Ich wollte nie

Ich wollt‘ mich nie entscheiden –
weder für euch noch für mich.
Wollte immer einfach nur da sein,
doch diesen Ort den gab es nicht.

Ich wollte nicht mehr oder weniger lieben
oder einen Elternteil besser finden,
denn in mir wäre eigentlich Platz gewesen
um mich an mehrere Menschen gleichzeitig zu binden.

Ich wollte nie Papas Frau sein
oder Mutters Mutter ersetzen,
denn am Ende bleiben davon im Herzen
nur bittere Erinnerungsfetzen.

Ich wollte nie mit all den Männern schlafen,
und dabei mich selbst vergessen um zu überleben.
Doch in all den schrecklichen Jahren
konnte niemand einfach bedingungslos geben.

Ich wollte niemals allein sein
und in der Ecke mein Dasein fristen,
doch allein sein war irgendwann besser,
als all die Männer und Folter und enge in Kisten.

Ich wollte nie euer Kind gebären
und all die menschliche Grausamkeit sehen,
aber ihr habt bestimmt mit eiskalter Hand –
vom Samen bis zu den Wehen.

Ich wollte nie euer Roboter sein
und dennoch habt ihr mich dazu gemacht,
denn wenn andere vor Schmerzen schreien,
ist es das, worüber ihr lacht.

Ich wollte nie gebrochen sein
und in tausende Teile zersprungen,
aber alleine hätte ich sicher die Qualen
niemals bis heute bezwungen.

Ich wollte immer nur ich sein
und gut und geliebt genau wie ich bin
und mein Herz, es wäre erfüllt gewesen,
denn nur so macht das Leben auch Sinn.

© Copyright by „Sofies viele Welten“

Der Freier

Du sagst du bist Freier
und damit hast du recht,
denn du darfst hier wählen
und ich sitz‘ hier fest.

Du nennst mich Nutte
und stempelst mich ab
und vergisst dabei ganz,
was mir den Namen gab.

Du frägst nicht nach dem Alter,
oder wie es mir geht,
weil all dein Interesse allein
an Körperöffnungen besteht.

Manchmal denkst du, du wärst anders,
denn du kommst nur zum Reden
und vergisst dabei eins:
Man kann auch sprechend Grenzen übertreten.

Egal was du tust,
immer bin ich dein Objekt,
dass für etwas Geld im Beutel
menschliche Schwächen überdeckt.

Ich bin dein Ausweg, deine Machttankstelle,
auf der Flucht vor dir selbst
und ich zahle mit Schmerzen,
wenn du mich bestellst.

Doch ich tue es ja gern
und natürlich mit freiem Willen,
anders könnte ich die Panik,
die du mir machst, gar nicht stillen.

Wenn mich nicht täglich Dissoziation
vor mir selbst bescheißen würde,
wären Männer wie du
eine riesige Hürde.

Niemals dürftest du mir nah sein
oder von deinen Gedanken erzählen,
denn dann hätte ich ja Selbstwert
und der liese mich wählen.

Doch es reicht dir,
wenn ich zerbrochen lachend
deinen Bedürfnissen genüge.
Für jedes andere Verhalten
kassier‘ ich ohnehin eine Rüge.

Ich bin dein Roboter,
von meinen Tätern, dazu gemacht
und ich gab mein Leben
für deine kurze Nacht.

Wie komm ich nur auf sowas!?
Es geht doch bloß um Lust und Spaß
und weil nicht sein kann, was nicht sein darf:
„War da was!?“

© Sofies viele Welten

Die Vertrauensprüfung *triggert*

Knie dich hin mein Kind und schweige.
Schließ die Augen fest und zeige,
dass du auf Gott allein willst bauen,
deine Seele wird vertrauen
und geduldig still ertragen,
was ich tu in seinem Namen.

Öffne Mund und deine Ohren,
denn du bist von Ihm erkoren.
Hier im Kreise unsrer Brüder
hallen deine Schwüre wieder.
Vertrauen, ehren und gehorchen
sollst du mich in deinen Worten.
So sprich und tu nun, was ich sag,
ohne Angst und ohne Frag‘.

Gib dich hin, Kind, und nimm an,
den Segen den ich spenden kann
und der in diesem Ritual
dich würdig macht durch Pein und Qual.

Über deine Haut will streicheln
und deiner Scham mit Küssen schmeicheln,
bevor ich auf dem Rücken liegend
in dich dringe Schwur versiegelnd,
dich zu meinem Eigen mache,
machtvoll schmunzelnd zu dir lache
und du ganz ruhig zu mir sprichst:

„Ich will dich achten und verehren,
dir Frau sein und dein Kind gebären
und über all das werd‘ ich schweigen,
niemandem die Schmerzen zeigen.
Im tiefsten Innern werd ich wahren,
Geheimnisse der Bruderscharen.
Niemals wird mein Mund mehr sprechen,
sonst wird sich mit dem Tode rächen
der Herr und Meister, Seth, die Schlange,
den ich durch dich nun hier empfange.“

Die Folter ging noch etwas weiter,
am Ende war man froh und heiter.
Blind folgte sie und er verlangte,
während sie um ihr Leben bangte.
Alles hat sie ohne Zucken
und ohne weiter aufzumucken
verinnerlicht und übernommen,
die Kindheit hat man ihr genommen,
die Seel‘ stattdessen neu bepflanzt
mit Sektenhorrorarroganz.

Wenn meine Tränen…

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Wenn meine Tränen Sprachen sprächen,
dann flössen sie in Tränenbächen
ganz bunt mit eignen Ausdrucksweisen
laut schluchzend und zu Boden reißend,
bis zart und leise fröhlich glucksend,
schweigend still und gar nicht mucksend,
die Freud‘ und auch den Schmerz ertragend,
am Ende Herz und Seele labend
ins Seelenmeer.

Wenn meine Tränen Menschen wären,
dann würden sie den Menschen ehren
und mit Respekt vom Leid erzählen
bis es aufhört ihn zu quälen,
von Lasten, Angst, Not und Gewalt,
von Seelen ohne Hilf’ und Halt,
die trotzdem stumm ihr Leben meistern
im Kampf mit den Gesellschaftsgeistern,
weil niemand hören will.

Wenn meine Tränen Wunden wären,
dann würd’ ich wohl zu Grunde gehen,
blutüberströmt am Boden liegen
von wortgeformten Dolcheshieben,
zermartert todgeschunden weinend,
nach außen fröhlich lachend scheinend,
am ersten Hilfekurse scheitern,
die Sicht um Seelennot erweitern,
weil kein Arzt sie nähen kann.

Weil meine Tränen Heiler sind,
mit Lieb’ und Fürsorg’ für das Kind,
verbinden sie die Wunden selbst,
entlasten Not, wenn es mal fällt,
sind Zeugen – niemals an mir zweifelnd,
die Seele zart und friedvoll streichelnd,
bedingungslos an meiner Seite,
geben sie in der Nacht Geleite,
lösen aus Muskeln starre Krämpfe,
während ich für mein Leben kämpfe,
bis wir uns in den Armen liegen
und uns glücklich dafür lieben,
dass wir uns selbst gefunden haben,
aus Wunden wurden schöne Narben.
Lasst voll Triumph den Sieg begießen:
Nun können Freudentränen fließen.

© Copyright by „Sofies viele Welten“

Der Wolf

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Der Wolf zieht aus dem Rudel aus,
verlässt sein Welpenelternhaus.
Will neu die Welt für sich entdecken,
die Kräfte sehn, die in ihm stecken.
Sie prüfen über alle Grenzen,
mit and’ren um die Führung kämpfen.
So folgt er seiner Nase spur,
so will es die Instinktnatur,
bis er für sich die Heimat findet,
und sich an’s neue Rudel bindet.
Dort kann er sein, wie er gemacht
hat ausgewählt die Nachbarschaft,
nach seinen Idealmomenten.
Nun ist’s egal was Eltern denken.

© Copyright by „Sofies viele Welten“

Schneeglöckchenbabys

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Ein Scheeglöckchen hebt inniglich
empor zur Frühlingssonne sich.
Leutet den Menschen nah und ferne
von neu gewonn‘ner Lebenswärme.

Zwar steckt es noch in Kinderschuhen,
doch wächst es ohne auszuruhen
Bis laut und kräftig es verkündet:
Der Frühling kommt, der Winter endet. 

© Copyright by „Sofies viele Welten“

Erster Preis

Ich bin dein erster Preis,
dein Hauptgewinn.
Doch seit dem Spiel macht nichts mehr Sinn.

Ich bin dein Ehrenzeichen,
dein Wurf ins Schwarz,
Doch dieses Glück, es trifft mich hart.

Ich bin dein Siegespokal,
dein großes Los.
Doch die Trophäe zittert bloß.

Ich bin dein Grund zu kämpfen,
der große Kick.
Doch ich zerspring’ im Augenblick.

Ich bin dein As beim Poker,
dein großer Joker,
dein Motor zu zocken,
um blaue Augen und Locken,
weil du nun mal auf Kinder stehst
und deshalb zur Partie hier gehst.

Bedachtes stets den nächsten Zug,
gebrauchtest deine Karten klug
und nahmst mich mit zu dir nach Haus,
zogst mich in deinem Bette aus.

Zu spielen hast du wohl verstanden,
auch als die Peitschenhiebe landen
und meine Seele schweigend stirbt,
mein Sein vor Schmerzen berstend klirrt.

Bis irgendwann die Schreie enden –
das Blatt muss ich im heute wenden.

© Copyright by „Sofies viele Welten“

Einen guten Rutsch und ein farbenfrohes Jahr 2018

Wir danken allen Lesern und Leserinnen von Herzen für die vielen Klicks und Kommentare in diesem Jahr! Ihr seid einfach spitze!
Der Blog ist die letzten Jahre beständig gewachsen. Auch für 2017 schreiben die Statistiken neue Rekorde. Die Anteilnahme an unseren Artikeln rührt uns sehr. Vieles wäre ohne euch nicht möglich gewesen. So mancher Kommentar hat über schlechte Momente hinweggetröstet oder einfach ein Lächeln in den Alltag gezaubert. Danke dafür!
Mit euch an der Seite macht Schreiben noch viel mehr Spaß und Sinn!

Die bunten Schmetterlinge und ich, Sofie, freuen uns darauf auch im Jahr 2018 wieder mit euch durchzustarten und viele farbenfrohe Beiträge mit euch zu teilen.
Für einen gelungenen Jahresübergang stellen wir hier schon einmal die gesamte Farbpalette zur Verfügung. Damit könnt ihr euch die kommenden Monate genau so anmalen, wie ihr sie euch wünscht.

Das neue Jahr soll Glück euch bringen,
ihr sollt tanzen, lachen, singen,
und stets in euerer Mitte sein,
dann fügt sich alles Andre ein.

Die Worte mögen in euch fließen
und sich in Sprache so ergießen,
wie eure Seele sie sich wünscht
und es dem Herzen richtig dünkt.

Voll mit Momenten kleiner Wunder,
geb‘ es der Lebensfreude Zunder.
Um Null Uhr mit Raketenstart –
Prosit Neujahr, seid gut bewahrt!

Die ersten beiden Zeilen des Gedichtes sind einer Postkarte auf Pinterest entnommen, Autor unbekannt.
Ansonsten © Copyright by „Sofies viele Welten“

S-I-L-V-E-S-T-E-R

S – ilvester
am Tag an dem die Jahre sich ändern,
da treffen sich die Herren in schwarzen  Gewändern.

I – nzest
und Folter und grausame Qualen
geschehen den Kindern in ihren Ritualen.

L – ust
zu zerstören, auf Macht und Gewalt,
gehören zu der heiligen Rituale Inhalt.

V – ergewaltigung
nennt man eins ihrer Spiele.
Dergleichen gibt es in dieser Nacht noch so viele.

E – iskalt
und nackt war der Körper im Schnee,
das Kind fast erfroren, die Seele tut weh.

S – atan
ihm opfern sie und sind dabei ganz in Trance
das Kind auf dem Altar bleibt liegen leblos.

T – ränen
sie rinnen die Wange hinunter,
die Sinne, sie schwanden vor Qualen darunter.

E – rschüttert
die Seele des Kindes so sehr,
dass Sie musste sich teilen, ist viele nunmehr.

R – aketen
Sie fliegen in den Himmel hinauf.
Rettung gab’s keine.
Das Jahr nimmt seinen Lauf.

© Copyright by „Sofies viele Welten“

Erinnerungsruinen

Müde schließen sich die Augen
über Tränen auf den Linsen.
Weinen schluchzend über alles
hinter schmerzverzerrtem Grinsen.

Kalte gottverlassne Mauern,
Festungen aus Einsamkeit
lassen tief mein Herz erschauern.
Es ist das Leid, das in mir bleibt.

Die Straßen ziehn in Fahrt vorüber.
Bald sitz ich am Kamin zu Haus.
Alte Erinnrung zeigt sich wieder.
Ich atme ein, ich atme aus.

Die Müdigkeit trägt mich auf Reisen
fort an einen anderen Ort.
Lässt mich in sich Erholung finden.
Gewährt im Schwarz mir sichren Hort.

In den Ruinen hängt noch heute ein Teil von meiner Kinderseel‘.
Der Schlaf pflegt was ich nicht ertrage.
Ich schlumm‘re ein.
Es war zu viel.