Was ich an Beltane mag

Ich sitze auf dem Balkon und lausche dem zwitschern der Vögel. Meine Fingerspitzen frösteln leicht. Den Oberkörper eng in eine dicke Jacke gehüllt  blicke ich mich um. Es ist der erste Beitrag in diesem Jahr, den ich unter freiem Himmel verfasse. Ich erinnere mich an die vielen Sommerabende, an denen ich hier ein Stück meines Lebens genoss. Zart sprießen die ersten Pflänzchen. Vieles hat zu meinem Erstaunen den harten Winter in den Töpfen überlebt. Die kleinen Erdbeerpflänzchen schauen bereits eifrig über den Rand ihres Schalenzuhauses und schieben ihre Blätter der Sonne entgegen in die Höhe. Vom Himmel kommt mir ein kleines wattiges Samenetwas entgegengeschwebt. Es spielt mit dem Wind. Die Kleinen kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Sie freuen sich über diese Beobachtungen. „Das ist also Beltane“, denke ich. „So fühlt es sich jenseits von organisierter und ritualisierter Gewalt an.“

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Wintersonnenwende reloaded

21.12.2018
Es ist Nacht.
Genau genommen kurz nach Mitternacht,
als wir aus dem kurzen Schlaf hochschrecken und denken wir müssen sterben. Der Kreislauf kollabiert. Das Herz rast. Erst vor einer halben Stunde hatten wir uns hingelegt. Nun ist die Nacht vorbei. Wir kämpfen schweißgebadet in unseren Sicheren vier Wänden ums nackte Überleben. Immer wieder sacken wir in kurze Ohnmacht. Irgendwann wissen wir nicht mehr was die Panik macht. Lässt die körperliche Ohnmacht die Panik aufkommen und das Herz rasen, rast das Herz aus Angst vor der Ohnmacht oder werden wir vor Angst ohnmächtig!? Wir beten, dass der Zustand keine körperliche Ursache hat. Gegen morgen beruhigen wir uns etwas und schlafen erschöpft ein.
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Was ist rituelle Gewalt?

Die liebe Alenka hat uns in den Kommentaren zum letzten Beitrag folgende Fragen gestellt:

Was ich mich frage, aber eigentlich nie zu fragen traute, war, worum es bei ritualisierter Gewalt wirklich geht. Geht es überhaupt um Rituale, und wenn ja, was sollen diese bewirken? Sind Rituale nicht lediglich ein Vorwand, um Gewalt ausüben zu können? Ihr müsst mir diese Frage natürlich nicht beantworten. Ich wollte sie nur mal aussprechen, weil sie in meinem Kopf herum spukt. LG!

Auf unserem Blog gibt es grundsätzlich keine Triggerwarnungen. An dieser Stelle wollen wir dennoch darauf aufmerksam machen, beim Lesen dieses Artikels gut auf sich zu achten.
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Schmerzwellen

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Ich sitze auf meinem Bett und schreie.
Laut.
So laut ich kann.
Der Schmerz verhallt in Stille.
Meine Beine verharren taub.
Körper und Kopf sind durchflutet vom alten Grauen.
Irgendwann werde ich müde.
Mit Tränen in den Augen schlafe ich ein.

Mit komischen Zwängen und traurig dumpfen Gedanken wache ich auf.
Wir kämpfen.
Gegen die Selbstzerstörung.
In dichter Watte kreisen unsere Gedanken.
Irgendwie möchte ich schreiben und andererseits bin ich kaum auf dieser Welt.

Noch immer ist es das Ausmaß der Gewalt, das mich förmlich erschlägt.
Und in all dem Nachspüren, weshalb die Situation gerade so ist, wie sie ist und wo der Auslöser liegt, wird mir plötzlich klar, dass ich den ersten Mai ganz vergessen habe.

S-I-L-V-E-S-T-E-R

S – ilvester
am Tag an dem die Jahre sich ändern,
da treffen sich die Herren in schwarzen  Gewändern.

I – nzest
und Folter und grausame Qualen
geschehen den Kindern in ihren Ritualen.

L – ust
zu zerstören, auf Macht und Gewalt,
gehören zu der heiligen Rituale Inhalt.

V – ergewaltigung
nennt man eins ihrer Spiele.
Dergleichen gibt es in dieser Nacht noch so viele.

E – iskalt
und nackt war der Körper im Schnee,
das Kind fast erfroren, die Seele tut weh.

S – atan
ihm opfern sie und sind dabei ganz in Trance
das Kind auf dem Altar bleibt liegen leblos.

T – ränen
sie rinnen die Wange hinunter,
die Sinne, sie schwanden vor Qualen darunter.

E – rschüttert
die Seele des Kindes so sehr,
dass Sie musste sich teilen, ist viele nunmehr.

R – aketen
Sie fliegen in den Himmel hinauf.
Rettung gab’s keine.
Das Jahr nimmt seinen Lauf.

© Copyright by „Sofies viele Welten“

Samhain-Trommeln

Dumpf dröhnen die Trommelschläge in meinem Kopf nach. Vom entspannenden Rhythmus ist eine tranceartige Schwere geblieben. Draußen am grauen Himmel ziehen die Wolken vorbei bis sich die Sonnenstrahlen durchs dichte Grau quetschen. Mein blauer Filzschlegel klopft zart gegen das gespannte Leder. „Mystisch ist die Zeit und die Schleier dünn“, denke ich bei mir. Längst habe ich einen eigenen Glauben mit eigenen Ritualen. Ich freue mich darauf, mir in den nächsten Tagen bewusst Zeit zu nehmen liebe Seelen aus einer ganz anderen Welt zu treffen. In meinem Herz zu sein.

Und was ist mit damals? Was ist mit dem Leid? Ist alles einfach vorbei und wieder gut?
Nein, das ist es nicht. Unsere Seele trauert. Unsere Seele weiß wie sehr die Zeit besetzt ist. In unseren Gliedern steckt Schreck und Müdigkeit. Aber sie hat Platz in unserem Tun. Sie darf weinen, wenn wir trommeln und schweigen und lachen und schreien, weil es das Herz zerreißt. Bei all dem Schmerz erleben wir Momente des Glücks, weil wir heute einfach sein dürfen.

Langsam und sanft beginnen wir wieder zu trommeln. Lassen aus den dumpfen Tönen der Rituale von einst den Herzschlag von Mutter Erde werden und fühlen uns von ihr gehalten, wenn wir die Verletzungen betrauern.
Bom…
Bom…… Bom.

Dritter Oktober

Es ist kurz nach 20.00 Uhr.
Der dritte Oktober beschäftigt mich. Er wühlt mich innerlich auf. Alles ist diffus. Immer wieder frage ich mich, ob es vielleicht nur der Stress der letzten Tage ist, der nun rauskommt. Das Gefühl sagt nein.
Ob die Gewaltbilder in meinem Kopf zum dritten Oktober gehören!?
Mein Innen weiß dazu wohl, wie so oft, mehr als ich. Die Zahlen, Daten, Fakten hüten andere. Sie lassen mich nur beschränkt an ihrem Wissen teilhaben.
Es mag normal sein, dass es gerade schon finster ist. Gefallen tut mir das nicht. Ich blicke zur Uhr und nach draußen und habe das Gefühl ich warte auf mein Hinrichtungskommando. Mir ist als würden die Sekunden laufen, bis es bei mir vor der Tür stünde. Und dann laufen die Worte einfach nur so aus mir hinaus und folgen den Tränen, die mir über die Wange kullern.

Des zehnten Monats dritter Tag,
als stumm der Wind in Lüften lag,
da ward die Einheit neu geschrieben.
Das Kind ist tot zurück geblieben.

Wo einst die Mauer Deutschland trennte,
steh’n nun in meinem Innen Wände
und spalten mich in sieben Teile,
zu jedem Letter eine Zeile:

E-hre dem Land und dem deutschen Volke,
umstellt mich die murmelnde düstere Meute.

I-deologie und Ritual praktizieren die Herren und drohen,
ich selbst bin längst aus dem Körper geflohen.

N-ächtliches Schreien erschüttert die Wände,
wann nimmt wohl die Folter für mich heut ein Ende.

H-eiter freut man sich bei Nacht,
zu welchem Ziel man das Kinde durch Qualen gebracht.

E-rregung verbindet die Handlung im Kern,
Vergewaltigen und Schlagen, das tuen sie gern.

I-dentität entzwei gebrochen,
ist Leere in das Herz gekrochen.

T-error bestimmt die Stunden der Nacht,
aus Deutschland wird eins und aus mir viele gemacht.

In Einheit hat man hergestellt,
was mich noch Jahre später quält.
Zerfetzt in viele Seelenstücke –
Der Adler geht auf lahmer Krücke.

© Copyright by „Sofies viele Welten“

Katzenträume

Die Katze ist gerade dabei es sich auf unseren Oberschenkeln gemütlich zu machen. Wir sind müde und doch wach. Es ist mitten in der Nacht. Im Kopf bewegen sich Gedanken. Sie suchen einen Schlafplatz.
Eigentlich ist Sommer. Diese Sommernacht ist kalt. Wir ziehen uns die Decke bis zum Kopf. Zu warm. Füße wieder raus. Unser traumageschädigter Darm macht einen Gluckser – wohl eher nicht vor Freude. Eine zweite Fellnase schaut uns auf einmal tief in die Augen. So tief, dass die Schnurrhaare unsere Wangen kitzeln. Schnurren, Treteln und ein lautloses: „Du liegst falsch. Könntest du bitte endlich die Seite wechseln und mich streicheln!?“ Wir kommen der Bitte nach. Die andere Seite war eigentlich bequemer. Mit der Hand im weich-warmen Katzenfell kommen die Kinder zur Ruhe. Ein Lächeln huscht über die traurigen Lippen. Bald wollen die Augen schlafen. Mit beiden Katzen im Arm schlummern wir ins Land der Träume.
Danke, kleine Katzentherapeuten!

Karfreitag mit Holundersekt

Es ist Karfreitag.
Mal wieder.
Diesmal haben wir vorgesorgt.
Die kollektive Tristesse und Selbstkasteiung, die sich bei vielen gläubigen Christen aus unserer Umgebung über den Tag legt, machen wir nicht mit. Dennoch triggert sie.
Traurigkeiten gibt es in unserem Leben schon genug. Im Jahr 2017 lassen wir uns nicht mehr vorschreiben, wann wir etwas zu tun und zu lassen haben, schon gar nicht von einer Religion.
Die Emotionen sind aufgewühlt.
Lange genug haben wir um diese Feiertage gehungert, weil wir damit auf die bevorstehenden Rituale vorbereitet wurden.
Heute Morgen gab es Kakao für die Kleinen.
Später ein Glas Holundersekt für uns alle.
Wir haben überlebt.
Wie leben.
Und das tun wir so, wie wir es wollen! 🙂

Osterwochendienstag

Kaum war die letzte Woche geschafft und der Osterurlaub erreicht, sind wir auch schon mitten drin im Feiertagsregen.
Wir merken wie es im Innen arbeitet, auch wenn wir versuchen uns im Außen mit Angenehmen zu beschäftigen.
Gut, dass die Sonne scheint. Das tut dem Gemüt und den verspannten Muskeln gut, die nach den wärmenden Strahlen lechzen.
In der milchigen Frühe jetzt ein paar aktuelle Gedanken für den Blog zusammenreimen und sie möglichst sortiert zu einem Beitrag abfischen. Wir fischen im Nebel, denn nicht nur der Morgen ist milchig, sondern auch die spinnfädenartig, dissoziationsumwobenen Gedankenräume, durch die das aufgehende Sonnenlicht nur schwerlich ins Innere fällt. Die Bewegungen sind lansam, die Welt traumhaft, unser Sein eingefroren. Dennoch bleiben von Zeit zu Zeit an der Synapsenangel Worte und Satzteile hängen, die sich für Aussagesätze eignen und zusammensetzen lassen.
In der Vorstellung geht alles schneller, als es ist.
Zähneputzen, anziehen, losgehen.
Tagesplan:
Arzt.
Frühstück.
Freundin.
Bei mir selbst ankommen.
Im Triggerblitzlichtgewitter erhellen Lichtspots Szenen der Erinnerung an Ostern, Feiertage und das Drumherum.
Unverständliches, Unaussprechliches, Ungeheuerliches.
Es ist dennoch wahr.
Oft wird erwartet, dass Überlebende schnell damit umgehen lernen und darüber hinwegkommen und wenn wir es tun, dann „kommen wir gut damit klar“ und Außenstehende sind zufrieden.
Trauer ist mir in diesen Tagen oft ein echtes Bedürfnis. Egal wie lange etwas her ist. Gut mit etwas klar zu kommen, heißt für mich, dass ich mir meine Bedürfnisse diesbezüglich mittlerweile, so gut ich kann, erlaube und nicht, sie so zu beschneiden, dass andere glücklich sind.
Es gibt so viele Dinge, die betrauert werden müssen und wenn das Lachen auch an diesen Tagen zurück kommen soll, dann müssen Tränen darüber fließen dürfen.