Herbsttag mit schnurrendem Ausklang

Ich sitze im warmen Wohnzimmer. Auf der Sessellehne sitzt die Tigerdame und kommuniziert eifrig. Ihre Schwanzspitze zuckt bisweilen. Es dauert nicht lange, bis sich auch der Kater dazu gesellt. Tretelnd macht er es sich auf meinem Schoß gemütlich. Zufriedenes Schnurren dringt  an unsere Ohren. Beide scheinen sich auf ihren Kuschelplätzen wohl zu fühlen. Während wir der gleichförmigen Stereo- Beschnurrung lauschen, macht unser Nervensystem den Versuch ebenfalls in leichte Entspannung zu gleiten. Der Tag war anstrengend, voll mit Triggern und die Stimmung entsprechend schnell gereizt. Immerhin aber haben wir es geschafft unser Erinnerungsglas für die verstorbenen Sternchen etwas neu zu dekorieren. Nun blicken wir auf die kleine funkelnde Lichterkette auf dem Sideboard und atmen – in den Schmerz und die kommende Nacht.

Weiterlesen

Die Brombeerfee

Mit bedachtem Schritt streife ich durchs Unterholz. Zwischen Bäumen, Sträuchern und Beeren folge ich einer kleinen Schneise durch das Dickicht. Über mir Klopft es. Pock pock. Mein Blick ist darum bemüht die Füße vor unsichtbaren Ranken zu schonen, die sie zu Fall bringen könnten. Aus dem grünen Brombeerlaub leuchten mir kleine Früchte entgegen. Kurz bleibe ich stehen, um mich zu ihnen zu bücken. Ich muss schmunzeln. Eine Brombeerfee hüpft durch meine Gedanken. Im leichten Abendwind wippt sie auf den Früchten. Keck schlägt sie die Beine übereinander und zwinkert mir zu. Dann malt sie weiter. Mit sanftem Pinselstrich. Langsam das Rot färben. Die Natur sitzt in diesen Tagen mit Freude bei der Arbeit. Erntezeit.

Weiterlesen

Sonnwendgewitter

Stürmisch prasselt der Gewitterregen zu Boden. Meine Lungen japsen nach dem frischen Sauerstoff, den er in die Luft spült. Blitze zucken über den Nachthimmel. Doch ihre Bedrohung bleibt aus. Eine gewisse Sanftheit lässt sich im Donnergrollen spüren. Pflanzen und Tiere haben durstig auf das Wasser gewartet. Nun lindert es die feurige Energie der letzten Tage und bringt entspanntes Leben zurück. Kühler Wind erscheint als wenig aufgeregter Begleiter. Es ist, als würde er peitschend flüstern und den Wolken bei ihrer Bewässerungsreise unter die Arme greifen. Zerstören, nein, das möchte er nicht. Nur die erfrischende Wirkung erhöhen. In meiner Nase sind alle Elemente vereint. Die feuchte Erde mit ihrem stabilen Geruch. Die Nässe des Regens mit seiner säuerlichen Lebhaftigkeit. Der Wind, der die Informationen zu mir trägt und die feurige Kraft der abklingenden Schwüle. Über die Schönheit der Naturbeobachtungen vergesse ich die Bedeutung der Nacht.

Weiterlesen

Bewegt – Herz und Wind

Wir hängen in unserem Hängesessel auf dem Balkon. Der Wind weht kühl. Eine dicke Weste bewahrt uns davor zu frieren. Von weit her ruft der Kuckuck. Tauben gurren. Ein bisschen wärmer und es wäre glatt gemütlich. Die Röhreneingänge unseres Bienenhotels sind inzwischen zunehmend verputzt. Zwischen den kalten Fingern rollen wir ein Blatt Zitronenmelisse. Es duftet herrlich frisch. Die gequetschte Triebspitze reiben wir über die kleinen Bläschen unserer Sonnenallergie. Das beruhigt und stillt den Juckreiz. Die Temperatur drängt uns nach drinnen ins Warme, doch meine Seele möchte noch etwas mit dem Wind reisen.

Weiterlesen

Ein entspannter Regensommersonntag

Ich mag regennasse Sommertage. Irgendwie verschaffen sie mir den Eindruck, als könnte ich mit den Pflanzen durchatmen. Während Tropfen um Tropfen prasselnd zur Erde fällt, legt sich kühlende Ruhe auf mein schmerzendes Innen. Von der Balkontür weht frische Luft herein. Wir sitzen im Sessel, die Beine entspannt übereinander geschlagen und lauschen aus dem warmen Zimmer heraus den Naturgeräuschen. Die Vögel pfeifen. Blätter spielen im sanften Wind. Je nachdem, wo die reisenden Wasserpartikel auftreffen, machen sie unterschiedliche Töne. Dumpf und warm auf den Balkonbrettern. Hell und leicht auf den Salatblättern. Knisternd knackend auf der Folie der Blumenerde. Klangvoll Gluckernd auf der Wasseroberfläche des Regenfasses und metallisch schneidend auf dem Metalldekoelement vor der Türe. Naturkonzert. Es erinnert mich ein bisschen an die Windspiele mit runden Hölzern, die im Sommer oft in den Gärten schwingen. Wie in einer geborgenen und windgeschützten Höhle komme ich bei mir an.

Weiterlesen

Nature Valentine

Glitzerschnee hängt über das selbstgebastelte Zwergenheim. Ein Ausläufer davon lässt den kleinen Pilzkamin rauchend aussehen. Hinter den Fensterscheiben wirkt die Welt wärmer, als sie tatsächlich ist. Von der geöffneten Balkontür zieht eine bitterkalte Prise in die Wohnung. Sonne, blauer Himmel und die Welt liegt uns zu Füßen. Verlassen werden wir unser Domizil heute nicht. Stattdessen blicke ich aus dem Fenster und versuche in den Millionen von Wasserkristallen schöne Bilder zu finden. Tatsächlich springt mir hier und da eine Eiselfe vor die Linse und eine Frostfee deckt die Pflanzen schützend zu. Mit den Gräsern wiegen unsere Gedanken: „Happy Valentine!“ Es ist Zeit eine neue Geschichte zu schreiben.  Weiterlesen

Eisige Gedanken und warmes Herz

In der Kälte setze ich langsam einen Fuß vor den anderen. Nach drei nahezu bewegungsfreien Tagen verlangte mein Körper nach Aktivität. Nun pfeift mir eisiger Wind um die Nase. Meine Wangen frieren. Während ich nach oben in die Baumkronen blicke, ziehe ich mir die Jacke über die Hände, um meine Finger zu wärmen. Mit meinen feiertagssteifen Gliedern fiel es mir schwer die Wohnung zu verlassen. Nun genieße ich die sauerstoffreichen Atemzüge trotz allem. Auf den Gehwegen sind die Pfützen zugefroren. Die verbleibenden Blätter aus dem Herbst tragen ein dünnes Raureifjäckchen. Die Natur um mich herum beginnt mit mir zu verweben. Gedanken fliegen von einem Baum zum anderen, bewundern die Eiskunstwerke, gleiten über Stamm und Rinde und bleiben schließlich an den Wassersplittern hängen, die aus einer kleinen Wegvertiefung ragen. Unter der starren Oberfläche versammeln sich kleine Blasen. Ein Baum vom Wegesrand leiht mir für einen Augenblick seine Wurzeln. Wir kommen an, beginnen uns zu spüren. Die kühle Luft klärt zunehmend den dissoziativen Nebel um meinen Kopf und obwohl die Abenddämmerung immer näher rückt, wird meine Welt zunehmend heller und freundlicher. Weiterlesen

Regenbeeren und Platschnassgekritzel

Düster zieht der Nachmittag ins Land. Beim Blick durch die regennassen Scheiben fällt eine kleine Erdbeere mit ihrem leuchtenden Rot auf meine Netzhaut. Für einen kurzen Moment tilgt sie das gesamte Grau ihrer Umgebung. „Wie nett!“, denke ich. „Eine Herbstbeere.“ Auf den Balkonbrettern steht das Wasser. In den Vertiefungen plantschen Regentropfen kleine Kreise. Wir beobachten eine Zeit lang ihr hopsen. Kleine Spiegelflächen lassen Tiefe und Himmel entstehen, wo sonst nur harter Boden liegt. Die Spinnennetze scheinen derweil so viele Wasserteilchen aufzufangen, dass ihre sonstige Leichtigkeit einer schweren Zerreißprobe weicht. Jeder Luftstoß lässt es so wirken, als würden sie sich schütteln und von dem Ballast befreien, ehe sie sich erneut vollsaugen. Gräser wiegen im Wind. Irgendwann wird es heller – erst am Horizont und dann auch um uns. Sonne bricht sich ihren Raum durch die Wolken. Wer hätte das zu so später Stunde noch erwartet?

Weiterlesen

Weltausschnitt

Der Wind weht frisch. Zu frisch um auf dem Balkon in eine gemütliche Stimmung zu kommen. Am liebsten würde ich Wärme erzwingen. Leider ist das nicht möglich. Natürlich könnte ich mir ein Feuer schüren oder einfach den Holzkohlegrill anheizen. Vermutlich würden meine Nachbarn dann allerdings denken ich bin in einer esoterischen Krise übergeschnappt. Warum sonst sitzt eine Frau am Sonntag Mittag auf dem Boden in der Sonne, wirkt dabei einigermaßen abwesend, wärmt ihre Hände leicht vor und zurück wippend über der Glutschale, trinkt komisch duftenden Tee und denkt überhaupt nicht daran Fleisch und Würstchen aufzulegen? Ich erspare mir die komischen Blicke, fühle mich aber gedanklich von dieser Vorstellung belustigt. Das könnte die Räucherschale schlecht hin werden, die uns alle von den Maßnahmen der Corona-Pandemie befreit, mich allerdings wieder ein Stückchen näher an die Psychiatrie rückt.

Weiterlesen

Bei der Gundelrebe zu Gast

Ich sitze im Garten. Ein Teppich aus zarten lilablauen Blüten säumt mir den Weg. Mein Herz hüpft aufgeregt. Was sie heute wohl zu erzählen hat, die Gundel? Die Sonne scheint. Bis jetzt kam ich nicht zur Ruhe. Nun aber kann ich mir etwas Zeit nehmen und den Pflanzengeisterchen lauschen. Dieses Jahr berührt mich die Gundel besonders. Vielleicht liegt es daran, dass sie eine große Heilerin für die tiefen, eitrigen Wunden in uns ist – sowohl körperlich als auch seelisch. Ihre Tinktur löst sanft die alten Schmerzen und hilft Verletzungen von innen heraus abheilen zu lassen. Man sagt, in ihr wohnen die guten Hausgeister. Sie verbindet mit Himmel und Erde gleichermaßen und steht damit für Ausgewogenheit von männlichen und weiblichen Energien. Wann immer ich mich in sie hineinvertiefe, fühle ich mich wunderbar ganz, weil sie auf ihre ganz eigene Weise Harmonie vermittelt ohne irgendeine Facette ablehnen zu müssen. Ich komme ins schwärmen, wenn ich über meine Gundel nachsinne.

Weiterlesen