Text findet Autor

Die Art einen Text oder Beitrag anzugehen, kann sehr unterschiedlich sein. Mit zwei Varianten haben wir fast täglich zu tun, wenn wir unsere Sprache zu Papier bringen.

Es gibt Situationen, in denen man ein bestimmtes Thema genauer beleuchten möchte. Man beginnt zu recherchieren, sammelt Informationen und setzt sich schließlich an den Laptop, um seine Eindrücke zu Papier zu bringen. Wahrscheinlich ist diese Reihenfolge mit „Thema first“, die Art und Weise, wie die meisten Menschen einen Text – wofür und wozu auch immer – angehen. Im Deutschunterricht in der Schule bekommen wir das auch genau so beigebracht. Der Lehrer gibt uns vor, dass wir etwa über die letzten Ferien schreiben sollen. Der brave Schüler lässt sich etwas dazu einfallen und gruppiert anschließend seine Worte drumherum.

Und dann gibt es da diese Momente, die für uns fast noch reizvoller sind. Wenn weder Rahmen noch Thema vorgegeben sind. Wo uns das leere Blatt Papier findet und uns Buchstabe für Buchstabe, Wort für Wort zu der Geschichte trägt, die im Nichts auf uns wartet. Du weißt im tiefsten Inneren, dass der perfekte Artikel schon fertig ist, noch bevor du überhaupt den Stift angesetzt hast. Du holst ihn einfach nur ab. Der Prozess ist tief. Er basiert auf der fokussierten Wahrnehmung des Momentes. Mit dem Verstand, vor allem aber mit dem Gefühl. Die Seele des Textes verlangt vom dir als Schreiber nicht mehr, als ganz in der eigenen Seele zu sein und so einen inneren Raum zu öffnen, in dem alles erlaubt und dadurch alles möglich ist.
Vertrauen, Hingabe, Emotion.
Dann fließt die Geschichte des Augenblicks durch dich hindurch und aus dir heraus.
Die Überschrift kennt selbst der Autor erst am Schluss.
Diese Momente sind uns heilig und in besonderem Maße heilsam. Unsere Gedichte entstehen fast ausschließlich so und haben uns diese Form des Ausdruckes zuerst gelehrt. Mittlerweile schreiben wir auch andere Texte auf diese Weise.

Das Universum hat alles.
Auch fertige Texte zum Download. 😊

Ich glaube dir

Manchmal, da sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.
Da weiß man nicht mehr wem oder was man glauben soll und am wenigsten traut man sich selbst.
Wir kennen diese Phasen des totalen Zweifels im Ausstiegsprozess, des getrieben seins und doch nicht wissen wohin. Eine treue Begleiterin hat lange Zeit für uns immer wieder die Fahne hochgehalten. Für uns, an uns und mit uns geglaubt, wenn bei uns selber vor zerreißenden Zweifeln gar nichts mehr ging und uns geholfen uns selbst und unsere Geschichte wieder zu finden. Etwas davon möchten wir nun mit unseren Worten an andere Betroffene weiter geben:

Ich glaube dir.
Deine Geschichte, deine Schmerzen, deine Qual.
Und ich bleibe.
Egal was kommt.

Ich glaube dir.
Weil ich den Schmerz in deine Augen sehe und deine Tränen in meinem Herzen fühle.
Ich glaube dir, weil ich weiß, dass ich meinem Gefühl zu dem was du erzählst vertrauen kann.
Ich glaube dir, weil du nicht einfach nur irgendeine Geschichte erzählst, sondern sie mit jeder Faser deines Körpers spürst.
Ich glaube dir, weil ich dir glauben will.
Es ist meine Entscheidung und ich habe mich für dich entschieden.

Ich glaube dir.
Weil du es Wert bist, dass man dir glaubt.
Weil ich weiß, dass es die schreckliche Gewalt von der du erzählst gibt.
Ich glaube dir, weil es keinen Sinn für dich macht sich das alles auszudenken.
Ich glaube dir, weil man sich das so gar nicht ausdenken kann.

Ich glaube dir.
Deine Zweifel.
Du darfst Sie behalten.
Am Ende entscheidest nur du, was von all dem wirklich wa(h)r.
Solange sehe ich Sie als Beweis für die unglaublichen Dinge, die passiert sind und wir schauen gemeinsam hin.

Ich glaube dir.
Weil dein Leben mir wichtig ist.

Bitte glaube dir!
Deine Geschichte. Deine Schmerzen. Deine Qual.
Weil die Programme der Täter sonst freie Bahn haben und du nichts dagegen tun kannst.
Weil es die Bilder und Emotionen in deinem Kopf wert sind verstanden zu werden.
Weil sie nicht ohne Grund da sind.
Weil du sie überlebt hast und heute heilen darfst.
Weil du nur so heilen kannst.
Weil dein Leben davon abhängt.

Hab Mut zu sprechen!

In Gruppierungen und organisiertem Verbrechen wird so einiges unternommen, um die Opfer dauerhaft zum Schweigen zu bringen.
Neben Folter und Qual, sind es vor allem auch die Indoktrinierungen und Vorhersagen, was passieren wird, wenn man es dennoch schafft zu sprechen, die Opfer davon abhalten ihr Schweigen zu brechen.
„Dir glaubt sowieso keiner“, „Alle werden sagen, dass du lügst“, „Sie werden dich für verrückt halten“, etc…

Vor zwei Wochen haben wir uns aus einer großen Not heraus einem unserer Lehrer anvertraut.
Haben etwas von der Gewalt erzählt die wir erlebt haben.
Wir bereuen es nicht. Im Gegenteil.
Er ist zu einer großen Hilfe für uns im Schulalltag geworden.
Es entlastet uns zu wissen, dass jemand bescheid weiß, falls etwas wäre und es uns nicht gut geht.
Allein zu spüren, dass er ein Mann ist und dennoch nicht im geringsten daran denken würde einem Kind so etwas anzutun, ist heilsam für uns.
Zudem:
Er glaubt.
Er zweifelt nicht, nennt uns keine Lügnerin und er ist an unserer Seite.
Einfach so.
Mittlerweile weiß noch eine weitere Lehrerin bescheid.
Auch Sie hilft uns sehr.
Auch Sie glaubt.

Zwei Lehrer sind zu wichtigen Säulen in unserem Alltag geworden.
Sie geben uns neben der schulischen Hilfe, die Sicherheit verstanden zu werden, Ansprechpartner zu haben für den Notfall und etwas gesehen zu werden, mit dem was hinter der Funktionierfassade abläuft.
Möglich geworden durch Worte, die wir hörbar haben werden lassen, auch wenn sie nur schwer über unsere Lippen kamen.

Wir sind dankbar dafür!
Es zeigt, dass es sich lohnt, das Schweigen doch an geeigneter Stelle zu brechen.
Die Vorhersagen der Täter sind ein weiteres Mal nicht eingetreten.

Hab Mut zu sprechen, es lohnt sich!
Es sind die Täter, die lügen!