Klinik – Die ersten Tage

Mittlerweile sind wir gut in der Klinik angekommen. Viel können wir noch gar nicht erzählen. Die Abläufe spielen sich erst langsam ein und die ersten therapeutischen Stunden laufen an. Trotzdem wollten wir ein kurzes Update hier lassen. 😊

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Klinikendspurt

So nun ist es bald so weit.
Ab Mitte Februar gehen wir zum ersten Mal in eine Klinik zur stationären Traumatherapie. Wir sind gespannt, wie das für uns sein wird. Vorab gibt es nun aber erst einmal noch jede Menge zu organisieren. Weiterlesen

Kühles Nass und harter Tobak

Ich sitze bei meiner Frauenärztin im Wartezimmmer. Die Luft ist schwül und stickig. Doch hier findet sich etwas Zeit, um die Gedanken wie Buchstabensuppe auf ein Stück Papier auszuschütten. Man weiß nie, ob die Lettern ausreichen alles in Worten auszudrücken. So manches verschwimmt wohl einfach ungesagt im Meer der Erfahrungsbilder aus den letzten Wochen. Bei den Temperaturen lässt sich der Kopf ohnehin am Besten unter Wasser frei bekommen. Stille lange Züge im Schwimmbad haben ihn die letzten Tage oftmals vorm Zerbersten bewahrt.

Da gibt es etwa die Klinikalternative zu Dresden, die mir tatsächlich anbietet mich aufzunehmen, wenn… ja wenn ich mich vorher einer magenverkleinernden Operation unterziehe und das ohne mich auch nur ein einziges Mal gesehen oder persönlich gesprochen zu haben. Nein, das ist kein Witz. Ihr habt richtig gelesen. Nun habe ich bestimmt nicht grundsätzlich etwas gegen Adipositaschirurgie. 160Kg auf knapp 1,80 m Körpergröße sind sicher deutlich zu viel. Mir geht’s hier nur um die Art und Weise wie dieses Angebot zu Stande kam. Die Ärzte dort haben mich nie gesehen, geschweige denn gesprochen. Bislang war ich noch NIE in einer psychiatrischen Klinik, und schon gar nicht auf Reha. Bis vor wenigen Wochen, war die Essstörung NIEMALS offenes Thema in einer Therapie und anstatt mir erst einmal Hilfe anzubieten, gesundes Essverhalten zu erlernen, kommt man nun auf die grandiose Idee das Problem einfach wegzuschneiden. Menschlichkeit ade! Armes Deutschland! Es wird immer besser… Ehrlich gesagt hätten wir an dieser Stelle erwartet, dass man sich als Arzt oder Therapeut die Mühe macht, den Menschen hinter den Kilos erst einmal zu sehen. Wenn man so nicht weiter kommt, kann man gemeinsam immer noch über Alternativen nachdenken.

Dann also doch lieber abtauchen und die Sonne genießen. Fast täglich findet man uns derzeit im Schwimmbad. Damit schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe. Das Sporteln tut unserem Körper gut und die Seele ist hinterher auch viel entspannter. Und manchmal sitzen wir dann am Beckenrand, lesen ein Buch und freuen uns, dass wir eine beste Freundin haben, die empathisch an unserer Seite beleibt, während die Fachwelt durch Unmenschlichkeit und emotionale Legasthenie glänzt.

Gewichtige Probleme

Vor ein paar Wochen war endlich der Rehaantrag bei der Krankenkasse durch. Dresden sollte es werden. Schon vorher haben wir mehrmals mit einer Therapeutin dort Kontakt aufgenommen und uns soweit ganz gut beraten gefühlt. Nun kam es zu einem Vorgespräch mit der zuständigen Ärztin und kurz darauf mit dem Aufnahmebogen für uns auch zum vorläufigen Klinikaus. Denn unser BMI ist zu HOCH. Man nimmt uns so nicht auf. Wenn wir mit allem gerechnet hätten, aber nicht damit. Allerdings hat man uns unverschämt freundlich angeboten, dass wir ja bis zum Zeitpunkt der Aufnahme noch etwas Zeit hätten, um uns das erforderliche Gewicht anzudiäten. Sonst könne keine Traumatherapie stattfinden. Das ist bei einer Esstörung ein guter Witz. Als ob der Traumahintergrund mal eben gestrichen werden kann, bis man ein bestimmtes Gewicht erreicht. Abgesehen davon, wären wir wohl ohne die langen Hungerkuren, die wir hinter uns haben, kaum in der misslichen Lage mit den Essstörungen. Nicht selten sind wir in der Vergangenheit über eine Diät sogar direkt vom Binge Eating in die Anorexie geschlittert. Das ständigen Überessen wich dem nicht mehr essen. Darin waren wir dann ebenso ausdauernd, machten exzessiven Sport und hatten in relativ kurzer Zeitspanne Gewichtsschwankungen von bis zu 70 Kilo rauf und runter in zwei Jahren. Das kann und will ich so nicht mehr. Für uns steht fest, dass es nicht im Sinne des Erfinders sein kann, wenn eine Klinik da Druck aufbaut. Wir werden das Gespräch mit verschiedenen Verantwortlichen suchen müssen.

Wir waren so froh, dass wir die letzten Wochen erstmals wieder ein normales Essverhalten entwickelten. Es kam viel Obst und Gemüse auf den Teller und kochen machte zum ersten Mal seit langem richtig Spaß. Seit dieser Aussage der Klinik ist nichts mehr, wie es war. Drei Tage wurde nichts gegessen, dann kam die Heißhungerattacke und danach das große Kotzen. Das macht uns grade einfach nur unendlich traurig.

Leere als Inhalt

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Wenn du während der Erinnerungsarbeit denkst, dass du gar nichts mehr wahrnehmen kannst und einfach nicht mehr weiterkommst, bleib stehen und spüre nach, ob es nicht die Leere und das Nichts selbst ist, dass es dann als Puzzlestück deiner Erfahrungen zu entdecken gilt.

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