Faulheit oder Depression

Ich sitze auf meinem Bett und starre aus dem Fenster. Auf meiner Lippe klebt ein frisches Blatt Melisse. Kleine herpesartige Bläschen schmerzen auf der Schleimhaut. Ich hoffe, dass das Pflanzenpflaster die Verursacher möglichst schnell umhaut. Der Stress der letzten Wochen war zu viel. Mein Immunsystem ist an vielen Stellen angeschlagen. Alles in uns ist erschöpft. Mir fehlt die Konzentration, um sinnvoll länger bei einem Thema zu bleiben. Entsprechend schweife ich in der Welt umher.

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Volles Leben und trauriges Sterben

Der erste Mairegen prasselt auf die Balkonbretter. Rund um mich herum blüht, wächst und grünt es. Die Natur genießt die weibliche Kraft des Wassers nach der langen, trockenen Sonnenphase. Dieses Jahr wird mir besonders bewusst wie viel die Pflanzen seit unserem Umzug vor einigen Jahren gewachsen sind. Es scheint als wären sie in ihrer neuen Heimat nun richtig angekommen. Wir haben uns hier gemeinsam verwurzelt. Als eingespieltes Team pflegen wir uns gegenseitig. Ich sorge für Nährstoffe, Wasser und Schutz und darf dafür nach Herzenslust mitten im Grün meinen Gedanken nachhängen und Energie tanken. Missen möchte ich diese Zauberwelt nicht mehr. Mitten im gebündelten Leben holt uns seit einigen Tagen jedoch der Tod ein.

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Wie die Wortwahl natürliche Prozesse erschwert

Wir sitzen einigermaßen erschöpft auf dem Bett. Gerade waren wir duschen. Die Haare liegen nass auf unseren Schultern. In Gedanken lassen wir die letzten Tage Revue passieren. An unserer Art mit den Folgen unserer Geschichte umzugehen hat sich über die Zeit viel geändert. Besonders deutlich ist uns das im letzten halben Jahr geworden. Unsere Haltung uns selbst gegenüber hat sich radikal gewandelt. Vor allem haben wir Kontrolle losgelassen. Paradox ist, wie viel mehr Steuerungsmöglichkeiten wir dadurch erhalten haben.

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Herbsthadereien 🍂

Wir sitzen ins warme Bett gekuschelt und betrachten die Düsternis. Eigentlich hatten wir geglaubt, wir seien mitten in der Nacht wach geworden. Es ist kurz nach sechs. Wenn das Morgengrauen aussieht wie Finsternis, ist es wohl endgültig vorbei mit dem Sommer und der Herbst zieht ein. So gerne hätten wir die heißen Nächte dieses Jahr noch etwas behalten. In uns entwickelt sich mehr und mehr eine Herbstsperre. Während ich sonst oft den dunkleren Zeiten durchaus ihre eigene Art von Gemütlichkeit abgewinnen konnte, trauert mein Körper-Seelen-System nun dem Licht hinterher.

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Dankbar sein heißt Wahrnehmen

Thanks for existing in my little Galaxy!

Wer kennt sie nicht – die gut gemeinten Ratschläge von Freunden und Bekannten, wenn man mal wieder am Boden liegt. Manchmal geht es einem so dreckig, dass man nur noch sterben will. „Es gibt doch so viel Schönes“, sagen sie oder „Sei doch dankbar für das was du hast, statt nur an das Schlechte zu denken.“ Das wirklich Schlimme daran ist, dass sie es ernst und vor allem nur gut meinen. „Hmm, danke für den Tipp. wär ich selber nie drauf gekommen“, sagen wir mit einiger Ironie in der Stimme, weil gut gemeinter Rat manchmal eben teuer ist und wir ihn gerade mit einem emotionalen Schlag in die Magengrube bezahlen mussten. Aber weshalb funktioniert das eigentlich nicht? Wieso kann man sich nicht wirklich in der Gegenwart einfach am Schönen festhalten, wenn einem das Schreckliche aus der Vergangenheit den Boden unter den Füßen wegzieht? Liebe Leser_innen kommt ein paar Zeilen mit in unsere Welt. In eine vielleicht völlig fremde Galaxie…

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Schneller Broccoli-Rosenkohl-Auflauf

Wir mögen Aufläufe in allen Variationen.
Dafür gibt es mehrere Gründe: Sie gehen schnell, man kann alles in eine Form werfen und der Ofen macht das Essen alleine fertig.
In der gesparten Zeit können wir tun, was wir wollen und müssen nicht rührend am Herd stehen. Das spart uns Energie und Nerven in stressigen Zeiten.

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Zutaten: 
– 450g Rosenkohl
– ein kleiner Broccoli
– 2 Eier
– ca. 500ml Milch
– Streukäse
– Salz
– Pfeffer
– weitere Gewürze nach belieben

Die Eier mit der Milch und den Gewürzen verquirlen. Gemüse in eine Auflaufform geben. Mit der Eiermilch übergießen. Käse darüber streuen und ab in den Backofen.

Bei 180° Grad Umluft ca. 30 Minuten backen, bis der Käse goldbraun geworden ist.

Guten Appetit! 🍴😊

Depression – die Passion für sich selbst

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„Wer kennt sie nicht, diese Phasen?“, möchte ich fast den Beitrag beginnen. Dann fällt mir auf, dass Tage voll tiefer Depression so sehr zu meinem Leben gehören, dass sie mittlerweile für mich generell einen festen Platz bei den Menschen haben. Vielleicht ist das aber gar nicht so. Vielleicht gibt es Menschen, die das nicht kennen. Den ursprünglichen Textanfang verwerfe ich jedenfalls über diesen Gedanken, weil er mir nun weniger passend erscheint und ich nicht den Eindruck erwecken möchte, dass wir „alle ein bisschen depressiv“ sind.  So ist das nicht. Depression unterscheidet sich von Trauer, Traurigkeit und normalen Stimmungstiefs. Sie legt dich lahm. Sie sorgt dafür, dass du von heute auf morgen wirklich gar nichts mehr tun kannst. Die Außenwelt wird unwichtig.
Kahl.
Kühl und freudlos.
Und sie setzt dich fest – in deinem Bett, in deiner Wohnung, in deinen Gedanken.
Das Karussell beginnt sich zu drehen.
Du bist der Mittelpunkt.
Das Leben mit allen Schrecken zieht an dir vorüber.
Immer und immer wieder.
Zermürbend.
Wer es erlebt hat, möchte wohl nie wieder in den Strudel hineingeraten.
Doch bringt auch die Depression etwas nützliches für die Menschen mit?
Ist sie auch für irgendetwas gut?

An dieser Stelle möchte ich eine kleine Lanze für meine mittlerweile gute Freundin brechen. Die Depression schaut immer dann vorbei, wenn ich es mal wieder viel zu lange versäumt habe auf meine inneren Bedürfnisse zu schauen. Manchmal täuscht sie nur kurz an und ich bekomme die Kurve. Dann gönne ich mir etwas Gutes, bin für den Job zwei Tage nicht zu erreichen und alles ist gut. Ein anderes Mal packt sie mich ohne zu zögern und legt nicht flach. Dann kann ich keine Post mehr öffnen, keine E-mails checken, nicht mehr ans Telefon gehen, keinen Haushalt mehr erledigen und die Tränen hämmern voll Panik von innen gegen meine Schädeldecke. Alles ist zu viel. Die kleinsten Reize.
Gegenwehr lässt sie nur fester zugreifen. Die Depression lässt dich erst dann wieder los, wenn du bei dir selbst angekommen bist. Wenn du bereit bist etwas NUR für dich zu tun. Wenn andere Menschen auch mal in dich investiert haben und nicht immer nur du in sie.
Kurz: Wenn du das Stück von dir Selbst wiedergefunden hast, das sie dir zeigen wollte, weil es so wichtig ist.
Wenn ich durch den Prozess durch war, hielt ich immer ein großes Geschenk in meinem Herzen. Sei es, dass ich mich besser kennen lernte, meine Bedürfnisse anders wertschätzte oder einfach nur meinen Schmerz betrauern konnte.

Seit ich das spüre und wahrnehme nenne ich sie nicht mehr Depression. Ich gebe ihr keine graue oder schwarze Farbe und ich fürchte mich nicht vor ihrem Besuch, denn ich muss nicht mehr sterben, nur um neu anfangen zu können.
Seitdem freue ich mich über ihre kleinen Hinweise im Alltag und den Raum, den sie mir für mich selbst verschafft, wenn mal wieder gar nichts geht.
Sie ist kein Widerspruch zu meinen Lebensplänen, sondern die Passion für mich selbst, die sie erst möglich macht.
Wir nähern uns dem Glück in Einzelschritten.
Die Lektionen dazu lehrt sie mit viel Empathie für mich.

Und dann essen wir zusammen die saueren Zitronen oder bittersüßen Orangen des Lebens und lachen am Ende gemeinsam.

Herzeis im Aprilschnee

Zarte Schneeflocken taumeln vom grauen Aprilhimmel und bedecken mit weiß-wässriger Schicht das zarte Grün und die roten Tulpen und die gelben Narzissen und alles was schon angefangen hatte zu leben unter ihrer schmelzrig, fragilen Eisigkeit. Die feinen hellen Triebspitzen der Bäume scheinen sich nicht über das Kalt zu wundern, mit dem sie begrüßt werden. Von Zeit zu Zeit schütteln sie sich ein bisschen im Wetterschauspiel und schaffen sich damit Platz unterm Schneematsch, der plump zu Boden fällt und sich von dort aus überlegt, ober er nun ganz tauen mag oder in seiner weißklumpigen Gestalt noch etwas auf der Erde verweilt.
Hinter den Wolken sieht es nach Sonne aus und unter dem Schnee nach grünem Leben.
Meint man.
Wir fühlen uns etwas wie die zarten Pflänzchen im Garten, die gerade voll Mut damit begonnen hatten ihre Spitzchen doch wieder wachsen zu lassen und darauf hofften, dass jetzt die Sonne und das Leben kommt.
Es war Urlaub, es war frei, es gab Zeit, Menschen und Situationen, die uns wie die Sonne waren, die uns aus unserer Hülle lockte. Die Seele atmete schrittweise erst kleine, dann größere Luftzüge und vergaß dabei zeitweiße das erstickende Blau, das der Alltag und die Erinnerungen ihr oft überzogen. Sie lachte.
Beim Augenaufschlag heute Morgen war dann plötzlich alles anders.
Wie das Wetter.
Der Tag begann mit einem „Ich kann nicht mehr“.
Um unser Herz war es, als hätten uns die Schneeflocken mitten in die Seele geschneit und fröstelnd alles Lebendige zugedeckt. Das Bunt der letzten Tage in uns schien plötzlich grau wie der Himmel.
Tränentropfende Einsamkeit lag auf unserer Gefühlswelt.
Nichts macht Sinn, alle haben uns vergessen, keiner mag uns…
Unser Zustand ebenso wenig erklärbar, wie die Wetterwechsel im April.
Innere Getriebenheit.
Wir fühlen nicht nur einfach so, wir können gar nicht anders.
Wenn Emotionen plötzlich umschwenken und in uns nicht weichen wollen, trotz aller logischer Erklärungen aus der Gegenwart, trotz allem gesehen werden, trotz aller Ablenkung und wir dennoch das Gefühl haben, wir zerfetzten an einem Umstand, ist allzu oft das Trauma am Werk.
Gerade weiß ich nicht, was es in uns diesmal hat schneien lassen und den Wintereinbruch im Frühjahr brachte.
Ich weiß, dass Ostern ist, dass ich geträumt habe, ehe ich aufgewacht bin, wenn auch nicht mehr genau was und dass die Vergangenheit heute mit Bildern und Emotionen sehr eindrücklich an unsere Gegenwartstür klopft.
Ich weiß, dass wir bei allem was wir erlebt haben oft Schwierigkeiten mit unserer Umwelt haben und manche Dinge einfach nicht gut können.
Genau so ist es aber auch die Umwelt, die uns beeinflusst und es uns oft schwer und manchmal auch leichter macht.
Allzu oft ist es nicht leicht dann abzuschätzen, ob der Auslöser in uns oder im Außen, allein in der Vergangenheit oder in der Gegenwart oder in beidem liegt.
Vielleicht ist das aber auch gar nicht so wichtig, weil ohnehin alles zusammenwirkt.
Heilung heißt wohl auch in guter Beziehung zu sein.
Die Wolken werden nie ihr Potenzial verlieren es schneien zu lassen, auch nicht im Sommer. Ein Stück tragen sie die Tropfen in ihnen am Himmel entlang. Der Rest liegt an der Umwelt und was sie daraus macht.