Lila Regen

Wir sitzen auf dem Bett und naschen Heidelbeeren aus einem kleinen Eimerchen. Draußen wird es langsam kühl. Meine Schultern frösteln nahe dem leicht geöffneten Fenster. Während ich so vor mich hin fernsehzappe, wird es dunkel. Die Sonne macht für heute Pause. Ich mache mir ein bisschen Licht an. Bei mir wird es noch etwas dauern, bis ich auch zur Ruhe komme. Solange möchte ich meine Umgebung sehen und nicht nur erahnen können. Als ich bei Pixabay nach schönen Fotos suche, fällt mir eine kleine lila Kuhschelle in die Hände. Purple Rain, denke ich. Wir sollten viel mehr im Regen tanzen.

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Geteilte See

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© Copyright by „Sofies viele Welten“


Wir stehen mitten im Meer.
Die Bojen an ihren langen Metallketten ruhen auf dem Grund. Unsere Füße stehen auf nass-trockenem Meeresboden. Die Nase tropft vor Kälte. Wir schlüpfen mit unserem Gesicht tiefer unter das Schaltuch. Immer wieder bücken wir uns, um mit klammen Fingern Meereschätze wie Muschelchen und Schnecken aus dem Watt zu pulen.
Das Meer selbst ist „temporary not available“.
Ebbe.
Bis zum Horizont verteilen sich nur kleinere und größere Salzwasser-Pfützchen.
Abgetrennt von der großen See.
Der Wind pfeift.
„Wir waren am Meer. Nur Meer war leider keins da“, notieren wir als Urlaubserinnerung.
Dann wird die See zum Sinnbild. Wir schauen auf den Wasserrand eines Meerwasserüberbleibsels. Die Wasseroberfläche wirft ihre kleine Wellenbrandung an den Strand auf Zeit.
Die See ist geteilt und doch ganz. Die Pfützen sind Pfütze und Meer gleichzeitig. Sie gehören zusammen. Bilden eine Einheit, wenn sie auch gerade so getrennt vor uns liegen. Die Pfützenstruktur, die dem Meer zugrunde liegt, bleibt von außen unsichtbar, sobald das Meer zurück ist. Der Schein trügt. Auch beim Meer sind die „inneren Werte“ unter der Oberfläche versteckt.
Die Flut ist mittlerweile auf dem Weg. Wir kehren unsere Küstenwanderung um in Richtung Festland, auch wenn wir so gerne etwas mehr Meer gesehen hätten. Es wäre zu gefährlich. Wir winken dem Horizont und packen unsere Seele ein, die in Gedanken weit über das Meer geflogen war. Stürmisch trägt uns der Wind zurück und plötzlich ist Wasser vor uns, obwohl hinter uns das Meer noch fehlt. Uns bleibt nichts anderes übrig, als es zu durchwaten. Die Zehen frieren, die Hose ist durchnässt, Sand spült in die Schuhe.
Zügig weiter.
Wir sind froh, als wir heil am Auto ankommen.
Salzwassergeruch begleitet uns auf der Fahrt ins Hotel.
Der Kreis schließt sich.
Das Wasser sucht sich seinen eigenen Weg.
Es fließt.
Manchmal unbemerkt.