§ 218 – Strafbarkeit von Schwangerschaftsabbrüchen abschaffen!?

Auf den social Mediaplattformen bekommen wir derzeit immer wieder Posts von verschiedenen Organisationen und Aktivistinnen angezeigt, die sich für Frauenrechte einsetzen. Im Bezug auf Schwangerschaft freuen sich derzeit viele über die Abschaffung des § 219a, der durch ein Werbeverbot bislang auch Ärzten unmöglich machte straffrei über Abtreibungen etwa auf ihrer Internetseite zu informieren. Dies unterstütze ich persönlich insofern sehr, als dass es jeder Frau möglich sein muss sich niederschwellig zu diesem Thema umfassende Fakten einholen zu können und auch die entsprechend angewandten Methoden von medizinischen Fachpersonen vorgestellt zu bekommen. In einem Atemzug sprechen Organisationen wie „Terre de Femme“ nun aber davon, dass auch der § 218 abgeschafft werden müsse, der Schwangerschaftsabbrüche prinzipiell als Straftatbestand sieht und sie nur unter ganz bestimmten Ausnahmebedingungen erlaubt. Die Organisationen sagen, dass man sich mit dieser Forderung dafür einsetze Frauen noch mehr Entscheidungsfreiheit zurückzugeben. Außerdem sollen die durchführenden Ärzte damit entlastet werden.

An dieser Stelle merke ich, dass ich mich wirklich schwer damit tue, dieses Vorhaben zu unterstützen. Ich bin vollkommen dafür, dass jede Frau die freie Möglichkeit haben muss, sich für oder gegen einen Schwangerschaftsabbruch zu entscheiden. Dass dafür die Notwendigen Informationen zur Verfügung stehen müssen, erklärt sich von selbst. Die Idee einer künftigen kompletten Straffreiheit von Schwangerschaftsabbrüchen sehe ich jedoch enorm kritisch. Nachfolgend will ich erklären weshalb:

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Rituelle Gewalt, die Schweiz und die Rolle der Therapeuten

In der Schweiz ist aktuell eine mediale Debatte zur Existenz von ritueller Gewalt entbrannt. Befürworter der „Satanic Panic“ beschuldigen Therapeuten ihren Patient_innen diese Erinnerungen nur eingeredet zu haben. Es würde an Beweisen für derartige Taten fehlen. Die Polizei hätte keine einzige dieser Taten je ermitteln können und unschuldige Familien würden durch die verfälschten Erinnerungen aufgrund der fehlerhaften Therapie zerstört. Der Vorwurf an sich ist nichts neues. Im Aktuellen Fall erinnert er stark an die früheren Debatten der False Memory Syndrome Foundation. Cornelia Widmer und ihr Mann wurden von ihrer Tochter des Missbrauches und der rituellen Gewalt beschuldigt. Polizeilich nachgewiesen werden konnten ihnen die Taten nicht. Nun sieht sie sich als Kronzeugin und Opfer der „Satanic Panik“. Sie kenne ihren Mann schon ewig und wisse, dass der so etwas nie tun würde. Das Verfahren gegen Cornelia Widmers Mann wegen versuchter vorsätzlicher Tötung, sexueller Handlungen mit Kindern, sexueller Nötigung, Vergewaltigung und Inzest wurde schließlich eingestellt. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, dass sich keine objektivierbaren Ermittlungsansätze aus den Aussagen ergeben hätten und insbesondere glaubhafte Aussagen aller anderen Familienangehörigen den Schilderungen der Tochter entgegenstünden. Zu deutsch bedeutet das für mich: Man kann nichts be-, aber auch nichts widerlegen. Wen wundert es, dass die Beschuldigten den Aussagen des Opfers wiedersprechen!?  Immer wieder wurde in der Vergangenheit versucht die Helfer dieser Klientel zu diskreditieren. Neu im Ausmaß ist sicherlich, dass es im Rahmen dieses medialen Feldzuges nun bereits Entlassungen von Therapeuten in Kliniken gab, die nach diesen „Verschwörungstheorien“ arbeiten würden. Das sei Versagen der psychiatrischen Versorgungssicherheit. Die entlarvten Kliniken würden inzwischen diese Therapien nicht mehr anbieten. Man habe Schutzmaßnahmen ergriffen. Was man hier als Schutzmaßnahmen darstellt bedeutet für die wirklichen Opfer vor allem eins: Das Aus für traumatherapeutische Maßnahmen von komplex traumatisierten Menschen im Rahmen organisierter und ritueller Gewalt in schweizer Kliniken.

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Gewitterstimmung

Mir ist heiß. So gerne würde ich mich einfach nach draußen setzen und den leichten Wind spüren. In der Ferne brummt leichtes Donnergrollen. Die Anspannung ist groß. Im Innen wie im Außen. Schwülwarme Luft reibt sich an der Sonnenhitze. Knallt es gleich? Mein Körper bebt. Bereits früh am Morgen knickten mir beim Einkaufen die Beine weg. Eine fremde Frau bot mir ihr Wasser an. Ich nahm mein Notfallmedikament in der Hoffnung es möge den nahenden Krampfanfall verhindern. Völlig unterdrücken ließ er sich leider nicht. Nun merke ich wie die Anspannung auch Stunden später noch durch meinen Körper pulst. Kommt noch ein weiterer? Vom Fenster aus blicke ich in den Himmel. Lange beobachte ich die Natur. Dunkle Wolken wölben sich auf. Für einige Zeit lausche ich dem herannahenden Grollen. Dann der erste Blitz. Die Luftbewegung nimmt zu. Die Balkonpflanzen beginnen in ihren Töpfen zu wiegen. Die Nachbarin rennt mit klimperndem Schlüssel zur Haustür. Ich stehe und starre. Fühle mein innen und das Außen. Teilweise ist es, als würde die Natur mein inneres Erleben spiegeln. Erinnerungen stapeln sich hinter der Schädeldecke. Der Druck knistert in den Synapsen. Emotionen türmen sich in einer dunklen Wolke. Und irgendwann in dieser naturgewaltigen Zerreißprobe, als ich den Kopf kurz zur Bakontür hinausstrecke, fällt der erste Tropfen auf meine Nasenspitze und haucht mir zu: Komm zurück ins Leben. Du hast es schon hinter dir.

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Die Unsichtbaren unter den Sichtbaren – „Fake“-Diskussionen, Aufmerksamkeitskrisen und Leidwettkämpfe als alternative zur Verschwörungstheorie

Die Reaktionen auf meinen letzten Beitrag haben mich vielfältig bewegt. Ich habe ihn in der Intention verfasst, auf Betroffene organisierter und ritualisierter Gewalt aufmerksam zu machen, die nicht in der Lage sind in ihrer persönlichen Lebenssituation in irgendeiner Form an der öffentlichen Meinungsbildung mitzuwirken und sich eine Lobby zu erkämpfen. Opfer, die nicht eigenständig in der Lage sind sich zumindest ein Stückweit vom Täterkreis zu distanzieren und irgendwann von sich aus auf Hilfsangebote zuzukommen, fallen gesellschaftlich völlig durchs Raster. Sie werden mit ihren spezifischen Bedürfnissen und dem Hilfebedarf gar nicht erst in einer Diskussion sichtbar. Sie sind die schwächsten der Schwachen und werden völlig fallen gelassen. Das ist ein Misstand, den ich so nicht tolerierbar finde und der aus meiner Sicht Aufmerksamkeit braucht! Insofern erlebe ich die Möglichkeit an einer Debatte teilzunehmen, sichtbar zu werden und seine Meinung zu äußern tatsächlich als Privileg, das mir und einigen anderen Opfern zur Verfügung steht, um etwas an unserer Situation und vielleicht auch an der Situation der „Unsichtbaren“ zu ändern. Soweit sprechen zu können, muss man nämlich in organisierten Täterkreisen erst einmal kommen. Was ich enorm schade finde, ist, dass sich ein kleines Grüppchen von anderen Betroffenen offenbar einen Zacken aus der Krone bricht, wenn man diesen Fakt benennt und als Reaktion mit Leidwettkämpfen und Glaubwürdigkeitsdiskussionen Nebenkriegsschauplätze eröffnen, die vielleicht ihrer Aufmerksamkeit dienen, aber nicht dem extrem ernsten Hintergrund. Statt in den Schulterschluss zu gehen und sich zu fragen, was wir gemeinsam öffentlich für diejenigen bewirken können, die nicht in der Lage sind sich zu helfen, versucht man sie wieder vom Brett zu stoßen, weil ihre Existenz ängstigt und das eigene Leid schmälern könnte. Ein Stück weit widert mich diese Selbstgefälligkeit und Ignoranz für die Not anderer gerade tatsächlich auch an.

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Die Unsichtbaren unter den Sichtbaren – Rituelle Gewalt, Mind Control und Dissoziative Identitätsstörung

Wir hatten eine mehr als schwierige Nacht. Sommersonnenwende. Vieles geht uns durch den Kopf. Bilder und Erinnerungen an alte Zeiten und die Umstände in denen wir lebten und leben. Stille Betrachtungen unseres Lebens, des Ausstiegs und all den Folgen. Gedanken zum Heute und zu dem was inzwischen auch gesellschaftlich über rituelle Gewaltstrukturen bekannt ist. Ärzte, Therapeuten und wissenschaftliche Studien haben einiges dafür getan, um die Not ihrer Patienten sichtbar und belegbar zu machen. Dafür sind wir sehr dankbar! Noch vor einigen Jahren war es fast unmöglich Informationen, Betroffenenwebsites und Blogs zum Thema zu finden. Inzwischen wachsen sie vor allem auf Social-Media-Plattformen aus allen Ecken mit sämtlichen Vor- und Nachteilen. Manches davon sehen wir enorm kritisch, weil es die Öffentlichkeitswahrnehmung der Thematik aus unserer Perspektive ungünstig verzerrt. Bei all den Publikationen, Posts und Profilen gibt es immer noch die Unsichtbaren unter den Sichtbaren. Ihnen wollen wir diesen Beitrag widmen.

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Lauer Sommerabend und lebendige Liebe

Die Erde riecht feucht. Um uns breitet sich ein stiller Raum aus. Die Vögel zwitschern und ein sanftes Lüftchen bewegt den Abend. Für den Augenblick scheint alles einzufrieren. Die Geräusche sind da und doch sind sie nicht mit einer Empfindung von Lautstärke verbunden. Vielmehr werden sie immer mehr Teil der Ruhe. Mein Dämmerungsmoment scheint frei im Raum zu schweben, unabhängig von Zeit. Ich bin einfach teil und nehme meinen Platz darin ein. Die Hitze des Tages besänftigt sich langsam und webt sich ein in diesen Ausklang. Ich schließe die Augen. Mit einem tiefen Atemzug beginne ich den Zauber des Augenblicks in mich aufzunehmen. Seine blinde Essenz. Eine Präsenz die nicht nach offensichtlichem fragt. Stattdessen fühlt sie ihre Wahrheit.

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Umgang mit Schmerzen nach extremen Gewalterfahrungen – Dissoziative Identitätsstörung und kPTBS

Ich hatte in den letzten Tagen nach einer notfallmäßigen OP Gelegenheit mich nochmal eingehend mit dem Thema Schmerzen auseinanderzusetzen. 😏 Bei dissoziativen Störungen gibt es im Kern zwei Wahrnehmungsbereiche die zum Problem werden können: Entweder man spürt Schmerzen gar nicht, so dass sie ihre Warnfunktion nicht mehr ausführen können oder sie werden verstärkt wahrgenommen, so dass auch schon verhältnismäßig kleine Irritationen einen um den Verstand bringen können. Viele Betroffene kennen beide Zustände im Wechselspiel.

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Meisenstreit und Abendwolken

Das Weiß der Wolken ist an der Basis in ein eigenartiges Grau getunkt. Es ist nicht so, als käme Regen und doch stellt es das blaue strahlen in Frage. Ich blicke nach oben. Schnell ziehen sie dahin. Während mir hier unten in der Sommerschwüle das T-Shirt an der leicht schweißfeuchten Haut klebt, scheint dort der Wind zu wehen. Die Zeit schwindet dahin. Ich bin um nicht einmal 21.00 Uhr so müde, dass mir beim Schreiben fast die Augen zufallen. Ein anstrengender Tag. Während sie Katze schnurrt und die Tauben ihr Abendlied gurren, lass ich den Tag Revue passieren. Drinnen läuft Wasser in die Gießkanne. Die letzten Arbeiten des Tages gehen mir mit schweren Gliedern von der Hand.

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Seelische Erkrankungen – Wenn es nicht um wollen geht

Ich sitze im Schneidersitz auf dem Balkon. Es wird bereits frisch. Die Pflanzen atmen auf nach einem künstlichen Regenguss aus der Gießkanne. Manche lassen geschafft die Köpfchen hängen. Sich wieder aufrichten nach auszehrender Anstrengung – das wünsche ich mir. Für sie und für uns. Am noch blauen Abendhimmel wird ungewöhnlicher Weise bereits Frau Luna sichtbar. Vögel zwitschern ihr Abendlied. Gedanken kommen und gehen.

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Alles für die Bindung – Todesnäheerfahrungen und Alltagspersonen

In traumatischen Stresssituationen gerät das autonome Nervensystem in extreme Ausnahmezustände, die dem Überleben dienen. Im Konzept der strukturellen Dissoziation werden diese Zustände als emotionale Persönlichkeitsanteile (EP) benannt. Sie tragen die zum Trauma gehörigen Informationen und Gefühle. Doch wie entstehen eigentlich die anscheinend normalen Persönlichkeitsanteile (ANPs), also die Alltagspersonen?

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