Bessel van der Kolk zu Trauma und Körper

„Trauma comes back as a Reaktion, not a Memory.“

„Es braucht enormes Vertrauen und Mut sich selbst das Erinnern zu erlauben.“

„Eines Tages erzählte er mir, dass er seine gesamte Zeit als Erwachsener mit dem Versuch verbracht hatte, seine Vergangenheit loszulassen und er merkte an, wie ironisch es war, dass er ihr erst näher kommen musste, um sie gehen lassen zu können.“

„Solange du Geheimnisse bewahrst und Informationen unterdrückst, führst du im wesentlichen Krieg mit dir selbst. […] Die kritische Angelegenheit besteht darin, dir selbst zu erlauben, das zu wissen, was du weist.“

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Eine kurzfristige Absage und Angst vor dem Essen

Erschöpft lehne ich mich gegen den großen alten Baum vor dem Haus. Langsam rutsche ich am Stamm nach unten und gehe in die Knie. Tränen schießen mir in die Augen. Ich kann nicht. Ich muss absagen. Eine Mischung aus Trauer und Scham erfüllen mich. Schon wieder – so kurzfristig. Gerne hätte ich mich heute mit alten Kolleginnen getroffen und bei einem Kaffee ganz entspannt über dies und das geplaudert. Doch Körper und Psyche waren nicht davon zu überzeugen. Seit dem Morgen bemühe ich mich darum die Panik zu reduzieren, mich gut zu versorgen und mich zu einem Schritt nach dem anderen zu überwinden. Nun gebe ich auf. Mitten in der Wiese vor dem Haus platzt in immer neuen Panikwellen die Hoffnung doch noch irgendwie an dem Treffen teilnehmen zu können. Alles was ich will, ist zurück in mein Schneckenhaus kriechen und die Erinnerungen verdauen. Meine Welt ist fragil.

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Tote trinken keinen Kaffee

Meine Beine sind hochgelagert. Mit dem Rücken bin ich stabil gegen die hohe Sofalehne gerückt. Ich starre regungslos in die Ferne. Weit weg höre ich eine vertraute Stimme. „Sofie, komm zurück! Ich bin da.“ Doch ich komme nicht zurück. Die Welt um mich, die ich ohnehin kaum wahrnehme, versinkt völlig im Schwarz. Als ich erneut zu mir komme, blicke ich in Augen voller Tränen. „Ich weiß es war schlimm. Ich bin da. Bleib bei mir.“ Schmerz schießt mir durch den Körper. Nichts von dem was geschieht verstehe ich auch nur ansatzweise. Weder weiß ich wo ich bin, noch weshalb. Nur die freundliche Stimme dringt immer wieder an mein Ohr und zieht mich ins Bewusstsein. Zitternd beben meine Zellen. Schauer überlaufen mich. „Magst du etwas trinken? Kaffee für den Kreislauf?“ In Fluten brennend heißer Schmerzen, die meinen gesamten Körper durchzucken, versuche ich zu sortieren, was überhaupt passiert ist. „Bist du echt?“, frage ich. „Ja, ich bin echt. Ich bin da.“ „Ich bin tot“, sage ich und weiß nicht, ob ich gestorben bin oder noch einen Körper habe. Denn irgendwie ist er weg, auch wenn er weh tut. Er ist nicht mehr meiner. Ich bin nicht mehr hier auf dieser Welt.

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Faulheit oder Depression

Ich sitze auf meinem Bett und starre aus dem Fenster. Auf meiner Lippe klebt ein frisches Blatt Melisse. Kleine herpesartige Bläschen schmerzen auf der Schleimhaut. Ich hoffe, dass das Pflanzenpflaster die Verursacher möglichst schnell umhaut. Der Stress der letzten Wochen war zu viel. Mein Immunsystem ist an vielen Stellen angeschlagen. Alles in uns ist erschöpft. Mir fehlt die Konzentration, um sinnvoll länger bei einem Thema zu bleiben. Entsprechend schweife ich in der Welt umher.

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Schockgedanken

Bist du da draußen oder bin ich hier drin? Was ist schon die Welt und was der Kosmos, wenn nichts mit einem zu tun zu haben scheint? Da sind Dinge um mich herum und Leben. Doch ich gehöre nicht dazu und stehe mit nichts in Beziehung. Ich fühle mich, als würde mich die Welt nur träumen oder träume ich die Welt und was davon ist real? Eine dicke große Blase schirmt mich ab von allem. Vor allem aber vor dem Schmerz in mir. Ihre Wände sind dick. Ohnmacht hat sie zementiert. Ein Rettungsschirm. Nichts hat noch Bedeutung seit dieser Situation im Mai. Ich habe mich erschrocken, gar nicht wirklich verstanden was geschehen ist und danach irgendwie funktioniert, organisiert und getan, was eben getan werden musste. Nebenbei gelacht mit Kollegen, weil man mich eben so kennt. In der drückenden Hitze des ersten Augustes halte ich inne und verstehe zum ersten Mal, dass der Schock über das Ereignis noch da ist. Hinter den Mauern. Tief in mir.

Die dunkle Weiblichkeit und Spiritualität

Trauma und Spiritualität sind für uns eng verknüpft. Wir würden fast behaupten, dass jeder tiefe Schock aus außersinnlichen Erfahrungen besteht. Was auf weltlich-wissenschaftlicher Ebene mit Dissoziation beschrieben ist findet für mich seine Entsprechung als Ablöseprozess unserer Seele vom irdischen Sein. Erleuchtungsprozesse werden immer wieder als innere Sterbeerfahrungen beschrieben. Nichts anderes sind Traumata. Wir sind gewiss alles andere als erleuchtet! Ehrlich gesagt gibt es auch kaum einen Zustand, den ich weniger erstrebenswert finde. Was will ich in spiritueller Leere und Gleichgültigkeit!? Das hatte ich lange genug und ich habe mir hart erkämpft wieder zu fühlen mit allem was mich ausmacht. Dennoch gehört für unseren Heilungsweg eine Art der spirituellen Auseinandersetzung dazu. In diesem Beitrag wird es nun vor allem um verletzte Weiblichkeit und Spiritualität gehen. Wir sprechen, wie auf diesem Blog immer, für uns. Andere Menschen mögen eventuell ganz anders empfinden.

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Allein beim Italiener

Ich sitze beim Italiener. Im Hintergrund dudelt die übliche Schnulzenmusik. Wir sind spontan hier gelandet. Mit uns alleine. Während wir auf unser Essen warten, denken wir vor uns hin. Leichte Panikschübe klopfen immer wieder an. Ersticken!? Nicht hier. Nicht jetzt. Die Angst hängt hoch in den letzten Tagen. Wo führt sie uns hin? Zwischen Wehrhaftigkeit und totaler Ohnmacht drehen wir unser Fanta zwischen den Fingern. Schwitzt die Limo oder sind unsere Hände so feucht?

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Das Trauma der Funktionalität

Wir sitzen in unserem Zimmer. Der Kaffee ist kalt. Auf der Thuje benetzen Wassertropfen die feinen Triebspitzen. Ich blicke durch sie hindurch wie durch Glaskugeln in denen man Weisheit zu finden versucht. Mein Atem stockt immer wieder. Der Körper meldet sich mit einem zarten inneren Vibrieren, das sich bald zu Zittern ausweitet. Alltag. Nichts dabei. Nur ein bisschen funktionieren. Doch es klappt nicht. Der Mandeldino im Kopf schreit Alarm. Ich kann mich nicht einfach übergehen. Heute nicht. Mein Körper schaltet auf Kampf. Der Druck steigt. Traumatisierte Funktionalität nimmt sich Raum.

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Dissoziative Gedanken und hopsende Tätigkeiten

Wir hängen im Sessel rum und schauen unwichtiges Zeugs auf YouTube. Der Unterhaltungswert ist mehr als ermüdend. Etwas besseres fällt uns entweder nicht ein oder ist uns zu aufwändig. Die Gewitterstimmung spannt noch immer die Luft. Ein Spaziergang kommt aktuell also eher nicht in Frage. Wir sind dankbar für jeden Regentropfen, der etwas von der Ladung wegwäscht. Wie schön wäre es, wenn er auch die innere mitnehmen könnte. Unser Kopf ist voll wie lange nicht. Der kathartische Tränendurchbruch bleibt jedoch aus. Stattdessen hüllt sich die Gedankenflut in überfordertes Schweigen.

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Dissoziative Identitätsstörung erklärt von Michaela Huber

Michaela Huber erklärt in diesem sehr sehenswerten Video die Dissoziative Identitätsstörung (ehem. Multiple Persönlichkeitsstörung).