Lass es Lüge sein – Wenn das Trauma überwältigt

Der Reis kocht. Meine Welt versinkt dazwischen in Scherben. Der Traumakessel quillt über. Im Kopf blubbert es, wie die schaumigen Blasen an der Oberfläche des Kochwassers. Vor der Tür scheint die Sonne, doch sie fällt nicht ins Zimmer und schon gar nicht in uns. Sie ist weit weg wie die restliche Welt. Die Pflanzen vor dem Fenster werden zu unrealen Konstrukten, die uns zu umgeben scheinen. Wir bewegen uns im Raum. Oder bewegt sich der Raum in uns? Kopfdruck. Erinnerungen, die sich überschlagen. Ein rettender Gedanke: „Ich muss aufhören zu Lügen!“

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Blick in den Spiegel – Erinnerungen an alte Momente im Badezimmer

Wir stehen vor dem Spiegel im Badezimmer und blicken uns in die Augen. Aus ihnen laufen kleine, stumme Tränen. In der Feuchtigkeit der Pupille spiegelt sich das Licht und der Spiegel und darin das, was sich im Spiegel spiegelt und eigentlich hinter uns liegt – in Raum und Zeit. Die Realität in eine so kleine Dimension projeziert, dass sie kaum noch wahrnehmbar ist. Ich schaue mir tief in die Seelenfenster. In ihnen öffnet sich ein Tor. Ich falle. Zurück in die Vergangenheit. In das, was dort hinter mir lag und stand. Jeden Morgen. Vor der Schule. Wenn wir uns fertig machen sollten für den Tag. Wenn unser Vater zu uns kam. Seine Blicke unseren Körper trafen, seine feuchten Lippen Hals, Gesicht und Mund küssten, seine Hände über unseren Körper wanderten, uns auszogen und er in uns eindrang, wenn er wollte. Alles woran ich mich klammerte war mein Spiegelbild in dem ich mir begegnete und durch mich hindurch fiel. In dem ich alles ausgeblendet habe und doch alles enthalten war. Konzentration, nach vorne schauen, weiter machen. Die Wirklichkeit unwirklich werden lassen, indem ich sie innerlich ignorierte.

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Nacht und Nebel – Federleichte Folter

Wie so oft in letzter Zeit verbringe ich die ersten und die letzten Stunden des Tages auf dem Balkon. Es beruhigt mich irgendwie, wenn ich die Vögel pfeifen höre und schenkt mir ein Gefühl von Freiheit und Weite. Meine Fußsohlen haben auf dem kleinen Tischchen vor mir halt gefunden. Es tut gut, die Beine hochzulegen. Gerade bei der Hitze sind sie am Abend oft etwas schmerzhaft. Mit dem Oberkörper lehne ich mich vertrauensvoll in die Arme des Sessels zurück. Über mir ziehen die Wolken. Ich weiß nicht: Bin ich oder bin ich nicht und wenn ja, wo und was davon ist wirklich? Seit unserer Stunde mit der Sozialpädagogin heute ist eine Person nach vorne gerutscht, die sich von der erlittenen Folter noch immer nicht erholt hat. Sie ist kaum orientiert, fühlt sich, als wäre sie im Nirwana und blickt mit außergewöhnlichen Perspektiven auf den Körper und die Welt. Ihr Schmerz hüllt uns ein und ihre Verzweiflung reicht gewiss locker bis zu den Wolken und dahinter. Nun blickt sie mit uns in den Himmel, wie in der Nacht, in der sie so sehr um ihr Leben schrie, dass sie dachte sie würde eine andere Frau weit entfernt schreien hören. Den Körper hatte sie längst verlassen.

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Sonnwendgewitter

Stürmisch prasselt der Gewitterregen zu Boden. Meine Lungen japsen nach dem frischen Sauerstoff, den er in die Luft spült. Blitze zucken über den Nachthimmel. Doch ihre Bedrohung bleibt aus. Eine gewisse Sanftheit lässt sich im Donnergrollen spüren. Pflanzen und Tiere haben durstig auf das Wasser gewartet. Nun lindert es die feurige Energie der letzten Tage und bringt entspanntes Leben zurück. Kühler Wind erscheint als wenig aufgeregter Begleiter. Es ist, als würde er peitschend flüstern und den Wolken bei ihrer Bewässerungsreise unter die Arme greifen. Zerstören, nein, das möchte er nicht. Nur die erfrischende Wirkung erhöhen. In meiner Nase sind alle Elemente vereint. Die feuchte Erde mit ihrem stabilen Geruch. Die Nässe des Regens mit seiner säuerlichen Lebhaftigkeit. Der Wind, der die Informationen zu mir trägt und die feurige Kraft der abklingenden Schwüle. Über die Schönheit der Naturbeobachtungen vergesse ich die Bedeutung der Nacht.

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Bewegt – Herz und Wind

Wir hängen in unserem Hängesessel auf dem Balkon. Der Wind weht kühl. Eine dicke Weste bewahrt uns davor zu frieren. Von weit her ruft der Kuckuck. Tauben gurren. Ein bisschen wärmer und es wäre glatt gemütlich. Die Röhreneingänge unseres Bienenhotels sind inzwischen zunehmend verputzt. Zwischen den kalten Fingern rollen wir ein Blatt Zitronenmelisse. Es duftet herrlich frisch. Die gequetschte Triebspitze reiben wir über die kleinen Bläschen unserer Sonnenallergie. Das beruhigt und stillt den Juckreiz. Die Temperatur drängt uns nach drinnen ins Warme, doch meine Seele möchte noch etwas mit dem Wind reisen.

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#Verschwörungstheorien

Eigentlich waren wir bislang sehr zurückhaltend damit uns zu aktuellen Statements zu äußern, die mit dem Bereich der sogenannten Verschwörungstheorien zu tun haben. Nun hat die Corona-Pandemie ohne Zweifel dazu geführt, dass gewisse Theorien wie „Deep State“ und „Adrenochrom“ einen echten Aufschwung erlebten. Dazu kommen „Pizzagate“ und „QAnon“. Die allgemeine Pandemieangst stellte den optimalen Nährboden in der breiten Masse dar, unbewusste Ängste darüber zu politisieren und zu kanalisieren. Weil tatsächlich Betroffene von organisierter und ritualisierter Gewalt sowie ihre Helfer und Traumatherapeuten befürchteten durch die teils abenteuerlichen Theorien an Glaubwürdigkeit zu verlieren, gibt es inzwischen auch von dieser Seite Statements gegen diese „verschwörerischen“ Ansichten.

Wir sind als Betroffene von organisierter und ritualisierter Gewalt aktuell nun an einem Punkt, an dem wir eigentlich nur noch „Stopp“ schreien möchten. Schluss mit diesen offiziellen Statements zu Verschwörungstheorien – und zwar von allen beteiligten Seiten! Wir brauchen als Menschen dieser Gesellschaft eine klare Haltung gegen Gewalt jeglicher Form – gerne auch als förmliche Bekundung! Was wir aus unserer Sicht aber nicht brauchen, ist, dass wir uns gegenseitig sagen, was richtig ist zu glauben und was nicht. Wir brauchen nicht den Wettkampf darum wer besser ist, mehr recht hat und welche Quellen gelesen werden sollten und welche nicht. Das machen Täter! Wir brauchen ein Gespräch über Ängste und Befürchtungen innerhalb der Ausrichtungen und dafür müssen wir auch alle Quellen lesen, ernst nehmen und in ihrem tieferen Sinn erfassen, um später vernünftig sortieren zu können. Wir brauchen Menschen, die authentisch jeweils über ihren EIGENEN Erfahrungshorizont berichten und den Mut zur Selbstreflexion, wenn geschilderte Erfahrungen anderer das individuell bislang für möglich gehaltene übersteigen. Wir können nicht einerseits verantwortungsbewusste Menschen haben wollen und ihnen dann unterschwellig unterstellen, dass sie zu blöd wären die richtigen Informationen zu filtern. Wer wären wir, wenn wir uns als Betroffene zwar beständig wünschen, dass man uns mit dem, was wir an Unvorstellbarem berichten ernst nimmt und andererseits anfangen zu bewerten, wie weit die Gewalt reichen kann, wenn gewisse Schilderungen im Ausmaß das selbst Erlittene übersteigen!? Ich finde diese narzisstische Haltung vermeintlich besser zu wissen was für andere richtig ist und ihre Erfahrungen zu katalogisieren furchtbar! Bei dem weiten Themenfeld ritueller und organisierte Gewalt geht es um schwerst traumatisierte Menschen. Persönlich möchte ich mir die Offenheit dafür behalten erst einmal zuzuhören, wenn Menschen ihre Erlebnisse schildern und mit meinem Herzen bei ihrer Not bleiben zu dürfen – egal wo diese ihren Ursprung haben mag und wie sie sich ausdrückt. Letztlich geht es um die Person, die hinter einer gewissen Aussage steht. Für die Menschen in meinem Umfeld, die man in der Pandemie als Verschwörungstheoretiker bezeichnen könnte, kann ich sagen, dass sich immer eine ernst zu nehmende Angst darüber ausgedrückt hat und sie offen für Gespräche waren, wenn ich gesagt habe: Ich bin Betroffene von ritueller und organisierter Gewalt und ich finde deine Haltung schwierig weil… Den Respekt, den wir für uns einfordern, den sollten wir auch für andere haben und sie nicht von vornherein als die dummen Verirrten hinstellen! Die Verschiebung von Aussagen in den Bereich der Verschwörung killt jede sinnvolle Diskussion und Auseinandersetzung, die es so oder so braucht. Natürlich ist das anstrengend und natürlich bin auch ich nicht Buddha und Rolle manchmal genervt und frustriert mit den Augen. Aber es geht mir hier um eine grundsätzliche Haltung.

Abgesehen davon fühle ich mich persönlich von dem ein oder anderen Statement, das eigentlich für Betroffene sein sollte, ziemlich ausgegrenzt und null gesehen. Ich betone seit Jahren, dass ich für mich spreche und würde mir wünschen, dass andere Menschen, das ebenfalls tun oder zumindest den Radius der Gültigkeit für ihre Aussagen einschränken. Über die Hilfe von engagierten Unterstützern haben wir uns immer gefreut und sind den Menschen dankbar, die im Ausstiegsprozess und bis heute für uns eintraten! Es mag viel Berufserfahrung mit dem Thema rituelle und organisierte Gewalt geben, dadurch viel Kompetenz entstanden sein und sich unter Betroffenen vieles immer wieder ähneln und überschneiden. Dennoch: Auch im Bereich der rituellen und organisierten Gewalt können sich Lebensrealitäten stark voneinander unterscheiden. Es gibt kleine ortsgebundene Gruppen und große internationale Netzwerke. Beides sind bekannte Fakten. Es gibt verschiedene Hierarchien und Stellungen innerhalb eines Netzwerkes, die je nach Position zu unterschiedlichem Wissenszugang und den daraus resultierenden Aussagen der Betroffenen führen. Es wird immer wieder Menschen geben, die auch im Kreise der Betroffenen von ritueller Gewalt vielleicht mit ihren individuellen Erfahrungen ganz oder teilweise aus den Schilderungen der Masse herausstechen. Das kann zum einen an spezifischen Tätervorlieben liegen, aber auch alleine daran, weil in der pyramidenförmigen Organisationsstruktur großer Verbrecherringe eine breite Basis Erfahrungen teilt, während es nach oben immer weniger werden. Wer definiert, ab wann etwas Verschwörung ist!? Die objektive Beweisbarkeit kann kein Kriterium dafür sein persönlich Erlebtes zu bewerten!

Um das ganze abzukürzen: Wir müssen aufpassen, dass wir uns über diese Statements nicht auch noch als Betroffene gegenseitig denunzieren, weil wir einen fiktiven Rahmen für akzeptierbare Wahrheiten aus unserem eigenen Wissensbereich heraus festlegen und damit unter Umständen aber andere Betroffene ausgrenzen, die nicht in dieses Raster passen. Schlussendlich betreiben wir damit Victim Blaming durch die Hintertür. In den Jahren meiner Aufarbeitung bin ich zu dem festen Schluss gekommen, das wir Menschen, die nicht glauben wollen, mit den besten Fakten und Beweisen nicht dazu bekommen würden. Mit allen anderen kann man reden. Die Offenheit für die Thematik der organisierten Gewalt und dem Kinderhandel ist – auch dank medialer Berichterstattung – so groß wie nie zuvor. Diese Bewegung hat nicht nur schlechte Seiten, weil allgemein mehr Auseinandersetzung stattfindet. Wir plädieren dafür schlicht gute Informationen zu liefern. Ich sehe es enorm kritisch, wenn Menschen für andere sprechen wollen, die sie nicht kennen. Persönlich haben wir keine Ahnung, ob es Adrenochrom und Co. gibt. Wir wissen nicht, was Donald Trump in seiner Freizeit tut und auch nicht was in Untergrundnetzwerken oder der Regierung wirklich passiert. Darüber müssten ggf. die tatsächlich Beteiligten und ihre DIREKTEN Unterstützer sprechen. Wissenschaftlich verwertbare Daten wird man dazu nicht bekommen. Wir enthalten uns einer Meinung dazu, die wir uns dann bilden werden, wenn wir jemals eine Betroffene zu Gesicht bekommen sollten. Was wir wissen ist, dass wir es verdammt verletzend empfanden, wenn Teile unseres tatsächlich erlebten in den Bereich der Verschwörung verschoben wurden und es mit derartigen Statements teilweise nun auch noch „von der eigenen Riege“ werden. Ich kann für mich sagen, dass ich Dinge gesehen und erlitten habe, die gerne mal ins Unwirkliche und in den Bereich der Mythen verrückt werden, die für mich aber bittere Realität waren. Vor 10 bis 15 Jahren noch gab es bis auf ein paar „mutige Gallier“ keine wirkliche Lobby für Betroffene ritueller Gewalt und auch kaum öffentlich zugängliche Lektüre, Websites oder Artikel! Es geht hier nicht darum, was wir glauben (können). Wir empfinden viele Theorien aktuell auch haarsträubend, können sie uns nicht vorstellen, sehen sie enorm kritisch und halten sie in der Form für gefährlichen Mumpitz mit Schädigungspotenzial. Das ist aber nur unser aktueller Stand der Tatsachen, der sich ändern kann. Genau so, wie vieles was einst als „Verschwörung“ galt und geleugnet wurde, inzwischen belegt ist (s.h. DIS🙄). Aus historischer Perspektive sind internationale Untergrundbeziehungen längst bekannt und bewiesen. Für uns stellt sich eher die Frage, weshalb es sowas heute nicht mehr geben sollte und wie sie im einzelnen wirklich aussehen. Das Schadenspotenzial liegt aus unserer Sicht nicht in der Glaubhaftigkeit der einzelnen Standpunkte, sondern darin dass wir uns als Menschen nicht mehr aufeinander einlassen. Dann nämlich würde sich relativ schnell die Spreu vom Weizen trennen und wir müssten uns nicht bekriegen, sondern könnten alle nach den jeweiligen Bedürfnissen versorgen. Wir müssen jeweils vor unseren eigenen Türen kehren. Da gibt es bereits genug zu tun. Lasst uns im Schulterschluss stark machen für Betroffene organisierter und ritualisierter Gewalt – was auch immer ihre individuelle Geschichte sein mag und egal ob wir vorher je davon gehört haben, statt in gegenseitiger Abwehrhaltung vorab pauschal aus Angst mit Statements Glaubwürdigkeitsrahmen festzulegen! Wir können nur voneinander lernen und darüber die tatsächliche Struktur großer Verbrecherorganisationen begreifen! Letztlich sind Verschwörungstheorien für mich immer ein Anzeichen dafür, dass wir grundlegende Wahrheiten in der Gesellschaft nicht ausreichend bewusst würdigen und damit Raum für Spekulationen und unbewusste Verzerrungen bieten. Denn eines haben Verschwörungstheorien immer – einen wahren Kern!

Ein Beitrag wie eine Busfahrt

Ich sitze in der Sonne, die mir schon am Morgen viel zu heiß ist. Warten auf den Bus. Ein weißes Cabrio rauscht an mir vorbei. Ich krame in der Hosentasche nach Kleingeld für die Fahrkarte. Fünfzig Cent. Und nochmal… Reicht nicht. Also Rucksack runter und die Taschenuniversen erhöhen. Mehr Raum für mehr Geld. Wenn ich nur so viel hätte, dass ich alles damit vollstopfen könnte… Auf die letzte Sekunde finde ich die letzten Groschen. Neben mir auf der Haltestellensitzbank hibbelt eine ältere Dame unruhig umher. Zwei Minuten Verspätung! Dann ihre Erlösung – Der Bus kommt. Einsteigen.

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Traumajunkie

Ich bin ein Junkie
auf Adrenalin.
Brauch meine Droge
wie andere Heroin.

Ich bin das Opfer
und muss immer danach streben
all die Gewalt
ständig wieder zu erleben.

Ich bin getrieben,
denn der Schmerz gibt mich nicht frei,
drum brauch ich Dissos.
Taubheit ist mein schönstes High.

Würd‘ ich begreifen
fern von Körperopiaten,
was schon als Kleinstkind
all die Männer mit mir taten,
wär ich hilflos
und ich könnte nur verrecken
über dem Kummer,
Elend, Not und all dem Schrecken.

Also sorg ich dafür,
dass sich Gedanken nicht verweben,
denn mit Gewissheit
könnte ich nicht weiter leben.

Wär‘ die Erinn’rung
wirklich Realität,
käm‘ ohne Zweifel
jede Hilfe zu spät.

Ich bin gebrochen
und brauche meinen Stoff.
Käm‘ ich zur Ruhe,
blieb‘ mir nur der Selbstmord noch.

Also jag‘ ich den Puls hoch,
begeb mich in rote Zonen,
denn wo Gefahr droht,
kann ich mir die Droge holen.

Gewalt ist grausam,
doch sie macht auch taub.
Für Folterkinder
ist es das, was es braucht.

Drum ist Heil mir,
was für andere Verderben
und ich frag mich:
„Werd ich am Schutz letztendlich sterben!?“

Copyright by „Sofies viele Welten“

Ein entspannter Regensommersonntag

Ich mag regennasse Sommertage. Irgendwie verschaffen sie mir den Eindruck, als könnte ich mit den Pflanzen durchatmen. Während Tropfen um Tropfen prasselnd zur Erde fällt, legt sich kühlende Ruhe auf mein schmerzendes Innen. Von der Balkontür weht frische Luft herein. Wir sitzen im Sessel, die Beine entspannt übereinander geschlagen und lauschen aus dem warmen Zimmer heraus den Naturgeräuschen. Die Vögel pfeifen. Blätter spielen im sanften Wind. Je nachdem, wo die reisenden Wasserpartikel auftreffen, machen sie unterschiedliche Töne. Dumpf und warm auf den Balkonbrettern. Hell und leicht auf den Salatblättern. Knisternd knackend auf der Folie der Blumenerde. Klangvoll Gluckernd auf der Wasseroberfläche des Regenfasses und metallisch schneidend auf dem Metalldekoelement vor der Türe. Naturkonzert. Es erinnert mich ein bisschen an die Windspiele mit runden Hölzern, die im Sommer oft in den Gärten schwingen. Wie in einer geborgenen und windgeschützten Höhle komme ich bei mir an.

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Rapid Switching und Morgenstress

Mit dem Spülschwamm reibe ich aufgeregt in der Pfanne. Meine Zunge kribbelt leicht. Das Wasser schwappt aus dem Hahn und mir über die Hände – erst kalt, dann viel zu heiß. Im Gesicht brennt der Sonnenbrand. Ich will Frühstücken. Etwas warmes in den Bauch. Mein ganzes Sein ist schon am Morgen so angespannt, dass ich das Mobiliar zertrümmern könnte. Sprunghaft wechsle ich die Tätigkeiten, lasse wie aus dem nichts die Pfanne stehen, buddle im Blumenkasten, tippe ein paar Worte und kehre dann wieder in die Küche zurück. Die eine Hand weiß nicht was die andere tut und schon im tun vergesse ich, dass ich es getan habe. Ich presse die Hände seitlich gegen den Kopf und schiebe sie mit krallig gebogenen Fingern unter den Haaren über die Schläfe nach oben. „Es ist zum Mäusemelken!“ Uff. Aus dem Balkonkasten lächelt mir die versteinerte Elfe entgegen. Ein bisschen mehr Leichtigkeit wäre schön!

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