Herbstnebel am Frei-Tag

Dichter Wassernebeldunst hängt zwischen den Häuserwänden. Zum ersten Mal in diesem Jahr ist eine Herbstwolke so tief auf der Erde gelandet, dass mein Blickfeld deutlich reduziert ist. Die ersten Meisen flattern trotzdem schon vor acht an der Futterstelle und lassen es sich vom grauen Morgen nicht nehmen ausgiebig zu Frühstücken. Meine Salzlampe leuchtet warm die Kälte weg. Im orangenen Schein nehme ich meine Tabletten und koche mir anschließend eine Tasse Kaffee. Heute ist mein persönlicher Frei-Tag der Woche. Der Kalender ist leer. Was also tun?

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Tote trinken keinen Kaffee

Meine Beine sind hochgelagert. Mit dem Rücken bin ich stabil gegen die hohe Sofalehne gerückt. Ich starre regungslos in die Ferne. Weit weg höre ich eine vertraute Stimme. „Sofie, komm zurück! Ich bin da.“ Doch ich komme nicht zurück. Die Welt um mich, die ich ohnehin kaum wahrnehme, versinkt völlig im Schwarz. Als ich erneut zu mir komme, blicke ich in Augen voller Tränen. „Ich weiß es war schlimm. Ich bin da. Bleib bei mir.“ Schmerz schießt mir durch den Körper. Nichts von dem was geschieht verstehe ich auch nur ansatzweise. Weder weiß ich wo ich bin, noch weshalb. Nur die freundliche Stimme dringt immer wieder an mein Ohr und zieht mich ins Bewusstsein. Zitternd beben meine Zellen. Schauer überlaufen mich. „Magst du etwas trinken? Kaffee für den Kreislauf?“ In Fluten brennend heißer Schmerzen, die meinen gesamten Körper durchzucken, versuche ich zu sortieren, was überhaupt passiert ist. „Bist du echt?“, frage ich. „Ja, ich bin echt. Ich bin da.“ „Ich bin tot“, sage ich und weiß nicht, ob ich gestorben bin oder noch einen Körper habe. Denn irgendwie ist er weg, auch wenn er weh tut. Er ist nicht mehr meiner. Ich bin nicht mehr hier auf dieser Welt.

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Faulheit oder Depression

Ich sitze auf meinem Bett und starre aus dem Fenster. Auf meiner Lippe klebt ein frisches Blatt Melisse. Kleine herpesartige Bläschen schmerzen auf der Schleimhaut. Ich hoffe, dass das Pflanzenpflaster die Verursacher möglichst schnell umhaut. Der Stress der letzten Wochen war zu viel. Mein Immunsystem ist an vielen Stellen angeschlagen. Alles in uns ist erschöpft. Mir fehlt die Konzentration, um sinnvoll länger bei einem Thema zu bleiben. Entsprechend schweife ich in der Welt umher.

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Das Trauma der Funktionalität

Wir sitzen in unserem Zimmer. Der Kaffee ist kalt. Auf der Thuje benetzen Wassertropfen die feinen Triebspitzen. Ich blicke durch sie hindurch wie durch Glaskugeln in denen man Weisheit zu finden versucht. Mein Atem stockt immer wieder. Der Körper meldet sich mit einem zarten inneren Vibrieren, das sich bald zu Zittern ausweitet. Alltag. Nichts dabei. Nur ein bisschen funktionieren. Doch es klappt nicht. Der Mandeldino im Kopf schreit Alarm. Ich kann mich nicht einfach übergehen. Heute nicht. Mein Körper schaltet auf Kampf. Der Druck steigt. Traumatisierte Funktionalität nimmt sich Raum.

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Dissoziative Gedanken und hopsende Tätigkeiten

Wir hängen im Sessel rum und schauen unwichtiges Zeugs auf YouTube. Der Unterhaltungswert ist mehr als ermüdend. Etwas besseres fällt uns entweder nicht ein oder ist uns zu aufwändig. Die Gewitterstimmung spannt noch immer die Luft. Ein Spaziergang kommt aktuell also eher nicht in Frage. Wir sind dankbar für jeden Regentropfen, der etwas von der Ladung wegwäscht. Wie schön wäre es, wenn er auch die innere mitnehmen könnte. Unser Kopf ist voll wie lange nicht. Der kathartische Tränendurchbruch bleibt jedoch aus. Stattdessen hüllt sich die Gedankenflut in überfordertes Schweigen.

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Dissoziative Identitätsstörung erklärt von Michaela Huber

Michaela Huber erklärt in diesem sehr sehenswerten Video die Dissoziative Identitätsstörung (ehem. Multiple Persönlichkeitsstörung).

Margeriten und die eigene Natürlichkeit

Ich öffne die Balkontür. Meine Katzen stürmen hinaus ins Freie den ersten Sonnenstrahlen entgegen. Ein bisschen verwirrt schauen sie zurück, als würden sie sich heimlich fragen, weshalb ihr Frauchen heute schneller ist als sie. Normalerweise stehe ich auf, wenn die Katzen vor der Türe quengeln. Diesmal war es anders rum. Als ich mich darauf zu bewegte, hoben zwei verschlafene Nasen den Kopf. Allerdings springen sie schneller auf, als mein Kreislauf Bewegung am Morgen überhaupt dulden würde. Ich blicke in die Sonne und erwarte Wärme. Stattdessen antwortet ein kühler Windhauch. Ich werde den ersten Kaffee wohl doch drinnen genießen.

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Beitrag X

Dies ist der x-te Beitrag, den ich in den letzten Tagen angefangen habe. Manch einer ist sogar fertig geworden und doch gähnen sie mich an und wollen noch etwas im Verborgenen schlummern. Unser Bauch wäre nicht glücklich, wenn wir damit jetzt schon in die Öffentlichkeit gingen. Zeit und Geduld mit uns selbst sind gefragt. Unser Körper ist so k.o. wie lange nicht. Die Sonne auf dem Balkon scheint immer noch, aber weiter weg, irgendwie.

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Impfpflicht – Der Flashback meines Lebens

Bevor wir damit Anfangen zu erzählen, wie die Lage derzeit bei uns ist, möchten wir uns aus ganzem Herzen bei euch bedanken! Wir waren tief berührt von so viel Zuspruch, lieben Worten und hilfreichen Gedanken zu unserem letzten Beitrag! Noch immer können wir kaum in Worte fassen, was euere Kommentare mit uns machen. Die Anteilnahme war positiv überwältigend. 😊 Ihr seid die Besten! Danke! ❤️

Wir sitzen gerade in unserem Sessel, als wir damit anfangen hier unsere Gedanken der letzten Tage noch einmal zu ordnen. Die Katze streckt sich zu uns hoch um auszuspähen, ob auf unserem Schoß neben dem Laptop noch Platz für sie wäre – vielleicht auch einfach auf der Tastatur. Unser Körper schmerzt. Gleichzeitig lichtet sich der tiefe Nebel in dem wir gefangen waren. Ohne Hilfe hätten wir es nicht geschafft. Viele Unterstützerinnen haben in den letzten Wochen unvorstellbar viel geleistet, um uns ein Weiterleben zu ermöglichen. Nun, da der Auslöser unseres Zusammenbruchs deutlich wird, ändert sich unsere Lage. Von Außen so banal und im Innen so verheerend war es die Debatte um die Impfpflicht, die eine alte Gehirnschublade schließlich aufspringen lies. 
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Volles Leben und trauriges Sterben

Der erste Mairegen prasselt auf die Balkonbretter. Rund um mich herum blüht, wächst und grünt es. Die Natur genießt die weibliche Kraft des Wassers nach der langen, trockenen Sonnenphase. Dieses Jahr wird mir besonders bewusst wie viel die Pflanzen seit unserem Umzug vor einigen Jahren gewachsen sind. Es scheint als wären sie in ihrer neuen Heimat nun richtig angekommen. Wir haben uns hier gemeinsam verwurzelt. Als eingespieltes Team pflegen wir uns gegenseitig. Ich sorge für Nährstoffe, Wasser und Schutz und darf dafür nach Herzenslust mitten im Grün meinen Gedanken nachhängen und Energie tanken. Missen möchte ich diese Zauberwelt nicht mehr. Mitten im gebündelten Leben holt uns seit einigen Tagen jedoch der Tod ein.

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