Der Freier

Du sagst du bist Freier
und damit hast du recht,
denn du darfst hier wählen
und ich sitz‘ hier fest.

Du nennst mich Nutte
und stempelst mich ab
und vergisst dabei ganz,
was mir den Namen gab.

Du frägst nicht nach dem Alter,
oder wie es mir geht,
weil all dein Interesse allein
an Körperöffnungen besteht.

Manchmal denkst du, du wärst anders,
denn du kommst nur zum Reden
und vergisst dabei eins:
Man kann auch sprechend Grenzen übertreten.

Egal was du tust,
immer bin ich dein Objekt,
dass für etwas Geld im Beutel
menschliche Schwächen überdeckt.

Ich bin dein Ausweg, deine Machttankstelle,
auf der Flucht vor dir selbst
und ich zahle mit Schmerzen,
wenn du mich bestellst.

Doch ich tue es ja gern
und natürlich mit freiem Willen,
anders könnte ich die Panik,
die du mir machst, gar nicht stillen.

Wenn mich nicht täglich Dissoziation
vor mir selbst bescheißen würde,
wären Männer wie du
eine riesige Hürde.

Niemals dürftest du mir nah sein
oder von deinen Gedanken erzählen,
denn dann hätte ich ja Selbstwert
und der liese mich wählen.

Doch es reicht dir,
wenn ich zerbrochen lachend
deinen Bedürfnissen genüge.
Für jedes andere Verhalten
kassier‘ ich ohnehin eine Rüge.

Ich bin dein Roboter,
von meinen Tätern, dazu gemacht
und ich gab mein Leben
für deine kurze Nacht.

Wie komm ich nur auf sowas!?
Es geht doch bloß um Lust und Spaß
und weil nicht sein kann, was nicht sein darf:
„War da was!?“

© Sofies viele Welten