Sonnwendgewitter

Stürmisch prasselt der Gewitterregen zu Boden. Meine Lungen japsen nach dem frischen Sauerstoff, den er in die Luft spült. Blitze zucken über den Nachthimmel. Doch ihre Bedrohung bleibt aus. Eine gewisse Sanftheit lässt sich im Donnergrollen spüren. Pflanzen und Tiere haben durstig auf das Wasser gewartet. Nun lindert es die feurige Energie der letzten Tage und bringt entspanntes Leben zurück. Kühler Wind erscheint als wenig aufgeregter Begleiter. Es ist, als würde er peitschend flüstern und den Wolken bei ihrer Bewässerungsreise unter die Arme greifen. Zerstören, nein, das möchte er nicht. Nur die erfrischende Wirkung erhöhen. In meiner Nase sind alle Elemente vereint. Die feuchte Erde mit ihrem stabilen Geruch. Die Nässe des Regens mit seiner säuerlichen Lebhaftigkeit. Der Wind, der die Informationen zu mir trägt und die feurige Kraft der abklingenden Schwüle. Über die Schönheit der Naturbeobachtungen vergesse ich die Bedeutung der Nacht.

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Ein entspannter Regensommersonntag

Ich mag regennasse Sommertage. Irgendwie verschaffen sie mir den Eindruck, als könnte ich mit den Pflanzen durchatmen. Während Tropfen um Tropfen prasselnd zur Erde fällt, legt sich kühlende Ruhe auf mein schmerzendes Innen. Von der Balkontür weht frische Luft herein. Wir sitzen im Sessel, die Beine entspannt übereinander geschlagen und lauschen aus dem warmen Zimmer heraus den Naturgeräuschen. Die Vögel pfeifen. Blätter spielen im sanften Wind. Je nachdem, wo die reisenden Wasserpartikel auftreffen, machen sie unterschiedliche Töne. Dumpf und warm auf den Balkonbrettern. Hell und leicht auf den Salatblättern. Knisternd knackend auf der Folie der Blumenerde. Klangvoll Gluckernd auf der Wasseroberfläche des Regenfasses und metallisch schneidend auf dem Metalldekoelement vor der Türe. Naturkonzert. Es erinnert mich ein bisschen an die Windspiele mit runden Hölzern, die im Sommer oft in den Gärten schwingen. Wie in einer geborgenen und windgeschützten Höhle komme ich bei mir an.

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Rapid Switching und Morgenstress

Mit dem Spülschwamm reibe ich aufgeregt in der Pfanne. Meine Zunge kribbelt leicht. Das Wasser schwappt aus dem Hahn und mir über die Hände – erst kalt, dann viel zu heiß. Im Gesicht brennt der Sonnenbrand. Ich will Frühstücken. Etwas warmes in den Bauch. Mein ganzes Sein ist schon am Morgen so angespannt, dass ich das Mobiliar zertrümmern könnte. Sprunghaft wechsle ich die Tätigkeiten, lasse wie aus dem nichts die Pfanne stehen, buddle im Blumenkasten, tippe ein paar Worte und kehre dann wieder in die Küche zurück. Die eine Hand weiß nicht was die andere tut und schon im tun vergesse ich, dass ich es getan habe. Ich presse die Hände seitlich gegen den Kopf und schiebe sie mit krallig gebogenen Fingern unter den Haaren über die Schläfe nach oben. „Es ist zum Mäusemelken!“ Uff. Aus dem Balkonkasten lächelt mir die versteinerte Elfe entgegen. Ein bisschen mehr Leichtigkeit wäre schön!

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Der letzte echte „Arbeitstag“

Wir liegen im Bett. Halb wach. Halb dissoziativ im dicken Nebel. Uns ist warm. An der Wand spielen Schatten. Die Lamellen der Rollos zeichnen Gitternetze über die Rauhfasertapete. Fast symbolisch für das nächtliche Gefängnis, dass uns umhüllt. Ich spüre meine Rippen. Ein Gast, der selten im Bewusstsein auftaucht. Die Bilder ziehen im Kopf Kreise. Licht und Schatten. Wir denken darüber nach, wie das früher alles so war. Die Flucht… Der Ausstieg… Unser letzter echter „Arbeitstag“ im organisierten Verbrechen.

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Ein dissoziativer Kochmoment

Der Reis kocht. Mein Blick schweift vom Kochtopf nach draußen. Während ich Gedankenabwesend weiter rühre, leuchten mir kleine rote Blüten aus dem krautigen Gestrüpp an der Straße entgegen. Bei den Nachbarn blüht der Flieder. Der Himmel schaut mich an, als würde er mir für einen kurzen Augenblick zuzwinkern: „Es ist ok, wenn du mit den Wolken fliegst und dich wegbeamst.“ Dann erinnert mich mein Hunger, dass es genau das nicht wäre. Ich schaufle den Basmati in eine kleine Schale. Etwas geschnittenes Putenschnitzel. Schmand. Salz. Der Kopf schwebt dumpf im Nebel. Doch der ist nicht aus Wasserdunst, sondern aus Angst, obwohl ich die Angst nicht spüre, weil dazwischen der Nebel ist.

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Dissoziation, Nebel und eine Schale voller Nudeln

Ich sitze im Sessel und stochere in meinen Gemüsenudeln. Eigentlich habe ich keinen Hunger. Würde mein Magen nicht von der Leere brennen, hätte ich mir Essen vermutlich einfach ganz gespart. Während die Gabel sich zwischen den Fingern im Kreis dreht und feine Spaghetti zu Miniaturnestern rollt, versinkt die Umgebung jenseits meiner Wahrnehmungswelt. Ich fühle mich, als könnte ich mich selbst im Zimmer beobachten und mir anerkennend auf die Schulter klopfen: „Herzlichen Glückwunsch! Du schaffst es einen Gabel zu drehen.“ Gleichzeitig scheint es, als würden mich dünne neblige Scheiben von allem um mich herum abtrennen. Die Welt da drüben jenseits des Schleiers und ich.

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Vogelgezwitscher und Peter A. Levine

Ganz oben in der Krone unseres Walnussbaumes sitzt eine Elster und wendet immer wieder ein kleines Stöckchen in ihrem Schnabel. Nestbauzeit. Wir beobachten fasziniert das bunte Treiben der Vögel in unserem Garten. Vor nicht allzu langer Zeit ist mir aufgefallen, dass sie die Äste nicht etwa vom Boden aufsammeln, sondern in biegsamen Zustand vom Baum brechen, bzw. hacken. Schlaue Flattertiere. Auch bei der Ausstattung wird Wert auf Komfort gelegt. Eine Freundin hält auf einer Weide Schafe. Die abgewetzte oder verlorene Wolle holen sich die die Vögel mit Vorliebe als Polsterbetten für ihr neues Schlafgemach. Seit wir das wissen, stellen wir uns die Nester noch kuschliger vor. So gerne würden wir noch ganz lange draußen sitzen und vor uns hin träumen. So lange wollte allerdings die Realität nicht damit warten uns einzuholen. Im Kopf kreisen Erinnerungen. Eine Alltagsperson ist kurz vor dem Nervenzusammenbruch. Die alte Folter bestimmt den weiteren Tagesverlauf. Weil unser Körper tut, was ihm unser Traumadino im Gehirn voller Verzweiflung zuruft, schlagen wir „Sprache ohne Worte“ von Peter A. Levine auf und hoffen eine Übung darin zu finden, die uns blitzartig Genesen lässt.

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Nature Valentine

Glitzerschnee hängt über das selbstgebastelte Zwergenheim. Ein Ausläufer davon lässt den kleinen Pilzkamin rauchend aussehen. Hinter den Fensterscheiben wirkt die Welt wärmer, als sie tatsächlich ist. Von der geöffneten Balkontür zieht eine bitterkalte Prise in die Wohnung. Sonne, blauer Himmel und die Welt liegt uns zu Füßen. Verlassen werden wir unser Domizil heute nicht. Stattdessen blicke ich aus dem Fenster und versuche in den Millionen von Wasserkristallen schöne Bilder zu finden. Tatsächlich springt mir hier und da eine Eiselfe vor die Linse und eine Frostfee deckt die Pflanzen schützend zu. Mit den Gräsern wiegen unsere Gedanken: „Happy Valentine!“ Es ist Zeit eine neue Geschichte zu schreiben.  Weiterlesen

Ein frostiger Empfang – Wenn Helfer aus dem Urlaub kommen

Als ich aus dem Bad zurück komme, blicke ich am Morgen zum ersten Mal bewusst aus dem Fenster nach draußen. Eiskristallzauber fällt auf meine Netzhaut und malt mir ein Lächeln ins Gesicht. Die Sonne weckt langsam die schlafenden Lebensgeister. „Die Natur ist ein wunderbarer Künstler“, denke ich und schlürfe von meinem Tee. Ich greife zum Handy und fange ein paar der Eindrücke ein. Am Mittag schon werden die gefrorenen Wassermandalas von den Blättern geschmolzen sein. Als ich zurück ins warme Zimmer trete, fröstle ich innerlich. Nicht vor Kälte, sondern vor Anspannung. Eine Unterstützerin ist aus dem Urlaub zurück. Später werden wir sie sehen. Aber ob ich mich freue? Das Innen ist geteilter Meinung. Weiterlesen

Regenbeeren und Platschnassgekritzel

Düster zieht der Nachmittag ins Land. Beim Blick durch die regennassen Scheiben fällt eine kleine Erdbeere mit ihrem leuchtenden Rot auf meine Netzhaut. Für einen kurzen Moment tilgt sie das gesamte Grau ihrer Umgebung. „Wie nett!“, denke ich. „Eine Herbstbeere.“ Auf den Balkonbrettern steht das Wasser. In den Vertiefungen plantschen Regentropfen kleine Kreise. Wir beobachten eine Zeit lang ihr hopsen. Kleine Spiegelflächen lassen Tiefe und Himmel entstehen, wo sonst nur harter Boden liegt. Die Spinnennetze scheinen derweil so viele Wasserteilchen aufzufangen, dass ihre sonstige Leichtigkeit einer schweren Zerreißprobe weicht. Jeder Luftstoß lässt es so wirken, als würden sie sich schütteln und von dem Ballast befreien, ehe sie sich erneut vollsaugen. Gräser wiegen im Wind. Irgendwann wird es heller – erst am Horizont und dann auch um uns. Sonne bricht sich ihren Raum durch die Wolken. Wer hätte das zu so später Stunde noch erwartet?

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