Vogelgezwitscher und Peter A. Levine

Ganz oben in der Krone unseres Walnussbaumes sitzt eine Elster und wendet immer wieder ein kleines Stöckchen in ihrem Schnabel. Nestbauzeit. Wir beobachten fasziniert das bunte Treiben der Vögel in unserem Garten. Vor nicht allzu langer Zeit ist mir aufgefallen, dass sie die Äste nicht etwa vom Boden aufsammeln, sondern in biegsamen Zustand vom Baum brechen, bzw. hacken. Schlaue Flattertiere. Auch bei der Ausstattung wird Wert auf Komfort gelegt. Eine Freundin hält auf einer Weide Schafe. Die abgewetzte oder verlorene Wolle holen sich die die Vögel mit Vorliebe als Polsterbetten für ihr neues Schlafgemach. Seit wir das wissen, stellen wir uns die Nester noch kuschliger vor. So gerne würden wir noch ganz lange draußen sitzen und vor uns hin träumen. So lange wollte allerdings die Realität nicht damit warten uns einzuholen. Im Kopf kreisen Erinnerungen. Eine Alltagsperson ist kurz vor dem Nervenzusammenbruch. Die alte Folter bestimmt den weiteren Tagesverlauf. Weil unser Körper tut, was ihm unser Traumadino im Gehirn voller Verzweiflung zuruft, schlagen wir „Sprache ohne Worte“ von Peter A. Levine auf und hoffen eine Übung darin zu finden, die uns blitzartig Genesen lässt.

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Traumaverarbeitung – Was habe ich wirklich begriffen?

Samstag. Endlich Wochenende. Die frühlingshafte Wintersonne blendet zum Fenster herein. In ihrem Schein wärmen sich meine Zehenspitzen. Den gesamten Januar habe ich irgendwo zwischen Krankenhäusern, Spezialstationen und Facharztpraxen verbracht. Frust macht sich breit, wenn ich daran denke. Mein Leben verlangt nach Behandlungsoptionen. Die Ärzte lassen mit ihren Ergebnissen auf sich warten. Derweil wütet in meinem Körper die autoimmune Zerstörung. Ehe es am Montag zum nächsten Mediziner geht, der meinen Zustand unter die Lupe nimmt, brauch ich vor allem eins: Pause. Während ich es mir gemütlich im Bett und auf dem Sofa einrichte, beginnt auch der Kopf die Zeit zu nutzen und das dauergetriggerte Erinnerungspuzzelwirrwar zu sortieren. Die Sonne eröffnet auf meinem Rücken eine Krafttankstelle. Ich frage mich: „Was habe ich in all der Zeit von den vergangenen Schrecken eigentlich wirklich begriffen?“ Weiterlesen

Samhain-Trommeln

Dumpf dröhnen die Trommelschläge in meinem Kopf nach. Vom entspannenden Rhythmus ist eine tranceartige Schwere geblieben. Draußen am grauen Himmel ziehen die Wolken vorbei bis sich die Sonnenstrahlen durchs dichte Grau quetschen. Mein blauer Filzschlegel klopft zart gegen das gespannte Leder. „Mystisch ist die Zeit und die Schleier dünn“, denke ich bei mir. Längst habe ich einen eigenen Glauben mit eigenen Ritualen. Ich freue mich darauf, mir in den nächsten Tagen bewusst Zeit zu nehmen liebe Seelen aus einer ganz anderen Welt zu treffen. In meinem Herz zu sein.

Und was ist mit damals? Was ist mit dem Leid? Ist alles einfach vorbei und wieder gut?
Nein, das ist es nicht. Unsere Seele trauert. Unsere Seele weiß wie sehr die Zeit besetzt ist. In unseren Gliedern steckt Schreck und Müdigkeit. Aber sie hat Platz in unserem Tun. Sie darf weinen, wenn wir trommeln und schweigen und lachen und schreien, weil es das Herz zerreißt. Bei all dem Schmerz erleben wir Momente des Glücks, weil wir heute einfach sein dürfen.

Langsam und sanft beginnen wir wieder zu trommeln. Lassen aus den dumpfen Tönen der Rituale von einst den Herzschlag von Mutter Erde werden und fühlen uns von ihr gehalten, wenn wir die Verletzungen betrauern.
Bom…
Bom…… Bom.