Ein dissoziativer Kochmoment

Der Reis kocht. Mein Blick schweift vom Kochtopf nach draußen. Während ich Gedankenabwesend weiter rühre, leuchten mir kleine rote Blüten aus dem krautigen Gestrüpp an der Straße entgegen. Bei den Nachbarn blüht der Flieder. Der Himmel schaut mich an, als würde er mir für einen kurzen Augenblick zuzwinkern: „Es ist ok, wenn du mit den Wolken fliegst und dich wegbeamst.“ Dann erinnert mich mein Hunger, dass es genau das nicht wäre. Ich schaufle den Basmati in eine kleine Schale. Etwas geschnittenes Putenschnitzel. Schmand. Salz. Der Kopf schwebt dumpf im Nebel. Doch der ist nicht aus Wasserdunst, sondern aus Angst, obwohl ich die Angst nicht spüre, weil dazwischen der Nebel ist.

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Eine kleine wiederkehrende Essenz des Grauens, Esskampftag und Vertrauen statt Zweifel

In der Hand rolle ich dicke Heidelbeeren hin und her. Noch bevor ich sie einmal wirklich spüren kann, sind sie in meinem Mund verschwunden. In Trance greife ich in das kleine Eimerchen und beginne mir die nächste Portion der kugeligen Früchte einzuverleiben. Heute ist Essenskampftag. Dabei ist Obst noch die gesündeste Variante, die in die Essanfälle einfließt und schon mehr die Pause zwischen den Kalorienattacken darstellt. Ich spüre mehr und mehr die Verzweiflung, weil Körper und Magen bereits schmerzhafte Überlastung anmelden. Doch wohin mit dem Druck!?

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Dissoziation, Nebel und eine Schale voller Nudeln

Ich sitze im Sessel und stochere in meinen Gemüsenudeln. Eigentlich habe ich keinen Hunger. Würde mein Magen nicht von der Leere brennen, hätte ich mir Essen vermutlich einfach ganz gespart. Während die Gabel sich zwischen den Fingern im Kreis dreht und feine Spaghetti zu Miniaturnestern rollt, versinkt die Umgebung jenseits meiner Wahrnehmungswelt. Ich fühle mich, als könnte ich mich selbst im Zimmer beobachten und mir anerkennend auf die Schulter klopfen: „Herzlichen Glückwunsch! Du schaffst es einen Gabel zu drehen.“ Gleichzeitig scheint es, als würden mich dünne neblige Scheiben von allem um mich herum abtrennen. Die Welt da drüben jenseits des Schleiers und ich.

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Schreibflaute und ein kurzes Statusupdate

Immer wieder sitze ich hier, drehe die Gedanken im Kopf, wälze Beitragsideen und komme doch nicht einen Buchstaben weiter. Die Themen im Alltag sind so weit gefächert und voll, dass ich es nicht schaffe auch nur eine Facette sinnvoll herauszupicken. Ich sehne mich nach den stillen Momenten, in denen ich zu mir kommen kann und die Worte beginnen zu fließen. Stattdessen hocke ich in einem Kessel voll dichtem Nebel, bekomme weder mich, noch die Innens zu fassen und erlebe ganz bewusst wie stark Dissoziazion werden kann, wenn außen und innen der Schmerz aufbricht.

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Nature Valentine

Glitzerschnee hängt über das selbstgebastelte Zwergenheim. Ein Ausläufer davon lässt den kleinen Pilzkamin rauchend aussehen. Hinter den Fensterscheiben wirkt die Welt wärmer, als sie tatsächlich ist. Von der geöffneten Balkontür zieht eine bitterkalte Prise in die Wohnung. Sonne, blauer Himmel und die Welt liegt uns zu Füßen. Verlassen werden wir unser Domizil heute nicht. Stattdessen blicke ich aus dem Fenster und versuche in den Millionen von Wasserkristallen schöne Bilder zu finden. Tatsächlich springt mir hier und da eine Eiselfe vor die Linse und eine Frostfee deckt die Pflanzen schützend zu. Mit den Gräsern wiegen unsere Gedanken: „Happy Valentine!“ Es ist Zeit eine neue Geschichte zu schreiben.  Weiterlesen

Traumaverarbeitung – Was habe ich wirklich begriffen?

Samstag. Endlich Wochenende. Die frühlingshafte Wintersonne blendet zum Fenster herein. In ihrem Schein wärmen sich meine Zehenspitzen. Den gesamten Januar habe ich irgendwo zwischen Krankenhäusern, Spezialstationen und Facharztpraxen verbracht. Frust macht sich breit, wenn ich daran denke. Mein Leben verlangt nach Behandlungsoptionen. Die Ärzte lassen mit ihren Ergebnissen auf sich warten. Derweil wütet in meinem Körper die autoimmune Zerstörung. Ehe es am Montag zum nächsten Mediziner geht, der meinen Zustand unter die Lupe nimmt, brauch ich vor allem eins: Pause. Während ich es mir gemütlich im Bett und auf dem Sofa einrichte, beginnt auch der Kopf die Zeit zu nutzen und das dauergetriggerte Erinnerungspuzzelwirrwar zu sortieren. Die Sonne eröffnet auf meinem Rücken eine Krafttankstelle. Ich frage mich: „Was habe ich in all der Zeit von den vergangenen Schrecken eigentlich wirklich begriffen?“ Weiterlesen

Ein frostiger Empfang – Wenn Helfer aus dem Urlaub kommen

Als ich aus dem Bad zurück komme, blicke ich am Morgen zum ersten Mal bewusst aus dem Fenster nach draußen. Eiskristallzauber fällt auf meine Netzhaut und malt mir ein Lächeln ins Gesicht. Die Sonne weckt langsam die schlafenden Lebensgeister. „Die Natur ist ein wunderbarer Künstler“, denke ich und schlürfe von meinem Tee. Ich greife zum Handy und fange ein paar der Eindrücke ein. Am Mittag schon werden die gefrorenen Wassermandalas von den Blättern geschmolzen sein. Als ich zurück ins warme Zimmer trete, fröstle ich innerlich. Nicht vor Kälte, sondern vor Anspannung. Eine Unterstützerin ist aus dem Urlaub zurück. Später werden wir sie sehen. Aber ob ich mich freue? Das Innen ist geteilter Meinung. Weiterlesen

Nicht vorhandene Parallelwelten extremer Gewalt

Da gibt es diese ganz „normale“ Gesellschaft die gute Werte vertritt, die ihre Mitmenschen achtet, die sich solidarisch füreinander einsetzt und Gewalt ablehnt. Und gleichzeitig regiert irgendwo in einer Parallelwelt die dunkle Seite der Macht, die ganz andere Moralvorstellungen hat, in der organisierte Verbrecherbanden morden und quälen, Kinder vergewaltigen und Geld mit dem Leid anderer verdienen. Zwei Welten die zumindest sprachlich getrennt voneinander zu existieren scheinen. Dazwischen liegt ein unendliches Schachspiel von schwarz und weiß. Aber stimmt diese Sicht wirklich?

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Ich glaube dir

Wir haben bei Fibrofee obiges Zitat entdeckt und fanden es für Menschen mit Traumafolgestörungen ebenso passend, auch wenn es ursprünglich auf eine ganz andere Erkrankung bezogen ist.
Gerade an Tagen, an denen die alten Erinnerungen nach oben schießen und man vor Flashbacks manchmal nicht mehr weiß, wo oben und unten ist, heilt ein „Ich glaube dir!“ von einem lieben Menschen so vieles. Wenn dann noch ein „Ich bin da“ oder „Ich lass euch nicht alleine“ dazu kommt, lässt sich der Schmerz leichter er-tragen.

Eisige Gedanken und warmes Herz

In der Kälte setze ich langsam einen Fuß vor den anderen. Nach drei nahezu bewegungsfreien Tagen verlangte mein Körper nach Aktivität. Nun pfeift mir eisiger Wind um die Nase. Meine Wangen frieren. Während ich nach oben in die Baumkronen blicke, ziehe ich mir die Jacke über die Hände, um meine Finger zu wärmen. Mit meinen feiertagssteifen Gliedern fiel es mir schwer die Wohnung zu verlassen. Nun genieße ich die sauerstoffreichen Atemzüge trotz allem. Auf den Gehwegen sind die Pfützen zugefroren. Die verbleibenden Blätter aus dem Herbst tragen ein dünnes Raureifjäckchen. Die Natur um mich herum beginnt mit mir zu verweben. Gedanken fliegen von einem Baum zum anderen, bewundern die Eiskunstwerke, gleiten über Stamm und Rinde und bleiben schließlich an den Wassersplittern hängen, die aus einer kleinen Wegvertiefung ragen. Unter der starren Oberfläche versammeln sich kleine Blasen. Ein Baum vom Wegesrand leiht mir für einen Augenblick seine Wurzeln. Wir kommen an, beginnen uns zu spüren. Die kühle Luft klärt zunehmend den dissoziativen Nebel um meinen Kopf und obwohl die Abenddämmerung immer näher rückt, wird meine Welt zunehmend heller und freundlicher. Weiterlesen