Löwenkräfte beim Karfreitagskaffee

Die Nacht ist vorbei. Auf dem Balkon beobachte ich die ersten Bienchen dabei wie sie ihre kältesteifen Glieder in der Morgensonne wärmen. Wir tun es ihnen gleich und strecken unsere Arme und Finger nach oben. Eine Tasse Kaffee würde uns jetzt gut tun. Erst einmal atmen, danach die Pollen ausniesen und sich freuen, dass wir die Nacht überstanden haben. Auf dem Weg zur Kaffeemaschine werfe ich mir eine Allergietablette ein, bevor ich von meinen Nachbarn zur Unerwünschten Nummer 1 erklärt werde. Danach setze ich mich nach draußen. Ein leicht frischer Wind weht und ich frage mich, was der Tag wohl so bringen wird.

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Impulse aus dem Innen – Handlungsimpulse als Ausdruck dissoziierter Erinnerungen

Wenn die Informationen aus der Schattenwelt nun auftauchen, geschieht das zunächst [häufig] durch Handlungsimpulse, die man selbst nicht versteht, wie z.B. Fresszwang, Kaufsucht oder auch die Bereitschaft sich auf Dinge einzulassen, die man eigentlich ablehnt, suizidale Impulse auszuführen, an Plätze zu gehen oder sich mit Menschen zu treffen, die man unangenehm oder eklig findet.

Gaby Breitenbach, Innenansichten dissoziierter Welten extremer Gewalt, Asanger Verlag, 5. Auflage 2016, S. 142

 

Das Eingangszitat beschreibt auf eindrückliche Weise einen Zustand, den wir an uns selbst mehr als oft beobachten konnten: Man tut etwas und weiß gar nicht weshalb, weil es dem bewussten Anteil eigentlich widerstrebt so zu handeln. Die Krux an der Sache: Man kann es auch nicht einfach sein lassen, weil etwas/jemand durch einen hindurch am bewussten Wollen vorbeiagiert. Tatsächlich wurden derartige Impulse in der Vergangenheit meist dann kontrollierbar, wenn wir ihren Ursprung wieder zuordnen konnten. Wenn sie auftauchen kommen sie jedoch häufig aus dem Nichts und abgekoppelt von anderen Erinnerungsfragmenten, die erklärend wirken könnten. Keine Bilder, keine Gerüche, kein Körpergefühl. Die traumatische Erfahrung zeigt sich allein im Impuls, der zurück ins Bewusstsein schwappt. Er scheint Ausdruck des eigenen Handlungswillen zu sein und gleichzeitig ist man sich dabei furchtbar fremd. Die nahenden Ostertage führen derzeit dazu, dass einige dieser Erinnerungsfragmente mit impulshaftem Charakter wieder vermehrt auftreten. Wir haben uns dazu entschlossen deshalb diesen Beitrag mit unserer persönlichen Sicht auf dissoziierte Handlungsimpulse zu schreiben.

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Osterreisen

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Auf einem kleinen Boot saß sie. Es war aus altem Holz gemacht. Die grüne Farbe blätterte bereits an vielen Stellen ab. So wollten es die Gezeiten. Ihre Füße schwebten kurz über der Wasseroberfläche und in ihrem Haar webte ein Rosenkranz Geschichten von der fruchtbaren Welt. Ein feuriges rotes Kleid umhüllte zart energetisch fließend ihren Körper. Ihre Augen fühlten geschlossen der Weite um sie nach. Am Horizont dämmerte es orange leuchtend.
Mit ihrer Zehenspitze konnte sie fast die Spieglung derselben im Wasser berühren. Doch ein Lufthauch hielt die beiden getrennt. Sie wohnten in zwei Welten.
Das Wasser ruhte.
Die Welt um sie herum ruhte.
Sie selbst ruhte.
In sich.
Und über den Wogen erhaben.
Am Himmel zog ein Vogelschwarm.

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Versorgungszerrissenheit

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Der Ostersamstag beginnt grau und voll mit Bauchschmerzen.
In den letzten Tage bin ich zu einem „unsozialen“ Wesen mutiert. Ich möchte niemanden hören und schon gar nicht sehen. Mein Innen ist im Rückzug implodiert.
Die Worte der Therapeutin „Ihre Finanzierung kann so nicht weiterlaufen“ nahmen das letzte Stück Boden mit.
Nun sitze ich hier und hasse Ostern.
Ich hasse die DIS.
Ich hasse die Menschen, die mich in meiner Not sitzen lassen.
Und die, die für mich da sein wollen, weil es dann noch mehr weh tut.
Und irgendwie hasse ich mich in dem ganzen Hass selbst.
Auch dafür, dass ich gerade den einzigen Mitmenschen die mir noch wohlgesonnen gegenüber stehen, eine wirkliche Arschlochfreundin biete.
Irgendwo in dem ganzen Stress tue ich mir selbst leid. Das ist wohl das Gefühl, dem ich folgen sollte, weil es in meinen Tränen aus dem Chaos führen würde.
Statt dessen bin ich trauersauer vor Verzweiflung.

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Osterwochendienstag

Kaum war die letzte Woche geschafft und der Osterurlaub erreicht, sind wir auch schon mitten drin im Feiertagsregen.
Wir merken wie es im Innen arbeitet, auch wenn wir versuchen uns im Außen mit Angenehmen zu beschäftigen.
Gut, dass die Sonne scheint. Das tut dem Gemüt und den verspannten Muskeln gut, die nach den wärmenden Strahlen lechzen.
In der milchigen Frühe jetzt ein paar aktuelle Gedanken für den Blog zusammenreimen und sie möglichst sortiert zu einem Beitrag abfischen. Wir fischen im Nebel, denn nicht nur der Morgen ist milchig, sondern auch die spinnfädenartig, dissoziationsumwobenen Gedankenräume, durch die das aufgehende Sonnenlicht nur schwerlich ins Innere fällt. Die Bewegungen sind lansam, die Welt traumhaft, unser Sein eingefroren. Dennoch bleiben von Zeit zu Zeit an der Synapsenangel Worte und Satzteile hängen, die sich für Aussagesätze eignen und zusammensetzen lassen.
In der Vorstellung geht alles schneller, als es ist.
Zähneputzen, anziehen, losgehen.
Tagesplan:
Arzt.
Frühstück.
Freundin.
Bei mir selbst ankommen.
Im Triggerblitzlichtgewitter erhellen Lichtspots Szenen der Erinnerung an Ostern, Feiertage und das Drumherum.
Unverständliches, Unaussprechliches, Ungeheuerliches.
Es ist dennoch wahr.
Oft wird erwartet, dass Überlebende schnell damit umgehen lernen und darüber hinwegkommen und wenn wir es tun, dann „kommen wir gut damit klar“ und Außenstehende sind zufrieden.
Trauer ist mir in diesen Tagen oft ein echtes Bedürfnis. Egal wie lange etwas her ist. Gut mit etwas klar zu kommen, heißt für mich, dass ich mir meine Bedürfnisse diesbezüglich mittlerweile, so gut ich kann, erlaube und nicht, sie so zu beschneiden, dass andere glücklich sind.
Es gibt so viele Dinge, die betrauert werden müssen und wenn das Lachen auch an diesen Tagen zurück kommen soll, dann müssen Tränen darüber fließen dürfen.

Teebeutelweisheit

„Man kann nur in Beziehung sein, wenn man spürt“,

das stand heute Morgen auf einem Teebeutel, den ich von meiner Freundin geschenkt bekommen habe.
So einfach und doch so schwer.
Die Osterfeiertage haben uns in einen dichten nebeligen Schleier eingehüllt, der Leere und Taubheit entstehen ließ.
Wir waren nicht alleine und doch kam es uns teilweise so schrecklich einsam vor.
Die Vergangenheit wirkt.
Wir waren taub. Wir spürten keine Beziehung. Die Angst hat uns verboten wahr-zunehmen.
Der Schleier lüftet sich für einen kurzen Moment. Ein paar liebe Worte. Wir sind noch da. Wir spüren. Wir sind nicht mehr allein.