Schockgedanken

Bist du da draußen oder bin ich hier drin? Was ist schon die Welt und was der Kosmos, wenn nichts mit einem zu tun zu haben scheint? Da sind Dinge um mich herum und Leben. Doch ich gehöre nicht dazu und stehe mit nichts in Beziehung. Ich fühle mich, als würde mich die Welt nur träumen oder träume ich die Welt und was davon ist real? Eine dicke große Blase schirmt mich ab von allem. Vor allem aber vor dem Schmerz in mir. Ihre Wände sind dick. Ohnmacht hat sie zementiert. Ein Rettungsschirm. Nichts hat noch Bedeutung seit dieser Situation im Mai. Ich habe mich erschrocken, gar nicht wirklich verstanden was geschehen ist und danach irgendwie funktioniert, organisiert und getan, was eben getan werden musste. Nebenbei gelacht mit Kollegen, weil man mich eben so kennt. In der drückenden Hitze des ersten Augustes halte ich inne und verstehe zum ersten Mal, dass der Schock über das Ereignis noch da ist. Hinter den Mauern. Tief in mir.

Dissoziative Gedanken und hopsende Tätigkeiten

Wir hängen im Sessel rum und schauen unwichtiges Zeugs auf YouTube. Der Unterhaltungswert ist mehr als ermüdend. Etwas besseres fällt uns entweder nicht ein oder ist uns zu aufwändig. Die Gewitterstimmung spannt noch immer die Luft. Ein Spaziergang kommt aktuell also eher nicht in Frage. Wir sind dankbar für jeden Regentropfen, der etwas von der Ladung wegwäscht. Wie schön wäre es, wenn er auch die innere mitnehmen könnte. Unser Kopf ist voll wie lange nicht. Der kathartische Tränendurchbruch bleibt jedoch aus. Stattdessen hüllt sich die Gedankenflut in überfordertes Schweigen.

Weiterlesen

Flashbacks nach dem BASK-Modell einordnen

Gestern las ich auf dem Blog von Jean in englischer Sprache einen interessanten Beitrag dazu, wie sie Flashbacks nach dem sogenannten BASK-Modell genauer einordnen kann. Mir war dieses Modell bislang aus der Traumakonfrontation bekannt und ich habe schon das ein oder andere mal damit gearbeitet, um Erinnerungen zusammenzusetzen. Allerdings habe ich es bislang nie dafür genutzt die verschiedenen Ebenen von Flashbacks zu verstehen. In diese Richtung war ich irgendwie betriebsblind. Weil das für uns durchaus Sinn macht und uns nochmal half etwas einzuordnen, greifen wir dieses Thema in diesem Beitrag auf und ergänzen in deutscher Sprache den wirklich sehr aufschlussreichen Artikel von Jean um unsere Sichtweise.

Weiterlesen

Weltausschnitt

Der Wind weht frisch. Zu frisch um auf dem Balkon in eine gemütliche Stimmung zu kommen. Am liebsten würde ich Wärme erzwingen. Leider ist das nicht möglich. Natürlich könnte ich mir ein Feuer schüren oder einfach den Holzkohlegrill anheizen. Vermutlich würden meine Nachbarn dann allerdings denken ich bin in einer esoterischen Krise übergeschnappt. Warum sonst sitzt eine Frau am Sonntag Mittag auf dem Boden in der Sonne, wirkt dabei einigermaßen abwesend, wärmt ihre Hände leicht vor und zurück wippend über der Glutschale, trinkt komisch duftenden Tee und denkt überhaupt nicht daran Fleisch und Würstchen aufzulegen? Ich erspare mir die komischen Blicke, fühle mich aber gedanklich von dieser Vorstellung belustigt. Das könnte die Räucherschale schlecht hin werden, die uns alle von den Maßnahmen der Corona-Pandemie befreit, mich allerdings wieder ein Stückchen näher an die Psychiatrie rückt.

Weiterlesen

Vergewaltigung vergessen

Kann man eine Vergewaltigung überhaupt vergessen? Diese Frage stellen sich viele Frauen, die sich erst wesentlich später wieder an die erlittene Gewalt erinnern. Wenn Erinnerungen plötzlich auftauchen verunsichert das meistens massiv. Alles erscheint wie im Traum und ist doch so furchtbar real. Wir wollen in diesem Blogpost eine unserer Erfahrungen schildern, bei der wir den Prozess des Vergessens in Raten live mitverfolgen konnten. Natürlich gibt’s es auch die Erlebnisse, die bereits während des Ereignisses selbst vollständig in der Dissoziation verschwanden. Diese eine Tat hat diesen Vorgang für uns aber nochmal nachvollziehbarer werden lassen.

Weiterlesen

Beitrag X

Dies ist der x-te Beitrag, den ich in den letzten Tagen angefangen habe. Manch einer ist sogar fertig geworden und doch gähnen sie mich an und wollen noch etwas im Verborgenen schlummern. Unser Bauch wäre nicht glücklich, wenn wir damit jetzt schon in die Öffentlichkeit gingen. Zeit und Geduld mit uns selbst sind gefragt. Unser Körper ist so k.o. wie lange nicht. Die Sonne auf dem Balkon scheint immer noch, aber weiter weg, irgendwie.

Weiterlesen

Broken Heart – Mein Weg zu den Gefühlen hinter der Dissoziation

„Wie geht es dir?“, hallen die Worte unserer besten Freundin in mir nach. „Ja, wie geht‘s mir eigentlich?“, wiederhole ich innerlich die Frage noch lange nachdem die Unterhaltung beendet ist.. „Und dieses Ich, dem‘s da irgendwie geht – wer ist das eigentlich?“, füge ich hinzu. Es ist Ostern. Potenziell steht diese Zeit im Jahr ganz weit oben auf der Schmerzskala. Die Erinnerungsdichte ist an diesen Feiertagen so hoch, dass ich in den vergangenen Jahren bereits wegen manifesten Herzrhythmusstörungen ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Organisch bin ich gesund, doch mein gebrochenes Herz wurde in diesen Momenten als tiefe Wunde körperlich spürbar. Intensivstation und lange Überwachung viele Jahre nach der Gewalt. Körperlich blieb diese Heftigkeit in den letzten Tagen aus und ich hoffe, dass das so nie wieder sein wird. Die Angst aus dem Nichts wieder in eine derartige Situation kommen zu können wohnt immer noch in mir. Gelernt habe ich dadurch vor allem eines: Körper, Seele und das was wir bewusst davon spüren sind völlig unterschiedliche Welten.

Weiterlesen

Von der Gefühllosigkeit des Unfassbaren

Im Leben nach dem Ausstieg aus organisierter und ritualisierter Gewalt gibt es sicher viele Gründe weshalb trotz verheerender Erinnerungen nach außen nur eine rationale Fassade tritt. Ganz vorne bei den Erklärungsansätzen sind beispielsweise die Auswirkungen der dissoziativen Spaltung. Heute wollen wir euch von einer Situation in der Therapie erzählen, die diese Taubheit von einem anderen Blickwinkel betrachtet.

Weiterlesen

Entscheidende Kämpfe

Starr liegt sie da. Die Haare zerzaust. Das Hemd zerknittert. Die äußere Ruhe macht den inneren Sturm ungesehen. Angststarre. Zugesagt…. absagen…. zugesagt… absagen. Die Gedanken spielen schwarz weiße Kreise. So kurzfristig. Einfach nicht hingehen. Ganz ohne krank zu sein. Oder doch irgendwie, aber nicht richtig. Nur so im Herzen. Nicht im Körper. Darf man das? Wenn es einem doch gut geht und nur die Seele versagt!? „Ich bin krank“, hört sie sich innerlich hunderte Male sagen. Dabei sieht sie sich zitternd den Telefonhörer in der Hand halten. Ebenso oft schreit ihr die anerzogene Zuverlässigkeit zurück, wie unmöglich sie sei, sich so anzustellen wegen nichts. Empfundene Lüge. Obwohl sie wahr ist. Nur anders. Wegen ein bisschen Trauma.

Weiterlesen

Einmal Heimat und zurück

Wie so oft, ist es noch ziemlich finster, als ich anfange zu tippen. Ohne das in irgendeiner Form zu forcieren, hänge ich anscheinend vor allem in den Tagesübergängen unseren Gedanken nach und bringe sie zu Papier. Durch die angelaufenen Fensterscheiben verschwimmt das Morgenrot. Draußen ist es kalt. So kalt, dass selbst die Katze ihren Morgenspaziergang nach fünf Minuten beendete und zurück ins Bett kroch. Ich genieße die Ruhe. Langsam kehrt das Gefühl in meiner Brust wieder, auch wenn es immer noch taub über den Abgründen wabert.

Weiterlesen