Das Trauma der Funktionalität

Wir sitzen in unserem Zimmer. Der Kaffee ist kalt. Auf der Thuje benetzen Wassertropfen die feinen Triebspitzen. Ich blicke durch sie hindurch wie durch Glaskugeln in denen man Weisheit zu finden versucht. Mein Atem stockt immer wieder. Der Körper meldet sich mit einem zarten inneren Vibrieren, das sich bald zu Zittern ausweitet. Alltag. Nichts dabei. Nur ein bisschen funktionieren. Doch es klappt nicht. Der Mandeldino im Kopf schreit Alarm. Ich kann mich nicht einfach übergehen. Heute nicht. Mein Körper schaltet auf Kampf. Der Druck steigt. Traumatisierte Funktionalität nimmt sich Raum.

Weiterlesen

Margeriten und die eigene Natürlichkeit

Ich öffne die Balkontür. Meine Katzen stürmen hinaus ins Freie den ersten Sonnenstrahlen entgegen. Ein bisschen verwirrt schauen sie zurück, als würden sie sich heimlich fragen, weshalb ihr Frauchen heute schneller ist als sie. Normalerweise stehe ich auf, wenn die Katzen vor der Türe quengeln. Diesmal war es anders rum. Als ich mich darauf zu bewegte, hoben zwei verschlafene Nasen den Kopf. Allerdings springen sie schneller auf, als mein Kreislauf Bewegung am Morgen überhaupt dulden würde. Ich blicke in die Sonne und erwarte Wärme. Stattdessen antwortet ein kühler Windhauch. Ich werde den ersten Kaffee wohl doch drinnen genießen.

Weiterlesen

Broken Heart – Mein Weg zu den Gefühlen hinter der Dissoziation

„Wie geht es dir?“, hallen die Worte unserer besten Freundin in mir nach. „Ja, wie geht‘s mir eigentlich?“, wiederhole ich innerlich die Frage noch lange nachdem die Unterhaltung beendet ist.. „Und dieses Ich, dem‘s da irgendwie geht – wer ist das eigentlich?“, füge ich hinzu. Es ist Ostern. Potenziell steht diese Zeit im Jahr ganz weit oben auf der Schmerzskala. Die Erinnerungsdichte ist an diesen Feiertagen so hoch, dass ich in den vergangenen Jahren bereits wegen manifesten Herzrhythmusstörungen ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Organisch bin ich gesund, doch mein gebrochenes Herz wurde in diesen Momenten als tiefe Wunde körperlich spürbar. Intensivstation und lange Überwachung viele Jahre nach der Gewalt. Körperlich blieb diese Heftigkeit in den letzten Tagen aus und ich hoffe, dass das so nie wieder sein wird. Die Angst aus dem Nichts wieder in eine derartige Situation kommen zu können wohnt immer noch in mir. Gelernt habe ich dadurch vor allem eines: Körper, Seele und das was wir bewusst davon spüren sind völlig unterschiedliche Welten.

Weiterlesen

In die Welt gedacht

Ich sitze am Tisch und stochere mit dem Löffel in meinem Müslijoghurt. Ein Korn mag sich nicht beißen lassen. Egal wie sehr ich es mit der Zunge durch den Mund von einem Zahn zum nächsten Schubse – an seiner Hülle tut sich nichts. Irgendwann sortiere ich es aus, weil es wie Stroh unnachgiebig hölzern bleibt. Mein Kopf ist müde und so spare ich mir aus diesem unwichtigen Fakt die Geschichte der spröden Kornfee zu machen. „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann kauen sie noch heute“ wäre ohnehin ein armselig abgedroschener Schluss. Der Mülleimer leistet mir statt dessen gute Dienste.

Weiterlesen

Im inneren Kreuzfeuer

Es sind Tage wie dieser, an denen die Verzweiflung im Innen so hochkocht, dass nur noch wüste gegenseitige Beschimpfungen übrig bleiben. Wobei ich alleine dafür, dass ich soeben das Wort Verzweiflung benutzt habe, die nächsten Morddrohungen erhalte. Selbstverständlich ist hier niemand verzweifelt, sondern sauer, wütend oder frustriert. Die Kapitulationslage war meine Interpretation. Wie konnte ich nur!? Ich atme ein paar Mal tief durch. Als lächelnde Funktionsfassade sitze ich vor dem inneren Terror. Sofern Anfeindungen gegen Außenmenschen ausgesprochen werden, bemühe ich mich um eine sozial verträglichere Formulierung, als die, die mir im Innen um die Ohren fliegt. Statt „blöde Kackbratze“ kommuniziere ich, dass wir wohl völlig aneinander vorbei geredet haben. Aus „Leck mich doch am Arsch, du ahnungslose Hure“ mache ich ein: „Ich glaube da fühlen sich im Innen manche wirklich ungesehen.“ Was für mich bleibt ist das Gefühl mein Kopf wird gleich in tausende Teile zerspringen und schwallartige Tränen der völligen Überforderung.

Weiterlesen

Ein Weihnachtsmorgen

Es ist noch grau finster, als ich die Augen aufschlage. Die Katze möchte nach draußen. Vermutlich wird sie ihr Näschen nur eher kurz hinausstrecken. Aufstehen lohnt sich kaum. Regentropfen rollen die Fenster hinunter. Meine Tränen warten auf Januar.

Weiterlesen

Alltagswochenende und Traumaselbst

Ich sitze erschöpft im Sessel. Der Melissentee in meiner Tasse dampft. Langsam und vorsichtig schlürfe ich ein bisschen davon. Seine Wärme streichelt meine Seele. Vom Balkon zieht es kühl herein. Die Katzen spielen vor dem Fenster fangen. Während in kleinen Schlucken der Tee meine Kehle hinunterfließt beginnt mein Magen sich zu entspannen. Fast ist es so, als habe er nur darauf gewartet, dass sich jemand um ihn kümmert. Im Kopf ziehen die Bilder. Mein Nervensystem ist überlastet. Wenn es könnte, dann würde es wohl die Erinnerungen auskotzen. So aber krümmt sich nur der Magen. Manche Erkenntnis tut bitter weh.

Weiterlesen

Skills for Hollydays

Langsam kriecht die Sonne aus dem verschlafenen Himmel. Es wird hell und das neblige Grau zieht sich zurück. Im Küchenfenster glitzert metallisch ein Anhänger. Ich muss darauf achten ihn nicht direkt anzublicken, weil sein Reflektieren meine Netzhaut unangenehm verblitzt. Die Katze schmatzt mir an ihrem Näpfchen freundlich ein „Guten Morgen“ zu. Der Tag strahlt herbstlich belebt. Nur ich komme nicht so richtig in die Puschen. Eigentlich müsste ich Einkaufen. Doch Nerven und Geld sind dieses Monat schon etwas knapp. Für mich wäre es auch in Ordnung den Tag im Bett zu verbringen. Doch es gibt auch Dinge, die mich locken. Die Vögel pfeifen, als hätten wir Frühling. Wenn ich mir das lange genug vorstelle, geht es meinem Gemüt gleich besser. Die nächste Woche liegt mir im Magen und im Frühling wäre sie nicht vorhanden.

Weiterlesen

No Drama Lama

Hier sitze ich nun in meinem großen Sessel und schlecke mit meiner kleinen inneren Lamaherde ein Eis. 😉 Beim Einkaufen hat eine Stimme in meinem Kopf sich diese Abkühlung gewünscht. Plötzlich scheint auch in meiner Welt alles überhaupt kein Drama zu sein. Es ist fast so, als wäre es völlig Normal hier mit den Innens zur Ruhe zu kommen. Für einen Moment schweigen die inneren Kritiker. Sie sind froh um Wasser und Nahrung. Nur zwischendrin durchzuckt mich immer wieder für eine Millisekunde ein ganz komisch, schmerzliches Gefühl, als hätte der Wolf mich in einem unachtsamen Moment in den Hintern gebissen oder ins Herz.

Weiterlesen

Übergangszeit

Mal wieder sitze ich in meinem Lieblingsgartencenter im Lieblingsgartencentercafé und hänge meinen Gedanken nach. Meine Balkonkästen brauchen neuen Pflanzenschmuck. Die Zeit dafür scheint denkbar ungünstig zu sein. Die Sommerblumen verlieren langsam ihre Pracht und die Herbst-/Winterpflanzen erinnern mich derzeit noch zu sehr an Schnee und Eis. Ich suche also nach der floralen Übergangsjacke für den Blumentopf. Übergangszeit – was soll das eigentlich sein!? Sie begegnet mir derzeit in so vielen Alltagslagen, das dieses so undefinierte Wort fast schon philosophisch von meinem Leben spricht.

Weiterlesen