In die Welt gedacht

Ich sitze am Tisch und stochere mit dem Löffel in meinem Müslijoghurt. Ein Korn mag sich nicht beißen lassen. Egal wie sehr ich es mit der Zunge durch den Mund von einem Zahn zum nächsten Schubse – an seiner Hülle tut sich nichts. Irgendwann sortiere ich es aus, weil es wie Stroh unnachgiebig hölzern bleibt. Mein Kopf ist müde und so spare ich mir aus diesem unwichtigen Fakt die Geschichte der spröden Kornfee zu machen. „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann kauen sie noch heute“ wäre ohnehin ein armselig abgedroschener Schluss. Der Mülleimer leistet mir statt dessen gute Dienste.

Weiterlesen

Im inneren Kreuzfeuer

Es sind Tage wie dieser, an denen die Verzweiflung im Innen so hochkocht, dass nur noch wüste gegenseitige Beschimpfungen übrig bleiben. Wobei ich alleine dafür, dass ich soeben das Wort Verzweiflung benutzt habe, die nächsten Morddrohungen erhalte. Selbstverständlich ist hier niemand verzweifelt, sondern sauer, wütend oder frustriert. Die Kapitulationslage war meine Interpretation. Wie konnte ich nur!? Ich atme ein paar Mal tief durch. Als lächelnde Funktionsfassade sitze ich vor dem inneren Terror. Sofern Anfeindungen gegen Außenmenschen ausgesprochen werden, bemühe ich mich um eine sozial verträglichere Formulierung, als die, die mir im Innen um die Ohren fliegt. Statt „blöde Kackbratze“ kommuniziere ich, dass wir wohl völlig aneinander vorbei geredet haben. Aus „Leck mich doch am Arsch, du ahnungslose Hure“ mache ich ein: „Ich glaube da fühlen sich im Innen manche wirklich ungesehen.“ Was für mich bleibt ist das Gefühl mein Kopf wird gleich in tausende Teile zerspringen und schwallartige Tränen der völligen Überforderung.

Weiterlesen

Alltagswochenende und Traumaselbst

Ich sitze erschöpft im Sessel. Der Melissentee in meiner Tasse dampft. Langsam und vorsichtig schlürfe ich ein bisschen davon. Seine Wärme streichelt meine Seele. Vom Balkon zieht es kühl herein. Die Katzen spielen vor dem Fenster fangen. Während in kleinen Schlucken der Tee meine Kehle hinunterfließt beginnt mein Magen sich zu entspannen. Fast ist es so, als habe er nur darauf gewartet, dass sich jemand um ihn kümmert. Im Kopf ziehen die Bilder. Mein Nervensystem ist überlastet. Wenn es könnte, dann würde es wohl die Erinnerungen auskotzen. So aber krümmt sich nur der Magen. Manche Erkenntnis tut bitter weh.

Weiterlesen

Skills for Hollydays

Langsam kriecht die Sonne aus dem verschlafenen Himmel. Es wird hell und das neblige Grau zieht sich zurück. Im Küchenfenster glitzert metallisch ein Anhänger. Ich muss darauf achten ihn nicht direkt anzublicken, weil sein Reflektieren meine Netzhaut unangenehm verblitzt. Die Katze schmatzt mir an ihrem Näpfchen freundlich ein „Guten Morgen“ zu. Der Tag strahlt herbstlich belebt. Nur ich komme nicht so richtig in die Puschen. Eigentlich müsste ich Einkaufen. Doch Nerven und Geld sind dieses Monat schon etwas knapp. Für mich wäre es auch in Ordnung den Tag im Bett zu verbringen. Doch es gibt auch Dinge, die mich locken. Die Vögel pfeifen, als hätten wir Frühling. Wenn ich mir das lange genug vorstelle, geht es meinem Gemüt gleich besser. Die nächste Woche liegt mir im Magen und im Frühling wäre sie nicht vorhanden.

Weiterlesen

Eine Innie-Sittich-Geschichte

Mein innerer Wellensittich, äh Inniesittich, pfeift. 😉 Seit einigen Minuten höre ich es tirilieren. Eine Kleine hat Lust zu singen und tut das nun im Kopf. Nach einiger Zeit frage ich vorsichtig nach, ob sie es wohl auch bleiben lassen könne. Meine Stimmung passt nicht zu ihren Liedern. Das war der Moment an dem diese Wellen-Innie-sittich Geschichte ihren Lauf nahm.

Weiterlesen

OSDD – Die neue DDNOS

Im amerikanischen Diagnosehandbuch DSM-5 ist die DDNOS-Diagnose (Dissociative Disorder not otherwise specified) durch das Symptomcluster der OSDD (Other specified dissociativ Disorder) ersetzt worden. Aus einem unspezifischen Komplex von dissoziativen Symptomen ist nun also sprachlich ein spezifisches Muster entstanden. Das alleine fanden wir schon einen spannenden Sprung. Für den deutschsprachigen Raum ändert das zwar nichts, denn im hier verbindlichen ICD-10 existiert der Diagnoseschlüssel nicht und auch im ICD-11 wird er nicht enthalten sein, trotzdem fanden wir es interessant uns einmal genauer damit auseinanderzusetzen.

Weiterlesen

No Drama Lama

Hier sitze ich nun in meinem großen Sessel und schlecke mit meiner kleinen inneren Lamaherde ein Eis. 😉 Beim Einkaufen hat eine Stimme in meinem Kopf sich diese Abkühlung gewünscht. Plötzlich scheint auch in meiner Welt alles überhaupt kein Drama zu sein. Es ist fast so, als wäre es völlig Normal hier mit den Innens zur Ruhe zu kommen. Für einen Moment schweigen die inneren Kritiker. Sie sind froh um Wasser und Nahrung. Nur zwischendrin durchzuckt mich immer wieder für eine Millisekunde ein ganz komisch, schmerzliches Gefühl, als hätte der Wolf mich in einem unachtsamen Moment in den Hintern gebissen oder ins Herz.

Weiterlesen

Übergangszeit

Mal wieder sitze ich in meinem Lieblingsgartencenter im Lieblingsgartencentercafé und hänge meinen Gedanken nach. Meine Balkonkästen brauchen neuen Pflanzenschmuck. Die Zeit dafür scheint denkbar ungünstig zu sein. Die Sommerblumen verlieren langsam ihre Pracht und die Herbst-/Winterpflanzen erinnern mich derzeit noch zu sehr an Schnee und Eis. Ich suche also nach der floralen Übergangsjacke für den Blumentopf. Übergangszeit – was soll das eigentlich sein!? Sie begegnet mir derzeit in so vielen Alltagslagen, das dieses so undefinierte Wort fast schon philosophisch von meinem Leben spricht.

Weiterlesen

Sommernacht und quere Gedanken

Kurz vor Mitternacht, immer noch 27 Grad auf dem Balkon und sternenklarer Himmel. Der Abend geht mit einem Lächeln zu Ende. Eine Grillparty mit Bekannten, war der perfekte, leichtfüßige Ausklang für diesen brüllendheißen Sommertag. Im Grunde könnte man einfach den Stempel „Gut“ darunter setzen, weil alles irgendwie perfekt lief. Erfüllende Arbeitsaufgaben und ein bisschen echtes Social Networking zu später Stunde. Das schöne Gefühl direkt hinter der Fassade fühlt sich sogar ausnahmsweise echt an und nicht nur wie ein maskenhaftes Funktionierroboterüberbleibsel. Aber kennt ihr das, wenn trotzdem irgendwo ganz weit innen, kaum greifbar und schon gar nicht zuzuordnen, ein undefinierbares Empfinden anklopft, dass da noch etwas anderes ist?

Weiterlesen

Flashbacks, Jetztzeiterleben, Täterkontakt?

Gestern Abend saß ich auf meinem Bett und versuchte es mir etwas gemütlich zu machen. Der Tag war extrem anstrengend und von starker Dissoziation zerklüftet. Wir machten uns ein Hörbuch an und begannen nach Bastelanregungen im Internet zu suchen. Je mehr wir rein äußerlich entspannten, umso mehr schoß vom Geschehenen ins Bewusstsein und plötzlich war ich mitten drin. Ich hatte das Gefühl, dass mich genau in diesem Moment jemand in meiner Wohnung berührt, streichelt und schließlich vergewaltigt. Kurzzeitig konnte ich diese Person so real vor mir sehen, als wäre sie tatsächlich da gewesen. Nicht vor 10 Jahren, nicht gestern, sondern just in diesem Moment.

Weiterlesen