37°: Ich bin Viele. Leben als multiple Persönlichkeit. Sabrina

Screenshot aus der ZDF-Reportage von Julia Luhnau: 37°: Ich bin Viele. Leben als multiple Persönlichkeit.

Das ZDF-Format 37° zeigte am 09.08.2022 in der Reportage von Julia Luhnau persönliche Einblicke in das Leben der 42-jährigen Sabrina aus Freiburg. Sie ist Viele und lebt mit 12 weiteren Persönlichkeiten ihren Alltag. Die Ursachen sind, wie sie selbst im Film sagt, seelische, physische und sexuelle Gewalt in der Kindheit. Wir halten die Aufzeichnungen persönlich für sehr gelungen, weil sie einerseits eine gewisse Vulnerabiilität und Wechsel sichtbar werden lassen, andererseits aber nicht reißerisch und voyeuristisch damit umgehen. Da das Format ausdrücklich deutlich macht Einzelschicksale zu portraitieren, finde ich auch, dass die Sabrinas die einzigen sind, die die Reportage gut finden müssen und weitere Bewertungen fehl am Platz sind.

Was mich jedoch bewegt, sind die Reaktionen anderer DIS-Betroffener auf die Ausstrahlung. Davon handelt dieser Beitrag.

Bei einer Berichterstattung über ein Einzelschicksal ist es aus meiner Sicht selbsterklärend, dass die Reportage am Ende die Punkte aufgreift, die diese spezielle Person betreffen. Entsprechend ist sie grundsätzlich nicht dafür geeignet sämtliche Belange und Alltagsgegebenheiten anderer Betroffener der gleichen Erkrankung in die Darstellung zu projizieren und sich dann damit ungesehen zu fühlen. „Einzelschicksal“ heißt, es interessiert der eine gezeigte Mensch. In dem Fall die Sabrinas. Du und ich und alle anderen, können darin Überschneidungen zur eigenen Lebensgeschichte sehen oder auch nicht. Finde ich mich ganz oder in Teilbereichen nicht darin wieder, ist das mein Problem oder auch nicht. Denn ich sollte ja nie dargestellt werden und entsprechend interessiert es mich auch nicht weiter. Wenn diese Art von Reportage 100% zu mir passen soll, dann müsste ich eine eigene drehen.

Nun können manche Parallelen zu der Protagonistin- und sei es, dass sie nur im Diagnoseschlüssel bestehen – natürlich antriggern und eigene Themenfelder aufmachen. Fair ist es dann, das aber auch als solches zu benennen und nicht gegen die Sabrina oder die Macher der Reportage vorzugehen, denn das ist nicht der Ursprung des Problems. In der Reportage ist in der Tat eine sehr verletzliche Sabrina zu sehen, die den Mut hat sich in dysfunktionalen und sehr vulnerablen Situationen zu zeigen. Es wird deutlich, dass es ihr nicht möglich ist durchgängig wie ein Roboter zu funktionieren und ein enormer Hilfebedarf besteht. Sie traut sich zu zeigen, dass Kleine manche Dinge einfach erst lernen müssen, soziale Kontakte brauchen und man als Viele-Frau bei allen Bemühungen und auch funktionalen Anteilen eben innerlich nicht alles alleine regeln kann. Dass es Wechsel gibt und gewisse Kontrollverluste, die bei der besten Planung nicht vorhersehbar sind. Persönlich habe ich das als Chance begriffen und mich davon ermutigt gefühlt, eben auch erst einmal so sein zu dürfen, wie es meinem Inneren empfinden entspricht. Zu reifen und zu lernen, ja, aber nicht indem man ein neues Korsett überstülpt, sondern indem Entwicklung von Innen heraus ermöglicht wird. Den Ansatz finde ich super! Er macht sich frei von all den kognitiven Ängsten zu Regression und schieß mich tot und beginnt einfach damit zu leben. Entwicklung passiert auf dem Weg mit der notwendigen Unterstützung.

Wieso nun, müssen einige aber plötzlich anfangen so auf der eigenen Funktionalität herumzureiten und sich darüber echauffieren, dass ihr eigener Alltag so nicht wäre, weil sie alles viel geregelter auf die Reihe kriegen würden!? Wieso ist diese Funktionalität jetzt plötzlich für sie so ein hohes Gut, das unbedingt hätte im Film dargestellt werden müssen!? Warum macht es so viel Angst, wenn wir die Zusammenbrüche bildhaft vor uns sehen!? Wenn durch die Darstellung der Verletzlichkeit und Unfunktionalität eines Menschen Stigmatisierung entsteht, dann liegt das Problem nicht in der Darstellung, sondern darin, dass wir eine Gesellschaft haben, in der wir offenbar immer noch Menschen ausgrenzen, die nicht nach ihrer Vorstellung funktionieren. Dann ist das Funktionsdogma das Problem und nicht das aufmerksam machen, dass es auch noch würdiges Leben jenseits davon gibt. Wenn Heilung im gängigen System bedeutet wieder zu funktionieren, wie andere mich haben möchten und nicht endlich so sein zu dürfen, wie ich einfach bin und verstehen zu lernen, dass ich in meinem Rhythmus wachsen kann, dann haben wir ganz elementare Dinge als Gemeinschaft nicht verstanden! Diese Einwände müssten wir allerdings weder an die Sabrinas noch an das ZDF richten. Das geht uns alle an und wir können bei uns selbst anfangen, indem wir uns eben nicht immer wieder selbst in diese Muster pressen, die uns allen schon genug Kraft und Nerven gekostet haben während wir nach außen immer stark wirken mussten und nicht die Hilfe hatten, nach der wir uns sehnten. Verletzlichkeit gehört zu unserem Leben und es ist an der Zeit, dass das das neue „Normal“ werden darf.

Stattdessen nun aber aus lauter Angst vor Stigmatisierung in manchen Kommentaren zum Film nach unten auf die Sabrinas zu treten und mehr oder weniger durch die Blume zu sagen „Ich bin der tollere Multi. Seht her, wie gut ich noch angepasst an die Gemeinschaft funktionieren kann. Ich hab’s geschafft. Es sind nicht alle so kaputt wie die. Wir können Leisten. Wir können kontrollieren. Wir haben ein Recht dazuzugehören und als kompetent erlebt zu werden“, hat mich persönlich sehr erschüttert. Das ist nicht die Welt in der ich Leben möchte. Eine Welt in der der Wert eines Menschen von seiner Leistung und Gesellschaftskonformität abhängt. Dafür bin ich nicht ausgestiegen! Nicht um mich in die nächste Weltanschauung pressen zu lassen und von oben herab auf all die zu schauen, die es nicht schaffen vorgefertigten Meinungsbildern zu entsprechen. Wenn ich nirgends leben dürfte, sondern nur die festgelegten Muster wechsle nach denen ich überlebe, wäre mein gesamter Weg sinnlos gewesen. Ich weiß, was es bedeutet zu leisten. Das habe ich mein ganzes Leben lang getan und ich tu’s immer noch zu großen Teilen. Einser Abitur, Ausbildung, Studium, Job – immer mit Höchstleistung. Auch mit Vollgas gegen die Wand. Keine halben Sachen. Über dreißig Jahre lang hat mich keine Klinik gesehen und kaum ein Therapeut und doch ging es mir nicht besser, als den Patienten dort. Alleine aufstehen, es muss irgendwie gehen. Auch im tiefsten Abgrund. Mitten auf den Schienen. Ich müsste dumm sein, wenn ich glauben würde, dass Funktionalität Heilung bedeutet. Funktionalität hatte ich immer in gewisser Weise und trotzdem habe ich nicht gelebt, sondern war in einem einzigen Überlebenskampf gefangen. Dem Zwang mich irgendwie in diese Welt pressen zu müssen, für die ich so unpassend schien. Wir konnten nicht damit aufhören zu funktionieren. Das hätte uns fast ruiniert und obwohl das inzwischen etwas besser ist, kann ich es auch heute noch nicht einfach so sein lassen, weil es Angst macht loszulassen und vertrauen braucht, dass man auch anders überleben kann. Und ja, es ist verdammt erschreckend, wenn einem indirekt die eigenen Verletzungen, die Unfähigkeiten, die Kontrollverluste trotz aller Bemühungen, die Arbeitsunfähigkeit, obwohl man einen Beruf hat, die Wechsel etc. wie in der Reportage vor Augen geführt werden und man sie für den kurzen Moment schlecht ausblenden kann, weil man sie vor sich sieht.

Was nützen mir all meine gesellschaftlich anerkannten Kompetenzen, wenn ich sie unterm Strich nicht wirklich leben kann!? Wenn ich zwar einem Beruf nachgehe, aber eigentlich nur damit ringe irgendwie die nächsten Stunden zu überleben? Was soll diese Fokussierung in den Kritiken, dass man aber doch auch Dinge leisten kann und professionell arbeiten? Was macht das besser? Ob das Wrack sichtbar an der Oberfläche schwimmt oder auf dem Meeresboden versunken liegt und man nur hofft es wäre noch ganz, so reich es auch mit schätzen beladen sein mag – es bleibt ein Wrack. Mit Löchern und Stellen, an denen Wasser eindringt, die seine Funktion beeinträchtigen. Das macht es nicht weniger wertvoll, doch die Fortbewegungsrealität eines Trümmerschiffes ist eine andere, als die eines gut gepflegten Luxusschiffs. Um überhaupt wieder in den Zustand zu kommen, wird viel Arbeit nötig sein, wenn es sich überhaupt reparieren lässt. Man wird es zunächst durchgehend stützen müssen, wenn es nicht direkt wieder absaufen soll. Ich halte es für ganz zentral, dass wir als Gesellschaft endlich beginnen zu hinterfragen, was wir als Kompetenz betrachten und weshalb wir das tun und ein neues Licht darauf werfen. Ist es kompetent weiter funktionieren zu sollen und sich so zu zeigen, wenn unter Deck schon das Wasser durch die Löcher ins innere strömt? Oder ist es viel kompetenter diesen Ist-Zustand mit der Verwundung anzuerkennen und sich zu überlegen, was man an Hilfen von außen braucht, wenn man gleich unweigerlich für lange Zeit auf Tauchgang gehen wird? Ohne Sauerstoffflasche wird das nicht gehen. Deshalb sterben so viele an den Folgen von Gewalt. Es gibt zu wenig „Sauerstoffflaschen“ und „Hilfen“, weil man zum Ernstfall gar nicht gerne schauen mag. Weil man vor lauter Furcht so lange so tut, als wäre man Fahrbereit, um sich selbst und andere mit einer schöner maskierten Wirklichkeit zu bescheißen, bis es zu spät ist. Ein zerbombtes Wrack ist sicher kein fahrtüchtiges, wendiges Sportboot, aber wenn wir ihm lauschen und es bewusst mit seiner Geschichte wahrnehmen, kann es aus seiner Lebenserfahrung zum Wissensschatz für alle werden und verhindern, dass noch mehr Menschen einfach versinken. Wir können es bergen und ihm einen gebührenden Rahmen in der Gemeinschaft geben. Das ist Kompetenz durch Erfahrung, die man nicht an der Uni lernen kann und für die es keine Zertifikate gibt!

Auch die Funktionalsten unter den DIS-Betroffenen haben ihre Abstürze erlebt, waren zumindest phasenweise enorm hilfebedürftig, kennen es, wenn kleine Anteile in großer Not sind und man sich selbst nicht helfen kann, ringen um die Kontrollverluste und darum ein möglichst lebenswertes Leben zu führen. Manche waren Drehtürpatienten in der Psychiatrie, schon in der Kinder- und Jugendhilfe bekannt und hatten bereits in jungen Jahren entsprechenden Bedarf an Hilfsleistungen. Teilweise mussten Ausbildungen angepasst finanziert werden oder es brauchte Nachteilsausgleiche, weil eine ganz normale Teilhabe an der Gesellschaft eben nicht ohne weiteres möglich ist. Viele waren mehrfach in Kliniken untergebracht. Sie sind akut oder chronisch suizidal. Teilweise oder ganz arbeitsunfähig, etc… Dissoziative Krampfanfälle und Bewegungsstörungen schränken das Leben oft enorm ein. Auch Hilfeleistungen aus dem Fonds sexueller Missbrauch bekommen wir alle nicht, weil es uns so gut geht und nicht gravierende Schäden vorhanden wären. Das ist ein Teil der Wahrheit dieser Diagnose, auch wenn man es vielleicht nicht gerne hören und schon gar nicht sehen mag. Wechsel gehören dazu – ob nun offen oder verdeckt – sie sind ein Kernsymptom der DIS-Diagnose. Sie passieren. Ganz unabhängig davon, ob wir sie immer bewusst wahrnehmen oder nicht. Natürlich zeigt eine Reportage über DIS Persönlichketiswechsel, wenn sie kann, um dem Zuschauer das im Außen sichtbar zu machen, was wir in unserem Inneren ohnehin erleben. Warum darf das kindliche und verletzliche für manche zwar ein Teil von uns sein, aber nur, wenn es niemand sieht? Ich glaube, dass wir an dieser Stelle gut beraten sind, wenn wir als Betroffene zunächst mal unsere eigenen Konditionierungen dazu überprüfen.

Was die Sabrinas für mich beeindruckend darstellen, ist der Mut zu sich zu stehen, das Beste aus der Situation zu machen, den eigenen Weg zu gehen und zu zeigen: Es ist in Deutschland offenbar möglich umfassende Hilfeleistungen unter bestimmten Umständen zu erlangen. Ich begreife das als Chance, dass es auch für mich möglich sein kann, ein lebenswertes Leben mit meinen Einschränkungen zu führen und die Unterstützung zu erhalten, die ich dafür brauche. An der Stelle würde ich mir ein gemeinsames Einstehen dafür wünschen, dass solche Maßnahmen keine ungewöhnlichen Einzelfälle bleiben, sondern es für alle möglich wird, die diese Form der Betreuung brauchen! Das gelingt nicht, wenn wir immer sagen „Mein Leben ist furchtbar und ich bräuchte dringend mehr Hilfe und Therapeiangebote!“ und andererseits darauf beharren, dass wir aber ach doch so kompetent und funktional und zu allem selbst in der Lage sind aus Angst vor Ablehnung und Ausgrenzung. Das sind zwar Widersprüche die zur Diagnose gehören und das Störungsbild einer DIS auch mit ausmachen, aber wer nach außen nur zeigt, dass er alles selbst kann, hat problematischer Weise keinen WAHRNEHMBAREN Hilfebedarf im System. Statt darüber zu reflektieren strotzen manche Kommentare zum Video gerade zu vor Neid, Missgunst und überheblicher Besserwisserei, wie ein Leben mit DIS nach ihren Vorstellungen laufen müsste und welche Hilfen die Sabrinas doch eigentlich vielleicht gar nicht wirklich nötig haben, weil sie es selbst auch nicht besitzen und leben müssen. Die Verbitterung scheint groß. Und obwohl ihr Leben ja nach diesen beschränkten Vorstellungen läuft, die sie für andere als Weg anpreisen – es ist ja ihr ach so funktionales Leben, das auf ihren Entscheidungen beruht – scheinen sie nicht zufrieden mit sich zu sein und können nicht gönnen.

Hätte die Reportage eine funktionale Sabrina gezeigt und nicht den Hilfebedarf im Leben mit schweren Gewaltfolgen fokussiert, hätten mit Sicherheit viele, die jetzt nach der unterbetonten Funktionalität mancher Anteile schreien, vermutlich ein Problem damit gehabt, dass die Einschränkungen mit der Diagnose aber nicht ausreichend sichtbar werden. Man kann es manchen irgendwie nie recht machen und es ist schade, dass die persönlichen Projektionen auf dem Rücken solcher persönlichen Lebensgeschichten ausgetragen werden. Einmal mehr, steht man in der Community nicht gegen seine Feinde auf, sondern gegen eine von uns, weil man von der persönlichen Lebensweise nicht überzeugt ist, bzw. der Darstellung davon. Man schweigt an Stellen, die wirklich gegen DIS-Betroffene schießen wie etwa die False-Memory-Bewegung oder die Reportage von Y-Kollektiv, verfasst aber als „Intervisionsgruppe“, die dem ganzen zumindest sprachlich mehr Gewicht zu verleihen versucht, gemeinschaftliche Briefe gegen die 37° Reportage, die weder die Störung, noch das Leid und die Kompetenzen der Betroffenen anzweifelt. Ist es der Weg des geringsten Widerstandes, weil dort eine schwächere Sitzt, statt die Wand einer Lobby und man sich hier leichter „erfolgreich“ fühlen kann? Verkehrte Welt…

Quellen:

https://www.zdf.de/dokumentation/37-grad/37-ich-bin-viele-100.html

https://ngp.zdf.de/miniplayer/embed/?mediaID=%2Fzdf%2Fdokumentation%2F37-grad%2F37-ich-bin-viele-100

36 Kommentare zu “37°: Ich bin Viele. Leben als multiple Persönlichkeit. Sabrina

  1. Ich denke man könnte durchaus (20 Jahre nach Diagnosestellung und nach zwei Langszeittherapien) die Frage nach der krassen Therapie- bzw. Betreuerabhängigkeit stellen.
    Ziel jeder Psychotherapie ist ein möglichst selbstbestimmtes Leben. Da sind die Sabrinas, legt man diese Reportage zugrunde, meilenweit von entfernt.
    Das hat mich erschreckt.
    Es entsteht der Eindruck dass Sabrina nur mit der Hilfe von neun (!) Betreuern zurecht kommen kann. Und nicht einmal ihre Therapeutin scheint da besorgt zu sein.
    Da ist gewaltig was schief gelaufen.

    • Weshalb? Man könnte auch einfach mal anerkennen, dass nach gewissen Schädigungen Schwierigkeiten bleiben können und diese Art zu Leben das beste ist, was man bislang in ihrem Leben noch rausholen konnte. Immer direkt nach Abhängigkeit zu schreien, als wäre das ein pauschal schlechtes Zeichen, ist einfach schlicht falsch. Ein Mensch mit körperlicher Behinderung hat ab einem gewissen Grad auch mit Therapie immer einen gewissen Hilfebedarf, selbst wenn die Therapien anschlagen. Nur Opfern extremer Gewalt soll immer die Quadratur der Kreises gelingen und so schnell wie möglich wieder alles auf Funktion und Selbstständigkeit stehen. Wenn man möchte, dass Menschen so leben können muss man von vorneherein mehr dafür tun, dass die Gewalt so nicht passiert und nicht hinterher schreien, wieso die „Reparatur“ andauert.

      • Hey bunteschmetterlinge, diesen Aspekt eurer Kritik finden wir wirklich bedenkenswert. Überhaupt die ganze Diskussion darüber, was ein lebenswertes Leben ist, ist sehr wichtig, und letztlich kann das immer nur die Person für sich entscheiden, die ein Leben lebt. Wir haben uns daher auch sehr bewusst damit zurück gehalten, Kritik an den Sabrinas zu üben.
        Viele Grüße, some_of_many.

      • Naja es gibt einen Unterschied zwischen nicht-selbständig sein und total abhängig sein.
        Bei der Szene in denen die Sabrinas einen ehemaligen Betreuer sehen und sofort in Tränen ausbrechen wird auch klar, dass neben der „praktischen“ Abhängigkeit durch Hilfen im Alltag auch eine starke psychische Abhängigkeit entstanden ist.
        Sabrina hat sich aus der Abhängigkeit einer „religösen Gemeinschaft“ (so nennt sie es) gelöscht und sich ein selbstbestimmtes Leben erkämpft. Dann bekam sie Probleme und war auf Hilfe angewiesen.
        Und diese Hilfe hat sie in eine neue, wahrscheinlich noch stärkere Abhängigkeit gebracht.
        Das ist von den unterstützenden Personen absolut unverantwortliches Handeln. Genau so sollte und darf es nicht laufen, völlig unabhängig von der Diagnose.
        Und zum Thema „Funktionalität“. Sich selbst ein Brötchen zu schmieren oder sich selbst die Zähne zu putzen zählt für mich nicht als „hoch funktional“, das sind Basics, die müssen einfach klappen.
        Aber wenn ich natürlich neun Betreuer haben die das machen verliere ich auch da an Selbständigkeit.
        Und dass Sabrina es nach der langen Therapiedauer nicht hinbekommt eine halbwegs funktionale Innenkommunikation aufzubauen oder wenigstens sicher zu stellen dass zum Zähneputzen mal ein erwachsener Anteil vorne ist, ist erschreckend.

      • Sprach das Reptiliengehirn und hatte Angst davor zu Leben.

        Wir werden im Leben auf körperlich-existenzieller Ebene niemals ohne Abhängigkeiten existieren können. Daran ist überhaupt nichts schlimmes! Das fängt schon damit an, dass der Sauerstoff in der Luft, die wir atmen von Pflanzen produziert wird und die wiederum das CO2 atmen, das wir ausatmen. Wir sind bereits an dieser Stelle immer total Abhängig von unserer Umgebung. Denn sollten Bäume beschließen nicht mehr zu atmen, kann ich es auch nicht mehr tun und das wäre mein sicheres Todesurteil. So ist es mit vielen Dingen. Was wir im innen nicht alleine schaffen, muss das außen ergänzen. Eigentlich ist das nur ein ganz fürsorgliches Zusammenspiel des Lebens. Kein Problem, wenn wir den Rhythmus und seiner Entwicklung vertrauen könnten. Aber weil wir aus unterschiedlichen Erfahrungen Angst davor haben uns dem Hinzugeben und einer natürlichen Entwicklung zu vertrauen, nennen wir es plötzlich Abhängigkeit und fangen an Verbindung und Beziehung zu bekämpfen, um möglichst alleinige Kontrolle über unser Leben zu bekommen. Wir bauen Mauern und Festungen und versuchen mit Gewalt eine Funktion zu erschaffen, die diese Ängste nimmt. Denn was, wenn ich das Brötchen nicht schmieren kann und niemand da ist!?

        Das Reptiliengehirn kennt diese Sicherheiten nicht. Das ist auch nicht sein Job. Aber als Menschen sind wir glücklicherweise mehr als unser Reptiliengehirn und haben die Möglichkeit uns diese Sicherheit auf anderen Ebenen zu geben. Indem wir fühlen, indem wir mitschwingen, indem wir vertrauen finden in gewisse Grundprinzipien. Aus meiner Sicht braucht es diese Härte und diese Korsette, die aus deinen Worten sprechen dafür nicht. Denn Heilung ist eines dieser Grundprinzipien in lebenden Organismen und der natürliche Impuls dazu ohnehin nicht aufzuhalten. Wir können ihn fließen lassen oder uns immer wieder in den Weg stellen, weil wir mit unserem begrenzten Verstand meinen besser zu wissen, wie genau sie zu funktionieren hat.

        Erschreckend für mich ist, wie viel Widerstand du in deinen Worten gegen das Leben aufbringst. Wie viel Härte darin in meinem Empfinden schwingt und wie wenig Gefühl darin für eine ganz zarte Seite in uns ist.

    • Natürlich! Da bin ich überhaupt nicht bei Dir…
      Sie hätte ja auch untherapiert an ihrer Essstörung und an ihren Depressionen zugrunde gehen können!
      Es zeigt sich nichts in der Therapie, was nicht schon da war. Ganz einfach! Das weitere Verharren in ihrer Funktionalität war ihr nicht möglich. Sie wäre daran zugrunde gegangen.
      Heute führt sie auf den ersten Blick ein „abhängiges und gesellschaftsbelastendes Leben“. Applaus!? Ja – Applaus!!! Den sie lebt nun wesentlich glücklicher, menschlischer und stimmiger aus, was (und wen) sie alles in sich trägt. DAS macht den Unterschied! Und es gibt auch keine Alternative dazu. Alles andere wäre unterlassene Hilfleistung.
      Gruß aus der Himbeersplitterei

  2. Hallo, wir sind ein Teil der Intervisionsgruppe, die den Brief an die Redaktion geschrieben hat. Und ich verstehe weite Teile deiner/eurer Reaktion nicht. Oder schmeißt du unser Schreiben mit den Reaktionen anderer einfach undifferenziert in einen Topf?
    Zumindest in unserem Brief haben wir nirgendwo etwas gegen Sabrina geschrieben, und das war auch nicht unsere Absicht. Unsere Kritik galt der Redaktion und der Auswahl der Szenen INSGESAMT. Wir haben nirgends geschrieben, dass die Vulnerabilität und Verletzlichkeit, die in diesem Beitrag sichtbar wird, nicht gezeigt werden dürfe (auch wenn wir als System das vielleicht tatsächlich für uns anders entscheiden würden), sondern wir haben angeprangert, dass das EINSEITIG so dargestellt wurde.
    Zudem haben wir Kritik daran geübt, auf welche in unseren Augen fahrlässig oberflächliche Art und Weise die Diagnose durch Herrn Sachsse erklärt wurde.
    Ihr unterstellt uns, durch den Beitrag getriggert zu sein, und dass wir mit unserem Streben nach Funktionalität Teil einer Welt sein wollen würden, die auf Leistung beruht. Anderen Betroffenen Getriggertsein vorzuwerfen und ihnen somit quasi die Grundlage, überhaupt argumentieren zu dürfen, zu entziehen, finde ich einen schäbigen Schachzug. Du kannst doch gar nicht ermessen, wie viel Reflexion und Hinterfragen von uns selbst dem Schreiben voran gegangen sind. Unsere Erfahrung ist, dass ein Nachlassen von Funktionalität nicht unbedingt mit ausreichender Hilfe belohnt wird, sondern mit struktureller Gewalt, Abhängigkeit und extremer Armut. Das Ausmaß an Hilfe, das die Sabrinas bekommen, ist ungewöhnlich. Wir kennen mehrere Betroffene mit schweren körperlichen Einschränkungen, die auch zum Teil Schwerbehinderungen haben, und die um alles total kämpfen müssen. In unseren Ohren klingt das schlicht unrealistisch, was ihr darüber schreibt, dass das eigene Funktionieren zu einem nicht wirklich lebenswerten Leben führen würde. Vielleicht ist das deine/eure Erfahrung, aber nicht unsere. Arbeiten können bedeutet doch nicht automatisch, in etwas Schädlichem gefangen zu sein.
    Und ja, auch wir erleben immer wieder Einbrüche, wir Dekompensieren, es ist ein Auf und Ab. Aber es ging uns in unserer Kritik in keiner Weise darum, dass die DIS so dargestellt werden solle, als seien die meisten Betroffenen hochfunktional. Es ging uns einfach nur um mehr Ausgewogenheit und Vielfältigkeit, und um eine etwas korrektere Darstellung der Entstehung der Störung. Keine Ahnung, an welcher Stelle du all das, was du uns hier vorwirfst, reingelesen hast.
    Mit vielen Grüßen, some_of_many.

    • Nein, Arbeiten können bedeutet nicht automatisch in etwas schädlichem gefangen zu sein. Es heißt aber eben gerade im Fall von hochfunktionalen Anteilen auch nicht, dass das für die Betroffenen immer etwas gutes oder gesundes ist und ein erstrebenswertes Ziel sein muss.

      Wenn ein nicht funktionieren aus gesundheitlichen Gründen zu einem weniger lebenswerten leben führt, dann ist im Gesellschaftssystem was falsch. Und ja, die Hilfe fehlt oft, dass man sich diese Zustände überhaupt leisten könnte. Aber ist das jetzt ein Argument noch mehr über die eigenen Grenzen zu funktionieren oder eher eines etwas an grundlegenden Strukturen zu ändern? Wenn man bei gesteigertem Hilfebedarf aufgrund von Gewaltfolgen von „Belohnung“ spricht, halte ich das für einen unakzeptablen Zynismus, denn es sollte eine selbstverständliche Notwendigkeit sein, dass man sich dann hilft. Leider ist das bislang oft eben nicht so und es braucht in der Hinsicht noch Veränderung. Wenn Menschen mit Gewalt darauf reagieren und Armut die Folgen ist, liegt das Problem im System und nicht bei der Erkrankten oder ihrer Darstellung.

      Ihr schreibt angeblich nichts gegen die Sabrinas, aber ihr wollt dennoch, dass eure Belange auf ihrem Rücken sichtbar werden. Bei ihr ist es nunmal so, wie es gezeigt wurde. Und weshalb darf man nicht einfach sagen: Unterm Strich geht es mir extrem schlecht. Bei aller Teilfunktionalität. Das ist die eine Seite, die für mich Hauptsächlich der Realität entspricht. Da wird ihre Lebensrealität gezeigt und nicht eure. Diese für mich in dem Statement durchaus zum Ausdruck gebrachte Anspruchshaltung selbst darin gesehen werden zu müssen finde ich schwierig. Das was die Redaktion zeigt, muss für die Sabrinas passen und nicht für euch. Wenn man das anders haben möchte muss man den Mut haben eine eigene Reportage zu drehen.

      Herr Dr. Sachse hat das Bild in aller Kürze erklärt, so wir es nunmal auf zwei Sätze möglich ist, das irgendwie verständlich zu umschreiben. Er sagt nichts grundlegend falsches, hat aber weder die Zeit noch die Plattform in diesem Format eine umfassende Fortbildung zu dem Thema abzuhalten. Im Grunde ist Dissoziation ein „sich vormachen“ das wäre einem gar nicht passiert, denn rein faktisch ist man ja davon betroffen. Das merken wir alle, wenn sie irgendwann später in Leben abnimmt. Dissoziation wiederum erklärt er zwei Sätze vorher. Wenn man sich darüber aufregt, frage ich mich, wo die Stellungnahme zu den ganzen False Memory Bewegungen bleibt, die nun wirklich die inneren Vorgänge leugnen.

      Wieso nimmt einem getriggert sein die Grundlage für Argumentation? Ich war von eurem Beitrag ebenso getriggert und argumentiere hier trotzdem, weil ich es anders sehe und fühle. Getriggert sein heißt ja nicht völlig unmündig zu sein oder keine Berechtigung für seine Meinung zu haben, sondern nur, dass es einen emotionalen Anreiz als Grundlage gibt, der einen zu gewissen Handlungen veranlasst. Das kann mal mehr und mal weniger objektiv sinnvoll sein. Aber ich kann das was du schreibst doch ernst nehmen…

  3. Hat dies auf lebendig werden … rebloggt und kommentierte:
    Liebe Sofie,
    Wir mögen dir zunächst danken für den Text, der uns sehr nachdenklich macht. Ja, auf alle Fälle muss klar sein, dass DIS derart massive, körperliche, sexuelle und psychische Gewalterfahrungen ab frühester Kindheit als Ursache hat, dass eine Heilung, die keinerlei professioneller Betreuung oder Unterstützung mehr bedarf vielleicht lebenslang nicht gelingt und dass es dennoch ein gelungenes Leben sein kann. Dass nicht auffallen, nicht der gelungenere Lebensentwurf ist, denn das ist er in den wenigsten Fällen.

    Darum kämpfen wir seit vielen, vielen Jahren, dass unsere Behinderung anerkannt wird und soziale Betreuung und psychologische Betreuung tatsächlich so lange sein darf, wie lange wir meinen sie zu brauchen.

    Anderseits verstehen wir auch die andere Seite, stolz darauf zu sein, sich eine Funktionalität bewahrt oder sogar erkämpft zu haben, stolz darauf zu sein, nicht diese Abhängigkeit zu haben. Und dass es auch extrem verletzend ist, dass in dieser Gesellschaft eben entweder NUR die Funktionalität oder NUR die Hilfsbedürftigkeit dargestellt wird. DAS ist es, was uns am meisten verletzt, dass uns jene harte Arbeit an unserer Heilung dann abgesprochen wird, wenn wir nach 25 Jahren wesentlich mehr am Leben teilhaben können und auch stolz darauf sind, das zu können, wir aber dann nicht mehr bedürftig sein dürfen.

    Das hätten wir uns gewünscht, dass diese beiden Seiten von DIS gezeigt werden, enorme Funktionalität neben großer Hilfsbedürftigkeit. Und genau das haben wir auch an den Sabrinas gesehen. Im Film war aber der Fokus massiv auf der Hilfsbedürftigkeit. Das hat uns beängstigt, weil es unsere Mitbestimmung in der Gesellschaft in Frage stellt. Diese Balance zu halten zwischen diesen beiden Zuständen, Funktionalität und großes Leid und meist fehlende Bedürftigkeit hätten wir uns gewünscht zu sehen, weil es genau jene Situation ist, die unser Leben immer massivst belastet hat und noch belastet. Vielmehr genau dass dieser Versuch die Balance zu halten und die Selbständigkeit wie auch das Leid nicht gezeigt wurden, macht unser Leben enorm schwierig und vergrößert das Tabu und auch die Phantasien, die Uno’s vielleicht von DIS ohnedies bereits haben.

    • Hallo ihr Lieben,
      danke! Über eure Rückmeldung habe ich jetzt nochmal besser verstanden, worum es euch ging.

      Dieses Bedürfnis mit den beiden Seiten von Funktionalität einerseits und Einschränkung andererseits immer noch hilfsbedürftig zu sein und auch damit gesehen zu werden, können wir total nachvollziehen. Auch diesen Kampf um die Balance in einer Gesellschaft in der dringend notwendige Anknüpfung fehlen, finden wir sehr nachvollziehbar und erleben ihn selbst immer wieder. Da habt ihr recht, wenn man das so dargestellt hätte, wäre das auch ein guter und wichtiger Aspekt der Reportage gewesen! Wir haben uns von der Reportage entlastet gefühlt, weil der Kompromiss und die Diskussion über Funktionalität und Bedürftigkeit diesmal erst gar nicht aufgemacht wurde. Die Funktionalität wurde erwähnt, aber es tat nichts zu Sache, was die Not betraf. Was nicht geht, geht nicht. Ob die Sabrinas manchmal arbeiten oder nicht. Die Hilfsbedürftigekeit, die diese Störung beinhaltet wurde kompromisslos zum Ausdruck gebracht und fokussiert. Das fanden wir so wichtig und richtig, weil aus unserer Sicht genau das oft fehlt um in der Gesellschaft deutlich zu machen, dass Hilfsangebote fehlen.

      Ganz liebe Grüße und nochmals Danke für diesen Einblick zu eurem Empfinden! Das liest sich für mich persönlich nochmal ganz anders und hat etwas anders verständlich gemacht.

      • Danke, liebe Sofie für eure für uns sehr hilfreiche Antwort, eure Wahrnehmung zur Reportage nochmals besser zu verstehen.

        Ja, es fehlt an Hilfsangeboten an allen Ecken und Enden, vor allem weil es eben auch eine Selbstteduktion auf den bedürftigen Part bedarf, um überhaupt Hilfe zu erhalten. ….. In Österreich ist die Therapiesituation mit der deutschen nicht ganz vergleichbar. Hilfe außerhalb der Psychotherapie gibt es im Grunde nur mit sehr viel Geld, weil sie privat zu zahlen ist. Dafür ist der Zugang zu Psychotherapie mit sehr viel Hartnäckigkeit leichter als in Deutschland, scheint uns. Allerdings gibt’s hier aber auch keine (brauchbaren) Kliniken, an die wir uns wenden könnten.

        Wir mögen noch etwas anfügen, was uns leider auch sehr irritiert an der Darstellung in der Reportage und zwar ist das eine politische Frage. Wir haben mit dieser Reportage nun eine zweite Darstellung einer Lebenssituation einer DIS-Frau gesehen. Eine ist bereits einige Jahre alt und wurde von „die Frage“ ausgestrahlt. https://m.youtube.com/watch?v=3HrUtDDNKDQ&list=PL2lvsm4ys5nEtg7T0nok3Wndl2iYuxIwp
        und auch dort ist die Frau sehr dysfunktional dargestellt. Wir denken, dass es eben auch ein großes Problem ist, dass Frauen mit massiven Gewalterfahrungen nur als dysfunktionale Opfer dargestellt werden und eben nicht mit aller Bandbreite ihrer Fähigkeiten. Wir erinnern hier in Österreich sehr die massive Aggression, die Natascha Kampusch erfahren musste, als sie die Opferrolle nicht mitspielen wollte. Und Frau Kampusch hat unseres Wissens keine DIS. DIS-Frauen mit ihrer Reaktion auf unerträgliche Gewalt können sich gegen diese auch erzwungene Rolle extremer Hilfsbedürftigkeit vielleicht sehr schwer wehren und bleiben darin. Das kennen wir von uns selbst, als wir etliche Jahre in Therapien immer schwächer und unfähiger wurden, weil wir nur so gesehen wurden. Aktuell wieder wird viel zu sehr unser Funktionieren und unsere Fähigkeiten gesehen und es fehlt an Hilfe z.B. im Alltag unseren Haushalt zu stemmen.

        Frauen die massivste Gewalt erlitten, sind keine armen unfähigen Opfer, sie können enorm viel, aber brauchen dennoch viel Hilfe. Auch darauf haben sie ein Recht.

        Diese Debatte möchten wir gerne führen und hier braucht es dringend Änderungen.

        Herzliche Grüße an euch.
        „Benita“

  4. Wir möchten aber noch in den Raum werfen, die ganzen Hilfen, welche die Sabrinas haben, sind nicht nur der DIS geschuldet, sie hat noch weitere chronische Erkrankungen. Das hätte vielleicht, um auch Missverständnisse, zu vermeiden in der Doku klarer gesagt werden müssen.

    Wir gehören zu denen, welche sich über die Doku gefreut haben, alleine aus dem Grunde weil klar wurde das hier nicht abgestritten wird das es die DIS gibt, das nicht abgestritten wurde das es schlimme Traumatas gibt. Der Profi hat einen unglücklichen Satz gesagt, dafür aber andere Sätze vorher und hinterher. Betrachtet man das im Gesamtkontext (so wie wir es wahrgenommen haben) sieht das ganz anders aus.

    Hängt vielleicht auch davon ab mit welchem Ohr und mit welchem Auge man diese Doku gesehen hat.

    Viele Reaktionen auf anderen Plattformen haben uns einfach nur wütend gemacht, andere DISler sprachen in einem Forum z.b. davon dieses Leben was die Sabrinas leben wäre nicht lebenswert, aber die absolute für uns mehr als übergriffige Bemerktung, war bei den Sabrinas könne man niemals von einem System sprechen. DAS hat uns erschüttert und auch sauer gemacht. Weil solche Aussagen einfach übergriffig und absolut grenzüberschreitend sind, unserer subjektiven Meinung nach. Uns zeigte das nur mal wieder das es anscheinend selbst unter Betroffenen keinen wirklichen Zusammenhalt gibt. Schade, daraus ziehen wir für uns Konsequenzen.

    Es gibt so viele tolle DIS Seiten, Kanäle und Platftformen und alle leisten wertvolle Aufklärungsarbeit, wenn es nicht nur ein reiner privates Ding ist, wir mögen alle davon sehr gerne und es macht uns nachdenklich das man sich anscheinend entscheiden muss ob da oder da (so unsere Wahrnehmung) das man überlegen muss wo sagt man was und wo nicht usw.! Wir können uns da auch sicherlich täuschen, mit der korrekten Wahrnehmung haben wir es manchmal nicht so, hängt halt davon ab wer etwas wahrnimmt und mit welchem Ohr oder welchem Auge.

    Wir würden uns wünschen das es da ein gemeinsam gäbe (auch dann, wenn man mal komplett unterschiedlicher Meinung ist) warum? Naja im Grunde wollen wir doch alle das gleiche oder nicht?

    • Ist es nicht völlig egal wofür sie die Hilfen letztlich hat? Hat nicht jede DIS-Betroffene auch noch irgendwelche körperliche Diagnosen, weil eines mit dem anderen einher geht? Das Missverständnis von manchen Personen liegt ja ganz offensichtlich nicht an der Darstellung im außen, sondern in der subjektiven Wahrnehmung der Einzelnen und ihren persönlichen Verknüpfungen. Die Reaktionen auf die Hilfen haben aus meiner Sicht mit den Sabrinas als Individuum und der Reportage an sich null zu tun. Manche reagieren so dermaßen mit Neid und Missgunst, dass es um die Sabrinas gar nicht mehr geht, sondern pure Bösartigkeit aufgrund der eigenen Komplexe gelebt wird und da ist für mich eine absolute Grenze erreicht. Es geht im Grunde niemanden etwas an wofür genau die Sabrinas die Hilfen letztlich bekommen! Es ändert auch nichts am Störungsbild der DIS und ihrem Alltag. Man könnte sich einfach für sie freuen, dass es gelungen ist, die Hilfe entsprechend ihrem Bedarf umzusetzen, statt solche Kämpfe auszutragen. Wenn andere ihren Bedarf nicht gedeckt bekommen berechtigt das noch lange nicht zu so übergriffigen und grenzüberschreitenden Aktionen.

      Ich glaube nicht, dass man sich für irgendwelche DIS-Seiten entscheiden muss, sondern dass man sich einfach das raussuchen darf, was jeweils für einen am besten passt. Das können ja immer wider andere sein und manchmal sagt jemand etwas was man total gut findet und ein anderer Beitrag auf der gleichen Seite entspricht vielleicht Mal so gar nicht dem eigenen Weltbild. Das ist doch völlig legitim.

      Wir schließen uns ansonsten euren Worten absolut an und wollen Danke sagen, dass ihr euer Empfinden mit uns geteilt habt!

      Ja, dieses „Gemeinsam“ wäre toll!

      • Uns ist das wumpe wer wieviele Hilfen erhält, wir freuen uns darüber wenn andere die benötigten Hilfen bekommen. Es nimmt uns ja niemand was weg, wenn jemand anderes diese Hilfen nicht bekommen würden, würde das ja nicht bedueten das wir automatisch mehr Hilfe bekommen würden. Das hängt doch von vielen Faktoren ab. Jeder der Hilfe benötigt sollte diese bekommen genau so wie diese benötigt werden. Das ist doch bei keinem ein leichter Weg. da kommt doch niemand daher und wirft mit den Hilfen um sich und ich gehe schwer davon aus, das war für die Sabrinas sicherlich auch ein langer schwerer Weg! Wie es bei den meisten eben ist, das geht doch allen so, die seelisch angeschlagen sind, um da kämpfen zu müssen, das ist doch nicht nur DIS spezifisch. Das fängt schon beim Therapieplatz an, da kann man sich die Füße wund laufen und das Telefon glühen lassen bevor man überhaupt einen Platz findet. Ellenlange Wartelisten für Klinikplatze usw. usf.! Das ist doch im psychischen Bereich generell ein Problem.

  5. Noch vergessen: Wir haben uns sowas von gefreut zu sehen das sie die Unterstützung bekommt, die sie für sich benötigt. Natürlich waren wir auch erst erschüttert ob der vielen Hilfen, da war auch der Gedanke uih, so möchten wir das für uns nicht. Aber hey es ging in der Doku ja nicht um uns, sondern um die Sabrinas und deren Leben. Wenn das für die Sabrinas so in Orndung ist und so benötigt wird, dann ist das so. Nichts was wir in Frage stellen würden, weil es IHR Leben ist und ihr Weg und nicht unserer.

    Sich selbst ein zu gestehen Hilfe zu benötigen ist schon ein enormer Schritt, das ist hier auch nach 2 Jahren Therapie z.b. immer noch ein Problem. Immerhin waren wir 40 Jahre hochfunktional bis zum Anschlag. Nie haben wir andere um Hilfe gefragt, geht doch, alles gut, passt schon, ne das krieg ich schon hin und wo hat es uns hingeführt? Auch heute kostet das enorme Überwindung Hilfe an zu nehmen, man hat sie ja nicht verdient, anderen geht es schlechter, stell Dich nicht so an usw usf.! Wenn man dann liest das es ein Ziel wäre wieder hochfunktional zu werden usw. dann fragen wir uns eben, führen solche Aussagen nicht eher dazu das es NOCH schwerer wird Hilfen zu bekommen, weil man müsste ja nach x Jahren Therapie wieder hochfunktional sein. Wer bestimmt denn dann wie lange der Weg dauern darf? Betroffen die es nach 2 Jahren geschafft haben, sind die dann das NON PLUS Ultra? Wie lange wäre es denn angemessen Hilfen zu haben? Wer bestimmt das? Und das OEG oder der Fond, wenn doch alles so toll ist warum nimmt man denn das in Anspruch, wenn man so funktional ist warum ist man weiß ich nicht als Beispiel selbst 15 Jahre schon in Therapie usw. usf.! Was ist denn die korrekte Zeit und was sind die korrekten Hilfen die man haben darf wenn man eine DIS hat? Wer bestimmt das? Wer hat das REcht dazu das zu bestimmen? Jeder von uns ist doch so individuell und jeder hat seinen ganz eigenen Weg den er oder sie geht.

    Bei einem Menschen mit einer Lähmung der im Rollstuhl sitzt würde auch niemand auf die Idee kommen zu kritiseren das dieser Mensch eine Rundumbetreuung hat, warum darf das bei einem Menschen mit einer seelischen ERkrankung und weiteren Erkrankungen nicht auch sein, weil man es nicht sofort sieht? Wenn man so denkt, dann denkt man genau wie die Menschen denen man vorwift das mit einem selber zu tun. Eigentlich hatte ich gar nicht vor so viel dazu zu schreiben. Der Gedanke war bringt eh nichts, wird eh wieder nur missverstanden. Nu tippel ich doch so hier vor mich hin. Keine Ahnung.

  6. Es ist so traurig, das jemanden gesagt wird, der so schrecklich erlebt hat:“ das muss klappen, das sind Basic“! @ValerianDas ist was ich in Therapie sooft gehört habe… Das MUSST du können, andere können das auch und daraufhin mir Hilfe verweigert wurde. Gerade uevers Zähne putzen weiß ich, wenn zum einen aus eigener Erfahrung das dass doch sehr wohl “ hochfunktional“ sein kann, weil es aus Gründen eines der schwersten Sachen ist, genauso wie essen. Alles was mit “ in dem Mund nehmen“ zu tun hat, hat mich jahrelang in schwerste Nöte gebracht, ich finde es eine Leistung das auseinderhalten zu können, das es nur eine Zahnbürste ist. Ein Brötchen schmieren zu können, kann ein 1 jähriges Kind auch nicht, und wenn dann kein großer Anteil hilft, weil keine Verbindung da ist, sitzt man da und isst eben nix. Sie wird ja sicher diese Basics können weil sie auch gearbeitet hatStudiert hat etc

    . Ich finde es so so heftig, das man ihre hilfbeduerftigjeit so zerreißt. Was sagt das aus? Das ist genau das was der MDK, die Gesellschaft sich nicht vorstellen kann, weil viele nach außen hin so funktionieren und in den eigenen vier Wänden zusammen brechen. Das auch Mal diese Seite gezeigt wurde hat mich persönlich gefreut. Weil ich selbst von “ ich kann alles“ zu jahrelangen Verlust und neu lernen kam. Die Vorstellung das ich, die doch so stark immer ist, Zuhause teilweise nicht auf vier zählen konnte hat niemand geglaubt und somit war ich damit alleine. Das ist dann das gleiche ,wie wenn der MDK mir sagt, ja rein organisch können sie laufen , das sind basics. Ich kenne einige die Aufgrund des Missbrauches und den Trigger Zähne putzen ein völlig kaputtes Gebiss haben . Das ist doch nicht aus “ kein Bock“ entstanden.
    Ich bin völlig entsetzt, ich bin noch nicht lange in der DIS Community unterwegs, aber das erschrickt mich teilweise wie darüber gedacht wird und hergezogen wird.

    Wer weiß was Sabrina alles nach lernen kann durch die Hilfe…. Ich hätte mich über einen Helm gefreut, aber ich durfte einfach die damalige Einrichtung nicht mehr verlassen, wegen der Anfall gefahr. Mich bringt die Enttäuschung mancher Therapeuten auch heute noch zum weinen in manchen Anteilen. Gerade in kindanteile die sich endlich trauten sich zu zeigen und dann aufgrund ihrerm da sein fallen gelassen wurden. Jeder normale Mensch ist verletzt wenn er fallen gelassen o verlassen wird. Wenn die diese Person dann plötzlich treffen, löst das auch etwas aus,das ist eine ganz normale gesunde Reaktion.Und gerade bei DIS sind Oftmals ja leider die Helfer das einzige Netzwerk weil Freunde , bekannte das nicht tragen können, verstehen oder sonst was.

    Zumal mich der ein o andere einfach gefragt hat: wie ist das bei dir? Es ist ein Beitrag der auch Mal die extrem schwierigen Zeiten und Jahre zeigt die extreme Gewalt mit sich bringen kann .Wenn schon die Dis Community das nicht “ würdigt“ wie sollen dann Uno s.

    Ich besitze auch die Fähigkeit Auto zu fahren, oder essen zu richten. Jedoch wenn ich in einem sehr kleinen Anteil bin, dann kann der das nicht, weil er es nie gelernt hat und wenn dann noch keine verbindung da ist dann dauert es Jahre oder vielleicht auch nie, bis ich diesen Anteil der Auto fahre kann bewusst herholen kann. Und wenn es 30 Jahre dauert, manchmal hilft die beste Therapie nicht und es braucht immer Hilfe. Wenn so über die Hilfebedürftigkeit gehetzt wird, trsur sich keiner mehr zu zeigen wie es auch sein kann, dann wird es auch niemals die Gesellschaft begreifen was für massive Einschränkungen und Folgen extremste Gewalt mit sich bringen kann.

    • …. danke für diese Worte! 😘 Wir bewegen uns auch erst ca. ein jahr in der community (auf youtube videos seine meinung zusagen ist nochmal was anderes, wie wir finden, das haben wir z.b. auch schon davor gemacht) uns erschreckt auch was manchmal so los ist innerhalb der „community“ auch bei fb in gruppen. solange wir betroffene uns gegenseitig zeitweise angehen, gegenseitige unterstellungen fallen und all das, wie können wir denn dann erwarten das die, welche nicht zu den betroffenen gehören uns für voll nehmen und sehen wie unterschiedlich es ist. solange wir betroffene damit zeit „verschwenden“ in grabenkämpfen gegeneinander, wie soll da eine wirkliche aufklärung stattfinden können? die nicht betroffen bekommen doch diese „grabenkämpfe“ auch mit, die sind ja nicht blöd un einigen spielt das dann evtl. sogar in die hände.
      ebenso darf man auch nie vergessen, es kommen immer wieder neue disler hinzu, die noch gar nicht wissen wie was geht oder gehen könnte. wenn dann jemand der es mittlerweile irgendwie wieder geschafft hat nach sehr langer begleitung und therapie wieder sowas wie einen funktionsmodus aufgebaut hat, wobei wenn ich mich so umschaue in der community auch auf anderen platttformen, dann sorry das ich das so sage, habe ich nicht den eindruck das da jemand dabei ist der wieder gesellschaftsfunktional ist ohne noch zu leiden. der eine vielleicht mehr und der andere weniger.
      für mich als quasi neue, naja bei mir löst das nur druck aus, man hat ja schon 2 jahre therapie gehabt das muss doch jetzt endlich mal funktionieren, bei anderen klappt das doch angeblich auch, warum hier nicht (das kommt nicht vom thera aber dieser eindruck entsteht durch solche aussagen von anderen systemen, wenn das vielleicht auch gar nicht so gemeint ist, es kommt aber das ein oder andere mal genau so hier an. dann musste ich mir anhören als ich das sagte, das wäre mein problem das würde wohl irgendwas in mir auslösen ich solle mal klar kommen. aha aber die andere seite die sich selbst so dermassen angegriffen fült von der doku, für müsste doch genau auch das gelten was sie anderen vor den latz knallen. bevor das einer missversteht das war nicht bei wordpress, hier geht es meines erachtens meist sehr wertschätzend und bedacht zu. was hinter den „Kullissen“ stattfindet keine ahnung. am besten ist man hält sich aus allem raus, macht sein ding und fertig aber kann das die lösung sein? wie soll man denn dann sich gegenseitig irgendwie unterstützen und unterstützen ist z.b. schon einfach mal ein abnicken oder wenn jemand anderes sagt, ja kenne ich, könnte man so und so regeln, wenn es für euch passt, oder ein wir sind schon weiter wir sind diesen weg auch gegangen. da gehts nicht um bauchgepinsel sondern um eben ehrlichen, wertschätzenden, sachlichen austausch ohne bewertung, wertung oder verurteilen.

      • noch vergessen und diejenigen die aufklärung betreiben, sei es mit blogs oder videos, die zeigen doch in den videos auch nur einen mini kleinen teil ihres lebens. um das leisten zu können, müssen sie ja irgendwie einen funktionsmodus aufrechterhalten ansonsten kämen keine guten videos bei raus z.b.! uns ist klar, wenn wir auf aufklärungsblogs oder kanalen uns bewegen das dies nie das tatsächliche persönliche ausmaß des lebens des systemes zeigt. das ist ein mini kleiner teil dessen was dieses system erlebt und lebt. da ziehen wir unseren hut vor, vor dieser leistung! für uns unvorstellbar. das zu machen ist harte arbeit damit es auch so transportiert wereden kann das nicht betroffene auch verstehen was dort gesagt und erklärt wird und das gelingt denen, denen wir folgen super und wir erkennen diese arbeit hoch an! so unsere ganz persönliche meinung!

  7. Liebe Sofie, vorneweg, deinen/euren Mut, deine/eure Ansichten zu schreiben, schätzt man immer wieder sehr.

    Zur Doku und den Reaktionen:
    Allein den Mut, den die Sabrina’s haben, die Schattenseiten zu zeigen, dafür empfindet man vollen Respekt.

    Die Kritik an den Machern der Doku kann man nachvollziehen, nicht aber die Kritik an der Protagonistin.
    Niemand darf be-oder verurteilen, ob, wann, wie viel Hilfebedarf notwendig ist, bzw, was und in welcher Zeit in der Therapie erreicht werden sollte – dies kann nur jeder für sich selbst entscheiden.

    Man fragt sich immer wieder aufs Neue, warum verglichen und für andere Menschen entschieden wird, wie viel und welche Art von Hilfe(n) individuell notwendig ist/sind.
    Und wenn man selbst betroffen ist, dann müsste es einem klar sein, wie viel Kraft und Ausdauer es erfordert, Hilfebedarf festzustellen, einzufordern und auszuhalten.
    Warum darf es nicht triggern, einen Betreuer zu sehen, zu dem man Kontakt und Vertrauen aufgebaut hatte, der einen dann im Stich gelassen hat?
    Das hat nichts mit Abhängigkeit zu tun, sondern ist ein Trigger, der nun eben, wenn das Ereignis nicht verarbeitet ist, zu einem Wechsel führen kann.

    Man hätte sicherlich den Aufbau und die Zusammenstellung der einzelnen Sequenzen (Filmmaterial) „besser“ aufbereiten können, in dem man z. B. die Worte von Hrn Sachsse als Intro genutzt hätte.
    Denn in einem Nebensatz erwähnte er, dass es eben e.i.n Erscheinungsbild der DIS ist und nicht für alle Menschen mit dieser Art von Traumafolgestörung gleichzusetzen ist.
    Wie viel Entscheidungsbefugnisse Sabrina’s über die Auswahl und Zusammenstellung des Filmmaterials hatten, wissen nur die Sabrina’s selbst.

    Liebe Grüsse

  8. Liebe Sofie,
    als wir die Ankündigung für die Reportage gelesen haben, war direkt in uns die Entscheidung, uns das nicht anzutun.
    Klar, auch weil uns in all den 29 Jahren zu viel an Darstellung von Multis wie sie öffentlich gezeigt werden begegnet ist. Zu viel von Darstellungen in denen die Problematik verzerrt wird. Menschen werden als gefährlich, unberechenbar, kriminell dargestellt oder als komplett durchgeknallt oder eben wie in diesem Fall als vollkommen hilflos und abhängig von Unterstützung durch viele andere Menschen.
    Und mit Vorliebe wird dabei gezeigt wie ein Multi als Kind auftritt. Warum? Weil es am krassesten auffällt. Das läßt sich im Fernsehen am tollsten „verkaufen“.

    Nun, gestern haben wir dann doch mal in der Mediathek in die Reportage reingeschaut. Mehr als das ging auch nicht. Da war zu viel an „Grusel“ und zu viel an Absurdität was offensichtlich einigen wenigen Menschen in Deutschland an Unterstützung finanziert wird, und dann letztendlich zu einer dauerhaften Unselbständigkeit führen könnte.
    Spätestens bei der Erläuterung, dass es um unterschiedliche Persönlichkeiten geht und es wichtig ist mit einer Vierjährigen innerhalb eines multiplen Systems Lesen und Rechnen üben zu müssen, sind wir ausgestiegen.
    Warum?
    Weil wir den Weg gegangen sind. Vom Ausstieg über Retraumatisierung, Zusammenbruch, neu leben lernen.
    Eines ist sicher: Die Hilfe die wir bekamen war nicht das was wir gebraucht hätten. Das ist auch dem geschuldet, dass damals wenig über MPS/DIS gewusst wurde.
    Doch es ist auch sicher, dass wir mit einer solchen Umsorgung durch unzählige Assistenten heute kein so eigenständiges Leben führen könnten.

    Es bedarf nicht dessen, dass ein kindlicher Anteil einer multiplen Seele etwas lernt, was andere Anteile gut können. Betrachtet man sich die gesamte Palette der Persönlichkeitsanteile, dann ergeben sie zusammen die ganze Seele. Darin hat jeder Anteil seine eigene Aufgabe oder auch mehrere. Aber ein Kind muss nicht zu einem Erwachsenen heranwachsen. Vielmehr ist es wichtig, die Kommunikation der unterschiedlichen Anteile miteinander zu fördern und die gegenseitige Akzeptanz.
    Was die Reportage zeigt ist eine Multiple, die sich durch ihre Assistenten versorgen lässt, anstatt zu lernen, sich selbst um die Anteile zu kümmern, die Fürsorge benötigen.

    Aus meiner Sicht und all dem was ich selbst und im Kontakt mit anderen Multis erlebt und erfahren habe, gruselt es mich, wenn ein Multi derart umsorgt wird und das dann auch noch dargestellt wird als notwendig und hilfreich. Auch der Umstand, dass ein kindlicher Anteil eines Multis alleine draußen rumläuft passt null zu dem wie ein multiples System eigentlich funktioniert. Aber vielleicht ist das dann auch der Unterschied zwischen jemandem, der 12 Anteile hat und jemanden, dessen Seele in weit über 100 Anteile zersplittert ist. Möglicherweise ist Letzterer dann weniger schlimm betroffen. Zumindest von außen betrachtet. Weil die Wechsel weniger krass sind und die Auffälligkeiten auch mehr da zum Tragen kommen wo man vertraut ist. Das würde sich schlechter vermarkten lassen.

    Ich finde es einfach schlimm, wie solche Betroffenen von den Medien benutzt werden und dann auch all die Assistenten nicht Profis genug sind, sich schützend vor die Betroffene zu stellen.
    Denn genau das ging mir durch den Kopf, wenn sich Sabrina dort einmal sieht, in vielleicht vielen Jahren in denen sie einen ganz anderen Blick auf DIS haben könnte und sich und all das anders einordnen könnte.
    Ich würde uns nicht so zur Schau gestellt haben wollen. Denn auch das ist eine Art von Missbrauch.

    Und ansonsten hat mich all das an Diskussion unter Betroffenen nicht sonderlich interessiert. Ich lese die Blogs nur noch selten, einzig diesen hier.
    Es ist der einzige Blog, wo ich auch mal kommentieren mag und mir die Zeit nehme zu lesen.

    Wir schicken euch liebe Grüße

    • Ihr Lieben,
      erst einmal freut es mich sehr, dass ihr hier mitlesen und kommentieren mögt! 😊

      Ich glaube die Frage ist, was man als „Lernen“ bezeichnet. Natürlich ist damit im Falle von DIS oft eine Anbindung an andere Anteile gemeint, die das schon können. Aber die muss auch erst einmal erfolgen und ist ein Lernprozess in Gehirn und Körper. Dafür, um beurteilen zu können, was die Betreuer im einzelnen Leisten und wie Sabrina in ihrer Selbständigkeit unterstützt wird, halte ich die Reportage für zu kurz. Sie zeigt einen Ist-Zustand.

      Wieso seit ihr euch so sicher, dass euch nicht auch unfassende Umsorgung in ein selbständiges Leben gebracht hätte? Wir wissen hier nicht, was Sabrina lernt oder dabei ist zu lernen. Nur dass sie manche Dinge derzeit noch nicht kann. Ich kann von mir sagen, dass ich in Zeiten in denen ich entlastet war, mir Stress abgenommen wurde und wirklich Dinge genau so gezeigt worden sind, viel mehr gelernt habe für mein eigenständiges Leben, als durch den „Werde selbstständig“-Stress und Leiste selbst Druck von außen. Irgendwann ist das Lernfenster bei zu vielen Reizen dann nämlich auch überschritten. Eins nach dem anderen, Schritt für Schritt und in Sanftheit mit mir, erzielte für uns die deutlich gelungeneren Ergebnisse.

      Ob nun 12, 100 oder 1000 Anteile geht es für mich nicht um mehr oder weniger schlimm betroffen. Egal ob offen oder verdeckt – es gibt Wechsel bei jedem Viele-Menschen und auch entsprechende Auffälligkeiten. Wenn man im Außen nicht sehen darf, was innen ohnehin abläuft ist das natürlich journalistisch dem Publikum schwerer begreiflich zu machen. Die Kleinen haben wir alle und Sabrina hatte eben den Mut sie mit ihrem Empfinden und Selbstverständnis auch zu zeigen. Wenn wir innerlich quietschend vor einem Supermarktregal stehen, dann läuft der kleine Anteil genau so draußen rum. Er wird vielleicht weniger von Außenstehnden bemerkt, aber er ist da und unterwegs. Ob uns das passt oder nicht. Insofern wird hier in meinem Empfinden nur etwas sichtbar gemacht. Man hätte hier theoretisch auch eine ältere zum Kiosk schicken können oder eine Alltagsperson. Das ändert unterm Strich gar nichts daran, dass nur ein Teil der Persönlichkeit sich verselbständigt und die Kontrolle übernimmt, während andere in den Hintergrund treten. Das passt uns als Alltagdpersonen vielleicht nicht, aber wir sind auch nur eine dieser Innenpersonen und weder mehr noch weniger befugt das zu tun, als sie, nur weil wir den Job „normal wirken“ gepachtet haben.

      Ich hatte überhaupt nicht den Eindruck, dass es in der Reportage um Vermarktung geht oder Wechsel zu diesem Zweck gezeigt werden. Das ist Sabrinas leben und das so zu zeigen, finde ich in der Form ok, wenn es für Sabrina OK ist. Und vielleicht schaut sie irgendwann auch mit ganz viel Mitgefühl zurück. Freut sich, dass sie inzwischen Dinge kann, die sie damals noch nicht konnte und ein Stück weiter des Weges ist. Verletzlichkeit muss einem ja nicht peinlich sein.

      Liebe Grüße,
      Sofie

  9. Nun wollte ich die Doku doch auch schauen, nachdem ich auf anderen Blogs und dann hier die Beiträge dazu las und die Kommentare… mein erster spontaner Gedanke, eben grad, nach dem Schauen: Schon cool/mutig, so offen zu zeigen, wie Wechsel sein können… und tief innen bei uns: Ja, genau so!!… wir haben ja auch Jüngere, die sehr gerne im Alltag mit dabei sind (noch mehr sein würden). Wir sind seeeehr dankbar, dass wird uns nochmal klar, dass wir mit jenen Co-Bewusst sind und mit ihnen (inzwischen) auch „gezielt/aktiv“ wechseln können… jedenfalls mit jener-n, die wir sehr ähnlich zu Sabrinas „klein“ empfinden… nach einer Zeitschrift beim Kiosk gucken, ein Lebkuchen-Haus gestalten dürfen… würden wir den Kleinen in uns das mehr erlauben, würden sie es auch genießen!!! Am Ende die Worte der Therapeutin, die haben uns etwas nachdenklich gemacht… ich weiß sie nicht mehr wörtlich, aber irgendwie so: „Gelungen“… ich wäre mit jener „Form des Lebens“ (noch) nicht zufrieden, würde es noch nicht für ein „gelungenes Sein“ empfinden, würde mir mehr Co-Bewusstsein wünschen… bei gleichzeitiger Gelassenheit, Jüngere mehr im Vorne-außen sein zu lassen, innen haben wir jene Kleinen auch sehr aktiv und es braucht oft die doppelte Aufmerksamkeit nach außen (in die Welt) und nach innen zu den Innens…
    Manch anderes, was ich hier und dort vorher als Kritik las, ist mir jetzt nicht so aufgestoßen… klar lässt sich manches hinterfragen, aber dazu weiß ich zu wenig… zB. Was gibt es neben der DIS noch für Erkrankungen, die Unterstützung durch „Helfer“ bedürfen?… wo sind die Sabrinas „gestartet“, so dass sie ihr Sein jetzt als Fortschritt erleben? Angeklungen war da Selbstverletzung, viel Destruktivität, Psychiatrieaufenthalte etc…
    Am meisten berührt hat mich, glaub ich, dieses Sein dürfen der Kleinen im Außen… sowohl bei einer Helferin, als auch bei einem Menschen, die Freundin sein könnte, Bekannte. Der „normale“ Umgang mit jenen, das stelle ich mir schon total als Entlastung vor… dass sie sein dürfen! Und im Sein auch Lernen… die Erfahrung machen wir auch sehr!! Dann wachsen alle einzeln und dadurch auch das System als Ganzes… Ich sage Danke für den Mut sich in dieser Reportage zu zeigen.

  10. woooooooooooooooooow oooookay, euer beitrag dazu hat uns gerade einen GANZ anderen mind-blow verschafft :OOO

    ich merke jetzt wo ich euren beitrag lese selber, dass wir der doku die schuld gegeben haben, dass wir solche angst haben, ABER wenn ich jetzt nochmal alles überdenke und meine mail an frau blume nochmal lese wird mir klar: HÄ? Das ist nicht WEGEN der Doku da, das IST da. Das SIND unsere Ängste, das SIND Fakten! Die Ängste sind aber da, wie ihr schreibt, weil es DIE GESELLSCHAFT nicht erlaubt, dass es da sein darf. Und jetzt ist in unserem Kopf grad wirklich so ein „WOOOOUUUUUFFF“ Effekt weil ihr ja SO Recht habt!!!!!! Wenn das nicht so „verboten“ wäre in der GEsellschaft, würde es uns vielleicht viel weniger schwer fallen zuzugeben: JA MAN! Solche Phasen gibt es! und hand aufs Herz? Wieso finden (WIR!!!) diese doku so übelst krass peinlich? Weil es 1,000,000 % eine Seite unterstreicht die bei uns definitiv auch da ist, aber immer nur versteckt, wenn keiner hinschaut, weil es auch UNS peinlich ist so zu sein, weil es nicht sein DARF! omg das ist grad so ne erkenntnis und schon VOR der Doku gab es bei uns innen so viele Diskussionen (mega traurige) mit Innenkindern wie Lou, Marie, Leonie, Theo, Svea, Adam eigentlich kamen ALLE Innenkindies zu Wort die wir so haben und die Traurigkeit und Verzweiflung war bei ALLEN dasselbe: WIR DÜRFEN NIRGENDWO SEIN!

    Gelernt haben wir, dass wir die Verantwortung für unsere Innenkinder haben und die können wir mittlerweile extrem gut übernehmen. Wenn Marie traurig ist, machen wir großen einen Grießbrei und schalten Lady Bug am Abend ein, wenn Max und Lou Abenteuer erleben wollen, gehen wir in den Wald, mit einem Ball oder Jimmy und lassen sie einfach Kinder sein, wenn Leonie und Leni Spiele spielen wollen (nicht versteckt im Co DURCH Erwachsene Anteile sondern wirklich SELBER), dann setzen wir uns ALLEINE vor en Brettspiel und spielen OHNE Gegenüber (weil Kleinkinder im Außen vor niemandem „sein dürfen“). Wenn Adam eine Salami-Semmel will, laufen wir großen zum Einkaufen und lassen Adam ZUHAUSE VERSTECKT nach außen, um die Salami-Semmel zu essen und dann WUNDERN wir uns, dass die Innenkinder immer mehr vereinsamen, wir urplötzlich Weinausbrüche haben (und uns dann im Außen als Erwachsene Funktionale fragen: HÄÄÄ WARUM? Ist doch grad alles super!?) Und die letzten Tage oder Wochen wo die Kritik kam : „Ja, IHR kümmert euch um uns, aber wir haben im Außen keine echten menschlichen, realen Kontakte (mehr)“ … haben wir immer Argumentiert: „Weil WIR dafür verantwortlich sind, uns um euch zu kümmern!“

    Jetzt checken wir erst… dass das Eine mit dem Anderen nichts zu tun hat. Natürlich vereinsamen Teile von uns, wenn sie im Außen im Kontakt mit Anderen nicht mehr sein dürfen!!!!!!!!!!!!!!!! Und wieso ist das so? Weil sie von Außen nirgendwo akzeptiert werden, weil es „komisch“ ist ODER eben „nicht therapiefähig“. Oh mein Gott ich bin grad schockiert was das grad für einen krassen Gedankengang bei uns ausgelöst hat wir sind euch grad für diesen anderen Blickwinkel SO DANKBAR! Weil es grad SO viel auslöst was glaub ich auch blockiert war!!!!!! Also gerade bei UNS ERWACHSENEN!!!

    Und jetzt haben wir auch endlich antwort darauf, wieso ein Teil von uns SO krass Frau Honig hinterhertrauert, obwohl wir seit zwei Jahren nicht mehr bei ihr in Therapie sind: Weil sie dort auch mit Innenkindern geredet und gearbeitet hat. Und wir FUnktionale sind aber unendlich zufrieden mit Frau Blume, weil wir mit ihr gut arbeiten können, konnten aber nie hinhören was uns die Innenkinder sagen wollten: Dass sie bei ihr nicht willkommen/akzeptiert werden und DAS lässt uns hier grad wie ein Wasserhahn beim Aufdrehen Tränen aus den Augen fließen (ohne dass ich EMotionen spüre), ich schreib grad nur, aber mein Gesicht weint wie Rotz und Wasser weil uns grad irgendetwas innerlich voll die Connaction gebracht hat…

    Die DOku ist gar nicht so falsch. Sie zeigt einfach ne Seite die NIE sein darf. NIE.

    • Ich habe zwar den Blog nicht verfasst, Acer ich wollte sofern es OK ist was zu deinem Kommentar schreiben. Ich habe am meisten in meiner Therapie bzw in den Therapien lernen können, in denen alle da sein dürften. Sie sind ja so oder so da , bloß dann “ weggedrückt“. Am meisten Heilung habe ich dadurch erfahren das in sicherer Umgebung, die kindanteile und Teenyanteil auch wirklich außen sein konnten und mit anderen Menschen Erfahrung machen konnten. Und zwar positive. Das hätte soviel heilsames. Weil ich halt z.b null Angst habe in manchen Situationen und dann aber wenn es doch triggert ein totalen flashback geben lonnte. Erst nach ganz länger Zeit haben sich die Anteile nach vorne getaut, die es auch getriggert hat. Und dann konnte der Therapeut z.b.ganz gezielt mit dem Anteil sprechen und helfen und Trigger Desensibilisieren. Es hat sehr lange gedauert aber durch das “ nach lernen“ und sammeln von positiven reak erlebten Erfahrungen in den Anteilen selbst hat sich soviel Heilung gegeben. Es brauchte natürlich viel sein dürfen uns mittragen .von anderen Menschen und auch das ok von den Anteilen die das überhaupt nicht wollten weil es ihnen peinlich war in der Öffentlichkeit zu schaukeln oder so . Aber ich habe nach all den Jahren erfolglos Therapie genezkt das es für mich der beste Weg ist, die Anteile ein Stück weit ihre Bedürfnisse real nachzuholen.

      Ich habe deswegen als Erwachsene keinerlei selbstständig eingebüßt. Die hochfunktionelle Seiten sind nach wie vor da. Ich für mich bin sehr froh das ich diese Unterstützung hatte und dadurch auch positiv Erfahrung machen könnte. Natürlich gab es viele dir das sehr skurill fanden, aber die meisten haben sich nicht sonderlich viel gedacht. Vielleicht hätte ich auch echt Glück so ein Umfeld zu bekommen wo ich sein konnte und nachholen könnte was wegen der Gewalt und allem nie ging. Einfach Mal spielen ohne Gefahr, draußen spazieren ohne Angst uvm. GLG

  11. Hallo,
    wir finden den 37Grad-Beitrag sehr gelungen. Sicherlich hätte ihm ein Hinweis auf die größe Bandbreite an Auswirkungen die DIS haben kann, noch gut getan…
    Gerade die große Authentizität hat uns beeindruckt: Sei es die Freude beim Einkauf der Zeitschrift oder beim Erstarren, da sie eine ehemalige Bezugsperson wieder erkannte. Dass alles kennen wir auch von uns. Nur haben wir kaum amnestische Lücken (daher keine DIS) und auch deutlich weniger sichtbare Wechsel.
    In der Situation des Erstarrens im Auto, hätten wir auch nicht anders ausgesehen: der Flunsch, das Weinen, die Verzweiflung des Verlassen worden Seins. (1:1)
    Der Beitrag zeigt die wahre und ungeschminkte Realität.
    Skeptischer (aber nicht ablehnend) empfinden wir bei Personen, die Anteile bewusst vor lassen können oder nach hinten stellen können. Wahrscheinlich da wir selbst nicht bewusst switchen können, sondern immer „geswitched werden“, so wie die Sabrinas.
    Wir ziehen einfach unseren Hut vor dem Riesenmut, den die Sabrinas bewiesen haben. Wir wünschen ihnen ein langes und erfülltes Leben, denn sie haben es genauso verdient, wie Menschen mit anderen Einschränkungen, welche genau wie gesunde Menschen ein schönes Leben haben dürfen.
    Grüße aus der Himbeersplitterei

  12. Ich kenne Sabrina nicht persönlich, habe aber Gedanken zu allgemeinen Themen rund um das Leben mit DIS, vergleiche auch meine Situation mit dem Vollspektrum aller Symptome.
    —-> Was mich immer irritiert ist die TATSACHE, dass Switching IMMER AUF BESTIMMTE TRIGGER KOMMT – Ich switche auf bestimmte Reize und KANN NIE WAS DAGEGEN MACHEN. Und das war schon immer so. Wie kann ein Mensch mit DIS also scheinbar die Schule geschafft haben? Es ist einfach nicht glaubhaft, dass jmd, der behauptet Anteile zu haben, die auf vielerlei Reize hin die Kontrolle über die Handlung übernehmen, die Schule oder gar das Studium meistern kann. DAS SCHLIEßT SICH PER DEFINITION AUS. Ich weiß noch, wie verzweifelt ich war, als ich nur Bruchstücke der Stunden mitbekam,… Als ich nicht mal wusste in welche Klasse ich gehen soll oder wie der Stundenplan überhaupt aussieht. Es ist nicht realistisch in der Schule NICHT GETRIGGERT zu werden und „als ein kompletter Anteil“ die Schule zu absolvieren, dazu noch über Jahre. Das kann mir keiner erzählen. Wie gesagt, ich bin einfach irritiert von dieser Tatsache. Weil Sabrina ja sehr wohl einen Abschluss hat – und der „DIS-EINBRUCH“ später kam. DIS ist nichts, was man „plötzlich“ bekommt. Das hat man – oder fantasiert man sich zusammen. Ich betrachte das einfach mal logisch.
    Ich habe zudem, wie manch einer schon sagte, den Eindruck, dass all diese „Hilfe“ sie weiterhin unselbstständig hält. Stichwort: KRANKHEITSGEWINN. Die Fürsorge, die man sonst im Leben vermisst, etc… Wie gesagt, ich kenne sie nicht, das sind eben meine spontanen Gedanken dazu.

    • Ganz so stimmt das nicht. Diese Hochfunktionalen Anteile in DIS-Systemen, die solche Alltagssituationen übernehmen, gibt es nunmal. Das hat mit Logik nichts zu tun. Vielmehr entscheiden die persönlichen Lebensumstände, ob auch diese Form der Traumaanteile entwickelt werden müssen, um überhaupt überleben zu können. Wenn Leistung für die Täter z.B. sehr wichtig ist, wird das System einen Weg dafür finden müssen. Das sind dann Hochstressmodi, die lediglich von außen aussehen wie normaler Alltag. Oft ist es dann auch nicht ein Anteil sondern mehrere Alltagsanteile, die sich die Aufgabe Teilen.

      Ja, Wechsel passieren auf bestimmte Triggerreize und lassen sich häufig nicht verhindern. Niemand behauptet, dass Schule ein triggerfreier Ort ist. Im Gegenteil. Genau diese Triggerbasierten Wechsel passieren ja auch – nämlich in dem Fall zu den zuständigen Alltagspersonen. 😉 Dagegen kann man in bestimmten Situationen genau so wenig machen, wie in anderen, in denen kindliche Innenperson nach vorne rutschen.

      Der DIS-Einbruch kommt nicht dadurch, dass die DIS später ausbricht, sondern dadurch, dass die Dissoziation im Laufe der Therapie abnimmt, man mehr zusammenrückt und dann eben nicht mehr derart getrennt im Hochstressmodus funktionieren kann. Das ist im Heilungsverlauf völlig normal.

      Krankheitsgewinn… Wenn die Menschen wüssten von was sie da teilweise reden, dann würde dieser Begriff nicht so oft und inflationär für Situationen und Menschen gebraucht, für die es um ganz andere Dinge geht.

    • Nahrung für die Zweifel…

      Rein theoretisch (und auch praktisch) ist es aber sehr wohl möglich, Schule und Studium zu beenden, weil diese Systeme hochfunktional sind.
      Es gibt die, die zur Schule gehen, die, die eine Ausbildung oder Studium bis zum Abschluss absolvieren – auch dann, wenn es in der Schule oder in der weiterführenden Bildung Trigger gibt. Dann werden genau diese Situationen abgespalten, um die bildungsentsprechende Leistungsfähigkeit aufrecht zu erhalten.

      Da hingegen gibt es Systeme, die nicht hochfunktional angelegt sind und keinen Abschluss machen können.

      Beides ist möglich.
      Nichts davon ist falsch oder Einbildung.

      Und so lang es möglich ist hochfunktional aufzutreten, wird dies geschehen.
      Erst dann, wenn es nicht mehr zu kompensieren geht, bricht das Kartenhaus zusammen.

      • Nein, bitte nicht zweifeln. Schon gar nicht deswegen! Da wurde aus meiner Sicht einfach ganz viel zur DIS selbst noch nicht wirklich verstanden und in der Konsequenz auch noch falsch auf andere übertragen. Das hat mit euch gar nichts zu tun! Ihr seid gut wie ihr seid und dürft euch auch funktional glauben! Ein ganz entscheidender Sinn der DIS liegt ja gerade darin, die Funktion soweit wie notwendig aufrechtzuerhalten. Menschen und ihre Lebensgeschichten sind individuell und damit auch die Reaktionsmuster auf traumatische Erfahrungen.

        Ganz liebe Grüße,
        Sofie 😊

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