Ein erschöpfter Sonntag

Die letzte Woche war hart. Zwei Tage hielt mich nur Beruhigungsmittel am Leben. Eigentlich nehmen wir so etwas gar nicht. Seit der Klinik haben wir es als Bedarfsmedikament im Schrank stehen. Zum ersten Mal war ich nun froh darum. Anders hätte ich das, was sich da derzeit in mir auftut nicht ausgehalten. Ich fühle mich, als wäre ich irgendwo zwischen Leben und Tod hinter einer dicken Nebelschicht und stehe völlig neben mir. Immer wieder schaue ich auf die Bilder in meinem Kopf und frage mich, wie pervers und abartig Menschen eigentlich sein können.


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Birnenkuchen und Sonntagslernereien

Es ist Sonntag. In der Vergangenheit hat sich dieser Wochentag, als fester Auszeittag etabliert. Im Zuge der Vermeidung von erneutem Ausgebrannt sein, haben wir festgestellt, dass wir mindestens einen kompletten Tag in der Woche brauchen, an dem wir überhaupt nichts müssen und nur tun, was sich für unsere Seele gut anfühlt. Heute ist das ausnahmsweise ein bisschen anders. Wir werden nächste Woche eine zusätzliche juristische Prüfung in Sozialrecht ablegen und haben entsprechend noch ein bissschen was zu tun. Das Themengebiet ist doch sehr komplex. Dennoch soll ein gewisser Wohlfühlfaktor nicht fehlen. Für die Pausenverpflegung muss also gesorgt sein…😉

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Naturgenießer Sonntag

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Das Gras ist noch feucht, als ich mich mit einer Tasse Kaffee darin niederlasse. Als Unterlage dient mir ein altes Handtuch. Die Katzen kuscheln sich freiwillig in meine Nähe. Von außen betrachtet sieht es aus, als hätten wir eine gemeinsame Morgenkonferenz im Grünen. Zu sagen haben wir uns wohl tatsächlich etwas. Es sind lautlose Dinge wie „Ich hab dich lieb“, „Wir sind ein gutes Team“, „Es ist schön zusammen hier zu sitzen“ und „Lange habe ich nicht Zeit. Ich muss zur Jagd.“

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Sonniger Sonntag

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Heute war ein sonniger Tag.
Schon morgens, als wir aufwachten, strahlte uns die Sonne aus dem Bett. Die Welt da draußen vor dem Fenster, sah so freundlich aus. Es war, als würde aus jeder ihrer Poren eine fröhliche Einladung leuchten, doch nach draußen zu kommen.
Bald wagten wir die ersten Schritte auf unseren Balkon. Dort erstarrten wir. Zur Eissäule. Die Wärme war geheuchelt. Bei den eisigen Minusgraden, war die Lust auf Zeit im Freien schnell vorbei. Als wir zurück ins Zimmer traten schmunzelten uns die Katzen blinzelnd zu, als wollten sie sagen: „Hätten wir dir gleich sagen können. Was denkst du, weshalb wir hier noch rumliegen.“ Ok, es stimmt. Das hätte mir tatsächlich zu denken geben sollen. Sowas passiert nur, wenn man nicht auf seine Stubentiger hört. Die Dame des Hauses bewegte sich tatsächlich nicht einen Millimeter von ihrem Schlafplatz weg und der Herr setzte nur einmal kurz eine Pfote vor die Tür und drehte sich dann fröstelnd um.

Wir blieben also im Zimmer, weil wir ohnehin nichts vorgehabt hätten und ein Spaziergang uns in Anbetracht der Tatsachen nicht sehr attraktiv erschien. Hinter der Fensterscheibe war die Sonne wärmer.
So begann ein eisiger Frühjahrstag, an dem wir lange vor uns hin dissoziierten und zwar genau so lange, bis uns die Dissoziation bewusst wurde und uns vor Anspannung die Tränen über die Wangen liefen. Wir klebten in einem Stück von Panik, weil die Abspaltung plötzlich so greifbar war. Natürlich ist das eigentlich nichts Neues, aber es machte uns nun verdammte Angst. Weshalb genau, verschwand im Wattenebel im Inneren. Die Sonne draußen war immer noch da, aber in uns wurde es finster. Die Welt wirkte verschlossen. Oder wir? Oder beide?
Wir begannen uns zurückzusuchen. Was sehen wir? Den Sessel, die Katzen, unsere Küche, die grüne Ablage… Ein klein wenig von uns fanden wir wieder, als wir gerade angestrengt die Einhörner auf der Bettwäsche zählten und dem Geräusch der Stille lauschten.
In vielen Punkten schienen wir uns heute Näher zu sein als sonst. Es triggerte viel mehr, wir spürten mehr und dennoch brachte genau das uns in eine unendliche Entfernung von unserem Sein. Wir waren uns nah im Abgespalten sein. Der Körper saß auf dem Bett. Unsere Seele jedoch flog durch verschiedene Stationen alter Zeiten.

„Merkst du auch, dass wir uns nicht spüren?“, sagte eine innere Stimme leise.
„Ja. Ich merke es. Woran liegt das?“, frage ich zurück.
„Hmm, vielleicht weil uns die Hände gebunden sind?“
„Unsere Hände sind frei“, erkläre ich. „Wir können sie heute frei bewegen.“
„Wir können sie nicht frei bewegen“, erwiderte das Innenkind. „Die Dissoziation hat uns den Körper geklaut.“

Ich bewege mich durch den Raum und lasse frische Luft zur Balkontür herein. In der Kälte werden meine Gedanken klarer, doch der Nebel auf den Sinnen bleibt. Keine Rückholmaßnahme fruchtet wirklich. Irgendwann begreife ich, dass es längst mehr ist, als reine Dissoziation.
Zwei Denkstraßen weiter schüttelt es mich und den ganzen Körper. Eine unsichtbare Macht zerrt mich einzuschlafen. In taubem Dasein sind wir bewegungslos gefesselt und nicht in der Lage zu fliehen. Wir kämpfen. Dann geben wir für einen kurzen Moment kraftlos dem bleiern schwer betäubenden Zustand nach, der auf uns liegt.
Als wir später zu uns kommen, sind wir immer noch benebelt, aber klar in dem, was gerade vor sich ging. Das gibt uns etwas Handlungsfähigkeit zurück.

Dann fließen die Tränen, diesmal, weil die Anspannung abfällt und wir langsam aus dem „Albtraum“ aufwachen. Die Bilder klären sich.

Sonntag, Sonne, Drogenflashback.