns macht so etwas auch sorgen, weil es könnte auch hier so kommen. Dabei bekommt man bereits heute alles andere als genug Zeit für Therapie und hat ohnehin Schwierigkeiten welche zu finden. Die Kliniken sind auch sehr selten darauf ausgelegt DIS tatsächlich RICHTIG zu behandeln erst recht wenn RG im Hintergrund liegt.
    Uns kommen sofort die Gedanken in so einer Welt nicht leben zu wollen. Ist auch nicht leicht unter den Umständen. Aber diese Menschen interessieren sich nicht wirklich für Opfer, sonst würde man nicht so bekloppte Entscheidungen treffen!

    • Herrje! Die aktuelle Berichterstattung ist schwierig, aber ich denke dennoch, dass man sich davon den Boden nicht komplett nehmen lassen sollte. Diese Seite hat schon länger nicht mehr gebrüllt und sie versuchen es immer wieder. Dennoch bin ich guter Hoffnung, dass sich langfristig die Seite der Betroffenen durchsetzt. Insofern möchte ich ermutigen und sagen: Kopf hoch!

      Ganz liebe Grüße und viel Kraft!
      Sofie

  3. Hach ich habe kaum 3 Sätze gelesen von eurem Blogbeitrag, da habe ich gedacht: ein Therapeut ist kein Polizist. Wie ihr schreibt: Es ist die Aufgabe eines Therapeuten die Realität des Klienten anzunehmen und ihn/sie dabei zu unterstützen in und mit dieser Realität gut zu leben. Ende…
    Dass hier von der NZZ diese Seite gepusht wird erstaunt kaum. Das ist sehr einfach einzuordnen: seit ein paar Jahren gab es an deren Spitze einen Machtwechsel, die NZZ Spitze gehört sehr rechtsradikalen Kreisen an, weshalb die NZZ inzwischen auch von der deutschen AfD gehyped wird.

    Absurderweise konnten wir in den letzten Jahren bei Abstimmungen in der Schweiz beobachten, wie eben jene Kreise über rennomierte Marketingagenturen gezielt Verschwörungstheoriekampangnen auf Facebook und co gestreut haben… (natürlich war kaum etwas nachweisbar).

    Das WAHRE Puzzle kann man sich so leider gut zusammenpuzzeln… Ganz ohne Verschwörungstheorie.

    Tatsächlich ist es in der Schweiz extrem schwierig solche Fälle schon kur zu melden. Meine Mutter (Lehrerin) hatte ein Mädchen in der Klasse, das viele Anzeichen von missbrauch zeigte und im Vertrauen von Hexenzirkeln der Eltern erzählte (ohne Details). Meine Mutter hat versucht Hilfe zu holen, doch die Antwort war immer dieselbe: man könne sich nicht in die Familie einmischen🙈🙈

    • Ganz herzlichen Dank für diese tolle und wichtige Ergänzung! Wenn man „vor Ort“ ist, bekommt man die Gesamtdynamik über die Jahre sicher noch stärker mit. Ich habe einiges davon zwar vermutet, hätte das aber nicht so unterfüttern können wie du, weil ich mich mit Medien in der Schweiz ansonsten tatsächlich wenig befasse.

      Mich stört seit längerem, dass immer die Therapeuten dafür verantwortlich gemacht werden, wenn es Ermittlungsfehlschläge oder Falschbeschuldigungen im Missbrauchsbereich gibt. Es steht jedem Bürger frei eigene Wahrnehmungen im Bezug zu Straftaten zu äußern und sie der Polizei zur Ermittlung zu übergeben. Das ist ihr Job! Sie wird von unseren Steuergeldern dafür bezahlt herauszufinden, wie die Zusammenhänge der Aussagen letztendlich im strafrechtlichen Sinne zu werten sind. Wenn es nicht möglich ist, in einem Rechtsstaat Recht und Unrecht zu ermitteln, dann läuft mit dem Ermittlungssystem des Staates etwas falsch und nicht mit den Therapien von schwerst traumatisierten Menschen. Und was man auch sagen muss, ist, dass es in 99,9% der Fälle so ist, dass das zu Lasten der Opfer geht, weil tatsächliche Täter weiterhin draußen frei herum laufen und eben gar nicht erst eine Verurteilung stattfindet.

      Ich fürchte es ist leider auch in Deutschland nicht besser, was die Meldung derartiger fälle betrifft und bleibt für alle Helfer extrem schwierig, weil sie im System an Grenzen stoßen. Dieses nicht „einmischen“ habe ich leider auch schon so oft gehört. Leider ist dieses „nicht einmischen“ auch ein Teil von „nicht nachweisen können.“ Denn wo erst gar nicht ermittelt wird, fehlen natürlich auch Beweise.

      Liebe Grüße und einen schönen Sonntag!

  4. Ich hätte noch eine Ergänzung, welche hoffentlich von niemandem der das liest missvestanden werden wird.
    Natürlich gibt es durchaus Falschbeschuldigungen, die gibt es ja auch bei Vergewaltigungen. Was in den Köpfen dieser Menschen vorgeht keine Ahnung. Es gibt ja auch Menschen die unschuldig im Gefängnis sitzen, auch das ist leider Fakt. Das Problem ist das aber diese Menschen die eben falsch Beschuldigungen ganz bewusst machen, auch denjenigen schaden die eben tatsächlich geschädigte sind (habe vor ein paar Tagen eine Talkrund gesehen und da wurde von geschädigten gesprochen, das Wort gefällt mir echt besser als das Wort Opfer, aber nur meine persönliche Einstellung)..
    Das macht es doch so schwierig.
    Die Aufgabe eines Therapeuten ist es ja nicht das zu beweisen das es stimmt was ein Patient sagt. Sondern sich so zu verhalten das er dem Patienten oder der Patientin hilft wieder in ein Leben zu kommen was mehr Lebensqualität hat.
    Ich will mal brutal ehrlich sein, ich habe schon betroffeneberichte gelesen und gehört, da werden Dinge erzählt, die für mich ganz persönlich so abstrus sind wie z.b. wenn angefangen wird von echten Lichtwesen zu reden die man gesehen hätte oder wenn Reptiloide mit ins Spiel kommen, das heißt aber nicht das ich diesen Betroffenen nicht glaube das sie schreckliche Dinge erlebt haben, aber an Lichtwesen und Reptiloide und sagen die Erde wäre eine Scheibe, das glaubt hier niemand. Aber das heißt nicht automatisch das man andere Dinge,welche sie erzählen nicht geglaubt werden. Aber auch diese tragen dazu bei das Geschädigte es schwer haben.
    Wir können auch nur von uns selbst sprechen unser Therapeut arbeitend auch nicht aufdeckend sondern damit was da ist, er stellt auch keine Fragen in diese Richtung, er sagt wir schauen uns das was da ist einfach an und arbeiten mit dem. Er redet uns auch nichts ein, oder sagt das es genau so gewesen wäre wenn jemand sich dazu äußert. Er sagt auch klar ja, es gibt falsche oder veränderte Erinnerungen. Aber was wäre er für ein Therapeut wenn er in die oder die Richtung sagen würde ja genau so war das oder wenn er sagen würde nein das kann niemals gewesen sein. Allerdings hat er neulich gesagt das Wir hatten aber schon Erinnerungen sehr lange bevor überhaupt daran gedacht worden ist sowas wie Therapie zu machen.
    So richtig aufgebrochen ist es dann erst durch eine Begnung mit einem Menschen in einer Klinik, welcher uns durch seine Anwesenheit so getriggert hat das es schlimmer und schlimmer wurde.
    Ich weiß auch nicht ob ein paar wöchiger Aufenhalt in einer Klinik überhhaupt reicht um einen schwer traumatisierten Menschen mit entsprechendem Hintergrund zu therapieren. Meiner Meinung nach reicht das nicht. Kliniken in Deutschland, keine Ahnung ob die überhaupt dafür geschult sind eine DIS richtig zu behandeln. Unsere Erfahrung mit einer (ist aber eben nur eine) Trauma Klinik die sich das auf die Fahnen schreibt sie könnten eine DIS behandeln, waren naja fragwürdig. Für uns war es nicht das richtige, auch da ist das unterschiedlich, für den einen passt es und für den nächsten wieder nicht. Es ist ein schwieriges und komplexes Thema wie wir finden.

  5. Um es zu verdeutlichen, wir glauben nicht an Lichtwesen, nicht an Reptiloide und wir glauben auch nicht das die Erde eine Scheibe ist. Aber wir glauben die anderen Dinge die diese Menschen erzahlen, niemals kamen wir auf die Idee, diese als Fake zu bezeichnen, warum auch, diese Einschätzung, steht uns gar nicht zu! Niemanden steht es zu einen anderen geschädigten als Fake zu bezeichnen, man selbst will ja auch nicht so behandelt werden. Ich wüsste auch keinen Grund warum man anderen ihr empfenden absprechen sollte, das kann man doch gar nicht da man doch gar nicht in deren Schuhen läuft, wir finden es ziemlich vermessen so etwas zu tun!

    • Ich denke schon, dass deutlich geworden ist, was ihr sagen wolltet und finde es in keiner Weise verletzend. 😊

      Ich denke was eben vielen außenstehenden Betrachtern fehlt ist ein tieferes Verständnis für dieses Themengebiet. Es ist ja schon schwer als Betroffene wirklich durchzublicken und alle Dynamiken innerhalb der rituellen Gewalt zu erfassen. In der ganzen Verwirrung wird dann schnell negiert oder fehlinterpretiert und pauschal abgelehnt, weil man das benötigte Wissen nicht hat.

      Wir schließen uns grundsätzlich an, dass wir nicht wörtlich an Reptiloide und Co. glauben, möchten aber eine Sache für uns ergänzen:
      Das Problem daran ist, dass traumatische Erinnerungen aus rituellen Gewaltzusammenhängen durchaus in der Form auftauchen könnten. Es wird eine Menge inszeniert, Drogen spielen eine Rolle und was wir persönlich in Nahtoderfahrungen durchaus gesehen haben sind Wesen, die man als „Lichtgestalten“ beschreiben könnte und eine Art von Energien, die wir auf einer anderen spirituellen Ebene auch heute durchaus für einen Teil unserer Lebenswirklichkeit halten. Meiner Meinung nach geht bei manchen Sachen, die dann als Verschwörung verrissen werden, schlicht bei der Einordnung etwas schief, wenn Erinnerungen ins Bewusstsein gespült werden. (Natürlich gibt es auch groben Nonsens! Das wollen wir hier gar nicht ausschließen.) Natürlich war manches für die betreffende Person in ihrer Wahrnehmung damals eins zu eins so und sie nimmt es vielleicht auch im Flashback so wahr. Hier braucht es dann aber eben den ethisch sauber arbeitenden Therapeuten, der bei der Einordnung und kontextualisierung hilft ohne selbst zu beeinflussen.

      „Reptiloide“ können innerhalb dieser Zirkel eine lange und wichtige Geschichte spielen, die aber kurz gesagt eher sinnbildlich zu verstehen ist, statt so wörtlich wie es einige dann nehmen. Das gleiche Problem zeigt sich für Otto normal Verbraucher z.B. da, wo Christen unter anderem beim Kreationismus, die Bibel eins zu eins wörtlich auslegen. Auch da kommt es auf die richtige Auslegung an.

      Ganz liebe Grüße und einen schönen Sonntag,
      Sofie

      • Na uns ist klar, das es da eine verzehrte Wahrnehmung geben kann, deswegen ist es, so wie wir finden wichtig da genau hinzuschauen und das aufzudröseln. Wenn wir sagen wir haben auch sogenannte außerkörperliche Erfahrungen und auch Erinnerungen dann muss man das genau betrachten warum und wieso und was da war. Das war so ein aussteigen aus dem Körper und das dann schweben und von außen betrachten zu können, gepaart mit dem Gedanken man müsse jetzt in den Körper zurück sonst würde man sterben, wenn man das jemandem erzählt der völlig unbedarft ist der würde das auch nicht glauben, das ist uns klar, hört sich auch einfach seltsam an, war für uns aber genau so bis noch weit ins Erwachsenen Alter. Aber das lässt sich ja erklären. Wir sind aber noch lang nicht so weit um all das richtig überblicken zu können.

        Deswegen muss man da vorsichtig sein, wie man die Dinge transporitert, damit sie eben nicht in der Verschwörungsecke landen. Und Verschöwrungstehoretiker für die ist das dann eben ein gefundenes „fressen“ und schwupp ehe man sich versieht landen Menschen die von ihren Erfahrnungen berichten genau in diese Ecke. Das ist das gefährliche an der Sache. Schwierig eben.

        😘

  6. Ich habe das auch mitbekommen & mich gefragt, warum man jetzt wieder mir diesem längst widerlegten Mist daher kommt.
    Zu den Verschwörungstherapeuten: auch ich glaube im Privaten Dinge, die meine Chefs nicht mögen würden, sie haben aber übeehaupt keinen Einfluss auf meine Arbeit.

    • Da bin ich voll bei dir. Man kann gute Arbeit machen und Beruf und Privat durchaus trennen. Gerade Therapeuten lernen es in der Regel lange und ausgiebig ihre persönlichen Belange aus der Therapie heraus zu halten.

  7. Wir haben die „Dokus“ (Satanic Panic) auf Youtube verfolgt und sind überrascht, wie unglaublich Dumm ein Mensch sein kann.
    😊 Sorry, das klingt so böse, aber dieser verzapfte Blödsinn ist weder Journalismus, noch ist dieser Widerling in unseren Augen ein Journalist.

    Das ganze Thema macht so wütend und fassungslos. 🤬

    Sorry

    Ein toller Beitrag von Euch! 👍

    • Eigentlich ist das in dem Fall nicht böse, sondern einfach die Wahrheit. Die machen sich überhaupt keine Gedanken darum, was sie mit diesen Medienkriegen für Betroffene anrichten, bzw. möchte ich teilweise zumindest unterstellen, dass die negativen Konsequenzen auch gewollt sind und man die Befürworter gerne mundtot sehen möchte. Der eine Reporter beschwert sich ja sogar noch bei der Klinik, weshalb sie eine Fachtagung in ihrem Haus zu dem Thema abhalten lassen. Da wird die Voreingenommenheit ganz deutlich und er zeigt immer wieder, dass er persönlich findet, dass diese Therapien abgeschafft werden müssen. Man versteckt sich lediglich hinter dieser Pseudobeweisführung im Beitrag. Die ganze Reportage ist nicht auf neutrale Berichterstattung ausgelegt, sondern ganz bewusst so recherchiert, dass sie am Ende die Meinung des Journalisten wiederspiegelt. Was man bei einer solchen Recherche bedenken muss, ist, dass man sich in der Regel zunächst einmal Sichtweisen und Infos aus allen Himmelsrichtungen einholt und dann ganz bewusst entscheidet, was und wie man es verbaut. Wer das gesamte Thema unter der Überschrift „Verschwörung“ aufzieht, schließt den Wahrheitsgehalt von Anfang an aus und beeinflusst damit das Ergebnis.

      Ja, es macht wütend und verzweifelt und manchmal würde ich mir wünschen, dass die Leugner diese Verleumdungen Mal am eigenen Leib erfahren müssten, dass sie fühlen und sehen, was sie da tun.

      Ganz liebe Grüße,
      Sofie

      • Eure Aussagen können wir genau so unterschreiben.
        In dieser „Dokumentation“ (Irggggs) läuft so viel Falsch, es wird da ganz, ganz viel umgedeutet, damit es passt. Dabei sind so viele Zusammenhänge schlüssig und offensichtlich und man will ihn ständig anbrüllen doch endlich die Augen aufzumachen.
        Puhh, ein Thema, welches wir eigentlich umgehen müssen, weil wir sonst stundenlang schnerbeln und schimpfen könnten.
        🤬 Und dann noch die Kommentare mancher Zuschauer unter diesem Video.
        Wir versuchen uns immer daran festzuhalten, dass nur, weil ein paar ganz laut Dummheiten brüllen, zum Glück nicht gleich die Mehrheit sind und hoffen, dass andere Betroffene nicht durch diese Idioten noch mehr leiden müssen.
        Lg

    • Herzlichen Dank für diese liebe Rückmeldung! Wir freuen uns sehr darüber und wissen es umgekehrt ebenso zu schätzen, dass du hier mitlesen magst. Liebe Grüße und einen guten Start in den Tag! 😊

  8. Pingback: Opferfeindliche Berichterstattungen – Y-Kollektiv und die Reportage zu Scheinerinnerungen: Ein Beitrag für die Opfer Ritueller Gewalt | Sofies viele Welten

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