Im inneren Kreuzfeuer

Es sind Tage wie dieser, an denen die Verzweiflung im Innen so hochkocht, dass nur noch wüste gegenseitige Beschimpfungen übrig bleiben. Wobei ich alleine dafür, dass ich soeben das Wort Verzweiflung benutzt habe, die nächsten Morddrohungen erhalte. Selbstverständlich ist hier niemand verzweifelt, sondern sauer, wütend oder frustriert. Die Kapitulationslage war meine Interpretation. Wie konnte ich nur!? Ich atme ein paar Mal tief durch. Als lächelnde Funktionsfassade sitze ich vor dem inneren Terror. Sofern Anfeindungen gegen Außenmenschen ausgesprochen werden, bemühe ich mich um eine sozial verträglichere Formulierung, als die, die mir im Innen um die Ohren fliegt. Statt „blöde Kackbratze“ kommuniziere ich, dass wir wohl völlig aneinander vorbei geredet haben. Aus „Leck mich doch am Arsch, du ahnungslose Hure“ mache ich ein: „Ich glaube da fühlen sich im Innen manche wirklich ungesehen.“ Was für mich bleibt ist das Gefühl mein Kopf wird gleich in tausende Teile zerspringen und schwallartige Tränen der völligen Überforderung.

Weiterlesen

Innerer Klassenkampf

christmas-kids-1073567_1920

Manchmal, wenn wir still auf unserem Bett sitzen, die Beine eng an die Brust gezogen, die Haare streichelnd auf den Schultern spürend, wenn ein weites Nachhemd unseren Körper umspielt und unsere Zehen sich vor der Kälte in seinem Saum verstecken, dann kommen wir für einen stillen Moment mitten in der Nacht ganz bei uns an und die Stille wird schreiend laut. Sie schreit von den entsetzlichen Ungerechtigkeiten und der Stigmatisierung. Weiterlesen

Wozu eigentlich Therapeuten, wenn man doch Freunde hat!?

Auf der Therapeutensuche sind uns schon so einige Sätze entgegengeschleudert worden, bei denen wir nur noch kopfschüttelnd abwinken konnten. Mittlerweile stellen wir uns ja schon auf alles ein, wenn wir es mal wieder bis zu einem ersten oder zweiten Gespräch mit einer Therapeutin wagen, selbst (oder vielleicht auch gerade wenn) sie sich Spezialistin für dieses Gebiet nennt.
Kurz: Es ist extrem frustrierend!

Heute hatten wir mal wieder eines dieser Gespräche auf der Suche nach neuer Hilfe.
Es gibt neben den anderen haarsträubenden Aussagen vor allem einen neuen Satz des Tages, der uns von fassungslos über wütend, bis hin zu traurig und verzweifelt macht und die ganze Gefühlspalette abdeckt.
Im Gespräch kam die Frage an uns auf, wonach wir nun genau suchen, was wir uns in der Zusammenarbeit erwarten und was wir am dringendsten brauchen. Wir stellten für uns ganz klar einige Ziele in der Therapie auf, hielten aber auch fest, dass es für uns derzeit das aller wichtigste ist, wieder mit jemandem offen reden und erzählen zu können, was war, ohne dass das Gegenüber dabei vom Stuhl kippt, weil uns reden vieles total erleichtert, wenn wir die Dinge in unserem Kopf nicht alleine sortieren müssen. Daraufhin ergab sich folgender Dialog:
„Haben Sie denn eine Freundin?“
„Ähm, ja hab ich schon. Warum?
„Können Sie mit der denn über Ihre Geschichte reden?“
„Ja. Kann ich.“
„Na dann brauchen Sie keine Therapie, sondern nur Freundschaft! Reden Sie doch dann einfach mit Ihr darüber.“
Uns macht dieser Satz so fassungslos, dass wir nicht mehr wirklich reagieren konnten und die Worte fehlten.
Das Gespräch endete in einer Absage der Therapeutin, da ihr das alles grade irgendwie zu kompliziert sei…

Wir sitzen hier, schütteln mit dem Kopf, ärgern uns, sind traurig über die Dreistigkeit derartiger Aussagen, telefonieren mit unserer Freundin, freuen uns einfach nur, dass wir sie haben und hoffen nächstes Mal wird alles besser laufen…